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Managing Border Deaths in Southern Italy: Negotiations and Ritual Practices

Applicant Stauffacher Daniela
Number 175416
Funding scheme Doc.CH
Research institution Religionswissenschaftliches Seminar Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.09.2017 - 31.08.2021
Approved amount 257'889.00
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Keywords (5)

religion; migration; border deaths; death rituals; Italy

Lay Summary (German)

Lead
Die Central Mediterranean Route (CMR) ist eine Migrationsroute zwischen Libyen/Tunesien und Italien. Im Jahr 2016 wurden auf der CMR 4'581 Todesfälle registriert. Italien sieht sich mit einer Reihe von politischen, rechtlichen, ethischen, logistischen und nicht zuletzt religiösen Fragen konfrontiert, wenn es um den Umgang mit den Toten geht.
Lay summary
Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die Zuständigkeiten im Umgang mit den border deaths sind nicht einheitlich geregelt und es kommen unterschiedliche rituelle Bewältigungsmuster zum Zuge. Diese reichen von der anonymen Entsorgung von Leichen und Leichenteile durch Fischer auf hoher See über aufwändige staatliche Bestattungszeremonien bis hin zu Gedenkritualen in den Auffangzentren, die Psychotherapeutinnen einsetzen, um posttraumatische Störungen zu therapieren. Für die involvierten Akteure stellt die Tatsache, dass in den meisten Fällen die Identität und damit auch die religiöse Zugehörigkeit der Toten unbekannt ist, ein zusätzliches Problem dar. Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie mit den border deaths vor der italienischen Küste umgegangen wird: Wer verfährt wie und wo mit den Toten und welche Rolle spielen Religion, Ritual und Gemeinschaft dabei? 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Im Rückgriff auf ethnographische Methoden und ritualtheoretische Konzepte wird die Situation vor Ort dokumentiert und analysiert. Damit wird eine Thematik adressiert, die wissenschaftlich wenig aufgearbeitet und in Süditalien zudem besonders virulent ist, da über das Mittelmeer die weltweit tödlichsten Migrationsrouten verlaufen.
Direct link to Lay Summary Last update: 29.08.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Babels (ANR) France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Abstract

Die Central Mediterranean Route (CMR) ist eine Migrationsroute zwischen Libyen/Tunesien und Italien/Malta. Im Jahr 2016 wurden auf der CMR 4'581 Todesfälle registriert. Italien sieht sich dadurch mit einer sepulkralen Herausforderung konfrontiert, die so noch nie dagewesen ist. Lokale und nationale Akteure sind mit einer Reihe von politischen, rechtlichen, logistischen, ethischen und, nicht zuletzt, religiösen Fragen konfrontiert, wenn es um Bewältigungsstrategien zur Bergung und Bestattung der Toten geht. Der Umgang mit den Toten ist für die religionswissenschaftliche Forschung von besonderem Interesse: Die oftmals unbekannten Identitäten der Opfer führen zu Fragen der Zuständigkeit bezüglich der weiteren Verfahren. Die nicht regulierte Situation führt zu Aushandlungsprozessen zwischen unterschiedlichen Akteuren (Grenzwacht, Fischer, Anwohner, Priester, Friedhofspersonal, Gerichtsmediziner, Behörden, NGOs), die in Versuchen der Identifikation der Opfer und verschiedenen Formen religiös-ritueller Bestattungen, aber auch in stillschweigender und anonymer Entsorgung der Leichen enden können. Das Projekt fragt nach den Faktoren dieser Aushandlungsprozesse mit besonderem Blick auf die Rolle religiöser Akteure und Deutungsmuster. Zudem werden die tatsächlich vollzogenen religiösen und nicht-religiösen Praktiken und Rituale im Umgang mit toten Migranten in Süditalien untersucht.In methodischer Hinsicht orientiert sich das Projekt an der Trias follow the dead, follow the thing, follow the metaphor im Anschluss an Marcus (1995). Dabei wird die Thematik wie folgt adressiert: (1) werden die Aushandlungsprozesse untersucht, indem (a) die daran beteiligten Akteure identifiziert werden und (b) die in den Aushandlungen aktivierten Praktiken, Strategien und Semantiken analysiert werden. (2) werden die rituellen Praktiken, die im Anschluss an die Aushandlungsprozesse vollzogen werden, untersucht und es wird eruiert, inwiefern wiederum diese Praktiken ihrerseits die Aushandlungsprozesse beeinflussen.
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