Project

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Die Imagination eines „helvetischen Mittelalters“ zwischen Klassizismus und Historismus

English title The Imagination of a „Helvetic Middle Age“ between Classicism and Historism
Applicant Rüdiger Jan
Number 162971
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Philosophisch-Historische Fakultät Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.11.2015 - 30.06.2019
Approved amount 194'120.00
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All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Visual arts and Art history

Keywords (10)

Transnationalität ; Kollektives Gedächtnis; Bildgeschichte; Projektion; Sammlungsgeschichte; Wissenschaftsgeschichte; Regionaler Geschichtsgebrauch; "helvetisches Mittelalter"; Imagination/das Imaginäre; Rezeptionsgeschichte

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt bewegt sich in Forschungskontexten, die sich mit dem Gebrauch der mittelalterlichen Geschichte sowie des Humanismus als Legitimationsfaktoren europäischer und nationaler Identitätsbildung beschäftigen. In diese Kontexte fügt es ich mit einer gewissen Widersprüchlichkeit ein, indem es den „grossen kollektiven Identitäten“ von diesen überspielte, „vergessene“ kollektive Imaginationen entgegenhält. Seine Widersprüchlichkeit versteht sich als Projektion eines vermeintlich ursprünglichen „helvetischen Mittelalters“.
Lay summary

Durch die Kombination historischer, kunsthistorischer sowie bild- und medienanalytischer Methoden wird versucht, das Paradigma der Rezeptionsgeschichte am Beispiel mittelalterlicher Sammlungsbestände, eines Personalmythologems und ihrer Rolle im ausgehenden 18. sowie des 19. Jahrhunderts weiterzuentwickeln und durch eine Projektionsgeschichte zu ergänzen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Sammlung helvetischer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glasmalerei des Dessau-Anhaltinischen Fürsten Franz (1740–1817), die Privatisierungsgeschichte des Basler Münsterschatzes sowie ein in die Frühzeit der Eidgenossenschaft projizierter, mythisierter Nationalheros, Arnold Winkelried. Anhand dieser Themenfelder sollen widersprüchliche Projektionsinteressen gegenüber dem Mittelalter bzw. einem als Mittelalter apostrophierten Segment der Vor- und Frühmoderne herausgearbeitet werden.
Es wird gefragt, ob sich insbesondere an der Imagination eines „helvetischen Mittelalters“ sowohl Anziehungs- wie Abstossungsmotive rekonstruieren lassen. Gibt es also ein willentliches „Vergessen“ (Verdrängen) von „helvetischen Altertümern“ durch die Schweizer des 18. und 19. Jahrhunderts? Und suchten diese damit den Weg in die nationale Moderne? Oder sind es umgekehrt regionale Sonderinteressen und Konflikte, die Möglichkeiten der Trennung von solchen Kulturgütern und der mit ihnen verbundenen Traditionssymboliken eröffneten?

Direct link to Lay Summary Last update: 13.10.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Kunsthistorisches Institut in Florenz - Max Planck Institut Italy (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Johannes Gutenberg Universität Mainz - Institut für Kunstgeschichte Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Universität Basel - Kunsthistorisches Seminar Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Spolie Mittelalter. Reale und imaginäre Mittelalterzitate in ästhetischen und kulturellen Kontexten des 18. und 19. Jahrhunderts Talk given at a conference Charismatisches Mittelalter. Der Klosterhof des Prinzen Carl von Preussen 25.10.2018 Basel, Switzerland Cárdenas Livia;
Burgenfreunde beider Basel Individual talk Schweizer Glasmalerei und europäisches Mittelalter um 1800 11.10.2018 Basel, Switzerland Cárdenas Livia;
Landesgeschichtliches Forschungskolloquium, Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg Individual talk Geschmack und Interesse. Der Klosterhof des Carl von Preussen 04.06.2018 Basel, Germany Cárdenas Livia;
Landesgeschichtliches Forschungskolloquium, Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg Individual talk Die Renaissance der Gotik. Das Gotische Haus in Wörlitz als europäische Mittelalterprojektion 08.05.2018 Berlin, Germany Cárdenas Livia;
Forschungskolloquium: Geschichte der Vormoderne Individual talk Die Renaissance der Gotik. Helvetische Artefakte im Kontext ästhetischer Innovationen um 1800 22.11.2017 Universität Basel, Switzerland Cárdenas Livia;
Mittelalterprojektionen: Ständeordnung und Ästhetik Talk given at a conference Das Gotische Haus in Wörlitz – ästhetische als ständische Synthesen 08.06.2017 Universität Basel, Switzerland Cárdenas Livia;


