Project

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Peerspezifische Sozialisationsprozesse im Jugendalter

English title Peer-specific Processes of Socialisation during Adolescence
Applicant Rieker Peter
Number 173034
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.02.2018 - 31.07.2022
Approved amount 481'489.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Education and learning sciences, subject-specific education
Sociology

Keywords (5)

Peers; Jugendalter; Sozialisation; Entwicklung; Peergroup

Lay Summary (German)

Lead
In einer ethnographischen Längsschnittstudie soll geklärt werden, welche Bedeutung Peers, d.h. Gleichaltrige, für die Entwicklung im Jugendalter haben, wie sie ihr Miteinander in Gruppen gestalten, wie sie sich wechselseitig beeinflussen und welche Bedeutung Erwachsene für diese Gruppen haben.
Lay summary

Die Bedeutung, die Peers bzw. Gleichaltrige für die Sozialisation, die Entwicklung und die Bewältigung von Herausforderungen im Jugendalter haben, wird zunehmend als relevant eingeschätzt. Allerdings weiss man bisher nur wenig darüber, in welcher Weise Peers sich wechselseitig helfen oder beeinflussen und welche Bedeutung Erwachsene und soziale Rahmenbedingungen für Peergroups haben. Anhand ethnographischer Beobachtungen und durch Interviews sollen deswegen die Bedingungen des Miteinanders im Kontext der Gleichaltrigen untersucht werden. Im Rahmen dieser Untersuchung werden zunächst verschiedene Gruppen ca. 14-jähriger Jugendlicher begleitet sowie beobachtet und es werden Interviews mit Jugendlichen und Erwachsenen aus dem Umfeld der Gruppen geführt. Nach zwei Jahren werden die dann 16-Jährigen erneut kontaktiert, begleitet und nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen befragt.

Durch den Vergleich von Gruppen weiblicher und männlicher Jugendlicher sowie durch die Einbeziehung organisierter und nicht organisierter Gruppen können die Besonderheiten verschiedener Gruppen erkannt werden. Indem die Studie verschiedene Altersgruppen berücksichtigt, können ausserdem Entwicklungen und Veränderungen der Bedeutung von Peers im Jugendalter erkannt werden. Zudem zeigt sich, inwiefern Jugendliche und Erwachsene diese Prozesse ähnlich einschätzen und welche Besonderheiten für die Beteiligten jeweils im Vordergrund stehen. Schliesslich kann erforscht werden, unter welchen Bedingungen bzw. wann die Abgrenzung von Erwachsenen sowie der sozialen Umgebung im Vordergrund steht und in welche Weise bzw. wann Anregungen und Unterstützung durch Erwachsene erlebt werden.

Durch die Berücksichtigung verschiedener Kontexte und Perspektiven sowie durch den vergleichenden Ansatz kann das Projekt dazu beitragen, Forschungslücken in Hinblick auf den Stellenwert von Peers für die Sozialisation im Jugendalter zu schliessen und das Verhältnis zwischen Peergroups und anderen sozialen Akteuren zu klären.

