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Antikommunisten. Der Schweizerische Vaterländische Verband, 1930-1948

Applicant Zimmermann Dorothe
Number 164536
Funding scheme Marie Heim-Voegtlin grants
Research institution Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.02.2016 - 30.06.2017
Approved amount 37'469.00
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Keywords (12)

Schweizerischer Vaterländischer Verband; Antikommunismus; Schweiz; Denunziation; Zwischenkriegszeit; Staatsschutz; Zweiter Weltkrieg; Schweizer Geschichte; schweizerische Flüchtlingspolitik; Bürgerwehren; Landesstreik; Nachrichtendienst

Lay Summary (German)

Lead
Der 1919 gegründete Schweizerische Vaterländische Verband (SVV) gehört zu den wichtigsten antikom-munistischen Organisationen der Schweiz. Neben einem Pressedienst und einem Streikbrecherdienst be-trieb er einen privaten, antikommunistischen Nachrichtendienst, mit welchem er den Staatsschutz massiv beeinflusste.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Am Beispiel des SVV wird die Bedeutung des Antikommunismus für die schweizerische Gesellschaft in den 1930er/40er Jahren untersucht. Antikommunismus war die Grundlage des breiten Netzwerkes des SVV in Wirtschaftskreise, Politik und Militär, welches in einem ersten Schritt untersucht wird, und das Grundlage für den grossen Einfluss des SVV beurteilt wird. Zweitens wird dargestellt, wie der SVV den Bundesbehörden regelmässig Berichte aus seinem privaten Nachrichtendienst zur Verfügung stellte. Von den Bundesbehörden wurden die Bericht nicht nur entgegengenommen, sondern auch für polizeiliche Ermittlungen verwendet, wodurch der SVV einen massiven Einfluss auf Praktiken des Staatsschutzes nehmen konnte. Drittens wird gezeigt, wie die Erfahrungen des SVV im Nachrichtendienst und seine lobbyistischen Aktivitäten dazu führten, dass er als Experte in Gesetzgebungsverfahren und beim Aufbau der Bundespolizei angehört wurde. Antikommunistische Gesetze und ein stark auf die Abwehr des Kommunismus ausgerichteter Staatsschutz waren die Folge.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Antikommunismus war in der Schweiz sehr ausgeprägt und in der ablehnenden Einstellung gegenüber dem Kommunismus herrschte bis 1989 grosse Übereinstimmung. Zur Geschichte des Antikommunismus in der Schweiz gibt es ein grosses Forschungsdesiderat. Das kulturhistorisch orientierte Projekt leistet somit einen aktuellen Beitrag zur neueren Geschichte der Schweiz, in der die Bedeutung des Antikommunismus als Grundlage politischer Praktiken noch nicht erforscht wurde. Auch zur historischen Denunziationsforschung leistet die Dissertation einen wichtigen Beitrag.

Direct link to Lay Summary Last update: 03.11.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
158388 Antikommunisten. Der Schweizerische Vaterländische Verband, 1930-1948 01.02.2015 Marie Heim-Voegtlin grants
186439 Antikommunisten als Staatsschützer. Der Schweizerische Vaterländische Verband, 1930-1948 01.03.2019 Open Access Books

