Projekt

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Ungleichheit, Armutsrisiken und Wohlfahrtsstaat. Potenziale der Datenverknüpfung von Administrativ- und Befragungsdaten für die Ungleichheitsforschung

Gesuchsteller/in Jann Ben
Nummer 178973
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Universität Bern Institut für Soziologie
Hochschule Universität Bern - BE
Hauptdisziplin Soziologie
Beginn/Ende 01.09.2018 - 28.02.2021
Bewilligter Betrag 357'710.00
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Alle Disziplinen (2)

Disziplin
Soziologie
Soziale Arbeit

Keywords (11)

Vermögen; Sozialhilfe; Einkommensmobilität; Wohlfahrtsstaat; Soziale Risiken; Ökonomische Ungleichheit; Armut; Umverteilung; Steuerdaten; Prekarität; Einkommen

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Durch Verknüpfung von kantonalen Steuerdaten mit weiteren Administrativ- und Befragungsdaten wird eine neue Datengrundlage für die Untersuchung ökonomischer Ungleichheiten in der Schweiz geschaffen. Neben deskriptiven Analysen von Ungleichheits- und Armutsindikatoren nach soziodemografischen Merkmalen stehen Umverteilungseffekte wohlfahrtstaatlicher Instrumente im Zentrum des Interesses.
Lay summary
Steuerdaten bieten ein grosses Potential für die Ungleichheitsforschung, das in der Schweiz jedoch bislang nur unzureichend genutzt wurde. Dies liegt einerseits an datenschutzrechtlichen Hürden. Andererseits sind Steuerdaten erst in Verbindung mit anderen Datenquellen z.B. zu Haushaltsstrukturen oder zu weiteren, in den Steuerdaten nicht deklarierten Einkommensquellen für Ungleichheitsanalysen aussagekräftig. In dem Projekt wird deshalb eine neue Datengrundlage geschaffen, bei der Steuerdaten mit Administrativ- und Befragungsdaten wie der Bevölkerungsstatistik, den Strukturerhebungen des Bundesamts für Statistik und der Sozialhilfestatistik auf Personenebene verknüpft werden. Die neue Datengrundlage wird es erlauben, Ungleichheitsstrukturen in den in die Studie einbezogenen Kantonen aus einer umfassenden Perspektive zu analysieren. In einem ersten Schritt werden Ungleichheits- und Armutsindikatoren anhand der neuen Datengrundlage berechnet und mit herkömmlichen Schätzungen verglichen, um das Potenzial und den Zusatznutzen der verknüpften Daten zu evaluieren. In einem zweiten Schritt folgen detaillierte Analysen nach sozidemografischen Merkmalen wie der sozialen Herkunft oder dem Migrationshintergrund, um zu einer umfassenden Deskription von Ungleichheits- und Armutsstrukturen zu gelangen. Der dritte Schritt widmet sich der Analyse von Umverteilungseffekten des Steuersystems und verschiedener wohlfahrtsstaatlicher Instrumente.

Fragen rund um gesellschaftliche Ungleichheit haben in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Schaffung von Grundlagenwissen für die Beantwortung dieser Fragen.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 14.08.2018

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Projektpartner

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
143399 Ungleichheit der Einkommen und Vermögen in der Schweiz von 1970 bis 2010 01.02.2013 Projektförderung (Abt. I-III)

Abstract

Fragen rund um gesellschaftliche Ungleichheit haben in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Einige sehen etwa jüngste politische Ereignisse wie den BREXIT, die US Präsidentschaftswahlen und das Erstarken der AFD als eine Folge zunehmender ökonomischer Ungleichheiten und eines mangelnden Funktionierens von demokratischen Institutionen, um diesen zu begegnen. Auch der Bestseller von Thomas Piketty hat das Bewusstsein um Ungleichheit geschärft. In diesem wurde auf Basis einer historischen Analyse von Steuerdaten das Argument entwickelt, dem Kapitalismus wohne eine Tendenz zu zunehmender Ungleichheit inne. Pikettys historische Untersuchung wurde nicht zuletzt dadurch untermauert, dass in den letzten Jahrzehnten eine Zunahme der Einkommensungleichheit besonders im anglo-amerikanischen Raum beobachtet werden konnte. Diese wird häufig in Zusammenhang mit dem technologischen Wandel gesehen, der zu einschneidenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen führe. Doch nimmt die Ungleichheit dadurch unausweichlich zu? Die sozialwissenschaftliche Forschung kann zum Verständnis dieser aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen einen Beitrag leisten, indem sie aufzeigt, in welchem Ausmass Ungleichheiten vorliegen, wie sie sich verändern und welche Faktoren für die Veränderung eine Rolle spielen. Damit solche Prozesse valide untersucht werden können, sind umfassende Daten von hoher Qualität nötig.Die zunehmende Verfügbarkeit und die Nutzung von Administrativdaten für die akademische Forschung ist in diesem Zusammenhang eine interessante Entwicklung der letzten Jahre. Die im Rahmen von administrativen Prozessen entstandenen Daten können jedoch nicht ohne weiteres für die Forschung genutzt werden. Dazu müssen verschiedenste rechtliche und technische überwunden werden und es braucht eine hohe Sorgfalt in Bezug auf konzeptionelle Anforderungen an die Daten. Steuerdaten bieten zweifellos ein grosses Potential für die Ungleichheitsforschung. Auf der Basis von Steuerdaten hat sich bspw. ein Teilgebiet der Ungleichheitsforschung mit dem Fokus auf Top-Einkommen etabliert. Für gesamtgesellschaftliche Ungleichheits- und Armutsstudien konnte das Potential bisher jedoch bei weitem nicht ausreichend genutzt werden. Im Rahmen des hier beschriebenen Projektes wollen wir ausgewählte kantonale Steuerdaten der Schweiz gezielt mit weiteren Administrativ- und Befragungsdaten verknüpfen, um somit eine Datenbasis zu erstellen, die diese Potenzial ausschöpft und neuartige Möglichkeiten zur Beantwortung von Fragestellungen im Bereich der Ungleichheits- und Armutsforschung eröffnet. Die Datenbasis soll acht Kantone (mit mindestens je einem Vertreter pro Grossregion der Schweiz) umfassen und einen Zeitraum von 2010 - 2014 abdecken. Damit kann überprüft werden, wie die im Vorgängerprojekt festgestellte Zunahme der Ungleichheit zwischen und innerhalb von Kantonen einzuordnen ist und wie sie sich weiterentwickelt hat. Eine Vertiefung dieser deskriptiven Analysen umfasst die Analyse der Ungleichheit nach sozio-demografischen Merkmalen wie Haushaltstypen, Migrationshintergrund und sozialer Herkunft, um damit die Bedeutung sozio-demografischer Faktoren für die Ungleichheitsentwicklung abschätzen zu können. Schliesslich werden Analysen zur ungleichheits- und armutsreduzierenden Wirkung der wohlfahrtstaatlichen Instrumente durchgeführt. Fiskalische Instrumente der Umverteilung stellen die direkteste Möglichkeit dar, gesellschaftliche Ungleichheiten zu beheben. Diese sind in der Schweiz durch erhebliche kantonale Variation gekennzeichnet, was interessante Vergleichsmöglichkeiten eröffnet, insbesondere was den Einfluss der sozialpolitischen Ausgestaltung auf die Ungleichheit betrifft. Hier besteht ein ausgewiesener Forschungsbedarf.
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