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Strahlende Zukunft. Nukleare Technopolitik in der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten, 1949-2019

Applicant Richers Julia
Number 172565
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Historisches Institut Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.03.2017 - 31.08.2020
Approved amount 250'653.00
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Keywords (6)

nuclear history; technopolitics; history of science; Cold War; Soviet Union; atomic powered communism

Lay Summary (German)

Lead
1949 wurde die Sowjetunion zur zweiten Atommacht der Welt. Fortan hat die Nukleartechnologie die Geschichte der Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten auf vielfältige Weise geprägt. In vier Fallstudien untersucht das internationale Kooperationsprojekt zentrale Aspekte der nuklearen Technopolitik der Sowjetunion und geht damit weit über die bisher in der Historiographie dominierende Konzentration auf „Stalin und die Bombe“ hinaus.
Lay summary

Die Atomkraft prägt(e) die Zukunftsvorstellungen und Lebensrealitäten von Millionen Menschen im 20. und 21. Jahrhundert – auch in Osteuropa. Davon ausgehend untersucht das Projekt die sowjetische und postsowjetische Nukleargeschichte auf verschiedenen Ebenen, indem es deren lokalen, nationalen und internationalen Ausprägungen nachgeht. Neben dem gut dokumentierten nuklearen Säbelrasseln im Kalten Krieg beeinflusste die Atomenergie auch im Innern Politik und Gesellschaft. So arbeitete etwa technische und wissenschaftliche Experten im Feld der nichtmilitärischen Kernenergienutzung über viele politische Zäsuren hinweg blockübergreifend zusammen. Die bislang meist separat untersuchten technik-, umwelt-, politik-, sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekte werden im Projekt aufeinander bezogen, so dass ein integratives Gesamtbild nuklearer Technopolitik in der Sowjetunion und darüber hinaus entsteht.

Die Atomkraft steht bis heute im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten und politischer Entscheidungen. Während Deutschland nach Fukushima den Atomausstieg beschloss, gilt Kernkraft im postsowjetischen Raum weiterhin als Zukunftstechnologie. Das Projekt führt Zeitgeschichte und Zeitgeschehen über die Zäsur von 1991 hinaus zusammen und bietet dadurch wichtiges Orientierungswissen zum Verständnis der heutigen Atompolitik im postsowjetischen Raum.

Direct link to Lay Summary Last update: 17.02.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Party, Peers, Publicity. Overlapping Loyalties in Early Soviet Pugwash, 1955–1960
LüscherFabian (2020), Party, Peers, Publicity. Overlapping Loyalties in Early Soviet Pugwash, 1955–1960, in Kraft Alison, Sachse Carola (ed.), Brill, Leiden, 121-155.
La technoscience nucléaire soviétique: Topographie du champ et nouvelles recherches
GuthStefan, GestwaKlaus, PenterTanja, RichersJulia (2019), La technoscience nucléaire soviétique: Topographie du champ et nouvelles recherches, in Cahiers du Monde Russe, 60(2-3), 229-256.
Romashka and the Power of Conversion. Soviet Nuclear Internationalism and Atom-powered Satellites
LüscherFabian (2019), Romashka and the Power of Conversion. Soviet Nuclear Internationalism and Atom-powered Satellites, in Cahiers du Monde Russe, 60(2-3), 397-416.
Soviet Nuclear Technoscience. Topography of the Field and new Avenues of Research
GuthStefan, GestwaKlaus, PeterTanja, RichersJulia (2019), Soviet Nuclear Technoscience. Topography of the Field and new Avenues of Research, in Cahiers du Monde Russe, 60(2-3), 257-280.
Nuclear Technopolitics in the Soviet Union and Beyond – An Introduction
GuthStefan, RichersJulia, LüscherFabian (2018), Nuclear Technopolitics in the Soviet Union and Beyond – An Introduction, in Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 66(1), 3-19.
The Nuclear Spirit of Geneva. Boundary-Crossing Relationships of Soviet Atomic Scientists after 1955
LüscherFabian (2018), The Nuclear Spirit of Geneva. Boundary-Crossing Relationships of Soviet Atomic Scientists after 1955, in Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 66(1), 20-40.
Nuklearer Internationalismus in der Sowjetunion. Eine akteursorientierte Wissensgeschichte
LüscherFabian, Nuklearer Internationalismus in der Sowjetunion. Eine akteursorientierte Wissensgeschichte, Böhlau, Köln.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
International Conference "Transnational Perspectives on Soviet Cutting-Edge Technology" Talk given at a conference Disillusion about Fusion. Failure as an Asset to Nuclear Internationalism in the Soviet Union, 1956–1968 01.02.2019 Universität Bern, Switzerland Lüscher Fabian;
International Conference "Transnational Perspectives on Soviet Cutting-Edge Technology" Talk given at a conference Introduction: Transnational Perspectives on Soviet Cutting-Edge Technology 31.01.2019 Universität Bern, Switzerland Richers Julia; Lüscher Fabian;
International Workshop "Rethinking Cold War Science: Cooperation and Competition Beyond Borders" Talk given at a conference A Potemkin Village? Cold War Cooperation in the Early Soviet Space Program 22.11.2018 Ludwig-Maximilian-Universität München, Germany Richers Julia;
Oberseminar Osteuropäische Geschichte Individual talk Atome und Individuen in einer geteilten Welt. Akteursorientierte Perspektiven auf die sowjetische Nukleargeschichte, 1955–1965 16.04.2018 Ludwig-Maximilians-Universität München, Germany Lüscher Fabian;
International Conference "Nuclear Technopolitics in the Soviet Union and Beyond" Talk given at a conference Romashka and the Poetics of Soviet Nuclear Internationalism 22.03.2018 Universität Tübingen, Germany Lüscher Fabian;
International Conference "Scientific Cooperation Across the Cold War Divide: East-West Relations in the Field of Atomic Energy" Talk given at a conference “Breaking down all barriers erected in the path of international co-operation”. Soviet atomic science diplomacy and the IAEA in the 1950s 24.11.2017 Trieste, Italy Lüscher Fabian;
Forschungskolloquium für Geschichte nach 1800 Individual talk Nuklearer Internationalismus im Kalten Krieg. Sowjetische Akteure, Netzwerke und Wissenstransfer 26.04.2017 Universität Bern, Switzerland Lüscher Fabian;


