Projekt

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"Recording the Soul of Music" - Interpretationsforschung an Welte-Musikrollen und neue Beiträge zur Klärung ihres Aufnahmeverfahrens

Gesuchsteller/in Skamletz Martin
Nummer 132335
Förderungsinstrument DORE Projekte
Forschungseinrichtung Forschungsschwerpunkt Interpretation Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Hochschule Berner Fachhochschule - BFH
Hauptdisziplin Musik und Theater
Beginn/Ende 01.11.2010 - 30.04.2013
Bewilligter Betrag 196'219.00
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Keywords (7)

Welte Organ Rolls; Welte Piano Rolls; Digitalization of Musical Data; Interpretation Studies; Beethoven, Ludwig van (1770-1827); Chopin, Fryderyk (1810-1849); Musical Performance around 1900

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary
Mit der digitalen Erschliessung von „Welte-Künstlerrollen“ für selbstspielende Klaviere und Orgeln im Rahmen des DORE-Forschungsprojektes 13DPD3-120383 „Wie von Geisterhand“ zeigte sich, dass es sich hier um ein unerwartet grosses und kulturhistorisch bedeutsames Forschungsgebiet handelt, das aktuell von unterschiedlichen Seiten grosse Aufmerksamkeit erfährt: Um die Forschungsansätze zu bündeln und besser zu vernetzen, veranstaltet die Technische Universität Berlin im November 2010 einen Kongress zur musikalischen Interpretationsforschung, bei dem unter anderem auch dieses DORE-Projekt vorgestellt werden wird. Zentrale Fragen beschäftigen sich nicht nur mit der musikalischen Auswertung dieser einzigartigen Interpretations-Dokumente aus den Jahren 1904-1932, sondern auch mit der Frage, ob musikalische Interpretation als ein Kunstwerk oder Kunsthandwerk verstanden wurde und wird. Gerade der Interpretationsvergleich, der durch die Welte-Technologie erstmals ermöglicht und werbewirksam inszeniert wurde, stiess beim wohlhabenden Bildungsbürgertum auf grosses Interesse.Dieser Zusammenhang ist umso bedeutsamer, als die aus dem 19. Jahrhundert herstammende musikalische Interpretationskultur, wie sie in den Welte-Dokumenten überliefert ist, schon in den 1920er Jahren von starken Gegenbewegungen abgelöst wurde, die bis heute unser Musikleben prägen. Insofern ist jede Forschungsfrage in diesem Repertoire mit einer kritischen Perspektive auf den musikalischen Standardisierungsprozess des 20. Jahrhunderts verbunden, obwohl es gerade die Reproduzierbarkeit von Interpretation war, die diese Entwicklung beschleunigt hat. Ziel des vorliegenden Folgeprojektes von „Wie von Geisterhand“ ist es, der Interpretationsforschung, die im bisherigen Verlauf aus technischen Gründen zu kurz gekommen war, einen Weg durch dieses weite kulturwissenschaftliche Forschungsfeld zu bahnen.Die bisher geplanten Schwerpunkte sollen unter neuen methodischen Voraussetzungen vertieft werden: Durch die Entdeckung von Aufnahmerollen („Mutterrollen“) für Orgel, auf denen zahlreiche Editionsvermerke sichtbar sind, sowie durch die faszinierende Möglichkeit, den einzigen erhaltenen Aufnahmeapparat der Firma Welte erstmals technisch zu untersuchen, wird sich der Orgel-Forschungsbereich auf die zentrale Frage des Aufnahme- und Wiedergabeverfahrens konzentrieren, die für alle weiteren Untersuchungen in diesem Repertoire - auch im Bereich der Klavierrollen - von grundlegender Bedeutung ist. Der Forschungsbereich der Klavierrollen wird die Ansätze aus „Wie von Geisterhand“ zur Untersuchung der Interpretationspraxis um 1900 aufnehmen und verfeinern. Drei Dozierende der HKB werden sich mit drei aufeinander bezogenen Forschungsthemen zum Interpretationsvergleich beschäftigen, bei denen die praktische Verwertbarkeit der zu erwartenden Ergebnisse im Vordergrund steht. Diese Verwertbarkeit bezieht sich nicht nur auf die Aufführungspraxis im romantischen Kernrepertoire der künstlerischen Hochschulausbildung, sondern auch auf die Kriterienbildung für die gegenwärtig noch recht unscharfen Verfahren der computergestützten Interpretationsanalyse und bildet so einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Methodendiskussion in der Interpretationsforschung. Abschliessend sollen die Ergebnisse des Interpretationsvergleichs vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Interpretationsästhetik - der „musikalischen Vortragslehre“ - auf den in ihnen greifbaren Anteil an intentionalen Entscheidungen der Interpreten analysiert werden.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Projektpartner



