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Kommunikation und (Nicht-)Wissen über HIV/AIDS. Eine diskurslinguistische Untersuchung der sprachlichen Konzeptualisierung von HIV/AIDS

English title Communication and (lack of) knowledge about HIV/AIDS. A linguistic discourse analysis about conceptualisations of HIV/AIDS
Applicant Knuchel Daniel Manuel
Number 162315
Funding scheme Doc.CH
Research institution
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.10.2015 - 31.01.2018
Approved amount 165'687.00
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Keywords (6)

Diskurslinguistik; Medical Humanities; HIV/AIDS; Korpuspragmatik; Linguistische Wissensanalyse; Digital Humanities

Lay Summary (German)

Lead
Die Konsequenzen einer Infektion mit HIV haben sich seit dessen Entdeckung massiv gewandelt: von einer tödlichen hin zu einer chronischen Infektion. Dies hat auch Einfluss auf das gesellschaftliche Interesse an diesem Thema gehabt. So hat HIV/AIDS in der öffentlichen Wahrnehmung im deutschsprachigen Raum an Brisanz verloren. Forschung zur medialen Diskursivierung von HIV/AIDS gibt es insbesondere zu den 80er Jahren, aber zum diskursiven Umgang mit HIV/AIDS in neuerer Zeit ist noch wenig bekannt. An diesem Punkt knüpft das Forschungsprojekt an und untersucht die Konzeptualisierungen von HIV/AIDS.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