Self-organised

Title Date Place
Kickoff-Workshop "Strahlende Zukunft. Nukleare Technopolitik in der Sowjetunion und in ihren Nachfolgestaaten seit 1949" 12.07.2017 Karlsruhe, Germany

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Radioaktive Schrittmacher der arktischen Schifffahrt Histoires Continentales German-speaking Switzerland 2020
Media relations: print media, online media Reviewing the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons in 2020. Nuclear Non-Proliferation, H-Diplo/ISSF Policy Series “America and the World – 2017 and Beyond International 2020
Media relations: radio, television Dokumentarfilm "Geheimnisse der Sowjet-Technik" ZDF International German-speaking Switzerland 2018
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Website des Projekts: "NucTechPol - Nuclear Technopolitics in the Soviet Union" International 2017

Abstract

Das Forschungsvorhaben wird die Geschichte des sowjetischen Atomprojekts in vier korrespondierenden, archivgestützten Fallstudien untersuchen. Sie überwinden die dominierende Konzentration auf „Stalin und die Bombe“ und erweitern damit den Forschungshorizont. Mithilfe des integrierenden Konzepts der „technopolitics“ werden die bislang meist separat untersuchten technik-, umwelt-, politik- und kulturgeschichtlichen Aspekte eng miteinander verzahnt. Das Projekt verfolgt zwei inhaltliche und ein wissenschaftsorganisatorisches Ziel: (1)Durch das Prisma der Nukleargeschichte wird eine langfristig angelegte Blickachse auf die bisher stark dekadologisch behandelte zweite Halbzeit der Sowjetgeschichte eröffnet. Das Projekt begreift die Nukleartechnologie als politikprägende und gesellschaftsgestaltende Kraft. Die Untersuchung des Zusammenspiels von atomarer Technoscience und parteistaatlicher Politik, von Zukunftsentwürfen und Bedrohungsszenarien gestattet Aufschluss sowohl über die Bestandssicherheiten als auch die Systemmängel der Sowjetmoderne. (2)Das Projekt will eine Mehrebenenanalyse sowjetischer Technopolitik in ihren lokalen, unionsweiten und internationalen Bezügen leisten. Die Teiluntersuchungen sind deshalb so angelegt, dass sie die lokale Mikrologik des „Doing Technology“ in den nuklearen Forschungs- und Produktionsstätten zu den Makrologiken staatlicher und globaler Prozesse im Kalten Krieg in Bezug setzen. Konzipiert als transnationale Verflechtungsgeschichte, kann die historische Analyse des sowjetischen Atomprogramms dazu beitragen, den bislang in wichtigen Bereichen noch weißen Fleck „Sowjetunion“ auf der Landkarte einer entstehenden Globalgeschichte der Technopolitik besser zu kartographieren und damit den Ort Osteuropas in der Globalgeschichtsschreibung klarer zu bestimmen. (3)In wissenschaftsorganisatorischer Hinsicht will das Projekt die im südwestdeutsch-schweizerischen Raum vorhandenen Forschungskapazitäten zur sowjetischen Technik- und Wissensgeschichte bündeln und weiterentwickeln, um einen Forschungsverbund mit internationaler Sichtbarkeit und Ausstrahlung zu etablieren.Als Inbegriff der Ambivalenz moderner Technologie steht die Atomkraft bis heute im Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten und politischer Entscheidungen. Während Deutschland nach Fukushima den Atomausstieg beschloss, gilt die Kernenergie im postsowjetischen Raum weiterhin als Zukunftstechnologie. Im Projekt geht es darum auch um die Historisierung gegenwärtiger Entwicklungen. Es wird Zeitgeschichte und Zeitgeschehen über die Zäsur von 1991 hinaus zusammenführen, wichtiges Orientierungswissen zum Verständnis der postsowjetischen Atompolitik vermitteln und damit nicht nur wissenschaftliche, sondern zugleich gesellschaftliche Relevanz erlangen.
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