Projekt

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"Ecoute élargie" - "leere Stimmen" und "objets sonores" in der Musik nach 1945

Titel Englisch "Ecoute élargie" - "Empty voices" and "objets sonores" in the music after 1945
Gesuchsteller/in Brotbeck Roman
Nummer 162890
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Forschungsschwerpunkt Interpretation Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Hochschule Berner Fachhochschule - BFH
Hauptdisziplin Musik und Theater
Beginn/Ende 01.12.2015 - 30.04.2019
Bewilligter Betrag 373'862.00
Alle Daten anzeigen

Alle Disziplinen (2)

Disziplin
Musik und Theater
Musikologie

Keywords (8)

Stockhausen, Karlheinz (1928-2007); Leere Stimme/empty voice; Objet sonore; Ferrari, Luc (1929-2005); Musique concrète; Electro-acoustic improvisation; Voice performance; Voice design

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Das Forschungsprojekt „Écoute élargie“ widmet sich zwei Phänomenen der Musik nach 1945, nämlich der ‚leeren Stimme’ und dem ‚objet sonore’. Mit der ‚leeren Stimme’ sind alle Aspekte der Stimme jenseits von Sprache gemeint, mit dem ‚objet sonore’ ein aufgenommenes Geräusch, das als musikalischer Baustein verwendet wird. Beide Praktiken stellen mit unterschiedlicher Akzentuierung den herkömmlichen Werkbegriff in Frage. Oft existiert keine Partitur, vieles ist improvisiert oder durch Praxis erprobt. Mit dem hier neu eingeführten Begriff der ‚écoute élargie’ soll untersucht werden, wie sich die zeitgenössische Musik darstellt, wenn sie alle musikalischen und aussermusikalischen Konnotationen zulässt.
Lay summary

Ziele

In der musikwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Musik nach 1945 steht das Strukturelle im Vordergrund. Es werden vor allem Partituren, Kompositionssysteme und Werkkontexte analysiert.

Das Forschungsprojekt untersucht die Frage, wie sich die Musikgeschichte nach 1945 verändert, wenn sie mit dem Fokus der écoute élargie betrachtet wird. Diese Frage ist deshalb besonders delikat, weil auch ein strukturorientierter Komponist wie Karlheinz Stockhausen mit leeren Stimmen und objets sonores gearbeitet hat, um neue Ausdrucksmöglichkeiten zu schaffen. Deshalb wird auch untersucht, wie und ob sich Stockhausens ästhetische Ansätze unter dem Fokus der écoute élargie erweitern.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Hintergrund

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Neubewertung der Avantgarde. Das macht die Resultate über den Bereich der Musik hinaus bedeutsam. Das Spezielle liegt darin, dass die leeren Stimmen und die objets sonores aus einer Praxis erwachsen sind, die ein Feld jenseits von Inter- bzw. Transdisziplinarität eröffnen.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 07.12.2015

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
'Der Mensch ist ein Strandläufer am Meer der Ewigkeit'. Anmerkungen zu Heinz Holligers Oper Lunea.
Brotbeck Roman (2018), 'Der Mensch ist ein Strandläufer am Meer der Ewigkeit'. Anmerkungen zu Heinz Holligers Oper Lunea., in dissonance, (141), 2-14.
'Der Mond ist ein leuchtendes, schwebendes Grab'. Bemerkungen zu Heinz Holligers Oper Lunea – Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern.
Brotbeck Roman (2018), 'Der Mond ist ein leuchtendes, schwebendes Grab'. Bemerkungen zu Heinz Holligers Oper Lunea – Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern., 10-20, Opernhaus Zürich, Zürich10-20.
Kein Original mit Untertitel. Robert Walser und das Théâtre musical.
Brotbeck Roman (2018), Kein Original mit Untertitel. Robert Walser und das Théâtre musical., in Roesner David, Hiekel Jörn Peter (ed.), transcript, Bielefeld, 121-136.
Zwischen Cuitlacoche und Natto. Wünsche an eine zeitgenössische Musikkritik.
Brotbeck Roman (2017), Zwischen Cuitlacoche und Natto. Wünsche an eine zeitgenössische Musikkritik., in dissonance, (137), 8-10.
Flächen - Strukturen - Schichtungen. Zur elektronischen Musik Hermann Meiers.
Harenberg Michael (2017), Flächen - Strukturen - Schichtungen. Zur elektronischen Musik Hermann Meiers., in Brotbeck Roman, Zimmermann Heidy, Ziegler Michelle (ed.), 163-174.
Verschwendung aus Freude. Anmerkungen zu Stockhausens Vertonung des Pfingsthymnus.
Brotbeck Roman (2017), Verschwendung aus Freude. Anmerkungen zu Stockhausens Vertonung des Pfingsthymnus., in Gartmann Thomas, Marti Andreas (ed.), Peter Lang, Bern, 51-60.
Eine Vitaminspritze fürs Musiktheater - Die Münchener Biennale 2016
Brotbeck Roman (2016), Eine Vitaminspritze fürs Musiktheater - Die Münchener Biennale 2016, in Dissonance, 133, 15-19.
Leere Stimmen. Vor- und nachsprachliche Transformationsprozesse - die ersten Jahrzehnte experimenteller Stimmen nach 1945
Schürch Dorothea (2016), Leere Stimmen. Vor- und nachsprachliche Transformationsprozesse - die ersten Jahrzehnte experimenteller Stimmen nach 1945, in Dissonance, (135), 19-23.
Rezensionen zu Publikationen des Kölner Instituts für Musikwissenschaft
Brotbeck Roman (2016), Rezensionen zu Publikationen des Kölner Instituts für Musikwissenschaft, in Dissonance, 133, 46-48.

