Projekt

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Ein Auslaufmodell: Medizinische Praxis und Lebenswelt eines Laienheilers in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Gesuchsteller/in Ritzmann Iris
Nummer 140501
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Medizinhistorisches Institut Universität Zürich
Hochschule Universität Zürich - ZH
Hauptdisziplin Schweizer Geschichte
Beginn/Ende 01.04.2012 - 31.10.2013
Bewilligter Betrag 73'956.00
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Keywords (13)

non academic healer; medical professionalisation; patient history; medical market; history of medicine; social history; Gender; rural area; lay medicine; economic history; 19th century; medical practis; local history

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary

Das seit November 2009 vom SNF geförderte medizinhistorische Projekt untersucht die ärztliche Praxis des Laienheilers Gottfried Wachter (1776–1861) in Hugelshofen (Thurgau) als Beispiel einer nicht akademischen Heilerpraxis im Kontext der zunehmenden Akademisierung der Medizin. Das Projekt will die Laienpraxis in der ländlichen Lebenswelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die wirtschaftliche, rechtliche und soziale Situation kontexualisieren und die Spezifika der Laienpraxis auf ihre Klientel, ihre Angebote und ihre regionale Bedeutung hin genauer analysieren.

Obgleich die Anzahl von Heilerinnen und Heilern ohne akademische Ausbildung quantitativ bis ins 19. Jahrhundert die Zahl akademischer Ärzte überwog und das Gros des medizinischen Angebots ausmachte, finden entsprechende Untersuchungen in der Forschung noch eine vergleichsweise geringe Beachtung. Dies ist nicht zuletzt einem starken Ungleichgewicht der Überlieferung geschuldet, das insbesondere bei Heilern ohne eine offiziell anerkannte Berufsausbildung zu einer überaus problematischen Ausgangsbasis führte. Die dem Projekt zugrundeliegende Quelle stellt eine absolute Rarität dar, weshalb ihr – trotz grosser Lückenhaftigkeit – eine gewichtige Bedeutung als Vergleichsmöglichkeit zur akademischen Arztpraxis zugemessen wird. Es handelt sich um 14 Praxisjournale des thurgauischen Laienheilers Wachter, die sich als unzusammenhängende Einzelhefte über vier Jahrzehnte erstrecken.

Die Erforschung der Geschichte der ärztlichen Praxis vom 17. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert ist Ziel der deutsch-schweizerisch-österreichischen Arbeitsgruppe „Ärztliche Praxis (17.–19. Jahrhundert)“, an der das Forschungsprojekt beteiligt ist (www.medizingeschichte.uni-wuerzburg.de/aerztliche_praxis/index.html).

 

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Daily business: the organization and finances of doctors’ practices
(2016), Daily business: the organization and finances of doctors’ practices, in Clio Medica , 96, 71-98.
Doctors and their patients in the seventeenth to the nineteenth centuries
(2016), Doctors and their patients in the seventeenth to the nineteenth centuries, in Clio Medica, 96, 39-70.
Unlicensed practice: a lay healer in rural Switzerland
(2016), Unlicensed practice: a lay healer in rural Switzerland, in Clio Medica, 96, 230-252.
Die Praxisaufzeichnungen des Gottfried Wachter (1776-1861)
(2013), Die Praxisaufzeichnungen des Gottfried Wachter (1776-1861), 28-31.
Der Gesundheitsmarkt in Krankenjournalen des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine Einleitung
(2012), Der Gesundheitsmarkt in Krankenjournalen des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine Einleitung, in Gesnerus - Swiss Journal of the History of Medicine and Sciences, 69(0016-9161), 5-11.
Ein Auslaufmodell? Eine Laienheilerpraxis in der Akademisierung.
(2012), Ein Auslaufmodell? Eine Laienheilerpraxis in der Akademisierung., in Gesnerus - Swiss Journal of the History of Medcicine and Sciences, 69(1), 76-94.
Penning Patient's Histories - Doctors' Records and the Medical Market in the 18th and 19th Century
Penning Patient's Histories - Doctors' Records and the Medical Market in the 18th and 19th Century, (2012), Penning Patient's Histories - Doctors' Records and the Medical Market in the 18th and 19th Century.
An den Rand gedrängt? Die Praxis des Thurgauer Laienheilers Gottfried Wachter (1776–1861)
, An den Rand gedrängt? Die Praxis des Thurgauer Laienheilers Gottfried Wachter (1776–1861), in Virus. Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Formen der Zusammenarbeit
Institut für Medizingeschichte der Universität Bern Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch-Stiftung in Stuttgart Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik der Medizin der Charité Berlin Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Berliner Medizinhistorisches Museum Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck Oesterreich (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Mittelbaukolloquium des Historischen Seminars der Universität Zürich Einzelvortrag Alltag und Routine in einer ländlichen Heilerpraxis. Das Beispiel des Thurgauer Praktikers Gottfried Wachter (1776-1861) 19.11.2013 Zürich, Schweiz Unterkircher Alois;
Alternative und komplementäre Heilmethoden in der Neuzeit Vortrag im Rahmen einer Tagung An den Rand gedrängt? Die Praxis des Thurgauer Laienheilers Gottfried Wachter (1776-1861) 09.05.2013 Salzburg, Oesterreich Unterkircher Alois;
Abschlusstagung der Forschungsgruppe „Ärztliche Praxis 17.-19. Jahrhundert“ Vortrag im Rahmen einer Tagung Praktizierte Medizin ohne anerkannte Ausbildung. Einblicke in eine ländliche Laienheilerpraxis 18.10.2012 Stuttgart, Deutschland Ritzmann Iris;
Abschlusstagung der Forschungsgruppe „Ärztliche Praxis 17.-19. Jahrhundert“ Vortrag im Rahmen einer Tagung Patientinnen und Patienten in ärztlichen Praxen des 17. bis 19. Jahrhunderts. 18.10.2012 Stuttgart, Deutschland Ritzmann Iris;
Abschlusstagung der Forschungsgruppe „Ärztliche Praxis 17.-19. Jahrhundert“ Vortrag im Rahmen einer Tagung Das tägliche Geschäft: Organisation und Finanzen der Arztpraxis 18.10.2012 Stuttgart, Deutschland Unterkircher Alois;


Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Praxiswelten - Zur Geschichte der Begegnung zwischen Arzt und Patient Performances, Ausstellungen (z.B. für Bildungsinstitute) 24.10.2013 Berlin, weitere Orte geplant, Schweiz


Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Praxiswelten - Zur Geschichte der Begegnung zwischen Arzt und Patient International 2013

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
124775 Ländliche Heilerpraxis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 01.11.2009 Projektförderung (Abt. I-III)
120680 Die Praxis des Bieler Arztes Caesar Adolph Bloesch (1804-1863) 01.06.2008 Projektförderung (Abt. I-III)

Abstract

Das seit November 2009 vom SNF geförderte medizinhistorische Projekt untersucht die ärztliche Praxis des Laienheilers Gottfried Wachter (1776 - 1861) in Hugelshofen (Thurgau) als Beispiel einer nicht akademischen Heilerpraxis im Kontext der zunehmenden Akademisierung der Medizin. Die Forschung gründet auf einem sehr seltenen Quellenkorpus: den Praxisjournalen des thurgauischen Laienheilers Wachter, die sich über vier Jahrzehnte erstrecken.Die Erforschung der Geschichte der ärztlichen Praxis vom 17. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert ist Ziel der deutsch-schweizerisch-österreichischen Arbeitsgruppe „Ärztliche Praxis (17.- 19. Jahrhundert)“, an der das vorliegende Projekt beteiligt ist (www.medizingeschichte.uni-wuerzburg.de/aerztliche_praxis/index.html).Die DFG hat eine Verlängerung der Laufzeit aller beteiligten fünf Projekte aus Deutschland sowie die Kuratierung einer Sonderausstellung zur Geschichte der ärztlichen Praxis bereits bewilligt. Die Weiterführung unseres Projektes zur nichtakademischen Medizin wäre deshalb für die zukünftige Forschung der ganzen Gruppe gewinnbringend.Nachdem sich die Arbeit in der ersten (bisher bewilligten) Projektphase auf die Analyse der medizinischen Praxis des Laienheilers anhand von Wachters Praxisjournalen konzentrierte, soll in der zweiten (hier beantragten) Projektphase die Fragestellung durch die systematische Analyse eines erweiterten Quellenspektrums unter einer verstärkt alltagshistorischen Perspektive vertieft und erweitert werden. Insbesondere wird ein Schwerpunkt auf die Verankerung der Laienpraxis in der ländlichen Lebenswelt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt, indem die wirtschaftliche, rechtliche und soziale Situation aufgrund neuer Quellen vertieft werden soll. Ausserdem sollen die Spezifika der Laienpraxis genauer ausdifferenziert werden. Unter anderem wurde ein Praxisjournal eines akademischen Arztes aufgefunden, der zeitgleich im Thurgau praktizierte. Durch den punktuellen Vergleich dieser beiden Praxen aus dem Thurgau mit den weiteren Befunden der Forschergruppe kann der Einfluss lokaler Bedingungen auf die ärztliche Praxis von den Spezifika eines Laienheilers deutlicher differenziert werden.Obgleich die Anzahl von Heilerinnen und Heilern ohne akademische Ausbildung quantitativ bis ins 19. Jahrhundert die Zahl von akademischen Ärzten um ein Vielfaches überwog und das Gros des medizinischen Angebots ausmachten, finden Laienheiler in der Forschung nach wie vor eine vergleichsweise geringe Beachtung. Dies ist nicht zuletzt einem starken Ungleichgewicht der Überlieferung geschuldet. Während die anderen Projekte der Forschergruppe jeweils die Praxis von akademischen Ärzten erforschen, widmet sich dieses Projekt als Einziges einem Arzt ohne offiziell anerkannte Ausbildung und stellt damit für den Forscherverbund eine zentrale Vergleichsfolie dar.
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