Project

Back to overview

Gender and Citizenship. Politische und gesellschaftliche Partizipation im 20. und 21. Jahrhundert am Beispiel der religiös-sozialen Bewegung und der institutionalisierten Gleichstellungsarbeit

English title Gender and Citizenship. Political and social participation in the 20th and 21st centuries - the religious social Movement and institutionalised equality strategies
Applicant Znoj Heinzpeter
Number 127295
Funding scheme ProDoc
Research institution Institut für Sozialanthropologie Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Ethnology
Start/End 01.12.2009 - 30.09.2014
Approved amount 452'387.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
Ethnology
Swiss history

Keywords (8)

citizenship; gender; social movements; equal opportunities; feminism; emancipation; religious movements; social norms

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Lead:
Die politische und gesellschaftliche Teilnahme an der Gesellschaft wurde von verschiedenen Gruppen im 20. Jahrhundert erstritten und ist heute zunehmend institutionell garantiert. Das Forschungsprojekt untersucht an den Beispielen der religiös-sozialen Bewegung und der institutionalisierten Gleichstellungsarbeit, wie diese Teilnahme eingefordert und in Anspruch genommen wurde und wird.

Hintergrund:
Das 20. Jahrhundert kann als das Jahrhundert der sozialen Bewegungen bezeichnet werden. Diese forderten die Erweiterung gesellschaftlicher Partizipation für jene, die bisher davon ausgeschlossen blieben: Die Arbeiter in der Arbeiterbewegung, die Frauen in den Frauenbewegungen oder die Zivilbevölkerung in der Friedensbewegung. Gleichzeitig ist das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Institutionalisierung und Professionalisierung politischer Forderungen, in dem der Staat zunehmend zum Garanten für die Umsetzung emanzipatorischer Ansprüche wurde. Das Forschungsmodul untersucht zwei Kontexte gesellschaftlichen und politischen Engagements, die in diesem historischen Prozess angesiedelt sind: Einerseits das Engagement von Frauen in der religiös-sozialen Bewegung, die sich für die Rechte der Arbeiter, für die Gleichberechtigung der Geschlechter und für den Weltfrieden einsetzten, andererseits die institutionalisierte Gleichstellungsarbeit, die sich heute professionell für die Gleichstellung von Frauen und Männern in unterschiedlichen Bereichen und mit zunehmend differenzierten Zielsetzungen engagiert.

Das Ziel:
Das Projekt hat zum Ziel nachzuzeichnen, wie Geschlecht Prozesse gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses strukturiert. Indem das Engagement der Akteur/innen in den zwei beschriebenen Kontexten untersucht wird, gibt das Projekt Auskunft über deren Möglichkeiten, Grenzen von gesellschaftlichem Ein- und Ausschluss durch ihre Handlungen zu legitimieren oder zu verändern.

Bedeutung:
Das Projekt will mit dem Vergleich der beiden Kontexte Einsichten in die Wirkweise von Normen in subjektiven Handlungszusammenhängen schaffen und die Bedeutung der subjektiven Aneignung von Normen für deren Legitimation oder Wandel beleuchten. Die individuellen und kollektiven Aushandlungen über die Partizipationsmöglichkeiten an der modernen Gesellschaft werden mit dem Konzept der citizenship gefasst. Das Projekt versteht sich damit als Beitrag zur aktuellen Debatte um citizenship, indem es die Möglichkeiten und Grenzen des Analyseinstruments auslotet.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Von der Wohnungs- zur Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger und der genossenschaftliche Wohnungsbau im Zürich der 1910er und 20er Jahre
Ammann Ruth (2014), Von der Wohnungs- zur Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger und der genossenschaftliche Wohnungsbau im Zürich der 1910er und 20er Jahre, in Eibach Joachim, Teuscher Simon, Studer Brigitte, Conrad Christoph (ed.), Chronos, Zürich, 221-238.
Le genre comme ressource politique en Suisse. La perception de l'élite politique
Ganzfried Miriam (2013), Le genre comme ressource politique en Suisse. La perception de l'élite politique.
Staudinger, Dora
Ammann Ruth (2013), Staudinger, Dora, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Schweizer Frauen-Zeitung
Ammann Ruth (2012), Schweizer Frauen-Zeitung, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Strub, Walter
Ammann Ruth (2012), Strub, Walter, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Thalmann, Clara
Ammann Ruth (2012), Thalmann, Clara, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Thalmann, Paul
Ammann Ruth (2012), Thalmann, Paul, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Schweizerisches Familien-Wochenblatt
Ammann Ruth (2011), Schweizerisches Familien-Wochenblatt, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Schweizer Frauenblatt
Ammann Ruth (2010), Schweizer Frauenblatt, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Schweizer Hausfrau, Die (Zeitschrift)
Ammann Ruth (2010), Schweizer Hausfrau, Die (Zeitschrift), in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Trostel, Willi
Ammann Ruth (2010), Trostel, Willi, in Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) (ed.), Schwabe, Basel, 1.
Von der Wohnungs- zur Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger und der genossenschaftliche Wohnungsbau in Zürich der 1910er und 20er Jahre
Ammann Ruth, Von der Wohnungs- zur Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger und der genossenschaftliche Wohnungsbau in Zürich der 1910er und 20er Jahre, in Christoph Conrad Joachim Eibach Brigitte Studer Simon Teuscher (ed.).

