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Spirituelle Transformationen im Spiegel narrativer Identität: Religiöse Konversion und Rekonversion bei MuslimInnen in der Schweiz

English title Spiritual transformation in the mirror of narrative identity: religious conversion and re-conversion among Muslims in Switzerland
Applicant Nollert Michael
Number 169799
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement für Sozialarbeit und Sozialpolitik Université de Fribourg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Sociology
Start/End 01.09.2017 - 29.02.2020
Approved amount 259'475.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Sociology
Religious studies, Theology

Keywords (9)

soziale Netzwerke; Biographie; Rekonstruktion narrativer Identität; Religion; Konversion; MuslimInnen in der Schweiz; Spirituelle Transformation; Rekonversion; Islam

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt bietet einen systematischen Vergleich von Konversion und Rekonversion zum Islam. Der qualitativ ausgerichtete methodische Ansatz lehnt sich an integrative Modelle an, die auf einer Synthese konstruktivistischer, biografischer und netzwerkanalytischer Zugänge beruhen.
Lay summary

In der soziologischen Konversionsforschung fehlt es bislang an Versuchen, das Phänomen der Konversion (Annahme eines Glaubens durch Menschen, die einen anderen oder gar keinen Glauben hatten) systematisch mit dem Phänomen der Rekonversion (das Erstarken einer bereits bestehenden religiösen Zugehörigkeit) zu vergleichen. Unsere Studie versucht diese Forschungslücke zu schliessen, indem sie einen integrativen Ansatz entlang dreier Dimensionen (konzeptionell, theoretisch und methodologisch) anwendet.

In konzeptioneller Hinsicht gliedert die Studie Konversion und Rekonversion zum Islam unter das allgemeinere Phänomen der spirituellen Transformation.

In theoretischer Hinsicht integriert sie die folgenden drei in der Forschung vernachlässigten Zugänge: erstens die Bedeutung der spirituellen Transformation für den Identitätswandel; zweitens die religiösen Inhalte der (Re)Konversion; und drittens ein interdisziplinärer Zugang.

In methodologischer Hinsicht trianguliert die Studie schliesslich konstruktivistische, biografische und netzwerkanalytische Instrumente.

Folgende Fragen stehen im Zentrum: Welche Lebensläufe in Wechselwirkung mit welchen Konfigurationen sozialer Netzwerke und unter welchen Voraussetzungen führen zur (Re)Konversion zum Islam? Welche typischen Muster lassen sich dabei erkennen? Weshalb entfaltet ein solcher Wandel bei manchen Individuen eine radikale oder gar militante Disposition? Inwieweit sind die Konversionsnarrative im Islam geläufigen „Konversionsskripten“ verwurzelt? Inwiefern impliziert eine spirituelle Transformation einen Identitätswandel?

Datengrundlage bilden ca. 25-30 narrativ-biografische Interviews mit KonvertitInnen und RekonvertitInnen in der Deutsch- und Westschweiz, deren spirituellen Transformationen anhand ihrer Narrationen rekonstruiert werden. Die Daten für die egozentrische Netzwerkanalysen werden sowohl im Haupt- als auch im Nachfrageteil der Interviews erhoben.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 06.07.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
134841 Freiwillige Assoziationen, multiple Identitäten und Toleranz. Eine Rekonstruktion narrativer Identitäten von Assoziationsmitgliedern mit besonderer Berücksichtigung von MuslimInnen in der Schweiz 01.01.2012 Project funding (Div. I-III)
134841 Freiwillige Assoziationen, multiple Identitäten und Toleranz. Eine Rekonstruktion narrativer Identitäten von Assoziationsmitgliedern mit besonderer Berücksichtigung von MuslimInnen in der Schweiz 01.01.2012 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Das Forschungsprojekt beruht inhaltlich auf dem SNF-Projekt „Freiwillige Assoziationen, multiple Identitäten und Toleranz. Eine Rekonstruktion narrativer Identitäten von Assoziationsmitgliedern mit besonderer Berücksichtigung von MuslimInnen in der Schweiz“ (Nr. 134841, Januar 2012-Mai 2015). Diese Studie rekonstruierte die narrative Identität zivilgesellschaftlich engagierter MuslimInnen in der Schweiz. Im Vordergrund stand die Frage, ob zivilgesellschaftliches Engagement bei MuslimInnen einen Wandel ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung bewirkt, und wenn ja, ob damit eine Schliessung oder Öffnung dieser Menschen gegenüber Outgroups einhergeht. Dabei fiel auf, dass für einige Befragte spirituelle Transformationen (Paloutzian 2005) - im Sinne von Prozessen, durch welche Religion zur salienten Identität der jeweiligen Person wird - wichtige Anlässe für einen Identitätswandel darstellten (Sheikhzadegan 2013a; Nollert und Sheikhzadegan 2014; Nollert und Sheikhzadegan 2016b). Obwohl die soziologische Konversionsforschung auf eine beachtliche Forschungstradition zurückblickt, fehlt es bislang an Versuchen, das Phänomen der Konversion (Annahme des Islam durch Menschen, die einen anderen oder keinen Glauben hatten) mit dem Phänomen der Rekonversion (das Erstarken der bestehenden Zugehörigkeit zum Islam) systematisch zu vergleichen. Die geplante Studie versucht diese Forschungslücke zu schliessen, indem sie diese beiden Phänomene in Bezug auf folgende Fragen zu vergleichen versucht: Welche Lebensläufe in Wechselwirkung mit welchen Konfigurationen der sozialen Netzwerke und unter welchen Voraussetzungen führen zur spirituellen Transformation? Welche typischen Muster lassen sich dabei erkennen? Weshalb geht ein solcher Wandel bei manchen Individuen mit der Entfaltung einer radikalen oder gar militanten Disposition einher? Inwieweit sind die Konversionsnarrative in den im Islam geläufigen „Konversionsskripten“ (Riesebrodt 2007) verwurzelt? Inwiefern impliziert eine spirituelle Transformation einen Identitätswandel?Das gewählte methodische Verfahren lehnt sich an integrative Modelle an, die auf einer Synthese konstruktivistischer, biografischer und netzwerkanalytischer Zugänge beruhen (Jindra 2011, 2014; Erin 2015). Darüber hinaus integriert er folgende drei vernachlässigte Zugänge: erstens die Bedeutung des Identitätswandels für die spirituelle Transformation (Travisano 1970; Paloutzian 2005: 332; Gooren 2010: 46), indem die angewendete Methodik um die Rekonstruktion narrativer Identität (Lucius-Hoene und Deppermann 2004) erweitert wird; zweitens die religiösen Inhalte der Konversion (Smith 2008: 1564; Gooren 2010: 46); und drittens, der Kritik Rambos (1989, 1993) Folge leistend, ein interdisziplinäres Verständnis von spiritueller Transformation.Datengrundlage bilden ca. 25-30 qualitative Interviews mit KonvertitInnen und RekonvertitInnen in der Deutsch- und Westschweiz, deren spirituellen Transformationen anhand ihrer Narrationen rekonstruiert werden.
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