Projekt

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Towards a theology of the ghost story

Titel Englisch Towards a theology of the ghost story
Gesuchsteller/in Lehmann Imfeld Zoe Christina
Nummer 139629
Förderungsinstrument Marie Heim-Voegtlin Beiträge
Forschungseinrichtung Institut für englische Sprachen und Literaturen Universität Bern
Hochschule Universität Bern - BE
Hauptdisziplin Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Beginn/Ende 01.04.2012 - 31.03.2014
Bewilligter Betrag 150'016.00
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Alle Disziplinen (2)

Disziplin
Schwerpunkt Germanistik und Anglistik
Religionswissenschaften, Theologie

Keywords (4)

English literature; Theology; Ghost story; Victorian

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Dieses Dissertationsprojekt untersucht die christlich-theologischen Anliegen spät-Viktorianischer Horrorliteratur, insbesondere im Hinblick auf das Genre der Gespenstergeschichten.
Lay summary

Dieses Dissertationsprojekt untersucht die christlich-theologischen Anliegen spät-Viktorianischer Horrorliteratur, insbesondere im Hinblick auf das Genre der Gespenstergeschichten. Zur Schauerliteratur im Allgemeinen existiert bereits eine Reihe theologischer Untersuchungen. In der Regel gehen diese davon aus, dass das Genre der Gespenstergeschichten Antworten auf einen weitgreifenden Säkularisierungsprozess bietet, deren Spannbreite von einer willentlichen Selbsttäuschung zur Unterhaltung einer materialistisch gesinnten Leserschaft zu einer grundlegenden Kritik an Wissenschaftsidealen reicht. Das hier entwickelte Forschungsprojekt basiert nun zum Einen auf der Annahme, dass sowohl die angenommene Säkularisierung als auch die vorausgesetzte willentliche Selbsttäuschung in der ästhetischen Illusion eine unzulässige Vereinfachung darstellt. Zum Anderen wird davon ausgegangen, dass die explosionsartige Zunahme von Horrorliteratur im letzten Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts als vielschichtige und komplexe Reaktion auf die drastischen theologischen und philosophischen Entwicklungen der vorhergehenden Jahre verstanden werden kann.

Die Literaturwissenschaft hat viele Jahre damit verbracht Gespenstergeschichten aus der Perspektive moderner theoretischer Ansätze zu untersuchen, im Versuch diese literarischen Manifestationen von Angst und Horror als symbolischen Ausdruck Viktorianischer Sozial- und Kulturproblematiken zu verstehen. Solcherart kulturelle, sozial-historische oder psychologische Deutungen von Gespenstergeschichten übersehen jedoch einen für das hier entwickelte Forschungsprojekt essentiellen Aspekt, da sie es zumeist versäumen, die Bedeutung der Werke im Bezug auf theistische Erkenntnistheorie zu berücksichtigen. Häufig werden so Gespenstergeschichten ihrer reichen dunklen erkenntnisproblematischen Tiefe beraubt.

Ein Verweis auf die starke kulturelle Präsenz von Horrorfilmen genügt um vor Augen zu führen, dass unsere Faszination mit „Horror“ heutzutage derjenigen der Viktorianer wohl in nichts nachsteht. Gespenstergeschichten im Viktorianischen Stil erfreuen sich in der Populärliteratur der letzten Jahre wachsender Beliebtheit. Allerdings sind wir es nicht mehr gewohnt das Furchterregende und Schreckliche als göttliche Botschaft oder Offenbarung zu verstehen. Und dies, obwohl die Art in der wir über Übernatürliches reden sich noch immer stark an Ausdrucksweisen religiöser Erfahrung anlehnen. Sowohl das klassische mystische Erleben als auch die fiktiven Begegnungen mit dem Übernatürlichen werden als zugleich schrecklich und wunderbar beschrieben. Der Fluchtinstinkt wird aufgewogen durch eine lähmende Faszination. Diese Verwendung der Sprache religiöser Erfahrung macht die Gespenstergeschichte aus theologischer Sicht äusserst interessant. Die Gespenstergeschichte ist unmittelbar in der Erfahrung verankert und so muss die symbolische Bedeutung des Übernatürlichen in dieser Erfahrung selbst zum Vorschein kommen. Die Hauptfiguren der Erzählungen haben in der Regel wenig Zeit lange über ihre Erfahrungen zu sinnieren, auch im Falle dass sie sie, in der Tat, überhaupt erst überlebt haben. In Rücksicht darauf bezieht sich dieses Forschungsprojekt auf solcherart theologische Überlegungen, welche sich mit der unmittelbaren spirituellen Erfahrung und deren erkenntnistheoretischer Bedeutung beschäftigen.

