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Theologie, Philosophie und Alltagsleben der ostsyrischen Christen am Vorabend der klassisch-islamischen Zeit: Letzter Band der Gesamtausgabe der Werke von Patriarch Timotheos I. (kritische Edition und Übersetzung der Briefe 1-29 und Fragmente)

English title Theology, Philosophy, and Everyday Life of Syriac Christians on the Eve of the Classical Islamic Period - Last Volume of the Complete Works of Patriarch Timothy I (780-823): A Critical Edition and Translation of Letters 1-29 and Fragments
Applicant Bergjan Silke-Petra
Number 162973
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Ecclesiastical history
Start/End 01.02.2016 - 31.07.2019
Approved amount 336'052.00
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Keywords (7)

East Syrian Church; Early Islam; Abbasid Caliphate; Aristotle; Church history; Patriarch Timothy I; Baghdad

Lay Summary (German)

Lead
Timotheos I. war von 780 bis 823 Patriarch der ostsyrischen Christen, welche in einem Gebiet vom Mittelmeer bis nach Indien und China lebten. Zentrum war der Irak, wo der Patriarch in Bagdad, der 762 neugegründeten Hauptstadt des Abbasidenreiches, residierte. Von seinem reichen Schaffen sind neben einem Rechtsbuch 59 Briefe erhalten. Diese umfangreiche Briefsammlung enthält lange theologische Traktate, Schriften zur Bibelexegese, christlich-muslimische Religionsgespräche und philosophische Abhandlungen, ebenso auch Gerichtsentscheide und Privatbriefe. Sie berichtet von der Rechtssituation der ostsyrischen Christen, von Buchrecherchen des Patriarchen zum Ausbau seiner Bibliothek, von Bitten um Abschriften seiner Werke und von seiner eigenen Übersetzungstätigkeit, die eine verlorene Übersetzung der Topika des Aristoteles ins Arabische umfasste. Diese Briefsammlung sucht in dieser Epoche ihresgleichen und ist eine der wichtigsten Quellen für das Leben der Christen im Orient dieser Zeit.
Lay summary

Nachdem in den letzten Jahren mit Hilfe des Schweizerischen Nationalfonds bereits mehrere Bände seiner Briefe publiziert werden konnten, ist es Ziel des vorliegenden Projekts, die noch verbleibenden Briefe 1–29 des Timotheos in einem letzten Band kritisch zu edieren und zu übersetzen. Auch diese Texte beschäftigen sich mit Fragestellungen wie der Anerkennung der Taufe der anderen grossen Kirchen, mit der staatspolitischen Stellung des ostsyrischen Patriarchen, mit der Religionspolitik im Abbasidenkalifat, mit Medizinethik und Seelenlehre und geben Einblick in die philosophischen Bezugssysteme, in denen Timotheos seine theologischen Reflexionen entwickelt. Damit wird deutlich, welch einschneidender Epochenwechsel sich nach ihm mit dem Anbruch des »goldenen Zeitalters« der Abbasiden im 9. / 10. Jahrhundert vollzieht. Die Texte des Timotheos dokumentieren für das späte 8. Jahrhundert ein noch unterschiedliches Konzept von Aristotelismus und damit verbunden auch ein völlig anderes geistesgeschichtliches Profil.

Mit der Briefsammlung des Timotheos wird ein zentrales und einzigartiges Textcorpus für die Geschichte des Christentums und des Abbasidischen Reiches in der Zeit um 800 erschlossen. Es ist nicht nur für die Kirchen- und Theologiegeschichte von Interesse, sondern auch für die Arabistik und Islamwissenschaft, allgemeine Geschichte und Altertumswissenschaft, Genderforschung sowie Philosophie-, Rechts- und Medizingeschichte.

