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Sirkeli Höyük. Struktur und Dynamik einer antiken Stadtlandschaft

English title Sirkeli Höyük. Structure and Dynamics of an Ancient Urban Agglomeration
Applicant Novák Miroslav
Number 179034
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Vorderasiatische Archäologie Institut für Archäologische Wissenschaften Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Archaeology
Start/End 01.04.2018 - 31.03.2022
Approved amount 1'028'571.00
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Keywords (9)

Stadt; Urbanistik; Ausgrabung; Archäologie; Siedlungssystem; Kilikien; Mittelmeerraum; Anatolien; Levante

Lay Summary (German)

Lead
Der Sirkeli Höyük, ein Ruinenhügel in der historischen Landschaft Kilikien im Süden der heutigen Türkei, war Teil einer ausgedehnten antiken Stadtlandschaft, die im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. als Handels- und Kultzentrum mit Beziehungen nach Anatolien, Syro-Mesopotamien, der Levante und Zypern florierte.
Lay summary
Der seit 2011 von der Universität Bern erforschte antike Ort gliederte sich in eine befestigten Zitadelle, eine ausgedehnte, ummauerte Unterstadt in der umliegenden Ebene, eine benachbarte und besiedelte Bergkuppe, die ebenfalls von der Stadtmauer eingefasst wurde, extramurale Werkstattbereiche für Keramik- und Metallproduktion, eine Vorstadt auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses Pyramus (heute Ceyhan) sowie eine Nekropole. Momnumentale Bauwerke konnten ebenso lokalisiert werden wie Wohngebiete und eine vermutlich als Ahnenkultstätte zu identifizierende Anlage, zu der neben einem Bauwerk auch zwei hethitische Felsreliefs aus dem 13. Jh. v. Chr. gehörten.
Mittels Ausgrabungen, Oberflächenbegehungen und geophysikalischen Prospektionen soll die Dynamik der Stadtentwicklung im Rhythmus von kontinuierlicher Entwicklung versus historisch, ökonomisch oder sozial-ökologisch bedingter Zäsuren analysiert werden.
Direct link to Lay Summary Last update: 12.04.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Baghdad-Bahn und hethitische Königsbilder. Die Eröffnung des Forschungs- und Besucherzentrums und des archäolo- gischen Parks in Sirkeli Höyük
Novák Miroslav, Yasin-Meier Deniz (2018), Baghdad-Bahn und hethitische Königsbilder. Die Eröffnung des Forschungs- und Besucherzentrums und des archäolo- gischen Parks in Sirkeli Höyük, in Antike Welt, 2018(6), 39-44.
Fernerkundung, geophysikalische Prospektion und Ausgrabungen am Sirkeli Höyük (TR)
SolleeAlexander, RutishauserSusanne, HemeierBirthe, HübnerChristian, NovákMiroslav (2018), Fernerkundung, geophysikalische Prospektion und Ausgrabungen am Sirkeli Höyük (TR), in Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern, NF 75, 112-135.
Elites behind Walls. Citadels and the Segregation of Elites in Anatolia, the Levant and Mesopotamia
NovakMiroslav (2018), Elites behind Walls. Citadels and the Segregation of Elites in Anatolia, the Levant and Mesopotamia, in Yalcin Ünsal (ed.), Marie Leidorf Verlag, Rahden/Westf., 255-268.