Thematisch wird das Projekt sich in zwei Abschnitte ordnen. Der erste Teil wird sich Texten von Arthur Machen und M.R. James aus der Perspektive orthodoxer christlicher Vorstellungen von natürlicher und moralischer Gesetzlichkeit nähern. Dabei wird deutlich, dass diese Erzählungen von übernatürlichen Erfahrungen die orthodoxen Vorstellungen einer theistischen Seinslehre bestärken. Der zweite Teil widmet sich in erster Linie den Gespenstergeschichten von Henry James und R.L. Stevenson und damit Werken, die sich einer solchen orthodoxen Haltung entgegenstellen. Stattdessen wird die übernatürliche Erfahrung als potentiell erlösend oder zumindest als erbaulich dargestellt. Dabei bezieht sich dieser Abschnitt auf post-Kantianische romantische und liberale theologische Ansätze mit besonderer Berücksichtigung derer Neuinterpretation im Spät-Viktorianismus. 


Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 05.03.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
‘Interview and Conversation with Conor Cunningham and Aaron Riches: Radical Orthodoxy & Christian Psychology II - Ontological Naturalism and Christology
Hampson Peter, Lehmann Imfeld Zoe (2013), ‘Interview and Conversation with Conor Cunningham and Aaron Riches: Radical Orthodoxy & Christian Psychology II - Ontological Naturalism and Christology, in Edification, 6(1), 53-61.
Interview and Conversation with John Milbank and Simon Oliver: Radical Orthodoxy & Christian Psychology I - Theological Underpinnings
Hampson Peter, Lehmann Imfeld Zoe (2013), Interview and Conversation with John Milbank and Simon Oliver: Radical Orthodoxy & Christian Psychology I - Theological Underpinnings, in Edification, 6(1), 44-52.

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Working with A Secular Age – Interdisciplinary Reflections on Charles Taylor’s Conception of the Secular Vortrag im Rahmen einer Tagung The Porous World of the Victorian Ghost Story 05.03.2014 University of Bern, Schweiz Lehmann Imfeld Zoe Christina;


Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
151251 Towards a theology of the ghost story 01.04.2014 Marie Heim-Voegtlin Beiträge

Abstract

This research will work to a PhD thesis examining the Christian theological preoccupations of late-Victorian supernatural horror fiction, concentrating on the ghost-story genre. While theological approaches to gothic fiction are well developed, the ghost-story genre is generally seen to be a response to a blanket secularisation, offering, at least, a suspension of disbelief to a materialist readership, or at most, a critique of scientific ethics. This research will work on the hypothesis that both this perceived secularisation and the suspension of disbelief are an over-simplification, and that the explosion in the horror fiction genre in the last decades of the nineteenth century in fact contained complex responses to the dramatic theological and philosophical developments preceding it. Literary scholarship has spent many years examining the ghost story through the lens of modern critical theories, seeking to find in these expressions of fear and horror, symbolic expressions of Victorian social and cultural preoccupations. This project sees these efforts as missing a crucial piece of the puzzle, in that by subjecting the ghost story to cultural, socio-historical and psychological theories without also acknowledging its theist epistemological significance, the effect can become a reductive exercise, stripping the ghost story genre of the dark, rich, epistemological waters into which they delve. We are arguably just as fascinated with ‘horror’ as entertainment as the Victorians were, indicated not least by the ubiquitous horror-film franchises. Recent years have even seen a resurgence of the Victorian-style ghost story in popular fiction. We are, however, unaccustomed to think of the horrific or terrible as some sort of divine message, or as having some sort of revelatory purpose. This, despite the fact that the language which we use is still very much one borrowed from religious experience. Both the classic mystical experience and fictional encounters with the supernatural are described as something simultaneously horrifying and awesome. The impulse to flee is overridden by a paralysing fascination. It is this language of religious experience which immediately marks the ghost story as theologically interesting. The ghost story is one centred in immediate experience; the nature of the form means that the symbolic meaning of the supernatural experience must be evident within that experience. Protagonists, if left to survive their experience at all, have little time to dissect or deconstruct. With this in mind, this project will engage with that part of theological discourse which concerns itself most strongly with immediate spiritual experience, and the epistemological meaning of such experience. The thematic structure of the project will be divided into two parts, the first drawing on orthodox Christian notions of natural and moral law to construct readings of Arthur Machen and M.R. James in which supernatural experiences are seen to reinforce these notions and reaffirm a theist ontology. The second part, primarily examining the ghost stories of Henry James and R.L. Stevenson, will explore stories which challenge this orthodoxy, and instead offer the supernatural experience as potentially redemptive or at least edifying. This part will draw on post-Kantian Romantic and Liberal theologies, with particular interest in late-Victorian re-interpretations of this theological strand.
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