Project

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Das Reise- und Rezeptbuch des Glas- und Hinterglasmalers Ulrich Daniel Metzger (*1671). Neue Perspektiven auf ein wenig beachtetes Forschungsgebiet der Kunstgeschichte und Kunsttechnologie

Applicant Bergmann Uta
Number 178961
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Vitrocentre Romont
Institution of higher education Other Research Institutes - FINST
Main discipline Visual arts and Art history
Start/End 01.06.2018 - 31.05.2022
Approved amount 565'163.00
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All Disciplines (4)

Discipline
Visual arts and Art history
General history (without pre-and early history)
Organic Chemistry
Inorganic Chemistry

Keywords (11)

Künstlersozialgeschichte; Werkstattwissen; Farbrezepte; Hinterglasmalerei; Farb- und Bindmittel; Quellenforschung; Kunsttechnologie; Materialanalytik; Künstlerselbstverständnis; Zunftgeschichte; Glasmalerei

Lay Summary (German)

Lead
Ziel des Projektes ist es, eine äusserst aufschlussreiche Quelle zu einem Künstlerleben und zur Kunsttechnologie des 18. Jahrhunderts zu analysieren, zugänglich und verständlich zu machen und anhand ihrer wichtige kunsthistorische und kunsttechnologische Fragen zu erörtern. Die Auswertung des Manuskriptes trägt dazu bei, exemplarisch eine in der Kunstgeschichte vernachlässigte Künstlergruppe und Epoche zu untersuchen.
Lay summary
Der gelernte Glas- und Hinterglasmaler Ulrich Daniel Metzger legte sein Reise- und Rezeptbüchlein 1708 an und trug auf seiner Wanderschaft seine Eindrücke, Rezepturen und Erfahrungen zusammen, zeichnete gesehene Kunstwerke ab und sammelte Widmungen verschiedener Künstlerkollegen. Das Notizbuch erweist sich als ungewöhnlich reiches Dokument, um die typische facettenreiche Persönlichkeit seiner Zeit zu dokumentieren. Anhand der Einträge mit Datum und Ort lässt sich seine Reise nachvollziehen und sein Netzwerk zu anderen Künstlern rekonstruieren. Da uns Metzger neben der Handschrift auch verschiedene Werke unterschiedlicher Gattungen hinterlassen hat, wird man das in der Handschrift versammelte Wissen zu Farbmitteln und Maltechniken mit den ausgeführten Arbeiten des Verfassers vergleichen können. Mit ihrer Hilfe lässt sich sein Selbstverständnis als Mensch, sein Werdegang und auch seine künstlerische Bildung rekonstruieren. Hiermit ist das Büchlein aber auch Dokument der allgemeinen Lebensumstände eines Kunsthandwerkers, insbesondere der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Glasmaler und Hinterglasmaler zu Beginn des 18. Jahrhunderts in ganz Mitteleuropa.

Das Projekt begnügt sich nicht mit der quellenkritischen Edition des Reise- und Rezeptbuches, sondern möchte vielmehr das Künstlerleben eines Wandergesellen aus verschiedenen Perspektiven nachzeichnen. Es wird Wert darauf gelegt, die verschiedenen Verflechtungen von Werken, Materialien und Techniken sowie Personen, Orten und Ereignissen untereinander aufzuzeigen und diese mit den Erkenntnissen aus den Untersuchungen der kunsthistorischen, historischen und kunsttechnologischen Forschung zu verbinden. Dies erfolgt einerseits durch eine argumentative schriftliche Auswertung und anderseits durch eine geeignete digitale, für das Projekt spezifisch neu entwickelte Webplattform.

