Project

Back to overview

Genesis and impact of psychiatric expertises on child placement, 1921-1974

English title Entstehung und Wirkkraft psychiatrischer Gutachten auf die Fremdplatzierung von Kindern und Jugendlichen
Applicant Ritzmann Iris
Number 177420
Funding scheme NRP 76 Welfare and coercion
Research institution Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.07.2018 - 30.09.2021
Approved amount 632'034.00
Show all

All Disciplines (6)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Social Paediatrics
Medico-Social Problems of Youth
Group Medicine
Paediatrics
Neurology, Psychiatry

Keywords (9)

scientific discourse; Oral History; psychiatric institution for children & adolescents; history of medicine; 20th century; canton Zurich; psychiatric expertise; children placement in care

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht psychiatrische Expertisen im Kontext von Fremdplatzierungen 1921-1974. Zentrale Fragen sind, wer als Experte gilt, wie eine Expertenmeinung entsteht, was sie beinhaltet und wie sie sich auf die Lebensgeschichte der Betroffenen auswirkt.
Lay summary

Das Projekt untersucht die wenig beleuchtete Rolle der kinderpsychiatrischen Expertise bei Fremdplatzierungen von Kindern und Jugendlichen in Heimen und Pflegefamilien. Methodisch werden eine quantitative Analyse der ca. 3500 Krankenakten aus der kantonalen Zürcher Kinderbeobachtungsstation Stephansburg (1921-1944) und Brüschhalde (1945-1974) sowie eine qualitative Analyse einzelner Krankengeschichten und lebensgeschichtlicher Berichte von Betroffenen, die in diesen Institutionen begutachtet wurden, durchgeführt. Da die Krankengeschichten und Gutachten hauptsächlich von Ärztinnen und Ärzten verfasst wurden und deren Perspektive wiedergeben, ist es uns ein zentrales Anliegen, die Sichtweise Betroffener durch Interviews und eine quellenkritische Interpretation der Akten einzubringen.

Hintergrund: Die kinderpsychiatrische Expertise im Zusammenhang mit Fremdplatzierungen in der Schweiz wurde bislang kaum untersucht. Wie entstand eine psychiatrische Praxis, die Fremdplatzierungen als sinnvolle Behandlungsmöglichkeit empfahl? Welche Bevölkerungsgruppen waren besonders betroffen? Wie wirkten sich die psychiatrischen Expertisen auf die Selbst- und Fremdwahrnehmung der betroffenen Personen und auf ihre Lebensläufe aus?Mit diesen Fragen setzt sich das Forschungsprojekt auseinander.

Ziel: Wir wollen die Beziehungsnetze involvierter Institutionen und Personen aus Psychiatrie, Fürsorge, Schule und Familie sichtbar machen und darlegen, inwiefern gesellschaftliche Vorstellungen die kinderpsychiatrischen Expertisen prägten. Der Stellenwert von Expertisen soll ebenfalls analysiert werden, z.B. ob sie Fremdplatzierungen auslösten oder vielmehr zu deren Rechtfertigung dienten. Wir möchten auch die konkreten Auswirkungen der Expertisen auf die Lebensgeschichten Betroffener herausarbeiten.

Bedeutung: Das Forschungsprojekt versteht sich als Beitrag zur jüngeren Psychiatriegeschichte in der Schweiz und möchte zur Aufarbeitung vergangenen Unrechts beitragen. Wir erhoffen uns, dass die Forschungsresultate zu einer Sensibilisierung und einem kritischeren Umgang mit Expertisen bei begutachtenden, gesetzgeberischen und ausführenden Personen und Institutionen führen wird. Die Erkenntnisse sollen in geeigneter Form auch an die breite Bevölkerung und die Betroffenen mit ihren Angehörigen gelangen.

Direct link to Lay Summary Last update: 10.07.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

The analysis will focus on the genesis and impact of psychiatric expertise. On the one hand we aim at investigating the development of a child psychiatric thought style that connects social origin with genetic theory and disciplining ideas, resulting in the practice of coercive removal of children from their families. On the other hand, we ask for the power of psychiatric expertise on the biographies of children and adolescents, which were placed in institutions or foster families. For differentiated results, we prefer a longitudinal study over a relevant period of five decades to compare historical influences on scientific discourses. The medical system of norms shows a close relationship to the moral values of every specific era. The physician's function as an expert in public health is associated with growing influence not only on individual families, but on the whole of society. Since the 1920's, an increase in the use of psychiatric expertise as a standard element in child placement can be observed. This important role of psychiatric expertise in the outplacement of children and adolescents has hardly been investigated, even though the associated questions matter to the present day. The study will close this gap with a quantitative and qualitative analysis of patient documents from an institution for children and adolescents, specialized in psychiatric diagnostics, namely the child psychiatric observation ward Stephansburg/Brüschhalde in the canton of Zurich. In order to complement the analysis with the patient view we will conduct and analyse interviews with former inmates of the mentioned child observation ward Brüschhalde, if necessary also with close relatives.
-