Project

Back to overview

Experimentelle Morphosyntax romanischer Sprachen

English title Experimental Morphosyntax of Romance languages
Applicant Kabatek Johannes
Number 184923
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Romanisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Romance languages and literature
Start/End 01.04.2019 - 31.03.2023
Approved amount 528'117.00
Show all

Keywords (7)

experimentelle Methoden; Morphosyntax; differentielle Objektmarkierung; Portugiesisch; Nullobjekte; clitic doubling; Rätoromanisch

Lay Summary (German)

Lead
Sprache hat man traditionell vor allem mit zwei Datentypen untersucht: man schaut, wie Leute schreiben oder sprechen oder man stellt ihnen Fragen zu bestimmten Formen. In dem Projekt werden wir hingegen mit Experimenten arbeiten, mit Akzeptabilitäts- und Produktionsexperimenten, was einerseits eine gezielte Untersuchung, andererseits die Vergleichbarkeit der Daten ermöglicht. Unser Thema ist dabei die Markierung von Objekten in romanischen Sprachen; auf der Basis der Expertise im Bereich des Spanischen wird nun das Portugiesische und das Rätoromanische (v.a. das Engadinische) experimentell untersucht.
Lay summary
Wer Spanisch lernt, stösst schnell auf ein Phänomen, das die Linguistik mit einem Terminus des Zürcher Linguisten Georg Bossong als "Differentielle Objektmarkierung" (DOM) bezeichnet. Man sagt: 'veo la casa', "ich sehe das Haus", aber "veo a la maestra" - "ich sehe die Lehrerin". Bei bestimmten Arten von Objekten (etwa bei Personen oder Personalpronomen) muss ein "a" gesetzt werden. Das Phänomen gibt es in zahlreichen Sprachen der Welt in ähnlicher Form; im Bereich der romanischen Sprachen u.a. im Rumänischen, Sardischen oder Neapolitanischen. Die zwei romanischen Sprachen, in denen es zwar DOM gibt, es aber am unklarsten ist, wie es genau funktioniert, sind das Portugiesische und das Rätoromanische (speziell das Engadinische). Nun wollen wir in unserem Forschungsprojekt mit experimentellen Methoden, die in einer mehrjährigen Studie zum Spanischen entwickelt wurden, das Engadinische und das Portugiesische untersuchen und Antworten finden auf die Frage der Häufigkeit und Funktionsweise der jeweiligen differentiellen Objektmarkierung. Damit wollen wir letztlich einen tieferen Einblick in das Funktionieren der jeweiligen Sprachen erhalten und einem Thema, über das es in der Linguistik oft impressionistische und unzuverlässige Spekulationen gegeben hat, eine solide empirische Basis verleihen.
Direct link to Lay Summary Last update: 02.04.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
165633 Die differentielle Objektmarkierung im Spanischen: Emergenz und Tendenzen des aktuellen Systems 01.04.2016 Project funding (Div. I-III)
165633 Die differentielle Objektmarkierung im Spanischen: Emergenz und Tendenzen des aktuellen Systems 01.04.2016 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Die romanistische morphosyntaktische Forschung basiert traditionellerweise auf zwei verschiedenen Datentypen: einerseits Introspektionsdaten (oft basierend auf der Intuition der Forscher selbst), andererseits Korpusdaten im weitesten Sinne (einschliesslich Daten aus literarischen Texten). Beide Datentypen haben Vor- und Nachteile. Im Falle der Introspektionsdaten ist es zwar möglich, die Grenzen des Sprachsystems auszuloten, aber die Daten beruhen immer auf subjektiver Einschätzung; im Falle von Korpusdaten ist es nur möglich zu beschreiben, was im Korpus vorkommt, nicht aber das, was allenfalls auch noch in einer Sprache möglich wäre. In den letzten Jahren konnten wir in Zürich die Expertise in der experimentellen Feldarbeit mit Fragestellungen zur romanischen Morphosyntax am Beispiel der spanischen differentiellen Objektmarkierung erweitern und zeigen, dass die Anwendung replizierbarer experimenteller Methoden ein neues Licht auf einen vielfach beschriebenen Bereich der spanischen Grammatik wirft. Nicht nur konnte gezeigt werden, welch grosse Übereinstimmung in den Produktions- und Akzeptabilitätsexperimenten zutage kam, es konnten auch feine regionale Unterschiede herausgearbeitet werden, die bislang aufgrund der fehlenden einheitlichen Methode verborgen geblieben waren.Das Ziel des nun angestrebten, sich daran anschliessenden Forschungsprojektes, schöpft aus dieser Erfahrung und geht zugleich einen Schritt weiter: Die beiden romanischen Literatursprachen, in denen die Objektgrammatik am wenigsten untersucht ist, sind das Portugiesische (zu beiden Seiten des Atlantiks) und das Bündnerromanische. In beiden Sprachen (im Falle des Bündnerromanischen im Engadinischen) gibt es differenzielle Objektmarkierung und verwandte Phänomene; deren Funktion und Verwendung ist jedoch deutlich anders als im Spanischen und ist im Detail nicht befriedigend erforscht. Das Projekt hat zum Ziel, in diesen Sprachen einerseits die Produktion und Akzeptabilität von Objektmarkierungen auf der Basis vorgegebener Muster zu testen und darüber hinaus mit videobasierten Stimuli Kommunikationssituationen zu evozieren, in denen die Informanten verschiedene Objektklassen versprachlichen müssen. Damit wird es möglich sein, nicht nur semasiologisch die Funktion eines bestimmten grammatischen Phänomens zu erfassen, sondern ausgehend von einem onomasiologischen Setting Sprecherstrategien und -techniken zu erfassen.
-