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Vicentino21 - Digitale Edition mit Übersetzung, Kommentar und praktischer Erkundung von Nicola Vicentinos «L’antica musica ridotta alla moderna prattica» (Rom 1555)

English title Vicentino21 - a digital edition with commentary, translation and practical exploration of Nicola Vicentino’s «L’antica musica ridotta alla moderna prattica» (Rome 1555)
Applicant Kirnbauer Martin
Number 188922
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Schola Cantorum Basiliensis Musik Akademie Basel FHNW
Institution of higher education University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland (without UTE) - FHNW
Main discipline Musicology
Start/End 01.01.2020 - 31.12.2023
Approved amount 937'479.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Musicology
Music, Theatre

Keywords (8)

Textkritik + Textphilologie; Historische Musikpraxis; Musiktheorie der Renaissance; Diatonik - Chromatik - Enharmonik; Arciorgano + Archicembalo; Digitale Edition; Mikrotonalität; Nicola Vicentino

Lay Summary (German)

Lead
Nicola Vicentinos «L’antica musica ridotta alla moderna prattica» (Rom 1555) ist einzentraler Traktat zur Musik, Aufführungspraxis und Musiktheorie des 16. Jahrhunderts,der bislang allerdings unterschätzt und nur partiell ausgewertet wurde. Eine digitale Edition ermöglicht einen neuen Zugang.
Lay summary

Ziel des Projektes ist die Erforschung des historischen, intellektuellen und musikalischen Kontextes von Nicola Vicentino (1510-1577) sowie die Rezeption und der Einfluss seiner revolutionären Ideen und Überlegungen zu Musik und Musiktheorie (Stichwort: Wiedereinführung von antiker Chromatik und Enharmonik), wie sie vor allem in seinem Traktat von 1555 überliefert sind. Zu diesem Zweck erstellt «Vicentino21» eine digitale Edition des Traktats und seiner Musik, die Open Access auf einer Plattform zur Verfügung gestellt wird (in Zusammenarbeit mit der Nationalen Infrastruktur für Editionen NIE-INE). Basierend auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts «Studio31», u.a. den rekonstruierten Instrumenten Arciorgano und Archicembalo nach Vicentino (siehe «projektstudio31.com»), ermöglichen ergänzende Übersetzungen, Kommentare und Klangbeispiele einen klanglichen Nachvollzug der in ihren harmonischen und melodischen Kühnheiten beispiellos spektakulären Musik Vicentinos und bietet die Voraussetzung für eine neue Auseinandersetzung mit diesem bemerkenswerten Musiker und seinen innovativen Ideen.

Die Bedeutung liegt in 3 Hauptaspekten:
1. Die exemplarische digitale Edition eines bedeutenden Musiktraktats aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der bislang hinsichtlich seines Beitrags zur Integration der Chromatik und Enharmonik zwar wahrgenommen, aber teils falsch verstanden, teils unterschätzt wurde.

2. Durch die Aufarbeitung des historischen, kulturellen, musikalischen und intellektuellen Hintergrunds wird ein eigentliches Manifest der mit und nach Vicentino einsetzenden Erweiterung des genutzten Tonraums zugänglich: zunächst durch den expliziten Einbezug von Chromatik und Enharmonik, zunehmend aber durch nurmehr implizite Allusionen auf Chromatik und Enharmonik, was die Entwicklung der Tonsprache der europäischen Musik wesentlich beeinflusste.

3. Schliesslich schlagen Vicentinos Ideen und ihre Manifestation im Arciorgano über den engeren fachwissenschaftlichen und aufführungspraktischen Kontext hinaus eine Verbindung in aktuelles Musikschaffen (Stichwort Mikrotonalität) wie auch in sogenannte aussereuropäische Musik, wie sie bereits Vicentino explizit beschrieb.

Direct link to Lay Summary Last update: 14.11.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Nicola Vicentinos «L’antica musica ridotta alla moderna prattica» (Rom 1555) ist ein zentraler Text zur Musik, Aufführungspraxis und Musiktheorie des 16. Jahrhunderts, der bislang allerdings unterschätzt und nur partiell ausgewertet wurde. Berühmt-berüchtigt ist der Autor wegen seiner kompromisslosen Umsetzung der antiken Genera (Diatonik, Chromatik und Enharmonik) in eine moderne Musikpraxis, für die er auch Tasteninstrumente mit 31 bzw. 36 Tasten pro Oktave entwickelte (Arciorgano und Archicembalo). Sie ermöglichten nicht nur den bewussten Einbezug kleinster Tonstufen und damit eine neuartige Tonsprache, sondern laut Eigenwerbung Vicentinos auch das Spiel von Musik von «tutte le nationi del mondo». Dass er 1551 mit seinen puristischen Ansichten einen berühmten Disput zur Frage des Anteils antiker Genera in zeitgenössischer Musik verlor und sich seine Ideen offensichtlich nicht durchsetzen konnten, trug wesentlich zu seiner Marginalisierung bei. Basierened aber auf den Resultaten des 2017 erfolgreich abgeschlossenen Forschungsprojektes «Studio31» ist nun erstmals ein konkreter Nachvollzug seiner Ideen und Musik auch im Klang möglich (siehe projektstudio31.com). Damit bietet sich nun die Möglichkeit einer innovativen Verbindung von philologischer, historischer Forschung mit musikalischer Aufführungspraxis und Methoden der «Performance Studies», die auch eine Anschlussfähigkeit zu aktueller Musikforschung (Stichwort «Mikrotonale Musik») gewährleistet. So ergibt sich hier eine einzigartige Verbindung von antiker Musiktheorie, Musikpraxis der Renaissance wie Kompositionspraxis des 20. und 21. Jahrhunderts. Übergeordnetes Ziel des Projektes ist die Erforschung des historischen, intellektuellen und musikalischen Kontextes von Nicola Vicentino (1510-1577) sowie die Rezeption und der Einfluss seiner Ideen und Überlegungen zu Musik und Musiktheorie, wie sie vor allem in seinem Traktat von 1555 überliefert sind. Dieses Ziel wird durch folgende Forschungen erreicht:1) Die Basis bildet eine bis heute fehlende kritische Edition des Traktats, mit deutscher (und englischer) Übersetzung und Klangbeispielen. Diese digitale Edition des Musiktraktats mit Noten- und Musikbeispielen hat überdies exemplarischen Charakter.2) Zusätzlich erfolgt eine Analyse und zusammenfassende Darstellung der musikalischen Ideen und des Systems von Vicentino im Kontext der zeitgenössischen Musiktheorie und Aufführungspraxis.3) Weiter eine Positionierung im kulturellen, ästhetischen und musikalischen Kontext seiner Zeit durch eine gründliche Erforschung von Vorlagen und Einflüssen aufgrund neuer Literaturstudien und Archivforschungen.4) Schliesslich die Entwicklung einer digitalen Plattform, um die Resultate einer weiteren Öffentlichkeit (von WissenschaftlerInnen bis KomponistInnen und MusikerInnen) zugänglich zu machen. Diese wird Open acces in Zusammenarbeit mit Nationale Infrastruktur für Editionen entwickelt.Da das Forschungsprojekt an der Schola Cantorum Basiliensis / FHNW angesiedelt ist, bieten sich ideale Möglichkeiten für die sich gegenseitig befruchtende wissenschaftliche Erforschung und praktische Erkundung.
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