Project

Back to overview

"Länderen": Die Urschweiz als Sprach(wissens)raum

English title "Länderen": Central Swiss German as a linguistic and perceptual space
Applicant Christen Helen
Number 140287
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement für Germanistik Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.10.2012 - 28.02.2017
Approved amount 301'501.00
Show all

Keywords (6)

Soziolinguistik; Laienlinguistik; Sprache und Identität; Perceptual dialectology; Kulturelles Gedächtnis; Sprachwandel

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Die geplante Untersuchung geht die Sprache der Urschweiz aus zweifacher Perspektive an: Einerseits wird die objektsprachliche areale und soziale Sprachvariation an ausgewählten Orten der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden erhoben, die im Abgleich mit den Daten des SDS einen allfälligen Dia­lektwandel nachzeichnen kann. Andererseits richtet sich das Interesse auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Urschweiz und die Frage, wie diese ihr raumbezogenes Sprachwissen über die Urschweiz und angrenzende Regionen organisieren und welche sprachlichen und nicht-sprachlichen Merkmale sie den mental repräsentierten Spracharealen zuschreiben. Es soll dabei überprüft werden, ob aktuelle und/oder historische politische Ver­bünde (wie die Urschweiz oder die Fünf Orte) für die Strukturierung des sprachraumbezogenen Wissens eine Rolle spielen. Das sozio- und wahrnehmungsdialektologisch angelegte Projekt erlaubt in einem weiteren Arbeitsschritt die Gegenüberstellung von objektsprachlichen und sprach­konzeptio­nellen Sprachdaten und kann damit einen allfälligen Zusam­menhang zwi­schen alltagsweltlichen Wissensstrukturen und dem objektsprachli­chen Befund von Dialektstase und Dialektwandel aufdecken.


Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Über Dialektgebrauch und Dialekteinschätzung in einer beweglichen Welt.
Christen Helen (2018), Über Dialektgebrauch und Dialekteinschätzung in einer beweglichen Welt., in Hundt Markus (ed.), Lang, Frankfurt a. M., 99-122.
Authentizität durch Sprache. Soziosymbolisch relevante Merkmale als Fundus stilistischer Variation
SchiesserAlexandra (2017), Authentizität durch Sprache. Soziosymbolisch relevante Merkmale als Fundus stilistischer Variation, in Christen Helen (ed.), Steiner, Stuttgart, 325-346.
"Die cheibe Zuger" oder: Gibt es Zugerdeutsch?
Christen Helen (2015), "Die cheibe Zuger" oder: Gibt es Zugerdeutsch?, in Regula Schmidlin/Heike Behrens/Hans Bickel (ed.), de Gruyter, Berlin, 133-154.
„Die Schweizer“ oder die cineastische Herausforderung, eine Dorothea Wyss oder einen Niklaus von Flüe dialektal auszustatten.
Christen Helen (2015), „Die Schweizer“ oder die cineastische Herausforderung, eine Dorothea Wyss oder einen Niklaus von Flüe dialektal auszustatten., Universität Tübingen, Tübingen.
Die Dialektologie und ihre (neuen) Räume.
Christen Helen (2015), Die Dialektologie und ihre (neuen) Räume., in Eichinger Ludwig M. (ed.), de Gruyter, Berlin, 353-378.
Länderen: Die Urschweiz als Sprach(wissens)raum
Christen Helen/Bucheli Nadja/Guntern Manuela/Schiesser Alexandra (2015), Länderen: Die Urschweiz als Sprach(wissens)raum, in Roland Kehrein/Alfred Lameli/Stefan Rabanus (ed.), de Gruyter, Berlin, 621-643.
„Die hiesige Mundart ist nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz“. Metakommunikate und das Sprachraumwissen von Laien.
Christen Helen (2014), „Die hiesige Mundart ist nicht so gezogen wie diejenige von Schwyz“. Metakommunikate und das Sprachraumwissen von Laien., in Bühler Rudolf/Bürkle Nina/Leonhardt Nina Kim (ed.), Tübingen, TVV, 35-54.
Zum Verhältnis zwischen Ort, Raum und Sprache: experimentell elizitierte mentale Modelle hinter zwei Toponymen.
Petkova Marina (2014), Zum Verhältnis zwischen Ort, Raum und Sprache: experimentell elizitierte mentale Modelle hinter zwei Toponymen., Universität Tübingen, Tübingen.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
"Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas" Marburg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Forschungsstelle "Sprachvariation in Baden-Württemberg“ Freiburg i. Br. Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Professur Dt. Sprachwissenschaft, CAU Kiel Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
6. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen Talk given at a conference Alexandra Schiesser: Wie Dialektmerkmale zu regionalen Emblemen werden 13.09.2018 Marburg a. L., Germany Christen Helen;
"Politische Grenzen – Sprachliche Grenzen? Talk given at a conference "Schon den Urner drin haben" – Politische und naturräumliche Grenzen als laienlinguistische Erklärungsgrössen sprachlicher Variation 23.03.2017 Dresden, Germany Christen Helen;
Linguistisches Kolloquium der CUSO Talk given at a conference Schwa 21.05.2016 Freiburg, Switzerland Hove Seewer Ingrid;
Workshop Objektive und subjektive Sprachräume Talk given at a conference Die Qualität von Schwa 06.11.2015 Freiburg, Switzerland Hove Seewer Ingrid;
Vortrag an der Universität Zürich, Language and Space: University Research Priority Program (URPP) Individual talk Vom Umgang mit Raum oder wie Dialektologie/innen und Alltagsmenschen mit arealer Sprachvariation verfahren 22.10.2015 Zürich, Switzerland Christen Helen;
5. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD) Talk given at a conference Linguistic landscapes in der Innerschweiz - Zeichen des Zugehörigkeits- und Identitätsempfindens vor Ort 10.09.2015 Luxemburg, Luxembourg Petkova Marina;
Kieler Woche an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Talk given at a conference Stabile, mobile, migrierte Engelberger: Über Dialektgebrauch und Dialekteinschätzung in einer beweglichen Welt 23.06.2015 Kiel, Germany Christen Helen;
18. Arbeitstagung zur alemannischen Dialektologie Talk given at a conference 'Die Schweizer' oder mit welchen Dialekten ein Werner Stauffacher und ein Niklaus von Flüe filmisch ausstaffiert werden 08.10.2014 Tübingen, Germany Christen Helen;
18. Arbeitstagung zur alemannischen Dialektologie Talk given at a conference Der (Sprach)Raum im Innern der Schweiz: Zwischen 'Tell' und 'Tourismus' 08.10.2014 Tübingen, Germany Petkova Marina;
Linguistisches Kolloquium der CUSO Talk given at a conference "Urschweiz" = "Innerschweiz"? 16.05.2014 Freiburg, Switzerland Petkova Marina;
Abschiedskolloquium für Annelies Häcki Buhofer, Universität Basel Individual talk "Die cheibe Zuger" oder: Gibt es Zugerdeutsch? 30.04.2014 Basel, Switzerland Christen Helen;
Jahrestagung zum 50-jährigen Bestehen des Instituts für Deutsche Sprache Talk given at a conference Die Dialektologie und ihre (neuen) Räume. Sprachwissenschaft im Fokus. Positionsbestimmungen und Perspektiven 11.03.2014 Mannheim, Germany Christen Helen;
Vorlesung "Sprache und Raum" Individual talk Die Ergebnisse des Assoziationtests Urschweiz/Innerschweiz 21.11.2013 Freiburg, Switzerland Petkova Marina;
Determinanten linguistischer Salienz Talk given at a conference Empirische Betrachtungen zum mentalen Konstrukt „Durchschnittsschweizerdeutsch 15.11.2013 Wien, Austria Bucheli Nadja;
Phonetik und Phonologie 9" (P&P9), Universität Zürich Poster Salienz lautlicher Merkmale schweizerdeutscher Dialekte und Deutschschweizer Standardsprache 11.10.2013 Zürich, Switzerland Christen Helen;
Workshop zur Erhebung und Auswertung laienlinguistischer Daten Talk given at a conference Das Projekt Länderen: Fragestellungen und Erhebungsinstrumente 03.06.2013 Freiburg, Switzerland Bucheli Nadja;
Workshop zur Erhebung und Auswertung laienlinguistischer Daten Talk given at a conference Die Urschweiz: Aussenwahrnehmung, öffentlicher Diskurs, historische Symbolik 03.06.2013 Freiburg, Switzerland Petkova Marina;
Vortrag am Département de langue et littérature allemandes, Université de Genève Individual talk "Länderen" oder was die Expertenlinguistik an der Alltagslinguistik interessiert 08.05.2013 Genf, Switzerland Christen Helen;
Symposion Sprachkultur – Regionalkultur. Neue Felder kulturwissenschaftlicher Dialektforschung Talk given at a conference Sprachraumwissen von Laien und dessen linguistische Relevanz 11.10.2012 Tübingen, Germany Christen Helen;


