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Dokumentation klinischer Seelsorge im Horizont interprofessioneller Spiritual Care. Interdisziplinäre Klärungen aus seelsorgetheoretischer und ethischer Perspektive

English title Chaplain documentation: recording Spiritual Care in the clinical context. Interdisciplinary investigations from pastoral and ethical perspectives
Applicant Peng-Keller Simon
Number 173202
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.01.2018 - 31.12.2020
Approved amount 353'426.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Religious studies, Theology
Neurology, Psychiatry

Keywords (13)

Patientendokumentation; Spiritual Care; Seelsorgegeheimnis; Interprofessionalität; Datenschutz; Patientenautonomie; e-Health; Spiritualität; Klinische Seelsorge; Care-Ethik; Patientenrechte; Vertrauen; Vertrauensverhältnis

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt analysiert neue Formen, klinikseelsorgliches Handeln in elektronischen Informationssystemen zu dokumentieren, und fragt aus seelsorgetheoretischer und ethischer Perspektive nach den Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Praxis.
Lay summary

Ziele des Forschungsprojekts

Auf internationaler Ebene ist in den letzten Jahren ein Trend zu beobachten, im Rahmen von elektronischen Klinikinformationssystemen auch die seelsorgliche Perspektive einzubeziehen. Um die Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Praxis zu untersuchen, wird aus seelsorgetheoretischer und ethischer Perspektive ein Überblick über aktuelle Dokumentationspraktiken erarbeitet. Für deren Analyse sind die folgenden Fragen leitend: Was genau kann und soll dokumentiert werden und was nicht? Welchen Wert hat die Integration einer solchen Dokumentation für das Wohl von Patienten und für das Zusammenspiel verschiedener Akteure innerhalb des Gesundheitssystems? Welche Erfassungsform und welche Sprache sind dazu geeignet? Wer soll was für wen erfragen und schriftlich erfassen? Wie verändert sich die seelsorgliche Beziehung, wenn seelsorgliche Prozesse und spirituelle Nöte und Bedürfnisse in Patientenakten dokumentiert werden?

 Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Es ist zu erwarten, dass der Trend zur Implementierung seelsorglicher Dokumentationspraktiken zunehmend das schweizerische Gesundheitswesen erfassen wird. Im Bereich der Palliative Care und punktuell auch in anderen Feldern ist eine solche Dokumentation bereits in einigen Institutionen üblich. Trotz eines hohen Orientierungsbedarfs in diesem Zusammenhang ist diese neue Dokumentationspraxis bislang kaum erforscht und innerhalb der Theologie erst ansatzweise diskutiert worden.

Direct link to Lay Summary Last update: 18.12.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
145093 Hermeneutik des Vertrauens am Lebensende - Imaginatives Erleben und symbolische Kommunikation in Todesnähe 01.01.2013 NRP 67 End of Life
124534 Vertrauen verstehen. Grundlagen, Formen und Grenzen des Vertrauens 01.10.2009 Interdisciplinary projects