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Awarik, Azatiwata and the Dating of Karatepe Talk 21.06.2018 Ascona, Switzerland Novák Miroslav;
Turkish-Swiss Excavations in Sirkeli Höyük 2017 Talk 08.05.2018 Canakkale, Turkey Novák Miroslav;
Sirkeli Höyük. Die Kulturgeschichte Kilikiens im Licht der schweizerisch-türkischen Ausgrabungen Talk 26.04.2018 Würzburg, Germany Novák Miroslav;
Sirkeli Höyük. Die Kulturgeschichte Kilikiens im Licht der schweizerisch-türkischen Ausgrabungen Talk 12.04.2018 Bern, Switzerland Novák Miroslav;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
150324 Siedlungskammer Kilikien. Rekonstruktion der Historischen Geografie anhand Fernerkundung, Archäologie und Texten 01.10.2013 Project funding (Div. I-III)
140610 Visualisierung von Befunddokumentationen anhand semantischer Netze 01.05.2012 Project funding (Div. I-III)
156387 Sirkeli Höyük. Ein urbanes Zentrum am Puruna/Pyramos/Ceyhan. Fortsetzung 01.01.2015 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Bereits vor Beginn der Schweizerisch-türkischen Ausgrabungen galt der Sirkeli Höyük als einer der grössten bronze- und eisenzeitlichen Orte Kilikiens, einer kulturgeschichtlich immens bedeutsamen Region an der Schnittstelle zwischen der Levante (Syro-Mesopotamien), Zypern und Anatolien. Die aktuellen Forschungen haben nun den Nachweis erbracht, dass die antike Siedlung nicht nur erheblich grösser war als bislang vermutet, sondern auch eine extrem komplexe innere Struktur aufwies. Der eigentliche Hügel ist als Zitadelle zu identifizieren, um den sich eine ausgedehnte, befestigte Unterstadt und extramurale Werkstätten in der umliegenden Flussebene, eine Höhensiedlung auf dem südlich benachbarten Bergrücken und eine Vorstadt auf dem gegenüberliegenden Flussufer gruppierten. Mindestens in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends und dann, nach einer Periode der Reduktion der Siedlungsfläche, wieder im 1. Jahrtausend v. Chr. war das gesamte Terrain dicht besiedelt und wies unzweifelhaft urbanen Charakter auf. Die dadurch sich ergebende herausragende Bedeutung des Ortes für das Siedlungssystem Kilikiens kann durch die Lage des Ortes an der wichtigsten Handelsroute durch Kilikien und an einer Gebirgsenge, durch die sich der Ceyhan (Pyramos) an dieser Stelle zwängt und die vom Sirkeli Höyük kontrolliert wird, erklärt werden. Die Anbindung des Ortes an den überregionalen Handel dokumentieren zahlreiche Importfunde und Imitationen derselben aus alle Nachbarregionen. Weiterhin liegen Hinweise auf eine örtliche Metallproduktion vor. Dass die Siedlung darüber hinaus als Kultort offenbar eine über Kilikien hinausgehende Bedeutung hatte, bezeugen die hethitischen Felsreliefs und der Fund zweier Siegelabrollungen hieroglyphenluwisch beschrifteter »Brotsiegel«. Auch wenn bereits wichtige Erkenntnisse zur Urbanistik und Chronologie erzielt werden konnten, bleiben doch wesentliche Fragen noch zu klären. So zeigte sich, dass statt einem kompakten, geschlossenen Siedlungsgebiet eine ausgedehnte, morphologisch heterogene Stadtlandschaft vorliegt, ohne dass die Art der funktionalen, strukturellen und räumlichen Verbindung der einzelnen urbanen Elemente zu einem gesamten urbanen Organismus bekannt wäre. Auch ist noch unbestimmt, ob diese komplexe Struktur Ergebnis eines sukzessiven Wachstumsprozesses oder einer punktuell erfolgten stadtplanerischen Massnahme war. Diesen Fragen will sich das neue Projekt gezielt widmen und dabei v.a. auch einige bereits partiell ergrabene Gebäude vollständig freilegen, um deren Funktion zu ermitteln. Auch gilt es, die imposante Stadtmauer in ihrem Verlauf weiter zu verfolgen. Die explizite Zielsetzung des in einen grösseren Forschungsverbund integrierten und auf enge Kooperation mit benachbarten Ausgrabungsprojekten achtenden Unterfangens lautet, die Struktur einer komplexen altorientalischen Stadtlandschaft und die Dynamik des Prozesses zu deren Bildung exemplarisch zu erforschen, wodurch das Projekt eine über die Kulturgeschichte Kilikiens hinausgehende Relevanz erhält.Daneben wird die Politik der Öffentlichkeitsarbeit vor Ort durch die Präsentation der Forschungsergebnisse in Form von Didaktiktafeln und Zugangswegen zu den Baubefunden und Reliefs sowie durch auf den 3D-Scans der Reliefs basierende virtuelle Rekonstruktionen der gesamten Kultanlage im Nordosten des Sirkeli Höyük, welche als Internet-Veröffentlichungen zugänglich gemacht werden sollen, weiterverfolgt. Ein erster wichtiger Schritt hierfür war die Eröffnung des Forschungs- und Besucherzentrums im ehemaligen Bahnhof der Baghdad-Bahn am Fuss des Sirkeli Höyük.
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