Projekt

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Sprachpolitik und Sprachgebrauch in der mehrsprachigen Schweiz: Personenbezeichnungen in der Behördensprache

Titel Englisch Language policy and language use in multilingual Switzerland: personal nouns in administrative language
Gesuchsteller/in Adamzik Kirsten
Nummer 143585
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Dépt de langue & littérature allemandes Faculté des lettres Université de Genève
Hochschule Université de Genève - GE
Hauptdisziplin Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Beginn/Ende 01.03.2013 - 30.06.2017
Bewilligter Betrag 508'225.00
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Alle Disziplinen (2)

Disziplin
Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Schwerpunkt Romanistik

Keywords (9)

Mehrsprachigkeit, Sprachpolitik, Sprachplanung, Gleichstellung, Korpuslinguistik, Textlinguistik, Verwaltungssprache, Personenbezeichnungen, Gender

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Das Projekt untersucht, wie die sprachpolitische Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung von Mann und Frau im amtlichen Sprachgebrauch in den verschiedenen Landessprachen konkret umgesetzt wird. Dazu wird ein Korpus verschiedener Textsorten (mit unterschiedlich strengen rechtlichen Vorgaben für die Umsetzung des Prinzips der Gleichbehandlung) aus drei Zeitschnitten erstellt, das mit korpuslinguistischen Methoden quantitativ und aus textlinguistischer Sicht qualitativ ausgewertet wird.
Lay summary

Nach der Annahme des Verfassungsartikels über die Gleichstellung (1981) wurde in der Schweizer Bundesverwaltung die Frage der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern auf politischer Ebene wiederholt diskutiert. Nachdem bereits 1991 Vorschläge für die Umsetzung von sprachlicher Gleichbehandlung in den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch gemacht wurden, wurden diese 1993 nur für das Deutsche als verbindlich erklärt. Seit 2010 ist im Sprachengesetz sprachliche Gleichstellung in allen Amtssprachen als verbindliche Vorgabe vorgesehen; die Praxis der Behörden ist jedoch bisher noch nicht systematisch untersucht worden.

Wie sich die amtlichen Texte in den verschiedenen Sprachen entwickelt haben, untersucht das Projekt im diachronen und verschiedensprachlichen Vergleich ausgewählter amtlicher Textsorten an drei Zeitschnitten, d. h. von Beginn der politischen Diskussion in der Schweiz bis heute. Untersucht werden Texte auf Bundes- und Kantonsebene (zwei grössere deutsch- bzw. französischsprachige und alle mehrsprachigen Kantone). Das Projekt kombiniert drei Fragestellungen: Welches sind die institutionellen Vorgaben und wie haben sich diese im Untersuchungszeitraum entwickelt? Wie werden die Vorgaben von den an der Textproduktion und -übersetzung beteiligten Personen umgesetzt und welche Einstellungen sind dabei handlungsleitend? Welche Veränderungen zeigen sich synchron und diachron in unterschiedlichen Textsorten der verschiedenen Amtssprachen?

In Bezug auf die Diskussion um die sprachliche Gleichbehandlung von Mann und Frau wird konkret überprüft, welche Auswirkungen in diesem Bereich feststellbar sind, welche Differenzen es dabei zwischen den vier Landessprachen gibt und wie sich sprachplanerisches Handeln im mehrsprachigen Kontext auswirkt.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.12.2012

