Project

Back to overview

Flüchtlinge als Student*innen an Schweizer Hochschulen, 1946-1975

Applicant Ferri Marino
Number 184374
Funding scheme Doc.CH
Research institution Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Zentrum fur Religion, Wirtschaft und Politik Universität Luzern
Institution of higher education University of Lucerne - LU
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.03.2019 - 28.02.2022
Approved amount 178'758.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Swiss history

Keywords (8)

student history; migration policy; transnational history; refugee studies; migration studies; universities; higher education; history of Switzerland

Lay Summary (German)

Lead
Während der ersten drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg suchten mehrere Tausend geflüchtete Student*innen Zugang zu Schweizer Universitäten und Hochschulen. Über 1'500 wurden zum regulären Studium zugelassen, wobei sie oft mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert waren.
Lay summary

Ob der reguläre Hochschulzugang ermöglicht oder verhindert wurde, konnte je nach Situation von politischen, wirtschaftlichen, juristischen, gesellschaftlichen, akademischen und institutionellen Faktoren abhängen. Der grosse Kontext des «Kalten Krieges» beeinflusste viele Entscheidungen massgeblich. Den Entscheidungsprozessen geht die Arbeit mit fünf Fallstudien auf den Grund: Das Projekt untersucht einerseits die «Hilfsaktion für Flüchtlingsstudenten in der Schweiz» (1941-70), andererseits geflüchtete Student*innen aus der Tschechoslowakei ab 1948, Algerien ab 1958, Ungarn ab 1956 und aus verschiedenen nicht-europäischen Staaten ab 1965.  
Die Arbeit beleuchtet hauptsächlich drei Aspekte: erstens, die Bedingungen des regulären Hochschulzugangs. Zweitens, das Zusammenspiel der Akteure, die diese Bedingungen aushandelten. Drittens, die Erfahrungen von Flüchtlingsstudent*innen selbst, wobei auch nach der Relevanz geschlechterspezifischer Aspekte gefragt wird.

Das Projekt arbeitet auf der Basis reichhaltiger archivalischer, schriftlicher und mündlicher Quellen. Der Ansatz, die Perspektiven aller Beteiligten einzubeziehen, ermöglicht umfassende Analysen, die das vereinfachende Bild des «Ost-West»-Konflikts infrage stellen. Dadurch erscheinen einerseits neue Facetten transnationaler Schweizer Geschichte während des «Kalten Krieges», andererseits werden theoretische Ergänzungen zur Hochschul- und Flüchtlingsforschung erarbeitet.

Das Thema ist auch heute von grosser Relevanz. Historische Erkenntnisse können als Anregung und zur Sensibilisierung für den gegenwärtigen Diskurs um regulären Hochschulzugang für geflüchtete Student*innen dienen.

Direct link to Lay Summary Last update: 13.05.2020

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Die Dissertation untersucht, wie regulärer Hochschulzugang für geflüchtete Student*innen an Schweizer Hochschulen während der ersten drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht (oder verhindert) wurde. Sie nimmt die Akteure in den Blick, die an den jeweiligen Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen beteiligt waren; das sind in erster Linie: Geflüchtete, Behörden, Hilfswerke, Studentenschaften, Hochschulen. Die untersuchungsleitende Forschungsfrage lautet: Welche Faktoren beeinflussten während der Jahre 1946-75 die Möglichkeiten von Flüchtlingen/geflüchteten Student*innen, an Schweizer Hochschulen ihre akademische Ausbildung zu beginnen, fortzuführen und/oder abzuschliessen? Die Arbeit gliedert sich in ein theoretisches Programm und fünf Fallstudien. Der theoretische Teil wird zu einer historiographischen Re-Lektüre von «Flüchtlingen» beitragen und sie sowohl der Geschichte der Schweiz im Kalten Krieg einschreiben als auch im Feld transnationaler Geschichte verorten. Kategorisierungs- und Benennungspraktiken werden dabei historischer Kritik unterzogen. Diese wird in empirischen Fallstudien exemplifiziert. Sie untersuchen: die «Hilfsaktion für Flüchtlingsstudenten in der Schweiz» (1941-70), geflüchtete Student*innen aus der Tschechoslowakei um 1948, aus Algerien ab 1958, aus Ungarn ab 1956 und die Differenzierung des Feldes im Dialog mit ‘Entwicklungsdiskursen’ ab Mitte der 1960er-Jahre. Letztere Studie untersucht u.a. Student*innen aus Chile ab 1973. Während der Jahre 1946-75 studierten über 1'500 geflüchtete Student*innen an Schweizer Hochschulen, hunderte verliessen diese mit regulären Abschlussdiplomen. Es hat sich hierbei immer wieder gezeigt, wie Zugangschancen und Teilhabe transnationale Biographien beeinflussen. Dennoch bilden historische Studien zu Flüchtlings-/geflüchteten Student*innen eine Forschungslücke, weshalb gegenwärtige Herangehensweisen an die Thematik nicht in der Lage sind, historische Erkenntnisse nutzbar zu machen. Die Dissertation wird zum Gewinn dieser Erkenntnisse entscheidend beitragen und theoretische Innovationen in den Diskurs historischer Wissenschaften über «Flüchtlinge» einbringen.
-