Project

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Mitwelten. Medienökologische Infrastrukturen für Biodiversität

English title Con-vironments. Media Ecological Infrastructures for Biodiversity
Applicant Torpus Jan
Number 197845
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Experimentelle Design und Medienkulturen Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW
Institution of higher education University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland (without UTE) - FHNW
Main discipline Arts
Start/End 01.12.2020 - 30.11.2024
Approved amount 950'121.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Arts
Ecology

Keywords (11)

Environmental Humanities; Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT); Animal Geography; Biodiversität; Internet der Dinge (IoT); Medienökologie; Ökologische Infrastrukturen; Infrastrukturelle Technologie; Animal Computer Interaction (ACI); Freiraumgestaltung; Multispecies Ethnography

Lay Summary (German)

Lead
Der Anstieg der Weltbevölkerung und globale Industrialisierungsprozesse führen zu Arten- und Lebensraumschwund. Menschliche Siedlungsräume können Wildtieren mittlerweile attraktivere Lebensgrundlagen als die Agrarwüsten der industriellen Landwirtschaft bieten, wodurch es zu Konflikten kommt. Bisher werden Grünanlagen in der Siedlungsgestaltung auf den Menschen ausgerichtet, während der Mensch aus der Naturschutzbiologie ausgeschlossen wird. Der vermeintliche Widerspruch von Natur und Technologie muss in ein konstruktives Zusammenspiel transformiert werden, damit die Bewahrung der Artenvielfalt gelingen kann. Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, mit den Mitteln einer natur-, kultur- und medienwissenschaftlich erweiterten Designforschung Gestaltungsansätze zur Förderung von Biodiversität in Siedlungs- und Naherholungsgebieten zu leisten.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Wie können mediale Designinterventionen auf Grundlage des Internets der Dinge ökologisch und kulturell zur Förderung von Biodiversität in lokalen Ökosystemen beitragen?

Zur Beantwortung dieser Leitfrage werden in drei Fallstudien in Mensch-Umwelt-Aushandlungsprozessen medientechnologische Infrastrukturen gestaltet und installiert: in der Kulturlandschaft der Merian Gärten bei Basel, in einem ehemaligen Hafengebiet der Stadt Basel und in einem Naturschutzgebiet in der Agglomeration Basels. Dafür werden Ansätze und Methoden der Ökologie und der Kultur- und Medienwissenschaften mit denen der Designforschung und Informatik kombiniert. Die Designinterventionen haben zum Ziel, Pflanzen und Tieren eine Stimme zu geben, ökologische Wissensbestände und Erfahrungen zu erweitern, neue Formen Spezies übergreifenden Zusammenlebens zu gestalten und dadurch ökologische Werte und Verhaltensweisen zu kultivieren. Konkret wird ein ‘Internet of Things Toolkit’ entwickelt, das im Rahmen der gestalterischen Interventionen als medientechnologische Infrastruktur dient und ein ‘Response-able Environment’ bildet.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Forschungsprojekt soll einen konkreten Beitrag zur Förderung von Biodiversität in urbanen wie ländlichen Siedlungs- und Naherholungsgebieten leisten. Es vertieft die anwendungsorientierte und gesellschaftlich engagierte interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sinne medienökologischer Environmental HumanitiesDie Designinterventionen werden evaluiert und Erkenntnisse in Form einer Publikation, eines multimedialen Atlas sowie Massnahmenpaketen für die Freiraumgestaltung dokumentiert und vermittelt.


Direct link to Lay Summary Last update: 05.11.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Natural persons