Juristische Personen

Name Anschrift
Augustinermuseum Augustinermuseum Gerberau 15 79098 DE-Freiburg im Breisgau
Fonoteca Nazionale Svizzera Fonoteca Nazionale Svizzera Via Soldino 9 6900 CH-Lugano
Universitätsbibliothek Freiburg/Breisgau Universitätsbibliothek Freiburg/Breisgau D-79016 DE-Freiburg/Breisgau
Museum für Musikautomaten Museum für Musikautomaten Bollhübel 1 4206 CH-Seewen SO

Publikationen

Publikation
"Recording the Soul of Music". Welte-Künstlerrollen für Orgel und Klavier als authentische Interpretationsdokumente?
Köpp Kai, Hänggi Christoph (ed.) (2017), "Recording the Soul of Music". Welte-Künstlerrollen für Orgel und Klavier als authentische Interpretationsdokumente?, Bundesamt für Kultur, Bern.
Dynamik auf der Philharmonie-Orgel. Einblicke in den Aufnahme- und Editionsprozess der Firma Welte.
Hennig Dominik (2017), Dynamik auf der Philharmonie-Orgel. Einblicke in den Aufnahme- und Editionsprozess der Firma Welte., in Hänggi Christoph, Köpp Kai (ed.), Bundesamt für Kultur, Bern und Seewen, 84-95.
Künstlerrollen im Kontext. Das Repertoire der Begleitrollen für Welte-Mignon und Welte-Philharmonie.
Köpp Kai (2017), Künstlerrollen im Kontext. Das Repertoire der Begleitrollen für Welte-Mignon und Welte-Philharmonie., in Köpp Kai, Hänggi Christoph (ed.), Bundesamt für Kultur, Bern und Seewen, 140-161.
The Speed of Welte's Organ Rolls.
Rumsey David (2017), The Speed of Welte's Organ Rolls., in Hänggi Christoph, Rumsey David (ed.), 68-83.
Untersuchungen am Aufnahmeapparat für die Welte-Philharmonie-Orgelrollen.
Schmitz Hans-W. (2017), Untersuchungen am Aufnahmeapparat für die Welte-Philharmonie-Orgelrollen., in Köpp Kai, Hänggi Christoph (ed.), Bundesamt für Kultur, Bern und Seewen, 51-67.
Von der Welte-Rolle zur parametrisierbaren Wiedergabe auf synthetischen Instrumenten und Midi-fähigen Selbstspielklavieren.
Debrunner Daniel (2017), Von der Welte-Rolle zur parametrisierbaren Wiedergabe auf synthetischen Instrumenten und Midi-fähigen Selbstspielklavieren., in Köpp Kai, Hänggi Christoph (ed.), 96-105.
Welte vs. Audio. – Chopins vielbesprochenes Nocturne Fis-Dur Op. 15/2 im intermedialen Vergleich.
Bärtsch Manuel (2017), Welte vs. Audio. – Chopins vielbesprochenes Nocturne Fis-Dur Op. 15/2 im intermedialen Vergleich., in Hänggi Christoph, Köpp Kai (ed.), Bundesamt für Kultur, Bern und Seewen, 106-131.
Welte-Künstlerrollen als Interpretationsquellen?
Torbianelli Edoardo, Bausch Sebastian (2017), Welte-Künstlerrollen als Interpretationsquellen?, in Hänggi Christoph, Köpp Kai (ed.), Bundesamt für Kultur, Bern und Seewen, 132-139.
Welte's Philharmonie for Turin 1911 - The Evidence of the Rolls.
Rumsey David (2017), Welte's Philharmonie for Turin 1911 - The Evidence of the Rolls., in Köpp Kai, Hänggi Christoph (ed.), 38-50.
Das Reproduktionsklavier: Zwischen Musikinstrument und Medium
Köpp Kai (2016), Das Reproduktionsklavier: Zwischen Musikinstrument und Medium, in Spiel (mit) der Maschine, Frankfurt am Maintranscript, Bielefeld.
Das Reproduktionsklavier: Zwischen Musiksintrument und Medium.
Köpp Kai (2016), Das Reproduktionsklavier: Zwischen Musiksintrument und Medium., in Spiel (mit) der Maschiene, Frankfurt am MainTranscript, Bielefeld.
Der New Yorker Aufnahmeapparat für Welte-Philharmonie-Orgelrollen im Museum für Musikautomaten Seewen
Schmitz Hans-W. (2011), Der New Yorker Aufnahmeapparat für Welte-Philharmonie-Orgelrollen im Museum für Musikautomaten Seewen, in Hänggi Christoph E. (ed.), Museum für Musikautomaten, Seewen, 116-128.
Historische Interpretationspraxis - Interpretationsforschung an Welte-Künstlerrollen für Klavier und Orgel
Köpp Kai (2011), Historische Interpretationspraxis - Interpretationsforschung an Welte-Künstlerrollen für Klavier und Orgel, in Hänggi Christoph E. (ed.), Museum für Musikautomaten, Seewen, 21-33.
Musikalisches Geschichtsbewusstsein um 1900 – Ansätze zu einer historischen Interpretationsforschung
Köpp Kai (2011), Musikalisches Geschichtsbewusstsein um 1900 – Ansätze zu einer historischen Interpretationsforschung, in Loesch Heinz v., Weinzierl Stefan (ed.), Schott Music, Mainz, 65-82.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Formen der Zusammenarbeit
Augustinermuseum Freiburg Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Fonoteca Nazionale Svizzera Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Museum für Musikautomaten Seewen SO Schweiz (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
Universitätsbibliothek Freiburg Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
MusicTalks, Hochschule Luzern Einzelvortrag Notenrollen als Quelle der Musikforschung: Neue Erkenntnisse zu Welte-Interpretationsdokumenten für Klavier und Orgel 26.03.2014 Luzern, Schweiz Köpp Kai;
DFG-Projekt zur Erschliessung und Digitalisierung der Sammlung von Notenrollen für selbstspielende Klaviere Einzelvortrag Klavierrollen im Katalog – Workshop zur Erschliessung von Notenrollen für selbstspielende Klaviere 06.05.2013 Deutsches Museum München, Deutschland Köpp Kai; Skamletz Martin;


Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Video/Film Filmische Dokumentation der Arbeit mit dem Welte-Mignon-Reproduktionsklavier (Bausch/Bärtsch) Deutschschweiz 2017
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien In neuem Glanz. Die Welte-Philharmonie-Orgel im Museum fur Musikautomaten Seewen Neue Zürcher Zeitung Deutschschweiz 2012
Medienarbeit: Radio, Fernsehen Magische Klänge im Schwarzbubenland Tele Basel, In Dubio Pro Regio Deutschschweiz 2012
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Ausstellungseröffnung "Wie von Geisterhand", Museum für Musikautomaten Seewen SO Deutschschweiz 2011

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
133729 "Die Idee des Componisten ins Leben zu rufen" - instruktive Notenausgaben als Basis für historisch orientierte Interpretationsforschung im Repertoire des 19. Jahrhunderts 01.08.2011 SNF-Förderungsprofessuren
152825 Vom 'Vortrag' zur 'Interpretation'. Ignaz Moscheles' Beethoven-Editionen sowie Welte-Aufzeichnungen als Quellen pianistischer Aufführungspraxis und Interpretationsästhetik zwischen 1830 und 1914 01.08.2014 Projektförderung (Abt. I-III)
124644 'Ein Bogen für Beethoven' - repertoirespezifische Spieleigenschaften von Streichbögen um 1825. Neue Wege zu Aufführungspraxis, Organologie und Rekonstruktion frühromantischer Bogenmodelle unter besonderer Berücksichtigung der Wiener Praxis 01.06.2009 DORE Projekte
149926 Zurück vor die Orgelbewegung - Die Wiederentdeckung der romantischen Interpretationspraxis auf der Orgel durch einen Repertoirekatalog der frühesten Aufnahmen künstlerischen Orgelspiels durch die Firma Welte seit 1909 01.03.2014 Projektförderung (Abt. I-III)
120383 Wie von Geisterhand: Digitalisierung und Analyse von Papierrollen für Reproduktionsklaviere und verwandte Instrumente 01.04.2008 DORE Projekte