Direct link to Lay Summary Last update: 17.12.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Ruhr-Universität Bochum, CERES, Barbara Roggema Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Università di Padova, Dipartimento di Studi Umanistici, Vittorio Berti Italy (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
134522 Der Traktat "Über die Seele" des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823) an Rabban Boktisho', Oberarzt des Kalifen Harun ar-Rashid: Christliche und islamische Reflexion über die Seele zu Beginn des kulturellen Aufschwungs der Abbasidenzeit 01.06.2011 Project funding (Div. I-III)
126669 Aristotelestransfer, christlich-muslimisches Religionsgespräch und christliche Identitätsbestimmung in Bagdad um 800. Edition und Übersetzung der Briefe 34-41 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823) 01.10.2009 Project funding (Div. I-III)
175968 Umstrittene Rechtgläubigkeit. Kritische Edition von Theodorets Haereticarum fabularum compendium mit ausführlicher Einleitung 01.10.2017 Project funding (Div. I-III)
109740 Briefe 42-58 des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. (780-823). Edition des syrischen Textes und deutsche Übersetzung mit Anmerkungen 01.10.2005 Project funding (special)
143377 Aristoteles als Brücke zwischen den Religionen : Die ostsyrische Kirche zur Zeit des Patriarchen Timotheos I. (780-823) als Vermittlerin zwischen griechischer und arabischer Kultur 01.02.2013 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Der ostsyrische Patriarch Timotheos I. (780-823) ist wohl der bedeutendste syrischsprachige Autor der frühen Abbasidenzeit und eine der interessantesten Gestalten des Christlichen Orients überhaupt. Das von ihm erhaltene umfangreiche Werk ist von einer erstaunlichen thematischen Breite und eine der wichtigsten Quellen für das Leben der Christen im Orient. Neben langen theologischen Traktaten finden sich christlich-muslimische Religionsgespräche, philosophische Abhandlungen, Schriften zur Bibelexegese, Gerichtsentscheide, Privatbriefe, ein Gesetzbuch zu Erb- und Ehefragen, weitere Briefe berichten von Buchrecherchen zum Ausbau seiner Bibliothek, von Bitten um Abschriften seiner Werke und von seiner eigenen Übersetzungstätigkeit, die eine leider verlorene Übersetzung der Topika des Aristoteles ins Arabische umfasste. Mit Hilfe des Schweizerischen Nationalfonds konnten in den letzten Jahren mehrere Bände mit Werken des ostsyrischen Patriarchen Timotheos I. publiziert werden. Damit existiert für den grössten Teil seiner Schriften erstmals eine kritische Edition auf breiter Handschriftenbasis sowie erstmals eine Übersetzung in moderner Sprache. Ziel des vorliegenden Projekts ist es, die noch verbleibenden Schriften des Timotheos - die Briefe 1-29 und das Rechtsbuch - in einem weiteren, letzten Band ebenfalls auf breiter Handschriftenbasis kritisch zu edieren und zu übersetzen sowie die bei anderen Autoren vorliegenden Fragmente zu sammeln. Auch diese Texte beschäftigen sich mit Fragestellungen wie die Anerkennung der Taufe der anderen grossen Kirchen, mit der Rechtssituation der ostsyrischen Christen und der staatspolitischen Stellung ihres Patriarchen, mit der Religionspolitik im Abbasidenkalifat, mit Medizinethik und Seelenlehre und geben Einblick in die philosophischen Bezugssysteme, in denen Timotheos seine theologischen Reflexionen entwickelt. Die Texte des Timotheos zeigen paradigmatisch, dass die Zeit am Ende des 8. Jahrhunderts und, ein Vierteljahrhundert später, der Beginn der klassischen islamischen Zeit (Kreis um al-Kindi) völlig unterschiedliche geistesgeschichtliche Profile haben. Damit verbunden sind auch zwei verschiedene Konzepte von Aristotelismus. Die Frühphase endet 803 mit dem Sturz der Familie der Barmakiden, welche die Übersetzung griechisch-antiken Wissens ins Arabische intensiv förderten. Die neue Rezeption ab ca. 825 schöpft aus anderen Quellen. Erst auf dem Hintergrund der Werke des Timotheos wird richtig deutlich, welch einschneidender Epochenwechsel sich mit dem Anbruch des »goldenen Zeitalters« der Abbasiden im 9. / 10. Jahrhundert vollzieht.
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