Project

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Bewältigung von drohendem Wohnungsverlust - die soziale Seite gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien (WOHNSOG)

English title Coping with impending loss of home. The social aspect of area-based structural planning strategies
Applicant Reutlinger Christian
Number 169370
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Soziale Arbeit IFSA-FHS Fachhochschule St. Gallen FHO Fachhochschule Ostschweiz
Institution of higher education University of Applied Sciences Ostschweiz - FHO
Main discipline Social work
Start/End 01.04.2017 - 31.08.2020
Approved amount 276'460.00
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All Disciplines (4)

Discipline
Social work
Social geography and ecology
Sociology
Architecture and Social urban science

Keywords (9)

housing; gentrification; community development; neigbourhood development; coping strategies; social inequality; urban development; urban densification; social geography

Lay Summary (German)

Lead
Durch den Paradigmenwechsel in der Schweizerischen Raumplanung in Richtung „Siedlungsentwicklung nach Innen“ entsteht aktuell eine Vielzahl gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien. Dadurch wird der Wohnraum tendenziell verteuert, was wiederum zu bedrohten Wohnsituationen und damit „kritischen Lebenskonstellationen“ für die ansässigen Mieterinnen und Mieter führen kann. Verschärft wird dadurch die ohnehin prekäre Situation am Wohnungsmarkt für immer breitere gesellschaftliche Schichten.
Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt soll untersucht werden, wie Bewohnerinnen und Bewohner drohenden Wohnungsverlust bewältigen. Dazu werden im Kanton Zürich drei Gebiete, mit konkreten baulich-planerischen Strategien, als Fallstudien ausgewählt. Im Projekt werden die individuelle Betroffenheit und damit verbundene Bewältigungsformen thematisiert. Neben subjektspezifischen Erfahrungen Betroffener wird auch die Bedeutung von Milieus erfragt. Ziel des Projekts ist es, neue empirisch fundierte Zugänge und Erkenntnisse zu den sozialen Konsequenzen gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien im interdisziplinären Themenfeld der Siedlungsentwicklung zu erhalten und einen Beitrag zur sozialpädagogischen Bewältigungsforschung zu leisten.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Über die Bewältigungsperspektive soll der bisher einseitig planerisch geführte Diskurs zu Siedlungsentwicklung von der sozialen Seite her aufgeschlossen werden. Damit wird ein substanzieller Beitrag zu der in der Schweiz noch jungen sozialwissenschaftlichen Forschung rund um Verdichtung, Gentrifizierung und Siedlungsentwicklung geleistet. Für die Praxis gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien werden neue Erkenntnisse für im Handlungsfeld Wohnen tätige Professionelle aus Planung und Sozialer Arbeit generiert.