Self-organised

Title Date Place

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Ohne das Münster gäbe es Basel nicht Prime News German-speaking Switzerland Western Switzerland International 2019
Talks/events/exhibitions Und wenn sie unschuldig waren? Das Mittelalter verliert seine wichtigste Ketzerei, Irrtümer d. Wiss. Western Switzerland 2018
Media relations: radio, television Ist Mobilität eine moderne Erfindung? Radio Bremen - Nordwestradio International 2016
Media relations: radio, television Krone und Altar - Teil 2, Mittelalter SRF 2 Kultur International German-speaking Switzerland Western Switzerland 2016

Abstract

Das hier zur Förderung vorzuschlagende, Disziplinen übergreifende Projekt versucht, durch die Kombination historischer, kunsthistorischer sowie bild- und medienanalytischer Methoden das Paradigma der Rezeptionsgeschichte am Beispiel mittelalterlicher Sammlungsbestände, eines Personalmythologems und ihrer Rolle im ausgehenden 18. sowie des 19. Jahrhunderts weiterzuentwickeln und durch eine Projektionsgeschichte zu ergänzen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Sammlung helvetischer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glasmalerei des Dessau-Anhaltinischen Fürsten Franz (1740-1817), die Privatisierungsgeschichte des Basler Münsterschatzes sowie ein in die Frühzeit der Eidgenossenschaft projizierter, mythisierter Nationalheros, Arnold Winkelried. Anhand dieser Themenfelder sollen widersprüchliche Projektionsinteressen gegenüber dem Mittelalter bzw. einem als Mittelalter apostrophierten Segment der Vor- und Frühmoderne herausgearbeitet werden. Die Untersuchung geht von der Fragestellung aus, ob sich insbesondere an der Imagination eines „helvetischen Mittelalters“ sowohl Anziehungs- wie Abstossungsmotive rekonstruieren lassen. Gibt es also ein willentliches „Vergessen“ (Verdrängen) von „helvetischen Altertümern“ durch die Schweizer des 18. und 19. Jahrhunderts? Und suchten diese damit den Weg in die nationale Moderne? Oder sind es umgekehrt regionale Sonderinteressen und Konflikte, die Möglichkeiten der Trennung von solchen Kulturgütern und der mit ihnen verbundenen Traditionssymboliken eröffneten? Umgekehrt ist zu fragen, ob regionale und dynastische Sonderinteressen des borussischen Kulturraumes sich mit Hilfe der als „helvetisch mittelalterlich“ gedachten Artefakte gegenüber den ausgreifenden preussischen Grossmachtansprüchen zu behaupten versuchten. Zu fragen ist aber auch, welche inneren Spannungen oder dynastischen Konflikte und Konkurrenzen Sammlungsinteressen auslösten.Die spezifische Ambivalenz des „helvetischen Mittelalters“ verkörpert dabei die mythische Gestalt des Arnold Winkelried, die einerseits als genuine Erfindung und damit als reine Imagination zu begreifen ist, andererseits eben dadurch in allen Projektionskontexten verfügbar zu sein schien. So verkörpert sie im „borussischen Kulturraum“ ursprüngliche „mittelalterliche Freiheit“, während sie helvetisch als Figuration nationaler Moderne fussend auf einer (imaginierten) Kontinuität der Geschichte erscheint. Auf spannungsreiche Weise verbindet sich so ein europäischer Blick auf das „helvetische Mittelalter“ mit einer widerständigen Projektion der Regionen gegenüber transregionalen Vereinnahmungen. Wegleitend für die Untersuchung erweist sich dabei Jacob Burckhardts Blick auf die Rolle der „privaten Sammlungen“ im Kontext der Frühgeschichte des modernen Sammlungswesens, in denen sich nach Burckhardt ästhetische und historische Interessen mit materiellen und wissenschaftlichen Befunden verbinden und somit imaginäre Projektionen scheinbar objektivieren.
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