Self-organised

Title Date Place
Workshop Objektive und subjektive Sprachräume 06.11.2015 Freiburg, Switzerland
Workshop zur Erhebung und Auswertung laienlinguistischer Daten 03.06.2013 Freiburg, Switzerland

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Alexandra Schiesser: Identität an der Sprachgrenze: Ein Blick auf Freiburg und darüber hinaus. Vortr German-speaking Switzerland Western Switzerland 2015
Media relations: print media, online media Bösiger, Melanie/Schiesser, Alexandra: Der Engelberger Dialekt – ein Sonderfall. Ängelbärger Zeyt. Engelberger Jahrbuch 2015, 8. Jg. Stans, 140-146. German-speaking Switzerland 2015
Talks/events/exhibitions Alexandra Schiesser: Interaktiver Vortrag am Thementag Sprache der Kantonsschule Obwalden. German-speaking Switzerland 2014
Talks/events/exhibitions Helen Christen: "Schwyzertüütsch: Über Sein oder Nichtsein eines Dialekts". 125-Jahr Jubiläum der U German-speaking Switzerland 2014

Awards

Title Year
Dissertation von Alexandra Schiesser "Dialekte machen. Konstruktion und Gebrauch arealer Varianten im Kontext sprachraumbezogener Alltagsdiskurse" mit dem Prädikat "summa cum laude" ausgezeichnet (9. Juni 2018; Jury Prof. Dr. H. Christen, Freiburg, Prof. Dr. Markus Hundt, Christian Albrechts-Universität zu Kiel). 2018