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Annual Congress of the Swiss Political Science Association Talk given at a conference Global Diffusion of Women’s Rights Norms within a Transnational Advocacy Network: The Case of Amnesty International 30.01.2014 Bern, Switzerland Ganzfried Couderc Miriam;
3. Schweizerische Geschichtstage, Panel: Die Globalisierung von Normen und der transkulturelle Austausch im Feminismus und Menschenrechtsaktivismus Talk given at a conference Feministische Wende bei Amnesty International: Gewalt im privaten Bereich als Menschenrechtsverletzung 07.02.2013 Universität Fribourg, Switzerland Ganzfried Couderc Miriam;
7th international interdisciplinary conference GWO2012, stream "Women's organising" Talk given at a conference The role of women within Amnesty International in the "Feminist turnin Human Rights". 1989–2003 26.06.2012 Keele University, England, Great Britain and Northern Ireland Ganzfried Couderc Miriam;
Ist das Glas halb leer oder halb voll? Workshop zum Stand der Gleichstellung in der Schweiz Talk given at a conference Erfolgreiche Damenwahl? Frauen in der eidgenössischen Politik 20.10.2011 Bern, Switzerland Ganzfried Couderc Miriam;
Symposium des Pro*Doc „Gender: Prescripts and Transcripts“ Talk given at a conference Berufung zum Engagement? Kritikerinnen der Moderne am Beispiel zweier religiöser Sozialistinnen im Zürich der 1910er und 1920er Jahre. Aktuelle Konzeption und Gliederung 08.10.2011 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Doktorandenkolloquium von Prof. Dr. B. Studer, Historisches Institut der Universität Bern Individual talk Von der Wohnungs- zur Frauenfrage und zurück. Dora Staudinger und der genossenschaftliche Wohnungsbau in Zürich vor und nach dem Ersten Weltkrieg 20.05.2011 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Blockseminar des Pro*Doc “Gender: Prescripts and Transcripts” mit Prof. Dr. Christine Kanz, Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Gent Talk given at a conference Clara Ragaz und die Frage der Prostitution um 1912: Erste Thesen und Fragen zu den Möglichkeiten der historischen Deutung der Sittlichkeitsbewegung und zur Argumentationslogik der Referentin Clara Ragaz 02.04.2011 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Kernveranstaltung des Pro*Doc „Gender: Prescripts and Transcripts“ Talk given at a conference Citizenship: Bilanz zu meiner Auseinandersetzung mit dem Konzept 31.03.2011 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Feier zum Internationalen Frauentag Talk given at a conference Die Frauen haben Platz genommen - und jetzt? 08.03.2011 Bern (DEZA), Switzerland Ganzfried Couderc Miriam;
Workshop Gender konkret! Methodische Zugänge der Geschlechtergeschichte des Historischen Instituts und des Instituts für Medizingeschichte mit einem Co-Referat von Dr. Tove Soiland der Universität Zürich Talk given at a conference Citizenship: Ein nützliches Analyseinstrument der Geschlechtergeschichte? Religiöse Sozialistinnen zwischen Staat und ‘Reich Gottes’ (20.Jh.) 03.12.2010 Universität Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Kernveranstaltung des Pro*Doc „Gender: Prescripts and Transcripts“ Talk given at a conference Work in Progress zu Clara Ragaz: ‘Prostitution und soziale Stellung der Frau’, Vortrag, gehalten im Schwurgerichtssaal in Zürich am 18. April 1912 21.10.2010 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Kolloquium zu Joan W. Scott und Judith Butler am Graduiertenkolleg, Universität Bern Talk given at a conference Joan W. Scott: Gender: eine nützliche Kategorie der Geschichtswissenschaft (Inputreferat) 27.08.2010 Bern, Switzerland Ammann Ruth;
Kernveranstaltung des Pro*Doc „Gender: Prescripts and Transcripts“ Talk given at a conference Berufung zum Engagement? Subjektivität und citizenship von Frauen in der religiös-sozialen Bewegung 1906 bis 1950. Herleitung der Fragestellung und Klärung der Begriffe Subjektivität und citizenship 19.03.2010 Ber, Switzerland Ammann Ruth;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Clara Ragaz und das Prostitutionsverbot in der Schweiz (Autorin: Ruth Ammann) Neue Wege, 108 (Mai 2014) 5, S. 136-140 German-speaking Switzerland 2014
Media relations: print media, online media „Wir haben Jahrzehnte dafür gekämpft!“ Ein Porträt der Frauenstimmrechtskämpferin und Alt-Nationalrä Gender Studies 18, Frühjahr 2011, Seite 8 German-speaking Switzerland 2011
Media relations: print media, online media Ein Grund zum Feiern? (Autorin: Miriam Ganzfried) Gender Studies 18, Frühjahr 2011, Seite 25 German-speaking Switzerland 2011
Print (books, brochures, leaflets) Lentement, mais sûrement ! Les droits politiques des femmes suisses Western Switzerland German-speaking Switzerland Italian-speaking Switzerland 2011

