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Wege aus der Straffälligkeit - Reintegration verurteilter Straftäter

English title Pathways out of Delinquency - Reintegration of Offenders
Applicant Rieker Peter
Number 182202
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.04.2019 - 31.03.2022
Approved amount 381'573.00
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Keywords (4)

Längsschnittstudie; Reintegration; Straffälligkeit; Bewährungshilfe

Lay Summary (German)

Lead
In einer explorativen Längsschnittstudie soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen verurteilten Straftätern die Reintegration in ein gesetzeskonformes Leben gelingt und wie sie dabei unterstützt werden können.
Lay summary

In einer explorativen Längsschnittstudie sollen Bedingungen, Verläufe und Erleben solcher Entwicklungen erforscht werden, die zu einer Abkehr von delinquentem Verhalten beitragen können. Dafür werden die Entwicklungen von insgesamt 50 ehemaligen Straftätern vergleichend in den Blick genommen.

Im Rahmen dieser Untersuchung werden ausführliche qualitative Interviews mit Männern geführt, die strafrechtlich auffällig und verurteilt worden sind. Nachdem in früheren Projektphasen bereits vier Interviews geführt wurden, sollen die Untersuchungsteilnehmer in einem weiteren Interview dazu befragt werden, wie sie ihr soziales Umfeld (Familie, Freundschaften, Partnerschaften), Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse sowie professionelle Hilfe erleben. Auf diese Weise soll ermittelt werden, wie ihre weitere Entwicklung verlaufen ist und welche Faktoren dazu beitragen können, ein Leben ohne Straffälligkeit zu führen. Abschliessend wird ein Interview mit einer Bezugsperson (z.B. Familienangehörige/r oder Fachperson) geführt, die den Untersuchungsteilnehmer über einen längeren Zeitraum begleitet hat.

Auf diese Weise sollen a) die Bedingungen und Verläufe der Reintegration ehemaliger Straftäter über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren erforscht und in diesem Zusammenhang b) das Erleben professioneller Unterstützung erhoben sowie c) Reintegrationsverläufe und -bedingungen zusätzlich aus der Perspektive einer langjährigen Bezugsperson beleuchtet werden. Auf dieser Grundlage soll auch geklärt werden, in welchen Konstellationen und in welcher Weise Prozesse der Reintegration fachlich sinnvoll und nachhaltig begleitet und unterstützt werden können.
Direct link to Lay Summary Last update: 31.01.2019

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
162704 Wege aus der Straffälligkeit - Reintegration verurteilter Straftäter 01.04.2016 Project funding (Div. I-III)

Abstract

In der Folge von Straffälligkeit und nach einer Inhaftierung bzw. einem Massnahmevollzug stehen ehemalige Straftäter vor der Herausforderung, sich sozial zu reintegrieren. Prozesse der Reintegration finden auf vielfältigen Ebenen statt und erfordern u.a. eine Berufsausbildung oder Integration in den Arbeitsmarkt, den Aufbau bzw. die Neugestaltung sozialer Beziehungen, die Bewältigung von gesundheitlichen und finanziellen Belastungen sowie eine Auseinandersetzung mit den eigenen Straftaten und eine andauernde Legalbewährung. Unterstützt und behindert werden können diese Prozesse durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen (z.B. Arbeitsmarkt, Stigmatisierungen) sowie das Vorhandensein oder das Fehlen gesundheitlicher, sozialer und finanzieller Ressourcen (z.B. Drogenabhängigkeit, Partnerschaften, Verschuldung). Zudem existieren eine Reihe professioneller Angebote zur Unterstützung dieser Reintegrationsprozesse (z.B. Bewährungshilfe, Therapien), die den Bedürfnissen ihrer Klienten in unterschiedlichem Masse gerecht werden. Die Reintegrationsprozesse ehemaliger Straftäter sind daher nicht nur komplex, sondern sie werden durch vielfältige Bedingungen geprägt. Die Verläufe dieser Prozesse, die sie prägenden Bedingungen und ihre wechselseitigen Bezüge sind bisher nur im Ansatz untersucht, wobei es vor allem an Längsschnittanalysen mangelt, die einen hinreichenden Zeitraum umfassen. Das beantragte Projekt sieht die Fortsetzung einer Längsschnittuntersuchung vor, in deren Rahmen seit 2013 ehemalige männliche Straftäter befragt wurden bzw. werden. Bis 2019 sind bislang vier Befragungswellen vorgesehen, in denen die Untersuchungsteilnehmer jeweils im Abstand von 1,5 Jahren in qualitativen Interviews zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen in Hinblick auf den Prozess und die Bedingungen ihrer sozialen Reintegration befragt werden. Von ursprünglich 50 Befragten konnten für die dritte Befragungswelle noch 36 Untersuchungsteilnehmer erreicht werden. Im Rahmen des geplanten Fortsetzungsprojektes ist einerseits ein weiteres Interview mit den Untersuchungsteilnehmern vorgesehen, sodass schliesslich über einen Zeitraum von sechs Jahren insgesamt fünf Interviews für jeden Fall vorliegen. Mit Hilfe dieser Interviews soll es möglich werden, längerfristige Entwicklungen (d.h. Stabilisierungen bzw. Rückfälle oder Zick-Zack-Verläufe) einschätzen zu können und auch die Verläufe und die relevanten Bedingungen in den Fällen besser zu erkennen, in denen auch nach mehreren Jahren noch keine Stabilisierung bzw. Verselbständigung von institutioneller Fürsorge erreicht ist. Andererseits sind Interviews mit ausgewählten Bezugspersonen der Untersuchungsteilnehmer geplant, die entweder als Einzelinterviews oder als gemeinsame Gespräche mit Untersuchungs- und Bezugsperson vorgesehen sind. Diese Ergänzungsinterviews sollen durch die Einbeziehung von Perspektiven aus dem sozialen Umfeld die Reintegrationsprozesse, die für sie relevanten Bedingungen und die Aushandlungsprozesse, die ihren Verlauf massgeblich prägen, noch besser verständlich machen. Das beantragte Forschungsprojekt ist geeignet, neue und differenzierte Erkenntnisse zu den Bedingungen und Prozessen der Reintegration verurteilter Straftäter zu generieren und dabei auch Verläufe über einen längeren Zeitraum und in Bezug auf weniger klare Fälle angemessen zu berücksichtigen. Auf diese Weise können für die wissenschaftliche Forschung zur Reintegration ehemaliger Straftäter wichtige zusätzliche Impulse gegeben werden und es lassen sich Anregungen für die qualitative Längsschnittforschung gewinnen. Zudem bietet eine Fortführung der Untersuchung auch der Fachpraxis wichtige Anregungen, da sie die spezifischen Bedingungen in der Schweiz berücksichtigt, die Frage der Angemessenheit unterschiedlicher professioneller Hilfe in den Blick nimmt und Hinweise zur Weiterentwicklung dieser Angebote geben kann.
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