Abstract

Mit der digitalen Erschliessung von „Welte-Künstlerrollen“ für selbstspielende Klaviere und Orgeln im Rahmen des DORE-Forschungsprojektes 13DPD3-120383 „Wie von Geisterhand“ zeigte sich, dass es sich hier um ein unerwartet grosses und kulturhistorisch bedeutsames Forschungsgebiet handelt, das aktuell von unterschiedlichen Seiten grosse Aufmerksamkeit erfährt: Um die Forschungsansätze zu bündeln und besser zu vernetzen, veranstaltet die Technische Universität Berlin im November 2010 einen Kongress zur musikalischen Interpretationsforschung, bei dem unter anderem auch dieses DORE-Projekt vorgestellt werden wird. Zentrale Fragen beschäftigen sich nicht nur mit der musikalischen Auswertung dieser einzigartigen Interpretations-Dokumente aus den Jahren 1904-1932, sondern auch mit der Frage, ob musikalische Interpretation als ein Kunstwerk oder Kunsthandwerk verstanden wurde und wird. Gerade der Interpretationsvergleich, der durch die Welte-Technologie erstmals ermöglicht und werbewirksam inszeniert wurde, stiess beim wohlhabenden Bildungsbürgertum auf grosses Interesse.Dieser Zusammenhang ist umso bedeutsamer, als die aus dem 19. Jahrhundert herstammende musikalische Interpretationskultur, wie sie in den Welte-Dokumenten überliefert ist, schon in den 1920er Jahren von starken Gegenbewegungen abgelöst wurde, die bis heute unser Musikleben prägen. Insofern ist jede Forschungsfrage in diesem Repertoire mit einer kritischen Perspektive auf den musikalischen Standardisierungsprozess des 20. Jahrhunderts verbunden, obwohl es gerade die Reproduzierbarkeit von Interpretation war, die diese Entwicklung beschleunigt hat. Ziel des vorliegenden Folgeprojektes von „Wie von Geisterhand“ ist es, der Interpretationsforschung, die im bisherigen Verlauf aus technischen Gründen zu kurz gekommen war, einen Weg durch dieses weite kulturwissenschaftliche Forschungsfeld zu bahnen.Die bisher geplanten Schwerpunkte sollen unter neuen methodischen Voraussetzungen vertieft werden: Durch die Entdeckung von Aufnahmerollen („Mutterrollen“) für Orgel, auf denen zahlreiche Editionsvermerke sichtbar sind, sowie durch die faszinierende Möglichkeit, den einzigen erhaltenen Aufnahmeapparat der Firma Welte erstmals technisch zu untersuchen, wird sich der Orgel-Forschungsbereich auf die zentrale Frage des Aufnahme- und Wiedergabeverfahrens konzentrieren, die für alle weiteren Untersuchungen in diesem Repertoire - auch im Bereich der Klavierrollen - von grundlegender Bedeutung ist. Der Forschungsbereich der Klavierrollen wird die Ansätze aus „Wie von Geisterhand“ zur Untersuchung der Interpretationspraxis um 1900 aufnehmen und verfeinern. Drei Dozierende der HKB werden sich mit drei aufeinander bezogenen Forschungsthemen zum Interpretationsvergleich beschäftigen, bei denen die praktische Verwertbarkeit der zu erwartenden Ergebnisse im Vordergrund steht. Diese Verwertbarkeit bezieht sich nicht nur auf die Aufführungspraxis im romantischen Kernrepertoire der künstlerischen Hochschulausbildung, sondern auch auf die Kriterienbildung für die gegenwärtig noch recht unscharfen Verfahren der computergestützten Interpretationsanalyse und bildet so einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Methodendiskussion in der Interpretationsforschung. Abschliessend sollen die Ergebnisse des Interpretationsvergleichs vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Interpretationsästhetik - der „musikalischen Vortragslehre“ - auf den in ihnen greifbaren Anteil an intentionalen Entscheidungen der Interpreten analysiert werden.
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