Abstract

Im Horizont interprofessioneller Spiritual Care und der Einführung von elektronischen Klinikinformationssystemen wird die Frage nach einer Dokumentation klinischer Seelsorge dringlich. Es ist zu erwarten, dass der international teilweise schon weit fortgeschrittene Trend zur Implementierung seelsorglicher Dokumentationspraktiken in den kommenden Jahren zunehmend das schweizerische Gesundheitswesen erfassen wird. Im Bereich der Palliative Care und punktuell auch in anderen Bereichen ist eine solche Dokumentation bereits in einigen Institutionen üblich. Aus seelsorgetheoretischer und ethischer Perspektive stellen sich dabei wichtige Fragen: Wie verhält sich eine solche Dokumentation zum Seelsorgegeheimnis? Was genau kann und soll dokumentiert werden und was nicht? Welche Erfassungsform und welche Sprache sind dazu geeignet? Wer soll was für wen erfragen und schriftlich erfassen? Wie verändert sich die seelsorgliche Beziehung, wenn seelsorgliche Prozesse und spirituelle Nöte und Bedürfnisse in Patientenakten dokumentiert werden? Und was bedeutet die Integration einer solchen Dokumentation für die Rolle der Seelsorge innerhalb des Gesundheitssystems?Alle diese Fragen sind derzeit weitgehend umstritten und ungeklärt. Ein praktisch-theologischer und ethischer Diskurs über die Dokumentation klinischer Seelsorge hat bisher erst ansatzweise stattgefunden. Dies möchte das beantragte Forschungsprojekt nachholen, indem es seelsorgetheoretische und ethische Perspektiven in systematischer Weise aufeinander bezieht und miteinander verknüpft. Ein interdisziplinäres und universitätsübergreifendes ökumenisches Forschungsteam bearbeitet die Fragestellungen in zwei Teilprojekten. Unterstützt wird das Forschungsteam durch eine Projektgruppe mit Vertretern und Vertreterinnen weiterer Wissenschaftsdisziplinen und der klinischen Praxis, insbesondere auch derjenigen der Psychologie, der Medizin und der Pflege.Das Gesamtprojekt umfasst zwei Promotionsprojekte: das erste ist an der Professur für Spiritual Care an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich angesiedelt, das zweite am Lehrstuhl für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule Chur. Das erste Teilprojekt untersucht aus seelsorgetheoretischer Perspektive Dokumentationspraktiken klinischer Seelsorge in einem internationalen Horizont, während das zweite die Möglichkeiten und Ambivalenzen solcher Praktiken aus theologisch-ethischer Perspektive erkundet. Begleitend und ergänzend zu diesen beiden Teilprojekten umfasst das Projekt eine interdisziplinäre Forschungstagung, die auch die medizinrechtliche Perspektive einbezieht, sowie einen zweitägigen Forschungsworkshop, der dem Austausch mit assoziierten Exponent/innen klinischer Seelsorgeteams aus den USA, Kanada, Australien, Grossbritannien und Holland dient. Das skizzierte interdisziplinäre Projekt ist in thematischer und methodischer Hinsicht innovativ und schließt eine Forschungslücke. Zum ersten Mal werden in ihm länderübergreifend Möglichkeiten und Grenzen einer Dokumentation klinischer Seelsorge im Horizont von Spiritual Care systematisch erhoben, aus unterschiedlichen Perspektiven analysiert und kritisch diskutiert. Das Projekt leistet im Feld des internationalen Diskurses um klinische Seelsorge und Spiritual Care Pionierarbeit und dürfte eine breite Diskussion in und zwischen den involvierten Disziplinen anregen. In methodischer Hinsicht beschreitet das interdisziplinär und ökumenisch angelegte Projekt neue Wege, indem es seelsorgetheoretische und ethische Perspektiven in allen Arbeitsphasen systematisch aufeinander bezieht und miteinander verknüpft, sowie im Rahmen der erweiterten Projektgruppe auch mit weiteren Disziplinen (Medizin, Medizinrecht, Pflegewissenschaft, Psychoonkologie) ins Gespräch bringt. In intensivem Rückbezug zur klinischen Praxis erarbeitet das Projekt fundiertes Orientierungswissen, das bei einer Implementierung von Dokumentationssystemen für alle beteiligten Professionen (Seelsorge, Medizin, Pflege, Psychoonkologie, Sozialarbeit) sowie für institutionelle Entscheidungsträger von hoher Bedeutung ist. Das Projekt versteht sich damit als Beitrag zu der vom Bundesamt für Gesundheit formulierten Aufgabe, Menschen in klinischen Kontexten „in ihren existenziellen, spirituellen und religiösen Bedürfnissen auf der Suche nach Lebenssinn, Lebensdeutung und Lebensvergewisserung sowie bei der Krisenbewältigung“ in interprofessioneller Weise zu begleiten (Nationale Leitlinien für Palliativpflege, S. 14).
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