Direct link to Lay Summary Last update: 20.12.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Peers gelten als wichtige Instanz der Sozialisation von Jugendlichen. Die den Peers hierbei zugeschriebene Bedeutung weist eine grosse Spannbreite auf: Während etwa die Kriminologie vorwiegend negative Einflüsse der Peergroup untersucht, werden in Bezug auf pädagogische Kontexte verstärkt produktive Prozesse hervorgehoben. So wird beispielsweise konstatiert, Peers würden sich wechselseitig bei der Bewältigung adoleszenter Entwicklungsanforderungen, bei der Abgrenzung von Erwachsenen sowie bei Problemen unterstützen und auf diese Weise auch der Identitätsbildung dienen. Theoretisch stützen sich entsprechende Analysen auf ganz unterschiedliche, vor allem jugendsoziologische, entwicklungspsychologische und erziehungswissenschaftliche Ansätze. Diese theoretischen Annahmen sind bislang aber noch nicht substanziell bestätigt, d.h. Peergroup-spezifische Praktiken, die subjektive Bedeutung der Peers und die Entwicklungsverläufe der peerspezifischen Sozialisation sind kaum konkret dokumentiert. Das geplante Projekt fokussiert peerspezifische Sozialisationsprozesse von 12- bis 16-Jährigen; es geht mit Bezug auf ein interaktionistisches Sozialisationsverständnis davon aus, dass den Beteiligten eine aktive Rolle in der Gestaltung peerspezifischer Sozialisationsprozesse zukommt. Damit ist ein Wechselverhältnis von strukturellen Gegebenheiten und individuellen sowie kollektiven Gestaltungsmöglichkeiten angesprochen, welches in seiner Dynamik verschiedene Praktiken hervorbringt, die durch die beteiligten Subjekte reflektiert werden und im Jugendalter Entwicklungen durchlaufen. Das Forschungsinteresse richtet sich auf peerspezifische Sozialisationsprozesse wobei folgende Dimensionen fokussiert werden:- Praktiken der Konstitution von Peergroups und sozialen Beziehungen zwischen Peers;- Praktiken der Herausbildung und Übernahme von Orientierungs- und Handlungsmustern im Kontext der Peers;- Anregungen, Vorgaben und Strukturierungen durch erwachsene Bezugspersonen.Die Erkenntnisse zu diesen Dimensionen sollen anhand der folgenden Fragen ausdifferenziert sowie zueinander in Bezug gesetzt werden, um zu belastbaren Resultaten hinsichtlich peerspezifischer Sozialisationsprozesse von 12- bis 16-Jährigen zu führen:- Welche Bedeutung haben die jeweiligen Kontextbedingungen, Gruppenspezifika und Zugehörigkeitsdimensionen für diese Sozialisationsprozesse in Peergroups? - Wie werden diese peerspezifischen Sozialisationsprozesse, Kontextbedingungen, Anregungen und soziale Beziehungen der Jugendlichen aus der Sicht der verschiedenen Beteiligten charakterisiert und bewertet?- Welche Entwicklungsverläufe zeigen sich in Hinblick auf Praktiken in Peergroups, deren subjektive Beurteilung und die Position der Peergroups im Kontext sonstiger sozialer Beziehungen Jugendlicher? Einbezogen werden sollen Peergroups, die sich in Hinblick auf ihre institutionelle Einbettung, den Bezug zu Erwachsenen sowie das Geschlecht der Heranwachsenden unterscheiden. Zunächst werden Peergroups 12- bis 14-Jähriger fokussiert, da im Übergang zwischen Kindheit und Jugendalter die Peers an Bedeutung gewinnen und sich in dieser Phase Praktiken entwickeln, die auf neue Herausforderungen auf individueller wie kollektiver Ebene gerichtet sind. Nach zwei Jahren werden die Praktiken und Sichtweisen der dann 14- bis 16-Jährigen erneut untersucht, um Entwicklungsverläufe erfassen zu können. Geplant sind Datenerhebungen mittels ethnographischer Beobachtungen und Interviews, wobei neben den Sichtweisen der Jugendlichen auch die Perspektiven Erwachsener berücksichtigt werden sollen, die entweder am Gruppengeschehen beteiligt sind oder dieses als Beobachtende einschätzen können. Mittels eines netzwerkanalytischen Zugangs werden auch andere soziale Beziehungen sowie die Relevanz der beobachteten Peergroups fokussiert. Die Datenanalyse nutzt die verschiedenen Vergleichsdimensionen mittels kontrastierender Analysen. Das beantragte Forschungsprojekt soll das Verständnis für die Potenziale und Leistungen von Peergroups schärfen und die Erkenntnislage bezüglich der formulierten Fragen klären.
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