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Militärunternehmertum und Verflechtung: Strukturen, Interessenlagen und Handlungsräume in den transnationalen Beziehungen des Corpus Helveticum in der frühen Neuzeit

English title Swiss Military Entrepreneurship and Transnational Relations: Structures, Interests and Spheres of Action in the Early Modern Period
Applicant Holenstein André
Number 165610
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Historisches Institut Philosophisch-historische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Swiss history
Start/End 01.05.2016 - 30.11.2020
Approved amount 962'259.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Swiss history
General history (without pre-and early history)

Keywords (14)

Militärunternehmertum; Netzwerke; Eliten; Kriegsfinanzierung; Aristokratie; Schweizer Geschichte; Transnationale Geschichte; Fremde Dienste; Aussenbeziehungen; Patronage; Frühe Neuzeit; Kreditwesen; Familie; Diplomatie

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt untersucht das eidgenössische Militärunternehmertum in der frühen Neuzeit, das für das Herrschaftssystem, die politische Ökonomie und die Aussenbeziehungen der Orte konstitutiv war.
Lay summary

Inhalt und Ziel

 Das Projekt gliedert sich in die Teilprojekte A und B. Teilprojekt A (PostDoc) untersucht am Beispiel von vier Militärunternehmerfamilien den Wandel der Strukturen, Institutionen und Praktiken im Militärunternehmertum (1550-1750). Teilprojekt B umfasst vier Dissertationen, die mit der Regierungszeit König Ludwigs XIV. von Frankreich einen Zeitraum fokussieren, in dem die hohe Bellizität in Europa und steigende Spannungen zwischen der Krone und insbesondere den reformierten Städten die Militärunternehmer einem starken Anpassungsdruck aussetzten. Die Dissertationen untersuchen Akteure und Familien, die wegen ihrer Herkunft, ihres Standes, ihrer (konfessions)politischen Loyalitäten und ihrer Karriereverläufe mit je spezifischen unternehmerischen und politischen Herausforderungen konfrontiert wurden. Die Fallstudien zum Bündner Johann Peter Stuppa, zur Zuger Familie Zurlauben, zur Berner Familie von Erlach sowie zu Genfer Familien ermöglichen eine multiperspektivische Analyse der Verflechtung von Interessengruppen aus dem Corpus Helveticum mit Akteuren der französischen Diplomatie und rücken die Strategien der Militärunternehmer im Umgang mit der Aussen-, Konfessions- und Kriegspolitik Frankreichs ins Blickfeld.

 Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die in modernen Kriegen feststellbare Bedeutungszunahme von privaten Söldnerfirmen verleiht der Thematik einen Aktualitätsbezug. Mit der Untersuchung eidgenössischer Militärunternehmer leistet das Projekt einen substantiellen Beitrag an die internationale Frühneuzeitforschung, welche sich verstärkt Privatisierungsaspekten des Krieges zugewandt hat, und beleuchtet einen zentralen Aspekt der Verflechtungsgeschichte des Corpus Helveticum.

 

Keywords

Swiss history, early modern history, military entrepreneurship
Direct link to Lay Summary Last update: 20.04.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

1 Zusammenfassung des ForschungsplansAllianzen bildeten in der frühen Neuzeit die Basis der Beziehungen des Corpus Helveticum zu den Mächten im geopolitischen Umfeld. Sie definierten die Sicherheitspolitik der Orte und eröffneten mit dem Militärunternehmertum im Dienst europäischer Kriegsherren den eidgenössischen Machteliten Karriereperspektiven und Erwerbschancen, die für das Herrschaftssystem in den eidgenössischen Aristokratien konstitutiv waren. Zwischen 1550 und 1750 waren zahlreiche Angehörige des Corpus Helveticum als Militärunternehmer in fremden Diensten tätig. Das Projekt untersucht diesen grundlegenden Zusammenhang zwischen äusserer Verflechtung und innerer Herrschaftsordnung. Es greift die seit den 1970er Jahren nicht mehr systematisch untersuchten Fragen nach den Organisationsformen sowie nach der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Bedeutung des Militärunternehmertums auf und untersucht diese im Licht der Konzepte einer Kulturgeschichte der Politik, einer akteurszentrierten Diplomatiegeschichte sowie der Neuen Institutionenökonomie. Indem die militärunternehmerischen Praktiken in die Machtkonstellationen innerhalb des Corpus Helveticum sowie in dessen Beziehungen zu auswärtigen Mächten, insbesondere zur Krone Frankreich als wichtigstem Allianzpartner, eingebettet werden, werden sie für ein transnationales Verständnis der Schweizer Geschichte fruchtbar gemacht. Das Forschungsvorhaben gliedert sich in die Teilprojekte A und B, die sich mit ihrem diachronischen und strukturgeschichtlichen bzw. synchronischen und akteurszentrierten Profil ergänzen. Teilprojekt A untersucht am Beispiel von vier wichtigen Militärunternehmerfamilien (von Erlach, Tschudi, Pfyffer, von Salis) den Wandel der Strukturen, Institutionen und Praktiken im schweizerischen Militärunternehmertum vom 16. bis 18. Jahrhundert. Die Auswahl der Fallbeispiele berücksichtigt die Konfession sowie die ständische und geographische Abstammung der Familien als Faktoren, die die Handlungsspielräume von Militärunternehmern bestimmten. Erforscht werden die politischen, rechtlichen, sozialen, unternehmerischen und kulturellen Institutionen und Mechanismen, die eine militärunternehmerische Tätigkeit langfristig sowohl ermöglichten als auch bisweilen gefährdeten. Teilprojekt B umfasst vier Dissertationen, die mit der Regierungszeit König Ludwigs XIV. von Frankreich (1643-1715) einen Zeitraum fokussieren, in dem die hohe Bellizität in Europa und steigende Spannungen zwischen der Krone und insbesondere den reformierten Städten die Militärunternehmer einem starken Anpassungsdruck aussetzten. Die vier thematisch miteinander verschränkten Studien untersuchen Akteure und Familien, die wegen ihrer Herkunft, ihres Standes, ihrer (konfessions)politischen Loyalitäten und ihrer Karriereverläufe mit je spezifischen unternehmerischen und politischen Herausforderungen konfrontiert wurden. Die Fallstudien zum Bündner Aufsteiger Johann Peter Stuppa (1621-1701) (1), zur Zuger Familie Zurlauben (2), zur Berner Familie von Erlach (3) sowie zu Genfer Familien im Militärunternehmertum (4) ermöglichen eine multiperspektivische Analyse der Verflechtung von Interessengruppen aus dem Corpus Helveticum mit Akteuren der französischen Diplomatie und rücken die Strategien der Militärunternehmer im Umgang mit der Aussen-, Konfessions- und Kriegspolitik König Ludwigs XIV. ins Blickfeld. In ihrer konzeptionellen Verschränkung erweitern die Teilprojekte A und B die Kenntnisse des eidgenössischen Militärunternehmertums und der politischen Ökonomie der Orte, sie erhellen den Zusammenhang zwischen den Aussenbeziehungen der Orte und der Vorherrschaft der eidgenössischen Machteliten und binden die Forschung zur frühneuzeitlichen Schweizer Geschichte in internationale Diskussionszusammenhänge ein.
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