Direct link to Lay Summary Last update: 29.11.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
136513 Global cities, gated communities und alltägliche Unterstützung in transnationalisierten Nachbarschaften 01.05.2011 International short research visits
64698 Jugend und Stadt im Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft - ein schweizerisch - europäischer Städtevergleich (J&S). 01.07.2003 Fellowships for advanced researchers
116246 Rekonstruktion des Sozialraums Schule im Kontext von Quartiersentwicklung am Bsp. zweier Quartiere in der Stadt Schaffhausen 01.04.2007 DORE project funding
153167 Praktiken pädagogischer Ortsgestaltung. Eine ethnographische Studie im sozialpädagogischen Feld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (kurz: Porta OKJA) 01.05.2014 Project funding (Div. I-III)
167808 Children’s Geographies und räumliche Verdichtung - Der englischsprachige Diskurs zu Kindern und verdichtetem Raum und seine Anschlussstellen zum deutschsprachigen Diskurs um kinderfreundliche Siedlungsentwicklung 01.05.2016 International short research visits
137947 Multilokales Wohnen in der Schweiz - Bewegte Praxis im Wechselspiel physisch-materieller, sozialer und biografischer Bedingungen 01.01.2012 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Die Verfügbarkeit angemessenen Wohnraums ist als Menschenrecht universell verankert und gleichwohl keine Selbstverständlichkeit - auch nicht in der Schweiz, wo gemäss einer aktuellen Studie rund 21 % der Wohnbevölkerung ungenügend wohnraumversorgt sind (BSV und BWO 2015: 60). Die wachsenden sozio-ökonomischen Disparitäten (Mäder et al. 2010) führen zu Ausgrenzungstendenzen, welche sich u. a. in der Benachteiligung verschiedener Gruppen am Wohnungsmarkt ausdrücken. Die dynamische, Ausgrenzungen produzierende Wohnungsmarktentwicklung steht in der Schweiz auch im Kontext der nationalen Raumentwicklungsstrategie (Revision des Raumplanungsgesetzes), gemäss derer sämtliche Gemeinden dazu angehalten sind, Siedlungsgebiete mittels baulicher Verdichtung kompakt zu halten und der Zersiedelung Einhalt zu gebieten, was zu einer Vielfalt an gebietsbezogenen baulich-planerischen Strategien führt. Solch lenkende staatliche Eingriffe kanalisieren Siedlungsentwicklungen auf bestimmte Gebiete und konzentrieren sich auf die rechtlichen oder gestalterischen Aspekte, während die soziale Seite vernachlässigt wird. Durch Ersatzneubauten oder umfangreiche Sanierungen wird der Wohnraum in der Regel verteuert und ist für die ansässigen Mieterinnen und Mieter oftmals nicht mehr bezahlbar, sodass sie sich eine andere Wohnung suchen müssen (UNO 2009; Rérat et al. 2010). Dieser drohende Wohnungsverlust muss auf subjektiver Ebene bewältigt werden, was zu folgender Forschungsfrage führt: Wie bewältigen Bewohnerinnen und Bewohner den drohenden Wohnungsverlust bedingt durch gebietsbezogene baulich-planerische Strategien?Indem mit der subjektiven Bewältigung die soziale Seite baulich-planerischer Strategien fokussiert wird, schliesst das vorliegende Forschungsvorhaben eine zentrale und gesellschaftlich relevante Forschungslücke. Theoretisch wird dies möglich unter Rückgriff auf das Konzept der Lebensbewältigung (Böhnisch und Schröer 2013) und das heuristische 3-Zonen-Modell (ebd.), welches Bewältigungshandeln, Bewältigungskulturen und Bewältigungslagen miteinander verschränkt. Der drohende Wohnungsverlust durch gebietsbezogene baulich-planerische Strategien wird damit als „kritische Lebenskonstellation“ im Sinne eines einschneidenden biografischen Umbruchs analysierbar (Böhnisch 2008: 26).Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden drei Gebiete in der Schweiz (Kanton Zürich), in denen konkrete baulich-planerische Strategien gesetzt werden, als Fallstudien ausgewählt. In den Fallstudien werden unterschiedliche einander ergänzende methodologische und methodische Zugänge gewählt, um ein breites Spektrum an biografisch und strukturell bedingten Faktoren, die Bewältigungsformen beeinflussen, zu erfassen. Mittels deskriptiver Auswertungsverfahren werden der Kontext und die äusseren Lebenslagen, in denen sich die Betroffenheit von drohendem Wohnungsverlust zeigt, beschrieben. Weiter ermöglicht die Kombination interpretativer und rekonstruktiver Auswertungsverfahren, die subjektiven Deutungen der Betroffenheit auf ihre latenten Sinngehalte hin zu befragen, und damit zusätzliche bewältigungsstrukturierende Faktoren zu identifizieren. Dementsprechend lauten die Forschungsziele: 1) Über die Bewältigungsperspektive und systematische Erfassung der individuellen Auswirkungen drohenden Wohnungsverlusts im Zuge gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien gelingt es, den bisher einseitig geführten Diskurs zu Siedlungsentwicklung von der sozialen Seite her aufzuschliessen und damit einen substanziellen Beitrag zu der in der Schweiz noch jungen sozialwissenschaftlichen Forschung rund um Verdichtung, Gentrifizierung und Siedlungsentwicklung zu leisten. 2) Durch die Operationalisierung der im Projekt hinterlegten theoretischen Folie des Konzepts der Lebensbewältigung kann dieses in methodischer Hinsicht weiter ausdifferenziert und für andere Forschungsbereiche anwendbar gemacht werden. 3) Die Forschung generiert neue Erkenntnisse für im Handlungsfeld Wohnen tätige Professionelle aus Planung und Sozialer Arbeit.
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