Project

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Ländliche Heilerpraxis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

English title A rural healer's practice in the first half of the 19th century
Applicant Ritzmann Iris
Number 124775
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Medizinhistorisches Institut Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.11.2009 - 31.03.2012
Approved amount 173'177.00
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Keywords (19)

Medizingeschichte; Professionalisierung; medizinische Praxis; 19. Jahrhundert; ländliche Alltagsgeschichte; Laienmedizin; Patientengeschichte; Körpergeschichte; (history of medicine; patient history; body history); history of medicine; 19th century; medical professionalisation; medical practise; medical diaries and casebooks ; non academic healer; patient history; body history

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung lag zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur zum Teil bei akademischen Ärzten. Verschiedene nichtakademische Medizinalpersonen wie handwerkliche Chirurgen und Badern, familiär ausgebildete Heilkundige und Laienheiler boten ihre Behandlungen an. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts erlangte die akademische Ärzteschaft ein gewisses Monopol auf dem medizinischen Markt.

Aus dieser spannungsreichen Zeit des professionellen Übergangs sind als absolute Rara einzelne Praxisjournale eines familiären Heilers Gottfried Wachter (1776-1861) aus dem Thurgau erhalten, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Die Untersuchung dieser Aufzeichnungen erfolgt qualitativ textanalytisch und quantitativ mit der Erstellung einer Datenbank mit dem Ziel, die Spezifik der Heilertätigkeit in ihrer letzten offiziellen Phase herauszuarbeiten, auf die Klientel und deren Abstammung einzugehen sowie das Spektrum der Krankheitsbilder und therapeutischen Methoden zu analysieren.

Die Leitfrage des Projektes lautet, ob die Monopolisierung der Medizin durch die akademischen Ärzte eher als therapeutische Modernisierung oder als reine Verdrängung einer Berufsgruppe durch eine andere interpretiert werden muss. Ein zweiter Fragebereich soll der Beziehung zwischen Heiler und Patienten nachgehen, ob etwa der Heiler als lokale Ansprechperson oder als Spezialist auf bestimmte Leiden mit weitem Einzugsbereich aufgesucht wurde. Schliesslich soll auch die Praxis Wachters nach Möglichkeit mit dem diagnostischen Spektrum und den konkreten therapeutischen Angeboten akademischer Ärzte verglichen werden. Dabei könnte auf die Ergebnisse einer internationalen Forschergruppe über Arztpraxen des 17. bis 19. Jahrhunderts zurückgegriffen werden, in die das Projekt eingebettet ist.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Doctors and Their Patients in the Seventeenth to Nineteenth Centuries
Baschin Marion, Dietrich-Daum Elisabeth, Ritzmann Iris (2016), Doctors and Their Patients in the Seventeenth to Nineteenth Centuries, in Clio Medica. Perspectives in Medical Humanities, 96, 39-70.
Unlicensed Practice: A Lay Healer in Rural Switzerland
Unterkircher Alois, Ritzmann Iris (2016), Unlicensed Practice: A Lay Healer in Rural Switzerland, in Clio Medica. Perspectives in Medical Humanities, 96, 230-252.
Die Praxisaufzeichnungen des Gottfried Wachter (1776-1861)
Ritzmann Iris (2013), Die Praxisaufzeichnungen des Gottfried Wachter (1776-1861), in Atzl Isabel (ed.), Deutsches Medizinhistorisches Museum, Ingolstadt, 28-31.
Ein Auslaufmodell – Spuren einer ländlichen Heilerpraxis im Zeitalter der Akademisierung
Weikl Katharina, Ritzmann Iris (2012), Ein Auslaufmodell – Spuren einer ländlichen Heilerpraxis im Zeitalter der Akademisierung, in Gesnerus - Swiss Journal of the History of Medicine and Sciences, 71(2), 76-94.
Penning Patient’s Histories – Doctors’ Records and the Medical Market in the 18th and 19th Century
Gafner Lina (ed.) (2012), Penning Patient’s Histories – Doctors’ Records and the Medical Market in the 18th and 19th Century, Schwabe Verlag, Basel.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Institut für Geschichte und Ethnologie, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Austria (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Institut für Medizingeschichte Universität Bern Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Deutsches Medizinhistorisches Museum, Ingolstadt Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Charité Universitätsmedizin Berlin Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Ärztliche Praxis 17.-19. Jahrhundert - Abschlusstagung Talk given at a conference Praktizierte Medizin ohne anerkannte Ausbildung. Einblicke in eine ländliche Laienheilerpraxis 18.10.2012 Stuttgart, Germany Ritzmann Iris;
Geschichte der Arztpraxen Talk given at a conference Arztpraxen - Patientenschaft 15.03.2012 Bern, Switzerland Ritzmann Iris;
Medizinhistorisches Forschungskolloquium Individual talk Der medizinische Markt im Praxisjournal einer Laienpraxis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 24.03.2011 Zürich, Switzerland Weikl Katharina;


Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
PRAXISWELTEN - Zur Geschichte der Begegnung von Arzt und Patient Performances, exhibitions (e.g. for education institutions) 25.10.2013 Berlin, Switzerland Ritzmann Iris;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
120680 Die Praxis des Bieler Arztes Caesar Adolph Bloesch (1804-1863) 01.06.2008 Project funding (Div. I-III)
140501 Ein Auslaufmodell: Medizinische Praxis und Lebenswelt eines Laienheilers in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 01.04.2012 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Das Projekt will die Praxis des nichtakademischen ländlichen Heilers Gottfried Wachter im Thurgau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts untersuchen. Als Hauptquelle hierfür dienen bislang unbearbeitete Praxisjournale Wachters aus vier Jahrzehnten. Die Quelle ist von ausserordentlicher Bedeutung, da in ihr die Praxis eines ländlichen Heilers ohne akademische Bildung dokumentiert ist. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Aufzeichnungen aus der Zeit stammen, in der die gelehrten Ärzte eine Monopolisierung auf dem Medizinischen Markt anstrebten und nichtakademische Heilkundige zu verdrängen begannen. Ein Druck, unter dem auch Wachter stand.Die Angaben des Praxisjournals über die Krankheiten der Patienten, Therapien des Heilers, Erfolge und Misserfolge der Behandlung und z.T. über die Bezahlung sowie diverse soziale Daten über die Patienten selbst liefern die Quellenbasis für folgende Fragestellungen: Welche Behandlungen bot dieser nichtakademische Heiler welcher Klientel an? Befinden sich darunter eher Therapien, die Bezüge zur „Volksmedizin“, zu älterer gelehrter Medizin oder zur damals aktuellen akademischen Medizin aufweisen? Dahinter steht die Leitfrage, ob die Monopolisierung der Medizin durch die akademischen Ärzte eher als therapeutische Modernisierung oder als reine Verdrängung einer Berufsgruppe durch eine andere interpretiert werden muss.Ein zweiter Fragebereich soll untersuchen, wie sich die Patientenschaft dieses Heilers zusammensetzte, etwa als diejenige eines lokalen Dorfheilers mit oder als Spezialist mit weitem Einzugsbereich.In einer dritten Arbeitsphase soll die Praxis Wachters nach Möglichkeit mit dem diagnostischen Spektrum und den konkreten therapeutischen Angeboten akademischer Ärzte verglichen werden. Dabei kann auf die Ergebnisse des koordinierten Forschungsvorhabens einer internationalen Forschergruppe über Arztpraxen des 17. bis 19. Jahrhunderts zurückgegriffen werden, in die das Projekt eingebettet ist. Eines der Projekte wird vom SNF bereits gefördert. Die deutschen Projekte sind bei der DFG derzeit in der Begutachtungsphase. Der österreichische Teil ist im Übergang von der Erhebungs- in die Auswertungsphase. Das vorliegende Projekt befasst sich als einziges mit einer nichtakademischen medizinischen Quelle. Das Projekt ist zudem Teil einer Initiative des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich, seine vielfältigen Archivbestände systematisch in die medizinhistorische Forschung einzubringen.
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