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Wölfe: Wissen und Praxis. Ethnographien der Wolfsansiedlung in der Schweiz

English title Wolves - Knowledge and Practice: Ethnographies of Wildlife Management in Switzerland
Applicant Tschofen Bernhard
Number 162469
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Populäre Kulturen Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Ethnology
Start/End 01.01.2016 - 31.12.2019
Approved amount 445'072.00
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Keywords (7)

Human-environment relations; Ethnographies; Wolf management; Cultures of knowledge; Medial representations; Alpine studies; Nature/Culture

Lay Summary (German)

Lead
Spätestens seit 2012 in der Calandaregion der erste Wolfsnachwuchs auf Schweizer Boden nachgewiesen wurde, sind Wölfe im Leben und den Köpfen vieler SchweizerInnen angekommen. Der menschliche Umgang mit den Raubtieren in Form des Labels „Wolfsmanagement“ (WM) ist in den medialen, gesellschaftlichen und politischen Diskussionen präsent. Die „Rückkehr“ dieses Raubtiers bewirkt sehr unterschiedliche Reaktionen und löst eine intensive Debatte über die Rolle von Wildnis in der Gesellschaft aus.
Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Das in zwei Teilprojekte aufgeteilte Forschungsprojekt möchte die verschiedenen Akteure identifizieren, welche mit der Wiederansiedlung des Raubtiers Wolf konfrontiert sind. Dabei sollen auch Wölfe selber und andere nicht-menschliche AkteurInnen als handlungsmächtige Agenten in Betracht gezogen werden. Das Projekt möchte verstehen, auf welchen Konzepten von Wildnis, Raum und Gesellschaft die unterschiedlichen Umgangsformen mit Wölfen beruhen und welche Veränderungen bezüglich der symbolischen Beladung und normativen Bewertung dieses Tiers in der Schweiz stattfinden. Um das Feld möglichst breit zu gestalten, sollen dabei sowohl individuelle als auch institutionelle Akteure berücksichtigt werden. Im ersten Teilprojekt werden „direkt“ mit Wölfen oder ihrer Präsenz Konfrontierte (z.B. SchafhalterInnen), im zweiten „indirekt“ Involvierte (z.B. UmweltpolitkerInnen) untersucht. Ziel des Gesamtprojekts ist nicht nur,  die unterschiedlichen Positionen innerhalb des WM-Kontexts zu verstehen und miteinander in Beziehung zu setzen, sondern WM als exemplarischen Fall anzusehen, anhand dessen die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit räumlichen Konzepten und Kategorien wie Natur/Wildnis oder Kultur/Gesellschaft  untersucht werden kann.

Wissenschaftlicher und Gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt verfolgt einerseits wissenschaftliche Anliegen, indem es versucht, theoretische Herangehensweisen wie z.B. Akteur-Netzwerk-Theorie oder multispecies ethnography ethnographisch umzusetzen und Fragen der nicht-menschlichen Handlungsmacht operationalisierbar zu machen. Ausserdem werden Die Wechselwirkungen zwischen Wissen und WM-Praktiken untersucht. Zum anderen möchte das Projekt die unterschiedlichen Haltungen innerhalb des gesellschaftlichen Kontexts von WM besser verstehen und exemplarische Auskünfte über soziale Kohäsion und konfligierende Orientierungen ermöglichen.

 

 

Direct link to Lay Summary Last update: 14.10.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Das Raubtier Wolf und die Konflikte über die Bedeutung und Folgen seiner Wiederkehr in der Schweiz sind Gegenstand dieses kulturwissenschaftlich-ethnographischen Projekts. Im Zentrum der Untersuchung steht der in Politik und Ökologie übliche Begriff „Wolfsmanagement“, der in der Praxis für den institutionalisierten Umgang mit Wölfen steht. Neben der offiziellen, institutionalisierten „Verwaltung“ der Wölfe, beinhaltet Wolfsmanagement in diesem Projekt auch individuelle, populäre und alltägliche Umgangsformen und Auseinandersetzungen auf materieller sowie symbolischer und diskursiver Ebene. In diesem Zugriff wird die Wolfsansiedlung als kultureller Prozess sichtbar und können die damit verbundenen Vorgänge und Konflikte in ihrer sozialen Situiertheit untersucht werden.Grundlage der vorgeschlagenen Untersuchung ist dabei die Konzeptualisierung des erforschten Phänomens als ein Akteurs-Netzwerk im Sinne B. Latours. Der Kontext der Wolfsansiedlung in der Schweiz wird hier als ein Netzwerk von miteinander interagierenden, in unterschiedlichsten Beziehungen zueinander stehenden multispezifischen Akteuren verstanden, welche durch ihre Interaktionen allesamt Handlung und Bedeutung zu erzeugen imstande sind und dadurch das untersuchte Phänomen fortlaufend performieren, verändern und aktualisieren. Dieser auf relationalen Konzepten beruhende Ansatz distanziert sich damit von statischen, mechanischen Deutungsmustern und linearen Kausalerklärungen, indem es sich dem Phänomen anhand der Beziehungen zwischen unterschiedlichsten Akteuren und den daraus entstehenden Effekten annähert. Das macht es möglich,nach den Wechselwirkungen von Wissen und Praxis,nach der Konstruktion und Funktion von Natur-, Kultur- und Raumkonzeptensowie nach deren Einfluss auf die spezifische Beschaffenheit des Akteurs-Netzwerks Wolfsmanagement zu fragen.Um Umfang und Komplexität des Phänomens gerecht zu werden, ist das Projekt in zwei Teilprojekte aufgeteilt, welche sich im Rahmen der übergeordneten Fragestellung unterschiedlichen Wirkungsfeldern des Akteurs-Netzwerkes und damit spezifischen Unterfragen zuwenden. Dies bezieht sich in erster Linie auf bestimmte Ausschnitte, bzw. bestimmte Gruppen von Akteuren und Interaktionen innerhalb des untersuchten Akteurs-Netzwerks und orientiert sich dabei an der Variable der tatsächlichen Präsenz oder „Nähe“ des Akteurs Wolf. So wird sich Teilprojekt 1 direkt mit den Interaktionen zwischen Wölfen und den unmittelbar mit ihnen in Kontakt stehenden Akteuren beschäftigen, während sich Teilprojekt 2 den diskursiven und repräsentativen (Inter-)Aktionen von Akteuren mit „indirektem“ Kontakt zu Wölfen widmet. Damit sind zwei komplementäre ethnographische Felder fassbar, welche wiederum in erster Linie durch die relevanten Akteure gekennzeichnet sind: Zum einen das Feld der in unmittelbarer Nähe von Wolfsterritorien lebenden Menschen und ihres Umgangs mit der alltäglichen, physischen Präsenz der Wölfe, insbesondere im Territorium des Calanda-Wolfsrudels. Zum anderen das Feld der Repräsentationen und symbolischen und diskursiven Aushandlungen seitens „vermittelnder“ Akteure in einem den Wolfsterritorien physisch fernem und damit mehrheitlich urban geprägten Umfeld.
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