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Wirkungsgeschichte von Goethes Werk „Zur Farbenlehre“ in Berlin 1810-1832

English title The reception of Goethe’s 1810th work „Zur Farbenlehre“ in Berlin in the first decades of the 19th century
Applicant Lauer Gerhard
Number 178320
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Digital Humanities Lab Philosophisch-Historische Fakultät Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.05.2018 - 30.04.2021
Approved amount 377'425.00
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All Disciplines (2)

Discipline
German and English languages and literature
Philosophy

Keywords (8)

Farbenlehre; Goethe; Wissenschaftsgeschichte; history of colour theories; Prussian cultural and educational policy; Hegelian natural philosophy; history of sensory physiology; history of painting

Lay Summary (German)

Lead
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) hat der Nachwelt den Eindruck überliefert, sein 1810 erschienenes Werk „Zur Farbenlehre“ sei vor allem angefeindet worden und bald aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. In direktem Gegensatz dazu steht die tatsächliche Erfolgsgeschichte seiner „Farbenlehre“ in Berlin, wo das Werk über mehrere Jahrzehnte einen weitreichenden Einfluss auf Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft ausgeübt hat.
Lay summary

Im November 1817 übernahm Karl Freiherr von Stein zum Altenstein (1770–1840) in Berlin das preussische Kultusministerium. Als ambitionierter Verehrer Goethes versammelte er Gleichgesinnte um sich und berief schon zu Beginn seiner Amtszeit mit dem Physiker Thomas Johann Seebeck (1770–1831) und dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) zwei Wissenschaftler nach Berlin, die bereits durch ihr Eintreten für Goethes „Farbenlehre“ in Erscheinung getreten waren. Während Seebecks Einfluss auf die physikalische Optik seiner Zeit beschränkt blieb, verhalf Hegel der „Farbenlehre“ in weiteren Kreisen zu grossem Ansehen. Er behandelte sie nicht nur in seinen Lehrveranstaltungen an der Berliner Universität als wichtiges Element im System seiner Naturphilosophie, sondern gab auch den Anstoss zu Experimentalvorlesungen über die „Farbenlehre“, die von einem seiner Mitarbeiter mit Unterstützung des Ministeriums über mehr als zehn Jahre regelmässig gehalten wurden. Das Ministerium förderte fähige Nachwuchswissenschaftler wie die Mediziner Jan Evangelista Purkyne (1787–1869) und Johannes Müller (1801–1858), die in ihren Pionierarbeiten zur Sinnesphysiologie Goethes Ideen schöpferisch umsetzten. Und es stattete den Künstler Joseph Raabe (1780-1849) mit den erforderlichen Mitteln aus, um in Absprache mit Goethe auf einer Reise nach Italien farbtreue Kopien von Bildern als Musterbeispiele für Goethes Ansichten zum Kolorit in der Malerei anzufertigen.

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden die zu diesen und weiteren zugehörigen Vorgängen erhaltenen Dokumente gesammelt, editorisch bearbeitet und ausgewertet. So entsteht ein Überblick über die komplexen Zusammenhänge, die beteiligten Personen und über die Wirksamkeit ausserhalb von Berlin, unter Berücksichtigung der Resonanz, die eine solche Förderung seines Werks „Zur Farbenlehre“ bei Goethe und in seinem Kreis hervorrief.

Die in dem Projekt zusammengeführten amtlichen und privaten Quellen werden nicht nur erstmals einen geschlossenen Eindruck des vielgestaltigen Einflusses von Goethes „Farbenlehre“ auf Naturwissenschaften, Philosophie und bildende Kunst vermitteln, sondern ihre Auswertung wird auch ein neues Licht auf die Bedeutung Goethes für die preussische Kulturpolitik im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und auf das gesellschaftliche Leben in Preussens Hauptstadt Berlin werfen. Ausserdem leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Goethe-Forschung.

Direct link to Lay Summary Last update: 11.01.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Ziel des Projekts ist die Untersuchung der Rezeption von Goethes 1810 erschienenem Werk „Zur Farbenlehre“ in Berlin in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Goethe selbst hat der Nachwelt die Ansicht überliefert, sein Werk sei vor allem angefeindet und nur ausnahms-weise günstig aufgenommen worden und bald aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwun-den. Das bisherige, auf der Auswertung von Rezensionen und von kritischen Erwähnungen in Monographien und in Lexika basierte historische Bild hat diese Auffassung gestützt. - In direk-tem Gegensatz dazu stehen die deutlichen Hinweise darauf, dass Goethes Werk in Berlin über mehrere Jahrzehnte einen weitreichenden Einfluss auf Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft ausübte. Es wurden Wissenschaftler berufen, die sich öffentlich zu Goethes „Farbenlehre“ be-kannten, Forschungsrichtungen gefördert, die sich auf die „Farbenlehre“ stützten und Vorhaben wie die „Farbenlehre“-Vorlesungen L. von Hennings und die Kunstreise des Malers Raabe in Gang gesetzt, die von Goethes „Farbenlehre“ ausgingen und ihre Verbreitung bezweckten. Goethe blieb dabei nicht nur passiver Beobachter, sondern war persönlich an der Planung und Auswertung dieser Unternehmungen beteiligt, die eine „Erfolgsgeschichte“ (J. Müller-Tamm) der „Farbenlehre“ darstellten. Das beantragte Projekt möchte diese Wirkungsgeschichte erst-mals in ihrer Breite und ihren Zusammenhängen untersuchen. Es zielt zum einen auf Erschlie-ßung und Kommentierung des diesbezüglichen umfangreichen Quellenbestandes, zum ande-ren auf eine systematische Auswertung und Darstellung dieser bemerkenswerten Vorgänge.Die Forschungsergebnisse werden in einer Monographie sowohl in Form eines gedruckten Buches als auch in elektronischer Form, verlinkt mit Quellenmaterial und Hintergrundinformati-onen, veröffentlicht. Das gesamte Quellenmaterial - digitalisierte Dokumente, Transkriptionen und Kommentare - wird in einem Online-Rechercheportal zugänglich gemacht und kann so für weitere Forschungsfragen nachgenutzt werden.Das Forschungsprojekt wird insgesamt einen längst überfälligen Beitrag zur Goetheforschung, zur Geschichte der Farbenforschung und zur Geschichte der preußischen Kulturpolitik und der bürgerlichen Gesellschaft in Berlin zur Zeit der Restauration leisten.
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