Project

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Liedflugschriften in der Alten Eidgenossenschaft, 1500-1800: Ein musikalisches Massenkommunikationsmittel

English title Song leaflets in the Old Swiss Confederacy, 1500-1800: a musical mass medium
Applicant Zoppelli Luca
Number 143566
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Dépt d'Histoire de l'art & de Musicologie Faculté des Lettres Université de Fribourg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Musicology
Start/End 01.11.2012 - 31.10.2014
Approved amount 129'677.00
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Keywords (7)

Song leaflet; song; Swiss music history; Confessionalization; Music and lower classes; Anabaptist; State Building Process

Lay Summary (German)

Lead
Die Vervielfältigung durch den Typendruck ermöglichte es, ab dem 15. Jahrhundert relativ preisgünstig eine große Menschenmenge zu erreichen. Flugschriften waren seither ein beliebtes Propagandainstrument. Bei einem großen Teil dieser Flugschriften handelt es sich um Lieder, da im Flugschriftentitel auf eine Melodie verwiesen wird, zu der die abgedruckten Verse gesungen werden konnten. Die Melodie selbst wurde bei Liedflugschriften eher selten publiziert; oft aber lässt sie sich rekonstruieren.
Lay summary

Mit der Erfindung des Typendruckes hat die Verbreitung von weltlichen undgeistlichen Liedern nicht mehr ausschließlich mündlich stattgefunden. Aufgrundder zahlreich erhaltenen gedruckten Liedflugschriften sind wir heute in derLage, diese ausgesprochen vielfältige, vormals orale Liedkultur festzuhaltenund zu bestimmen. Über Liedflugschriften konnte das Medium Lied zu einemgeringen Preis und in hoher Stückzahl verbreitet werden (z.T. in bis zu 4‘000Exemplaren pro Liedflugschrift). Hausierer und Krämer, welche die Aussicht aufeine hohe Gewinnmarge lockte, sorgten für den Vertrieb. Als Abnehmer dieserHandelsware sind u.a. Unterschichten belegt. Falls auf der Liedflugschrift ausnahmsweiseauch der Notentext abgedruckt wurde, so konnte es sich bis zu einervierstimmigen Aussetzung des Liedes handeln. Der Quellentypus der eidgenössischenLiedflugschriften soll ausgewertet und dieses erste musikalische Massenmedium imGebiet der Eidgenossenschaft als Phänomen untersucht werden.

Es zeigt sich, dass die Ersteller von Liedflugschriften nicht lediglichüber den poetischen Text, sondern auch über die Musik kommuniziert haben. Ineinem kulturgeschichtlichen Sinne soll summarisch der Frage nachgegangenwerden, wie in der Frühen Neuzeit auf der Ebene von Liedern Identitäten – seienes regionale, nationale, ökonomische, religiöse oder konfessionelle –geschaffen wurden und diese Melodien selbst zu Trägern von Botschaften werdenkonnten.