Name Institute

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
156977 Gestaltete Unmittelbarkeit. Atmosphärisches Erleben in einer affektiv-responsiven Umgebung 01.02.2015 Project funding (Div. I-III)
185436 Technologie - Mensch - Design: Paradigmen des Ubiquitous Computing 01.10.2019 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Der Anstieg der Weltbevölkerung und globale Industrialisierungsprozesse führen zu Arten- und Lebensraumschwund. Menschliche Siedlungsräume können Wildtieren mittlerweile attraktivere Lebensgrundlagen als die Agrarwüsten der industriellen Landwirtschaft bieten, wodurch es zu Konflikten kommt. Bisher werden Grünanlagen in der Siedlungsgestaltung auf den Menschen ausgerichtet, während der Mensch aus der Naturschutzbiologie ausgeschlossen wird. Der vermeintliche Widerspruch von Natur und Technologie muss in ein konstruktives Zusammenspiel transformiert werden, damit die Bewahrung der Artenvielfalt gelingen kann. Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, mit den Mitteln einer kultur- und medienwissenschaftlich erweiterten, interdisziplinären Designforschung einen Beitrag zur Förderung von Biodiversität in urbanen wie ländlichen Siedlungs- und Naherholungsgebieten zu leisten. Die zentrale Prämisse der Medienökologie, die Aufhebung der Dichotomie von Natur und Kultur einschliesslich des technologischen Bereichs, leitet das Projekt bei der Überschreitung der anthropozentrischen Perspektive. Die Integration verschiedener Dimensionen dieser Forschungsrichtung bildet den theoretischen Rahmen des Projekts bei der Erforschung medientechnologischer Infrastrukturen als ‘Medien für Ökologie’.Wie können mediale Designinterventionen auf Grundlage des Internets der Dinge ökologisch und kulturell zur Förderung von Biodiversität in lokalen Ökosystemen beitragen?Zur Beantwortung dieser Leitfrage werden in drei Fallstudien in Mensch-Umwelt-Aushandlungsprozessen medientechnologische Infrastrukturen als Forschungsanlagen gestaltet und installiert: in der Kulturlandschaft der Merian Gärten bei Basel, in einem ehemaligen Hafengebiet der Stadt Basel und in einem Naturschutzgebiet in der Agglomeration Basels. Sie explorieren die heuristischen medientheoretischen Begriffsbildungen ‘Ontodiversität’, ‘Interspezies-Plattformen’ und ‘Medien der Konvivialität’. Verfahren der Designforschung (vertreten durch Jan Torpus) integrieren Methoden der Kultur- und Medienwissenschaft (Felix Gerloff), der Biologie (Dr. Daniel Küry), der Informatik (Prof. Thomas Amberg) und der Siedlungsökologie und Freiraumplanung (Prof. Christoph Küffer). Die Designinterventionen haben zum Ziel, Pflanzen und Tieren eine Stimme zu geben, ökologische Wissensbestände und Erfahrungen zu erweitern, neue Formen Spezies übergreifenden Zusammenlebens zu gestalten und dadurch ökologische Werte und Verhaltensweisen zu kultivieren.Konkret wird ein ‘Internet of Things (IoT) Toolkit’ entwickelt, das aus einem Netzwerk von Sensoren, Aktoren und Prozessoren besteht. Es wird im Rahmen der gestalterischen Interventionen im Feld eingerichtet und fungiert dann als (deren) medientechnologische Infrastruktur. Der Einsatz von Technologie erfolgt aber in kritischer Abgrenzung vom kommerziellen und technophilen ‘Smart’-Paradigma. Mit Sensoren wird die lokale Lebenswelt erfasst (Monitoring), mittels medialer Darstellungsformate analysiert und ihre Topologie in einem interaktiven, multimedialen Atlas verdichtet. Aktoren überführen die ausgewerteten Messwerte dynamisch-regulativ zurück in die physische Umgebung und tragen so zur Gestaltung adaptiver Installationen mit multifunktionalem Interspezies-Mobiliar und beziehungsstiftenden Formaten wie automatisierten Live-Streams bei. Eine App ermöglicht die Vermittlung aktueller Informationen, die ortsensitive Nachempfindung von Naturereignissen sowie die Partizipation an wissenschaftlichen Prozessen und der Pflege öffentlicher Räume. Durch diese Interventionen entsteht ein ‘Response-able Environment’ (statt ‘smart’ oder ‘responsive’) mit erweiterter Kommunikationsfähigkeit und Handlungsmacht. Ihre Auswirkungen werden durch interdisziplinäre Evaluationen untersucht und Erkenntnisse in ‘multimodalen dichten Beschreibungen’ zusammengetragen. Sie münden in einem nachbaubaren IoT-Toolkit, exemplarischen Entwürfen und Massnahmenpaketen für die Freiraumgestaltung sowie abgeleiteten Gestaltungsprinzipien. Durch die empirische Fundierung medienökologischer Denkansätze wird die Theoriebildung vorangetrieben. Das Projekt wird auf einer Multimedia-Plattform dokumentiert, die gemeinsam mit einer Buchpublikation dessen Forschungsergebnisse vermittelt.
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