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Der Zwetschgenkrieg: Ein antijüdisches Pogrom während der Helvetik (1802) und seine Rezeption in Geschichtsschreibung, Gebrauchsgeschichte und religiöser Erinnerungskultur

English title The Plum War: An anti-Judaic pogrom during the Helvetic era (1802) and its reception in historiography, social memory and religious remembrance culture
Applicant Uehlinger Christoph
Number 162478
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Religionswissenschaftliches Seminar Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.08.2016 - 30.09.2020
Approved amount 170'913.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Religious studies, Theology
Swiss history
General history (without pre-and early history)

Keywords (9)

Antijudaismus; Helvetik; Erinnerungskultur; Gewaltrituale; Performanz; Judentum; Rezeptionsgeschichte; Christentum; Mikrohistorie

Lay Summary (German)

Lead
Am 21. September 1802 ereignete sich in den beiden Surbtaler Gemeinden Endingen und Lengnau - den einzigen Ortschaften auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, in deren Grenzen zu diesem Zeitpunkt jüdische Siedlungen gestattet waren - ein antijüdisches Pogrom. Dabei versammelten sich rund 800 Bewohner aus den umliegenden Tälern, um die jüdischen Teile der beiden Gemeinden anzugreifen und zu plündern. Diese Ausschreitungen werden in den zeitgenössischen Quellen mehrheitlich als „Zwetschgenkrieg“ bezeichnet. Sie bilden den Ausgangspunkt für das vorliegende Dissertationsprojekt.
Lay summary
Die Untersuchung ist in drei Teile mit jeweils unterschiedlichen Forschungsinteressen gegliedert.

I. Im Sinne einer mikrohistorischen Studie soll das Pogrom zunächst in Form einer dichten Beschreibung nachgezeichnet werden. Die Anwendung von Gewalt soll dabei nicht als irrationales Momentum begriffen werden, sondern als Mittel der Kommunikation, deren performative und affektive Dimensionen es zu erfassen und deren Motive es zu erörtern gilt.

II. Anders als die (spärliche) bisherige Forschung wird der Zwetschgenkrieg hierbei nicht als sekundäres Ereignis betrachtet, sondern als eigenständiges Konfliktfeld, in welchem sich verschiedene Interessenlagen, Diskurse und Narrative des 18. Jahrhunderts widerspiegeln. Der Antijudaismus, der darin zum Tragen kommt, ist im Zusammenhang gesellschaftlicher Entwicklungen, konfessioneller und religiöser Bruchlinien, sozioökonomischer Problemlagen und lokalspezifischer Konflikte zwischen christlicher Mehrheitsgesellschaft und jüdischer Minderheit zu interpretieren. Das Pogrom von 1802 betrachte ich als (vorläufigen) Kulminationspunkt religiöser, politischer, ideeller, wirtschaftlicher und sozialer Differenzierungsprozesse des 18. Jahrhunderts.

III. Der dritte Teil der Arbeit widmet sich der Rezeption des Pogroms in Geschichtsschreibung, Gebrauchsgeschichte, religiöser Erinnerungskultur und Belletristik. Ich gehe davon aus, dass das Erzählen von Geschichte erinnerungskulturellen Dispositiven, tief wurzelnden Wertvorstellungen und Selbstdeutungen von Gemeinschaften folgt. Diese Faktoren wandeln sich mit der fortschreitenden Gegenwart. Entsprechend sollen Interpretationen und Imaginationen der Vergangenheit in Bezug auf den Zwetschgenkrieg und der Umgang mit religiöser Andersartigkeit in ihren jeweiligen historischen und kulturellen Kontexten untersucht werden.
Direct link to Lay Summary Last update: 25.09.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

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Number Title Start Funding scheme
141659 Judentum und Judentümer. Wieviel Pluralismus erträgt das Judentum? 01.06.2012 Scientific Conferences
115735 Sichtbare Religiöse Identität, Differenzwahrnehmung und Konflikt 01.09.2007 NRP 58 Religions, the State and Society

Abstract

Das Projekt untersucht ein wenig bekanntes antijüdisches Pogrom, das sich am 21. September 1802 in den beiden Surbtaler Gemeinden Endingen und Lengnau ereignete: Rund 800 Bewohner aus der Region versammelten sich, um die jüdischen Teile der beiden Gemeinden anzugreifen und zu plündern. Der Antijudaismus, der darin zum Tragen kommt, ist im Zusammenhang gesellschaftlicher Entwicklungen, konfessioneller und religiöser Bruchlinien, sozioökonomischer Problemlagen und lokalspezifischer Konflikte zwischen christlicher Mehrheit und jüdischer Minderheit zu interpretieren. Die Untersuchung widmet sich darüber hinaus der Rezeption des Pogroms in Geschichtsschreibung, Gebrauchsgeschichte, religiöser Erinnerungskultur und Belletristik. Das Erzählen von Geschichte folgt erinnerungskulturellen Dispositiven, tief wurzelnden Wertvorstellungen und Selbstdeutungen von Gemeinschaften. Diese Faktoren wandeln sich mit der fortschreitenden Gegenwart. Entsprechend sollen Interpretationen und Imaginationen der Vergangenheit mit Bezug auf den Zwetschgenkrieg und der Umgang mit religiöser Andersartigkeit in ihren jeweiligen historischen und kulturellen Kontexten untersucht werden.
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