Project

Back to overview

Die Eposdebatte der Klassik als Reflexionsort historischer Beschleunigung

Applicant Egloff Miriam
Number 162319
Funding scheme Doc.CH (until 2020)
Research institution
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.02.2016 - 31.01.2019
Approved amount 214'397.00
Show all

Keywords (11)

consciousness of the present; modernity; aesthetics; Weimar Classicism; Goethe; deceleration; diagnosis of time; operating time; epopee; classicism; theory of genre

Lay Summary (German)

Lead
In der Gattungsdebatte um das Epos um 1800 wird ein alternativer Zugriff verortet auf sublime Tendenzen des Widerständigen im Klassizismus, die sich als Anschluss an die ästhetische Moderne lesen lassen. Das monolithische Bild der deutschen Klassik soll so um eine Perspektive erweitert werden, die ihr die normativen Aspekte nicht abspricht, aber innere Spannung sichtbar macht, die zur Revision von Gattungs- und Epocheneinteilung führen.
Lay summary

Das Forschungsprojekt untersucht die Bemühungen um das Epos an der Epochenschwelle um 1800 und sieht in dieser vielstimmig geführten gattungstheoretischen Debatte Tendenzen im Klassizismus, die sich als Anschluss an die ästhetische Moderne lesen lassen. Die modernen Eposdiskussionen am Anfang des 20. Jahrhunderts von Musil, Döblin und Benjamin zeigt ein episches Erzählen auf, dem zeitdiagnostische und zeitkritische Funktionen inhärent sind. Damit reagieren sie direkt auf die Erfahrung einer prekären, beschleunigten Lebenswelt, wie sie die Moderne kennzeichnet. Das Projekt will aufzeigen, dass diese Tradition an einen früheren Zeitpunkt zurück verfolgt werden kann: Nämlich in die Eposdebatte der Klassik. Bereits um 1800 wird das Epische zum Reflexionsort der zeitgenössischen Krisenerfahrung eines Zeitenbruchs. Die Disseration will aufzeigen, dass gerade Goethes Epos-Projekt, dem oft die grösste klassizistische Normativität attestiert wird, eine spezifisch historische Aussagekraft und zeitgeschichtliche Diagnostik anhaftet. Die überschlagenden politischen Ereignissen der französischen Revolution bewirken eine gesamteuropäische Erschütterung des Zeit- und Sozialgefüges und auch in Deutschland müssen die politischen und sozialen Kategorien plötzlich neuverhandelt werden. Die intensive poetolgische Diskussion um das Epische in der Klassik, seine formale Bestimmung sowie die konkreten epischen Werke werden als Verweis auf diese inneren Spannungen gelesen. Dieser neue Blickwinkel soll einen sensiblen, selbstdiagnostischen und selbstkritischen Klassizismus sichtbar machen, der nicht immun ist gegen historische Veränderungen, sondern sie abbildet und reflektiert.

Das Forschungsinteresse gilt somit den konstitutiven Zusammenhängen von gesellschaftlichen Veränderungen und literarischer Form, die theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Epos bei Goethe und Schiller, Humboldt, schliesslich auch Hegel und den epischen Werken Goethes der 1790er Jahre bilden dazu das Hauptkorpus.

Direct link to Lay Summary Last update: 08.01.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Episches Erzählen bei Goethe als Reflexion auf moderne Zeitlichkeit
EgloffMiriam (2020), Episches Erzählen bei Goethe als Reflexion auf moderne Zeitlichkeit, Philosophische Fakultät Universität Zürich, Zürich.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Dirk Oschmann (Uni Leipzig) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Doktoratsprogramm "Deutsche und nordische Philologie" Individual talk Projektvorstellung 26.10.2017 Zürich, Switzerland Egloff Miriam;
Exkursion Weimar/Jena –Winckelmann, Weimarer Klassik, Frühromantik Individual talk Die Eposdebatte um 1800 22.05.2017 Weimar, Germany Egloff Miriam;
Literaturwissenschaftliches Kolloquium Individual talk Projektvorstellung 08.05.2017 Leipzig, Germany Egloff Miriam;


Abstract

Das avisierte Forschungsprojekt untersucht die Bemühungen um das Epos an der Epochenschwelle um 1800 und sieht in dieser vielstimmig geführten gattungstheoretischen Debatte Tendenzen im Klassizismus, die sich als Anschluss an die ästhetische Moderne lesen lassen. Die Disseration will aufzeigen, dass gerade Goethes Epos-Projekt, dem oft die grösste klassizistische Normativität attestiert wird, eine spezifisch historische Aussagekraft und zeitgeschichtliche Diagnostik anhaftet. Historische Zeiterfahrung als eigene Erfahrungsqualität mit einer bestimmten Zeitlichkeit wird in ihr auf signifikante Weise zum Thema und zum Formereignis. Die intensive poetologische Diskussion um das Epische, seine formale Bestimmung sowie die epischen Werke werden als Verweis auf die inneren Spannungen zwischen historischer Beschleunigung und dem möglichen Projekt einer ästhetischen und poetologischen Entschleunigung gelesen. Methodisch wird eine Kombination aus feldtheoretischen und wissenspoetologischen Ansätzen verfolgt.Das monolithische Bild der Deutschen Klassik soll so um eine Perspektive erweitert werden, die ihr die normativen und autoritären Aspekte nicht abspricht, den Fokus aber auf eine 'andere Seite' legt und widerständige Tendenzen sichtbar macht. Dieser neue Blickwinkel soll einen sensiblen, selbstdiagnostischen und selbstkritischen Klassizismus sichtbar machen, der nicht immun ist gegen historische Veränderungen, sondern sie abbildet und reflektiert.
-