Das Reise- und Rezeptbuch von Ulrich Daniel Metzger wird erstmals in seiner Gesamtheit veröffentlicht. Mit dem umfangreichen Kommentar zu Leben und Wanderroute Metzgers, zu seinem Beziehungsnetzwerk, den Zeichnungen im Buch sowie zu den Rezepten wird das Manuskript für die weitere Forschung aufgearbeitet.
Mit dem Einbezug von Materialanalysen in die Auswertung und Deutung der Werke Metzgers leistet das Projekt einen Beitrag zur Förderung des Dialogs zwischen Kunsttechnologie und Kunstgeschichte. Die Aufarbeitung des Künstlerlebens und der Arbeitsbedingungen aus der Sicht eines Gesellen setzt jedoch auch exemplarisch eine Künstlergruppe ins Zentrum, die bisher in der traditionellen Kunstgeschichte vernachlässigt wurde. Das Projekt bereichert damit die historischen und kunsthistorischen Forschungen und versteht sich als Anregung, sich vermehrt den Randgebieten der Kunstgeschichte zu widmen.
 
Direct link to Lay Summary Last update: 24.05.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Abstract

Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens steht das Reise- und Rezeptbuch Ulrich Daniel Metzgers, in dem der Glas- und Hinterglasmaler auf seiner Wanderschaft Eindrücke, Rezepturen und Erfahrungen zusammentrug, gesehene Kunstwerke abzeichnete und Widmungen verschiedener Künstlerkollegen sammelte. Das 1708 begonnene, heute 126 Seiten umfassende Manuskript diente dem Künstler sowohl als Reisebuch, Stammbuch, Rezeptbuch als auch als Skizzenbuch. Es stellt eine ungewöhnlich reiche, ausserordentlich wichtige und aufschlussreiche Quelle für die kunstwissenschaftliche und kunsttechnologische Forschung, nicht nur auf den Gebieten der Glas- und Hinterglasmalerei dar. Die mit Ort und Datum versehenen Einträge und Zeichnungen erlauben uns, die facettenreiche Persönlichkeit des Künstlers, seinen Werdegang, seine künstlerische Bildung und sein Selbstverständnis als Künstler zu erforschen. Weiter lassen sich ausgehend vom Buch die soziale und wirtschaftliche Stellung der Glas- und Hinterglasmaler in einer noch wenig beachteten Epoche untersuchen, der jedoch eine Scharnierfunktion zwischen dem Niedergang der Glasmalerei und ihrem Wiederaufleben im 19. Jahrhundert zukommt. Die im Buch aufgeschriebenen Rezepte und Notizen geben Einblick in die Produktion von Kunstwerken, in die Aneignung, Sammlung und Vermittlung des Wissens über Farbmittel und Herstellungsprozesse und lassen uns das Handwerk und die Ausbildung von Künstlern und Handwerkern sowie die Tradierung des Wissens zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa genauer verstehen. Bedeutend für das methodische Vorgehen der geplanten Forschung ist, dass vom Verfasser neben der Handschrift auch Originalwerke verschiedener Gattungen überliefert sind. Diese seltene Ausgangslage bietet die Möglichkeit, das versammelte Wissen zu Farbmitteln und Maltechniken im Buch mit den überlieferten Werken zu vergleichen. Durch maltechnische Untersuchungen und gezielte Materialanalysen lassen sich einzelne Rezepte auf ihren Verwendungswert hin überprüfen, mit anderen überlieferten Rezepten vergleichen und eventuell auch Ungenauigkeiten, Ungereimtheiten und Lücken besser interpretieren.Die verschiedenen Schwerpunkte des Projekts münden in eine Auswertung, in der sowohl aktuelle kunstwissenschaftliche und kunstsoziologische Themen als auch materialtechnologische und kulturhistorische Fragen diskutiert werden. Die Ergebnisse des Projekts - das digitale Faksimile der Handschrift, die kommentierte Edition und die wissenschaftlichen Auswertungen - werden auf einer Webplattform veröffentlicht, die das komplexe Beziehungsgeflecht von Texten, Werken, Orten, Rohstoffen und Personen abbilden wird.Es ist ein grosses Anliegen des Projektes, die kunsthistorischen, historischen, kunsttechnologischen und materialwissenschaftlichen Aspekte miteinander zu verbinden. Um dies zu erreichen, wird ein intensiver Austausch mit bereits laufenden Arbeiten an Forschungsprojekten auf diesen verschiedenen Gebieten gepflegt werden. Mit einer geplanten Wanderausstellung sollen die Ergebnisse aber auch in die breite Öffentlichkeit getragen werden.
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