Direct link to Lay Summary Last update: 31.10.2012

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Das ‚Geistlich Meyenlied’: Die Longue durée eines Liedes jenseits musikalischer Gattungen und konfessioneller Grenzen
Riedo Christoph (2014), Das ‚Geistlich Meyenlied’: Die Longue durée eines Liedes jenseits musikalischer Gattungen und konfessioneller Grenzen, in Schweizer Jahrbuch für Musikwissenschaft, 32, 2012, 11-38.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
e-rara Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Annual Medieval-Renaissance Music Conference (Birmingham) Talk given at a conference Song Battles and Battle Songs 03.12.2014 Birmingham, Great Britain and Northern Ireland Riedo Christoph;
Descriptio Helvetiae: eine historisch-musikalische Geographie der Schweiz Talk given at a conference „Wenn die Obrigkeit das musikalische Leben prägt: Die Musik im Stande Bern (Schule, Stadttrompeter und Collegia Musica).“ 21.02.2014 Institut für Musikwissenschaft der Universität Zürich, Switzerland Riedo Christoph;
3. Schweizerische Geschichtstage, Tagungsthema: global – lokal Talk given at a conference Liedflugschriften in der Alten Eidgenossenschaft: Ein musikalisches Massenkommunikationsmittel 03.12.2013 Freiburg, Switzerland Riedo Christoph;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
131767 Printed Sacred Music in Europe, 1500-1800: Switzerland and the Alpine Region as Crossroads of Production, Circulation and Reception of Catholic Musical Repertoire 01.10.2010 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Über die Vervielfältigung durch den Typendruck konnte ab dem 15. Jahrhundert relativ preisgünstig eine grosse Menschenmenge erreicht werden. Flugschriften waren seither ein beliebtes Propagandainstrument, weshalb sie den Historikern seit längerer Zeit ein einträgliches Untersuchungsobjekt darstellen. Liedflugschriften hingegen wurden, insgesamt und auch auf die Schweiz bezogen, bisher noch kaum untersucht. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich bei einem beträchtlichen Teil der Flugschriften um eigentliche Lieder handelt. Zu einem gedruckten poetischen Text gesellte sich nämlich auch eine Melodie. Untersucht werden sollen also gedruckte Liedflugschriften im Zusammenhang mit der Alten Eidgenossenschaft aus dem Zeitraum zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Aufgrund der zahlreichen gedruckten Liedflugschriften sind wir heute aber in der Lage eine vormals mündliche Liedkultur festzuhalten und zu bestimmen. Beim Durchsehen von Sammlungen an Liedflugschriften fällt schliesslich sogleich die ausserordentliche Anzahl an damals offenbar verschiedenen bekannten Melodien auf. Es handelte sich also um eine ausgesprochen bunte und vielfältige Liedkultur, die wir aufgrund der vielen Liedflugschriften in Ansätzen rekonstruieren können. Es gilt somit diesen Quellentypus im Dienste der Musikwissenschaft zu nutzen.Über Liedflugschriften konnte das Medium Lied zu einem geringen Preis und in hoher Stückzahl verbreitet werden (z.T. in bis zu 4‘000 Exemplaren pro Liedflugschrift). Liedflugschriften tragen das Charakteristikum, dass im Titel des Druckes praktisch immer auf eine Melodie verwiesen wird, über die der nachstehend abgedruckte poetische Text gesungen werden konnte. Die Melodie selbst hingegen wurde bei Liedflugschriften eher selten abgedruckt. Weil der Notendruck aufwendig und somit teuer war, enthalten die Liedflugschriften nur in Ausnahmefällen auch einen Notentext. Ziel des Forschungsprojektes soll es also auch sein solche mit Notentext abgedruckte Lieder zu sammeln, zu spartieren und zu publizieren; in anderen Fällen wird es aufgrund Quellenvergleiche auch möglich sein die Melodien zu rekonstruieren.Umgehend nach der ersten Schlacht von Villmergen im Jahre 1656 wurde „Ein schön Newes Lied Von der Schlacht Vylmergen“ publiziert, von dem wir erfahren: „Kann auff drey Stimmen gesungen werden“. Dieses ‚schön New Lied‘ sollte auf der offenbar weltlichen Melodie „Ein wunderding als ich vernimm“ gesungen werden. Bestimmt wurde diese Melodie nicht zufällig gewählt, da das präexistierende Lied mit seiner bekannten Melodie dem Singenden und dem Zuhörer gerade über die Wahl genau dieser Melodie die Botschaft der Verwunderung über den Ausgang der Schlacht zum Ausdruck gibt. Der Ersteller der Liedflugschrift hat also nicht lediglich über den poetischen Text kommuniziert, sondern gerade auch auf der musikalischen Ebene.Das Projekt möchte daher der Frage nachgehen, für welche verschiedene Botschaften ein und dieselbe Melodie ‚missbraucht‘ werden konnten, wenn mitunter die Melodie selbst doch in gewisser Weise eine (politische) Botschaft enthalten konnte. Zudem soll festgehalten werden, welches die identitätsstiftenden Lieder der Protestanten und welches diejenigen der Katholiken waren. Fernerhin soll untersucht werden, ob es bisweilen auch konfessionsneutrale oder interkonfessionelle Lieder gab, etwa identitätsstiftende Lieder, die eine Rolle beim Staatsbildungsprozess gespielt haben. Summarisch soll also die Frage beantwortet werden, wie insgesamt in der Frühen Neuzeit auf der Ebene von Liedern Identitäten - seien es regionale, ‚nationale‘, ökonomische oder konfessionelle - geschaffen wurden.
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