Project

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Bankengeschichte als Bildungsgeschichte. Kinder- und Jugendpolitik der Banken und Sparkassen im 20. Jahrhundert

English title Banking and Education. Children- und Youthpolicy of Savings and Retail Banks in the 20th Century
Applicant Ruoss Thomas
Number 177998
Funding scheme Early Postdoc.Mobility
Research institution
WSBI-ESBI World Savings and Retail Banking Institute Archive of Intern. Savings Bank Institute
Department of Psychology Faculty of Psychology and Educat. Sciences Catholic University of Leuven
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Educational science and Pedagogy
Start/End 01.08.2018 - 31.01.2020
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All Disciplines (3)

Discipline
Educational science and Pedagogy
Swiss history
General history (without pre-and early history)

Keywords (9)

Wirtschaftspädagogik; Historische Bildungsforschung; Bildungspolitikanalyse; Wirtschaftsgeschichte; Bildungsgeschichte; Globalgeschichte; Postkolonialismus; Financial Literacy Education; Bankengeschichte

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht die historische Entwicklung ökonomischer Bildung im 20. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Untersuchung der (globalen) pädagogischen Aktivitäten von Retailbanken und Sparkassen. Dazu wird die Geschichte des im Jahr 1924 gegründeten "International Savings Banks Institute" aufgearbeitet und in den Kontext der Banken- und Bildungsgeschichte des 20. Jahrhunderts gestellt.
Lay summary
Ökonomische Bildung rückte in den vergangenen Jahren wieder vermehrt in den Fokus staatlicher Bildungspolitik. Daneben engagieren sich auch bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitische Verbände sowie privatwirtschaftliche Unternehmen mit unterschiedlichen Mitteln für eine Förderung ökonomischer Bildung.
Die Bedeutung ökonomischer Bildung – vom rationalen persönlichen Umgang mit Geld, der Schuldenprävention, der Meinungsbildung betreffend öffentlichem Haushalt in demokratischen Gesellschaften oder der Kritik an ökonomischen Verhältnissen – wird je nach Kontext ganz unterschiedlich beurteilt. Das Forschungsprojekt fragt danach, wer, wie, welches Wissen über Ökonomie produziert / vermittelt und damit Deutungsanspruch über die Vorstellungen von Ökonomie durchzusetzen versucht.
Dazu wird eine historische Perspektive auf die Vermittlung ökonomischen Wissens eingenommen. Am Beispiel der Geschichte des im Jahr 1924 gegründeten "International Savings Banks Institute" wird aufgezeigt, wie sich private Akteure aus dem Sektor des Bankenwesens mit je nach Zeit und Raum unterschiedlichen Argumenten und unterschiedlichen Instrumenten für die Vermittlung ökonomischen Wissens eingesetzt haben. Diese Darstellung der historischen Entwicklung der Kinder- und Jugendpolitik der Sparkassen und Retailbanken zeigt zunächst, in welchen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kontexten die Forderung nach ökonomischer Bildung im Verlauf des 20. Jahrhundert bedeutsam wird. Daneben zeigen sich Kontinuitäten in der Überzeugung durch individualisierende Bildungsprogramme strukturelle Herausforderungen bewältigen zu können - und damit auch gewisse Grenzen in der gegenwärtigen Erwartungshaltung an ökonomische Bildung.



Direct link to Lay Summary Last update: 16.04.2018

Responsible applicant and co-applicants

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
170407 Bildung in Zahlen 01.01.2017 Research Infrastructure
177487 Zahlen, Zählen und Erzählen in der Bildungspolitik. Lokale Statistik, politische Praxis und die Entwicklung städtischer Schulen zwischen 1890 und 1930 01.09.2017 Publication grants

Abstract

Seit der Wirtschaftskrise 2007/08 lässt sich ein stark gesteigertes internationales Interesse an der pädagogischen Vermittlung von Kompetenzen im privaten Umgang mit Geld feststellen. Sowohl von Seiten der erziehungswissenschaftlichen Forschung, von Verbänden, Gewerkschaften und NGOs, von internationalen Organisationen und von privatwirtschaftlichen Akteuren wird aktiv die edukative Förderung des Sparens betrieben. Wie lassen sich, so stellt sich die Frage, diese hohen Erwartungsansprüche an Financial Literacy Education theoretisch oder historisch begründen und woher kommt die Überzeugung mittels individualisierenden Bildungsprogrammen strukturelle Herausforderungen bewältigen zu können? Entsprechende Ideen und Praktiken einer Sparerziehung sind keinesfalls erst im Kontext dieser jüngsten Krise von Bedeutung. Fragen danach wer, wie, welches Wissen über Ökonomie produziert und vermittelt und damit Deutungsanspruch über die Vorstellungen von Ökonomie durchzusetzen versucht, sind bislang erst in Ansätzen untersucht worden. Das Projekt setzt hier an und geht dabei von einem überraschenden ersten Befund aus: Für die Vermittlung ökonomischen Wissens waren Banken und Sparkassen weltweit agierende Akteure in diesem Feld. Die Gründung des International Savings Banks Institute (ISBI) im Jahr 1924 markiert eine Zäsur für die Entwicklung einer weltweit koordinierten Kinder- und Jugendpolitik. Der gut dokumentierte und bisher kaum historisch aufgearbeitete Archivbestand des ISBI stellt eine einzigartige Grundlage dar für eine globale Geschichte ökonomischen Wissens im 20. Jahrhundert. Die Praktiken dieser internationalen Organisation nahmen gleichzeitig im Kontext politischer und wirtschaftlicher Krisen, Kriege und der De-Kolonisierung eine edukative Funktion mit globaler Reichweite wahr.Dank der Verbindung der disziplinären Perspektiven von Geschichts- und Erziehungswissenschaft leistet das Projekt einen Beitrag zu einer Historisierung der Vermittlung ökonomischen Wissens und damit auch zu einer Geschichte der Deutungshoheit über Ökonomie im 20. Jahrhundert.
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