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Int. Symposium "Das linke Ohr. Der Komponist Jacques Wildberger" Vortrag im Rahmen einer Tagung Nochmals ein Aufbruch - Jacques Wildbergers "Erkundungen im Sechsteltonbereich" 03.03.2018 Basel, Schweiz Brotbeck Roman;
Symposium Studio 31, Hochschule für Musik Basel Vortrag im Rahmen einer Tagung Mit 28 gegen 31 – ein pansonorer Findling in der Reinstimmungswelt. Anmerkungen zu Ivan Wyschnegradskys Etude ultrachromatique (tricesimoprimale) op. 42 (1959). 23.11.2017 Basel, Schweiz Brotbeck Roman;
Symposium "Rund um Beethoven. Interpretationsforschung heute" Vortrag im Rahmen einer Tagung Edition in virtualisierten Medienumgebungen. 13.09.2017 Bern, Schweiz Harenberg Michael;
GSA-Forschungstag Bern Vortrag im Rahmen einer Tagung Leere Stimmen. Vor- und nachsprachliche Transformationsprozesse der Stimme. 01.06.2017 Bern, Schweiz Schürch Dorothea;
Symposium "Das Auge komponiert" - Hermann Meier und das Verhältnis von Bild und Klang in der Musik nach 1945 Vortrag im Rahmen einer Tagung Flächen - Strukturen - Schichtungen. Zu den technischen Bedingungen der elektronischen Musik Hermann Meiers. 27.01.2017 Bern, Schweiz Harenberg Michael;
Symposium "Das Musiktheater des Karlheinz Stockhausen, Theater Basel Vortrag im Rahmen einer Tagung Es werde Licht. 02.10.2016 Basel, Schweiz Brotbeck Roman;
Symposium "Als Schweizer bin ich neutral". Schoecks Oper "Das Schloss Dürande" und ihr Umfeld Vortrag im Rahmen einer Tagung Franzosen und Schweizer am Mozart-Fest in Wien 1941 09.09.2016 Brunnen, Schweiz Brotbeck Roman;
Symposium Münchener Biennale 2015, "Echoräume und Suchbewegungen im heutigen Musiktheater" Vortrag im Rahmen einer Tagung Robert Walsers Einfluss auf das Théâtre musical 04.06.2016 München, Deutschland Brotbeck Roman;


Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen D. Schürch, Experimentelle Tonbandstimmen der 1950er-Jahre, am HKB Forschungsapéro 2018 Deutschschweiz 2018
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen "Quite Novosibirsk", Videoprojektion/Buchpräsentation/Konzert am Festival Edicion, 16./17.12.17 Biel Deutschschweiz Westschweiz 2017
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Dorothea Schürch, 8. Performance-Reihe Neu-Oerlikon 2017, 16.9.17 Oerlikerpark Zürich Deutschschweiz 2017
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Forschungsfenster III mit Dorothea Schürch, 2.4.2017, VIA Studio Basel Deutschschweiz 2017
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Forschungs-Mittwoch: Ecoute élargie - "Leere Stimmen" und "objets sonores" in der Musik nach 1945. Deutschschweiz 2017
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen Gaudenz Badrutt, Workshop/Konzert/Talk, Sound Around Kaliningrad 2017 International 2017
Referate/Veranstaltungen/Ausstellungen "pot au feu – Suppe und Gespräch" zu Musiktheaterformen, Gare du Nord Basel, 14.1. / 31.1. / 3.3.16 Deutschschweiz 2016
Medienarbeit: Radio, Fernsehen Dada und das Musik-Dilemma von Roman Brotbeck und Theresa Beyer SRF 2 Kultur Deutschschweiz 2016
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien l'anticoncept / Dorothea Schürch filmexplorer Deutschschweiz 2016

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
143874 Zwischen Konversation und Urlaut - Studien zum musikalisierten Sprechen im Composed Theatre des 21. Jahrhunderts mittels musikwissenschaftlicher und phonetischer Methoden 01.12.2012 Projektförderung (Abt. I-III)
146480 "Das Auge komponiert" - Die Verbindung von Bild und Klang in den grafischen Plänen und Partituren des Schweizer Komponisten Hermann Meier 01.07.2013 Projektförderung (Abt. I-III)
156296 Kultklänge - Zur Entstehung und Entwicklung dominierender Einzelsounds in populärer Musik von 1960 bis 2013 01.02.2015 Projektförderung (Abt. I-III)
178833 "In hommage from the multitude" - Positionen nicht-äquidistanter Mikrotonmusik des 20. und 21. Jahrhunderts 01.08.2018 Projektförderung (Abt. I-III)

Abstract

In der musikwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Musik nach 1945 steht das Strukturelle im Vordergrund. Es werden vor allem Partituren, Kompositionsskizzen und Werkkontexte analysiert. Die Historiografie der neueren Musik erscheint demzufolge in der Regel als eine Reihe von fortschrittlichen Meisterwerken, die von innovativen Meisterkomponisten geschrieben wurden. In dieser Perspektive wurden Phänomene der zeitgenössischen Musik, die sich der strukturorientierten Parametrisierung des musikalischen Materials entzogen, meist marginalisiert, als Ausnahmen bezeichnet oder bestenfalls als Nebenströmungen akzeptiert, oft aber gar nicht beachtet.Das vorliegende Forschungsprojekt "Écoute élargie" untersucht zwei dieser lange Zeit vernachlässigten Phänomene, die heute in vielfältiger Weise aktuell geworden sind: die 'leere Stimme' und das 'objet sonore'. Beide Praktiken stellen mit unterschiedlicher Akzentuierung ein parametrisierendes Komponieren und teilweise auch den Werkbegriff als Ganzes in Frage. Oft existiert in den durch sie gekennzeichneten Kontexten keine Partitur im herkömmlichen Sinne, vieles ist improvisiert oder durch Praxis erprobt: Statt strukturbasierter Aufführungskontrolle via Partitur wird der Kontrollverlust oft ausdrücklich gesucht. Mit dem hier neu eingeführten Begriff der 'écoute élargie' soll untersucht werden, wie sich die zeitgenössische Musik darstellt, wenn sie semiotisch alle musikalischen und aussermusikalischen Konnotationen zulässt. Die 'écoute élargie' ist dabei in Opposition zu Pierre Schaeffers 'écoute réduite' definiert, dem reduzierten Hören. Schaeffer forderte mit diesem Hören von Komponisten und Zuhörern, sie sollten im Falle seiner Lautsprechermusik nicht auf die Herkunft von Geräuschen achten und z.B. die Aufnahme einer Schiffssirene ausschliesslich als musikalisches Klangereignis hören. Im vorliegenden Forschungsprojekt soll anhand der Phänomene von 'leeren Stimmen' und 'objets sonores' der Frage nachgegangen werden, wie sich die Musikgeschichte nach 1945 verändert, wenn sie mit dem Fokus der 'écoute élargie' betrachtet wird. Die Frage ist deshalb besonders delikat, weil auch strukturorientierte Komponisten mit 'leeren Stimmen' und 'objets sonores' gearbeitet haben, um neue musikalische Ausdrucksmöglichkeiten zu erreichen. Es wird auch untersucht, wie sich diese ästhetischen Ansätze unter dem Fokus der 'écoute élargie' erweitern.
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