Projekt

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Von Träumen, Tempeln und Tränen - Zur Bedeutung buddhistischer Religiosität im Alltag thailändischer Heiratsmigrantinnen in der Schweiz

Titel Englisch Of Dreams, Temples and Tears - The Relevance of Buddhist Religiousness in the Daily Life of Female Thai Marriage Migrants in Switzerland
Gesuchsteller/in Zimmermann Andrea
Nummer 172282
Förderungsinstrument Doc.CH
Forschungseinrichtung Religionswissenschaftliches Seminar Universität Luzern
Hochschule Universität Luzern - LU
Hauptdisziplin Religionswissenschaften, Theologie
Beginn/Ende 01.04.2017 - 30.09.2020
Bewilligter Betrag 210'941.00
Alle Daten anzeigen

Keywords (11)

Intercultural Families; Gender; Migration; Transnationalism; Identity; Binational Couples; Religion; Bireligious Couples; Marriage Migration; Buddhism; Thai

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Heiratsmigrantinnen aus Thailand haben in der Schweiz mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Dissertationsprojekt wird insbesondere die Rolle von thai-buddhistischer Religiosität zur Bewältigung von Problemen im Alltag analysiert.
Lay summary

Viele Frauen haben den Traum, durch eine Heirat mit einem Ausländer fernab der Heimat ein mehr oder weniger sorgloses Leben in Wohlstand zu führen. Deshalb lassen sich oft auch Thai-Frauen auf eine Eheschliessung mit einem Schweizer ein. Doch die zu Beginn sehr illusorischen Vorstellungen der Frauen vom Leben in der Schweiz haben letztlich meist nicht viel mit der ernüchternden Realität gemeinsam, welche sie hier tatsächlich vorfinden. Dass den Frauen die Bewältigung ihres Alltags in der Schweiz teilweise sehr zu schaffen macht, erwies sich in den bisher geführten narrativ-biographischen Interviews als zentrales Thema. Die Migrantinnen klagen über Eheprobleme, Einsamkeit und Unterbeschäftigung. Zudem zeigen erste Befunde, dass Thai-Frauen relativ isoliert leben und ausserhalb der Thai-Community kaum soziale Kontakte pflegen.

Neben der Erfassung der Lebensumstände von thailändischen Heiratsmigrantinnen in der Schweiz, ist es das Ziel ethnographisch ausgerichteten Projektes, den Beitrag und die Bedeutung thai-buddhistischer Religiosität zur Bewältigung ihrer Lebenssituationen zu untersuchen. Es zeigte sich bisher, dass die thai-buddhistische Tradition den Frauen als wichtige Ressource dient, sich in ihrem Alltag in der Schweiz zurechtzufinden. Die Religionspraxis wie auch thai-buddhistische Institutionen sind für die Frauen wichtige Plattformen für Vergemeinschaftung und dienen auch bei persönlichen Problemen als Anlaufstelle.

Das Projekt leistet mittels qualitativer Interviews, teilnehmender Beobachtung und einer Netzwerkanalyse wie auch unter Berücksichtigung der Identitäts- und Transnationalismus-Theorie einen Beitrag zur Erforschung der Lebenswelt der Migrantinnen, ihren Perspektiven und der Bedeutung von thai-buddhistischer Religiosität in der Diaspora. Ferner soll das Projekt Aufschluss darüber liefern, wie sich die immigrierten Thai-Frauen innerhalb der Schweizer Gesellschaft verorten und welche Rolle der Religion dabei zukommt. 

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 16.02.2017

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Abstract

Seit den 1970er Jahren kommen zunehmend Frauen als Heiratsmigrantinnen in europäische Länder. In der Schweiz ist mittlerweile jede zweite Ehe binational. Dennoch erhalten interkulturelle Familien wie auch bireligiöse Paare in der Forschung hierzulande kaum Aufmerksamkeit. In der Schweiz stammen Heiratsmigrantinnen überwiegend aus Thailand. Bisherige Studien haben gezeigt, dass Migrantinnen aus Thailand vielfach illusorische Vorstellungen vom Leben in der Fremde haben und die Mehrheit der immigrierten Thai-Frauen schlecht ausgebildet und mit der europäischen Kultur nur wenig vertraut ist. Ebenso verfügen sie oft nur über rudimentäre Sprachkenntnisse, was ihre Einbindung in die Schweizer Gesellschaft zusätzlich erschwert. Erste empirische Befunde zeigen zudem, dass Thai-Frauen in der Schweiz relativ isoliert leben und sich ihre sozialen Kontakte vielfach auf die Thai-Community beschränken. Verschiedene thai-buddhistische Institutionen in der Schweiz bieten ihnen hierfür wichtige Plattformen. Neben ihrer kulturell-religiösen Bedeutung für die Migrantinnen finden sie dort auch Unterstützung zur Bewältigung von alltäglichen Lebenssituationen, die vielfach mit Eheproblemen, Einsamkeit und Unterbeschäftigung einhergehen. Demzufolge lautet die Fragestellung des Dissertationsprojekts: Welchen Beitrag nehmen thai-buddhistische Deutungssysteme, Handlungspraktiken und Formen der Vergemeinschaftung zur Bewältigung der Lebenssituation von thailändischen Heiratsmigrantinnen in der Schweiz ein?Im Forschungsprojekt wird die These vertreten, dass die buddhistische Religiosität und Religionspraxis im öffentlichen wie auch privaten Raum als Ausdruck der Selbstidentifikation, Basis für Vergemeinschaftungsprozesse wie auch über den religiösen Kontext hinausreichende «Thai-ness» zu verstehen sind. Diese dienen den Thai-Frauen als wichtige Ressourcen, um ihren Alltag in der Schweiz bewältigen zu können. Die Untersuchung stellt einen Versuch dar, Lücken bisheriger Forschungen zu tilgen und die Thematik für die Schweiz erstmals zu erschliessen. Ziel der ethnographisch ausgerichteten Dissertation ist, die Lebenswelt und Perspektiven thailändischer Heiratsmigrantinnen und deren Verortung innerhalb der Schweizer Gesellschaft unter Gesichtspunkten der Identitäts- und Transnationalismustheorie zu erfassen. Anhand dieser theoretisch-analytischen Kontextuierung und Erhebungen im Untersuchungsfeld (narrativ-biographische Interviews, teilnehmende Beobachtung und Netzwerkanalyse) werden Arbeitsthesen gebildet, die vor dem Hintergrund der Zielsetzung des Forschungsvorhabens analysiert und in einen grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden sollen.
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