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Felder der Zusammenarbeit
Institut für deutsche Sprache, Mannheim Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Tony McEnery, University of Lancaster Grossbritannien und Nordirland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Helen Christen, Universität Freiburg Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Schweizerische Bundeskanzlei Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Jacques Savoy, Université de Neuchâtel Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Variationslinguistik trifft Textlinguistik Vortrag im Rahmen einer Tagung Verwaltungssprache unter der Lupe der Textlinguistik: Text(sorten)netze in der öffentlichen Verwaltung am Beispiel des Einbürgerungsverfahrens der Schweiz 19.03.2017 Ascona, Schweiz Alghisi Alessandra
Fachsprache Französisch - facettenreich, faszinierend, funktional Vortrag im Rahmen einer Tagung Cyberadministration vs. E-Government. Zur Sprache der Schweizer Bundesverwaltung 07.03.2017 Saarbrücken, Deutschland Adamzik Kirsten
ILCF, conférence Einzelvortrag La Feuille fédérale suisse :
 un corpus de 166 ans 
de langue administrative 
pour l’étude des langues nationales 17.11.2016 Neuchâtel, Schweiz Elmiger Daniel
JADT 2016 : 13ème Journées internationales d’Analyse statistique des Données Textuelles Vortrag im Rahmen einer Tagung Mais où sont donc les femmes ? À la recherche de formes doubles dans un corpus de textes administratifs suisses 07.06.2016 Nice, Frankreich Schaeffer-Lacroix Eva
Differenzierungsprozesse: der Sprachgebrauch und seine soziale Interpretation Vortrag im Rahmen einer Tagung Vielfalt in der Einheit: Schweizerische Verwaltungssprache. 20.01.2016 Genf , Schweiz Tunger Verena; Alghisi Alessandra; Werlen Iwar; Schaeffer-Lacroix Eva
Arbitraire et motivation du genre grammatical Vortrag im Rahmen einer Tagung Le genre des noms inanimés utilisés comme noms communs de personnes 15.05.2015 Lyon, Frankreich Elmiger Daniel
Texte im Spannungsfeld von medialen Spielräumen und Normorientierung. Interkulturelle Perspektiven der internationalen Germanistik Vortrag im Rahmen einer Tagung Textlinguistische Aspekte der Verwaltungskommunikation gegenüber Bürgerinnen und Bürgern. Das Konzept der Textsortennetze 23.10.2014 Pisa, Italien Alghisi Alessandra
mehr Wortverbindungen. Kollokationen: Sprachgebrauch & Wörterbücher Vortrag im Rahmen einer Tagung ‚Personen’ in Behördentexten: Komposita und Mehrwortverbindungen im Deutschen und Französischen 13.10.2014 Basel, Schweiz Elmiger Daniel
Sprachnormen im Kontext Vortrag im Rahmen einer Tagung Normen für den behördlichen Sprachgebrauch 12.02.2014 Lugano, Schweiz Werlen Iwar; Alghisi Alessandra; Adamzik Kirsten; Tunger Verena; Elmiger Daniel
Genres, Langues et Pouvoirs Vortrag im Rahmen einer Tagung Cachez ces doublons que je ne saurais voir: évolution diachronique des doubles formes féminine et masculine en français dans le langage administratif suisse 17.10.2013 St. Étienne, Frankreich Elmiger Daniel


Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Ringvorlesung am IZFG: Sprache – Macht – Geschlecht Vortrag 11.05.2015 Bern, Schweiz


Abstract

1 Zusammenfassung des Forschungsplans Das vorliegende Forschungsgesuch betrifft die Frage, wie sich Sprachpolitik in einem föderalistischen, mehrsprachigen Bundesstaat konkret auf den amtlichen Sprachgebrauch auswirkt. Dies soll am Beispiel der sprachlichen Gleichbehand-lung von Mann und Frau untersucht werden, da hierfür rechtliche Vorgaben existieren und sich die entsprechende For-mulierungsaufgabe sehr häufig stellt, die verschiedenen Sprachen sich aber strukturell stark unterscheiden. Nach der Annahme des Verfassungsartikels über die Gleichstellung (1981) wurde in der Schweizer Bundesverwaltung die Frage der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen und Männern auf politischer Ebene diskutiert und im Bericht über das Rechtsetzungsprogramm „Gleiche Rechte für Mann und Frau“ zum ersten Mal auf Bundesebene thematisiert. Eine interdepartementale Arbeitsgruppe legte 1991 auf Bundesebene einen Bericht vor, der für die Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch weitgehend identische Vorschläge für einen geschlechtsneutralen Sprachgebrauch gemacht hat. Diese wurden jedoch nur für das Deutsche als verbindlich erklärt (1993) und für das Französische und Italienische vielfach als nicht umsetzbar angesehen. Seit 2010 ist im Sprachengesetz sprachliche Gleichstellung in allen Amtssprachen als verbindliche Vorgabe vorgesehen; bisher ist die Praxis der Behörden noch nicht untersucht worden. Wie sich die amtlichen Texte unter diesen Randbedingungen entwickelt haben, untersucht das Projekt im diachronen und verschiedensprachlichen Vergleich ausgewählter amtlicher Textsorten an drei Zeitschnitten, d. h. von Beginn der politischen Diskussion in der Schweiz bis heute. Untersucht werden Texte auf Bundes- und Kantonsebene (zwei grös-sere deutsch- bzw. französischsprachige und alle mehrsprachigen Kantone). Das Projekt kombiniert drei Fragestellun-gen: Welches sind die institutionellen Vorgaben und wie haben sich diese im Untersuchungszeitraum auf den verschie-denen Kompetenzebenen (Bund, Kantone, Gemeinden) entwickelt? Wie werden die Vorgaben von den an der Text-produktion und -übersetzung beteiligten Personen umgesetzt und welche individuellen und gruppenspezifischen Einstel-lungen sind dabei handlungsleitend? Welche Veränderungen zeigen sich synchron und diachron in unterschiedlichen Textsorten der verschiedenen Amtssprachen? Methodologisch vereint das Projekt verschiedene Ansätze: Die institutionellen Vorgaben werden per Dokumentenstu-dium inhaltlich ausgewertet; deren Akzeptanz und Umsetzung wird mittels Interviews mit den an der Textproduktion und -übersetzung Verantwortlichen erhoben. Die Untersuchung der Verwendung von Personenbezeichnungen in amtli-chen Texten – für die ein mehrsprachiges und diachrones Korpus erstellt wird – erfolgt einerseits textlinguistisch (quali-tativ) und korpuslinguistisch (quantitativ).