Abstract

Antikommunismus vor dem Kalten Krieg. Der Schweizerische Vaterländische Verband, 1930 - 1948Die Dissertation handelt von der aussergesetzlichen Zusammenarbeit des Schweizerischen Vaterländischen Verbandes (SVV) mit den Bundesbehörden im gemeinsam geführten Kampf gegen Kommunisten im Zeitraum von 1930 bis 1948. Der SVV war ein rechtsbürgerlicher Verein, der sich 1919 als Zusammenschluss der im Generalstreik von 1918 entstandenen Bürgerwehren zur Verteidigung der bestehenden Ordnung gegen angeblich drohende sozialistische und kommunistische Umstürze formierte. Der bis 1948 existierende Verband verstand sich dabei als «Bollwerk» gegen den Kommunismus, das der staatlichen Ordnungsgewalt im Kampf gegen die organisierte Arbeiterschaft beistehen sollte. Er koordinierte die bürgerlichen Kräfte bei Abstimmungen und Wahlen und vertrat eine restriktive Ausländer- und Asylpolitik. 1920 richtete der SVV einen Nachrichtendienst ein, der die Observation von Kommunisten und kommunistischen Gruppierungen zum Ziel hatte und dazu mit sogenannten Vertrauensleuten zusammenarbeitete, die er grösstenteils unter den Verbandsmitgliedern anwarb. Daneben gelang es ihm, auch unter Kommunisten Vertrauensleute zu rekrutieren, die einen direkten und sehr genauen Einblick in die Tätigkeit der KPS ermöglichten. Die von den Vertrauensleuten verfassten Nachrichtendienst-Berichte wurden von der Verbandsleitung direkt an die Bundesbehörden, vor allem an die Bundesanwaltschaft und die Fremdenpolizei, weitergeleitet und von diesen regelmässig als Ausgangspunkt für polizeiliche Ermittlungen verwendet. Zahlreiche Hausdurchsuchungen, Auftrittsverbote für politische Redner, Nichterteilungen des Bürgerrechts bis hin zu Ausweisungen sind auf solche Denunziationsberichte des SVV zurückzuführen. Neben dem Nachrichtendienst betrieb der SVV eine Streikbrecherorganisation, den sog. Werkdienst, sowie einen Pressedienst. Der Verband verfügte ausserdem über ein grosses Netzwerk zu Politikern, anderen antikommunistischen Vereinigungen sowie zu wirtschaftlichen und militärischen Organisationen, welches für die Einflussnahme des SVV ebenfalls zentral war.Am Beispiel des SVV werde ich in meiner Dissertation nicht nur zeigen, wie auf der Grundlage des Antikommunismus eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit eines privaten Verbandes mit den Bundesbehörden zustande kam, sondern auch wie Antikommunismus als politischer und kultureller Code (Shulamit Volkov) in der Schweiz verschiedenen Netzwerken (rechts-)bürgerlicher Vereinigungen und Parteien zugrunde lag. Es soll dabei ebenfalls gezeigt werden, wie mittels antikommunistischer Praktiken Vorstellungen von guten und schlechten Staatsbürgern geschaffen und durchgesetzt wurden, welche die schweizerische Gesellschaft in dieser Zeit ganz wesentlich prägten. Antikommunistische Gesetze und ein stark auf die Abwehr des Kommunismus ausgerichteter Staatsschutz waren die Folge. Die Dissertation leistet einen aktuellen Beitrag zur neueren Geschichte der Schweiz, in der die Bedeutung des Antikommunismus als Grundlage politischer Praktiken noch nicht erforscht wurde. In Anlehnung an Michel Foucaults Dispositiv- und Machtanalyse wird gezeigt, wie ein privater Verband mittels wissensgenerierender Denunziationen und einem breiten Netzwerk Macht ausübte und das behördliche Vorgehen im Bereich des Staatsschutzes uber Jahre hinweg prägte und auch in der restriktiven Flüchtlingspolitik der Schweiz eine wichtige Rolle einnahm. Bis über das Ende des Zweiten Weltkrieges hinaus erreichte der SVV mit seiner fremdenfeindlichen und antikommunistischen Politik und seiner denunziatorischen Bespitzelungspraxis die schweizerischen Behörden und formte deren offizielle Haltung. Die aussergesetzliche Zusammenarbeit des SVV mit den Bundesbehörden wurde bislang noch nicht erforscht und soll mit der geplanten Dissertation erstmals aufgearbeitet werden. Die Dissertation leistet einen Beitrag zur aktuellen Forschung zum schweizerischen Antikommunismus und zur historischen Denunziationsforschung. Die Arbeit basiert auf einem breiten Quellenkorpus, welches nicht nur das bislang noch kaum näher untersuchte SVV-Verbandsarchiv von 1930 bis 1948 (BAR, J.2.11, 1000/1406, Bd.1-67), sondern auch zahlreiche Quellendossiers in den Akten der Bundesanwaltschaft, der Eidgenössischen Fremdenpolizei und der Bundespolizei umfasst. Zusätzlich werden Quellenbestände verschiedenere Organisationen, mit denen der SVV zusammenarbeitete, untersucht.
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