Abstract

Die vorliegende Untersuchung nimmt die Sprache der sogenannten Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden in den Blick, die eng mit dem Gründungsmythos der Schweiz verbunden sind und über „Schweizer Erinnerungsorte“ (G. Kreis 2010) wie das Rütli verfügen. Mit dem Gründungs¬mythos verbunden scheint eine Aussenwahrnehmung zu sein, die diese drei alten Orte als eine Ein¬heit betrachtet, was sprachlich allein schon durch den Begriff Urschweiz zutage tritt, sich aber etwa auch daran zeigt, dass die Trias Uri, Schwyz, Unterwalden eine Kollo¬kation mit fester Wortfolge ist und überdies das Verb länderen (‚in Sprache und Sitten den Bewoh¬ner der ‚Länder’ verraten’ Id. IV, 1310) existiert, das den Bewohnern der drei Urkantone (i. w. S. auch jenen der Fünf Orte) ein gemeinsames Verhalten zuschreibt, das sie als Urschweizer erkenn¬bar macht.Was die objektiven Befunde hinter der Alltagskategorie länderen betrifft, so können einzig die Höchstalemannismen (R. Hotzenköcherle 1986) als gemeinsame sprachliche Klammer der Urschweiz gelten. Im übrigen dokumentiert der Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS) für diese Region eine grosse Heterogenität mit einigen Eigentümlichkeiten, die in Bezug auf den alemanni¬schen Dialektraum eine kleinräumige Verbreitung zeigen (Diphthongierung von mhd. û zu ui [huis ‚Haus’] in Unterwalden und vereinzelt im oberen St. Galler Rheintal; Palatalisierung von u zu ü [üüri ‚Uri’] im Kanton Uri und im Wallis) und die teilweise sogar singulären Charakter haben (z. B. Diphthongierung von zugrunde liegendem langem i [eis ‚Eis’] im Nidwaldnerdeutschen).Die geplante Untersuchung soll die Sprache der Urschweiz aus zweifacher Perspektive angehen: Einerseits wird die objektsprachliche areale und soziale Sprachvariation in den Kantonen Uri, Schwyz und Unterwalden erhoben, die im Abgleich mit den Daten des SDS einen allfälligen Dia¬lektwandel nachzeichnen kann. Andererseits richtet sich das Interesse auf die Bewohnerinnen und Bewohner der Urschweiz und die Frage, wie das raumbezogene Sprachwissen der Urschweizer organisiert ist, welche Merkmale diese den mental repräsentierten Spracharealen zuschreiben und wie sie diese Areale bewerten. Es wird sich weisen, ob aktuelle und historische politische Ver¬bünde (wie die Urschweiz oder die Fünf Orte) für die Strukturierung des sprachraumbezogenen Wissens dabei eine Rolle spielen und durch welche sprachlichen Grössen ein allfälliger kognitiver Raum URSCHWEIZ und seine Subräume (mit)konstituiert werden (nachfolgend werden für die Be¬zeich¬nungen des topologischen Raums Normalbuchstaben, für die Bezeichnungen des kognitiven Raums Kapitälchen verwendet). Das sozio- und wahrnehmungsdialektologisch angelegte Projekt erlaubt in einem weiteren Arbeitsschritt die Gegenüberstellung von objektsprachlichen und sprach¬konzeptio¬nellen Sprachdaten und kann damit die Frage beantworten, inwiefern sich ein Zusam¬menhang zwi¬schen alltagsweltlichen Wissens- und Bewertungsstrukturen und dem objektsprachli¬chen Befund von Dialektstase und Dialektwandel zeigt.Mit der geplanten Untersuchung sollen im Wesentlichen die folgenden Fragen angegangen werden:(1) Welches ist der aktuelle Stand einer Auswahl von (vor allem kleinräumigen) dialektalen Vari¬ablen an ausgewählten Orten in den Kantonen Uri, Schwyz und Unterwalden (resp. Ob- und Nid¬walden) im Vergleich zu früheren Befunden? Zeigen sich auf synchroner Ebene neben arealen auch soziale Unterschiede? (=objektsprachliche Daten)(2) Welche Struktur haben die sprachraumbezogenen Wissensbestände der Bewohner/innen der Urschweiz? Welche Sprachareale werden von den Urschweizer/innen im topologischen Raum In¬nerschweiz unterschieden? Welche Rolle spielen Kantons- und andere politische Grenzen für die Strukturierung des kognitiven Sprachraums? Wird ein nach aussen abgegrenzter kognitiver Sprach¬raum URSCHWEIZ erkennbar? Welche sprachlichen und nicht-sprachlichen Merkmale werden die¬sen mental repräsentierten Spracharealen zugeschrieben? Welche sprachlichen und nicht-sprachli¬chen Merkmale schreiben sich die Befragten selber zu (Autostereotype), wie glauben sie, von aus¬sen wahrgenommen zu werden (projektive Heterostereotype)? Sind die Probanden in der Lage, Hörproben ais dem Befragungsgebiet zu lokalisieren? Welche sprachlichen Merkmale werden per¬zipiert? (=sprachkonzeptionelle Daten)(3) Welches Verhältnis zeigt sich zwischen objektsprachlichen und sprachkonzeptionellen Daten und welche Folgerungen lassen sich daraus für Dialektstase resp. Dialektwandel ableiten?
-