Abstract

Das 20. Jahrhundert kann als das Jahrhundert der sozialen Bewegungen bezeichnet werden. In Weiterführung der grossen Bewegungen des 19. Jahrhunderts thematisierten verschiedene Gruppen die Verheissungen der Französischen Revolution, welche in der institutionellen und verfassten Umsetzung der europäischen Nationalstaaten defizitär geblieben waren. Sie forderten die Erweiterung gesellschaftlicher Partizipation für jene, die bisher ausgeschlossen blieben: Die Arbeiter in der Arbeiterbewegung, die Frauen in den beiden Frauenbewegungen oder die Zivilbevölkerung in der Friedensbewegung. Ihnen gemeinsam war das emanzipatorische Ziel, die gesellschaftliche Partizipation an der modernen Gesellschaft für möglichst viele soziale Gruppen zu erweitern und die Strukturen zu verändern, welche ihren Ausschluss begründeten. Gleichzeitig ist das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Institutionalisierung und Professionalisierung politischer Forderungen, in dem der Staat zunehmend zum Garanten für die Umsetzung emanzipatorischer Ansprüche wurde. Ein Teil der Forderungen der Neuen Frauenbewegung etwa mündete in der Schaffung von Gleichstellungsstellen, welche im Rahmen der staatlichen Verwaltung oder mit Hilfe staatlicher Unterstützung die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in den Bereichen der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft umsetzen und umsetzten. Diese Stellen sind ihrerseits eingebunden in ein Netz transnationaler Gleichstellungsinitiativen und -institutionen, welche am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhundert eigene Diskurse entwickelten und entwickeln, um innerhalb der bestehenden Strukturen die Ursachen von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu beheben.Dieses Forschungsmodul untersucht zwei Kontexte gesellschaftlichen und politischen Engagements für die Erweiterung der Partizipation an der modernen Gesellschaft: Die Historikerin Ruth Ammann (Universität Bern) untersucht das Engagement von Frauen in der religiös-sozialen Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese forderten aus christlicher Überzeugung die Partizipation der Arbeiterschicht, wie auch ihre eigene Partizipation als Frauen in einem sozialistischen Gesellschaftsentwurfs Der Sozialanthropologe Fabian Leuthold (Universität Bern) analysiert, wie die heutigen Gleichstellungsakteurinnen und, zunehmend, -akteure den gesetzlich verankerten Anspruch auf Gleichstellung in ihrer Arbeit interpretieren und ausformulieren und wie diese Ausformulierungen die Partizipation von Frauen und Männern an der Gleichstellungsarbeit, sowie die Umsetzung von Gleichstellung strukturieren. Im Zentrum steht die Frage, wie Geschlecht Prozesse gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses struktu-riert und die Möglichkeiten einzelner und kollektiver Akteur/innen bestimmt, diese Prozesse mitzuge-stalten, zu ermöglichen, bzw. zu verändern. Geschlecht fungiert dabei als prescript, das ständig in individuelle und kollektive Handlungen und Äusserungen übersetzt wird (transcripts). Als übergeordneten Analyserahmen zieht das Modul eine Konzeption von citizenship heran, welche die individuellen und kollektiven Aushandlungen über die Partizipationsmöglichkeiten an der modernen Gesellschaft, aber auch die Subjektivität der einzelnen Akteur/innen als Gegenstand fasst. Indem das Forschungsmodul das Engagement der Akteur/innen in den zwei beschriebenen Kontexten nachzeichnet, gibt es Auskunft über ihre Möglichkeiten, Grenzen von gesellschaftlichem Ein- und Ausschluss durch ihre Handlungen zu legitimieren oder zu verändern. Durch die Anwendung des gemeinsamen analytischen Rahmens schafft das Forschungsmodul eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und nutzt die daraus entstehenden Synergien insbesondere für die theoretischen Begrifflichkeiten in den einzelnen Dissertationsvorhaben. Der Vergleich der beiden Kontexte erlaubt Einsichten in die Wirkweise von Normen in subjektiven Handlungszusammenhängen und beleuchtet die Bedeutung der subjektiven Aneignung von Normen für deren Legitimation oder Wandel.
-