HIV/AIDS war bis zu Beginn der 90er Jahre ein äusserst brisantes Thema. Erst Mitte der 90er Jahre konnten effektive Therapien eingesetzt werden und eine HIV-Infektion hat seither keinen tödlichen Ausgang mehr, sondern ist chronisch. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Normalisierung von HIV/AIDS. Dies trifft aber in erster Linie nur aus medizinischer Perspektive zu: HIV/AIDS hat zwar an Brisanz in der öffentlichen Wahrnehmung verloren und ist auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nur noch marginal ein Thema, bleibt aber eine stark stigmatisierte Erkrankung. Welches Wissen zu HIV/AIDS im allgemeinen Diskurs seit dieser sogenannten Normalisierung zirkuliert, ist noch wenig erforscht. An diesem Punkt setzt das vorliegende Promotionsprojekt an und geht den Konzeptualisierungen von HIV/AIDS nach. Ziel ist es, herauszuarbeiten, was für Wissen im öffentlichen Diskurs über HIV/AIDS zirkuliert, wie dieses Wissen sprachlich geformt wird und wie sich dies über die Zeit verändert hat. Dabei wird insbesondere die Zeit nach 2008 in den Fokus genommen, als die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen in einem Statement festgehalten hat, dass HIV-Positive unter einer effektiven Therapie sexuell nicht mehr infektiös sind.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das interdisziplinäre Projekt leistet einen empirischen Beitrag zur Erforschung der Konstruktion von medizinischem Wissen in der Öffentlichkeit. Es hilft dabei besser zu verstehen, welche sozialen Dimensionen Krankheiten haben können und welche sprachlichen Muster bei der Formierung des gesamtgesellschaftlichen Wissens auftreten. Thematisch leistet das Projekt zudem einen Beitrag zur Erforschung des gesellschaftlichen Umgangs mit HIV/AIDS.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 10.05.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Rezension zu Vlassenko, I. (2015): Sprechen über HIV/AIDS. Narrative Rekonstruktionen und multimodale Metaphern zur Darstellung von Subjektiven Krankheitstheorien.
Knuchel Daniel (2016), Rezension zu Vlassenko, I. (2015): Sprechen über HIV/AIDS. Narrative Rekonstruktionen und multimodale Metaphern zur Darstellung von Subjektiven Krankheitstheorien., Winter Verlag, Heidelberg.
Old Aids – New Aids in Der Spiegel? A corpus linguistic approach to conceptualisations of HIV/AIDS.
Knuchel Daniel, Old Aids – New Aids in Der Spiegel? A corpus linguistic approach to conceptualisations of HIV/AIDS., in Gross Alexandra (ed.), Lit Verlag, Berlin.
Zugängliche Daten im Netz. Herausforderungen beim Korpusaufbau mit besonderer Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Aspekte
Knuchel Daniel, Luth Janine, Zugängliche Daten im Netz. Herausforderungen beim Korpusaufbau mit besonderer Berücksichtigung rechtlicher und ethischer Aspekte, in Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie, 92, X.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Europäisches Zentrum für Sprachwissenschaft (Universität Heidelberg / IDS Mannheim) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Marcus Müller (Lehrstuhl für Korpuslinugistik, TU Darmstadt) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Mike S. Schäfer (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung UZH), Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Noah Bubenhofer (Ambizione-Stipendiat SNF, Universität Zürich) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Yvonne Ilg (Deutsches Seminar UZH) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Digital Linguistics Kolloquium Individual talk «Die Promiskuität ist der Motor der Seuche» – Zur Diskursgeschichte des (Stigma-)Begriffs Aids 12.06.2019 Winterthur, Switzerland Knuchel Daniel Manuel;
Vorlesung "Sprachgeschichte als Sozial- und Kulturgeschichte (1650 bis 2019)" an der Universität Zürich Individual talk "Die Promiskuität ist der Motor der Seuche" – Zur Diskursgeschichte des (Stigma-)Begriffs Aids 09.04.2019 Zürich, Switzerland Knuchel Daniel Manuel;
Linguistik und Medizin - sprachwissenschaftliche Zugänge und interdisziplinäre Perspektiven Talk given at a conference "Aids bekommt man nicht, man holt es sich." Die Verhandlung von Schuld und Verantwortung in Postings zu HIV/AIDS in Webforen. 28.03.2019 Paderborn, Germany Knuchel Daniel Manuel;
GAL-Kongress 2018: Öffentliche Diskurse in digitalen Medien Talk given at a conference Rechtliche Aspekte bei der korpuslinguistischen Analyse digitaler Daten. 13.09.2018 Duisburg-Essen, Germany Knuchel Daniel Manuel;
World Aids Conference Poster HIV/AIDS as a latent discourse. Practices of fragmentation, historisisation and othernisation in Switzerland 25.07.2018 Amsterdam, Netherlands Knuchel Daniel Manuel;
Öffentlichkeit als Interaktion Poster Diskursarenen. Gedanken zum Begriff Öffentlichkeit aus diskurslinguistischer Perspektive 18.01.2018 Zürich, Switzerland Knuchel Daniel Manuel;
CLAVIER 2017: Representing and redefining specialised knowledge Talk given at a conference A multilayered corpus analysis of disease, illness and sickness in the BNC 30.11.2017 Bari, Italy Knuchel Daniel Manuel;
Gemeinsames Kolloquium der Abteilung Wissenschafts-, Risiko- und Krisenkommunikation (UZH) und der Abteilung Kommunikations- und Medienwissenschaft (TU Braunschweig) Talk given at a conference HIV/AIDS in der deutschschweizerischen Presse. Untersuchungen zur sprachlichen Konzeptualisierung in der Ära des EKAFStatements (2006-2016) 15.06.2017 Zürich, Switzerland Knuchel Daniel Manuel;
1. Netzwerktreffen Linguistik und Medizin Talk given at a conference Kommunikation und (Nicht-)Wissen über HIV/AIDS. 19.01.2017 Paderborn, Germany Knuchel Daniel Manuel;
Workshop: Krankheiten, Depression, Zukunftsängste und ihre sprachliche Konstruktion Talk given at a conference HIV/AIDS diskurslinguistisch – ein Promotionsprojekt 04.10.2016 Trier, Germany Knuchel Daniel Manuel;
1. Nachwuchssymposium des Tagungsnetzwerks ‚Diskurs – interdisziplinär’ Talk given at a conference Aufklärerische Diskurslinguistik. Eine Position zwischen deskriptiver und kritischer Diskurslinguistik? 05.05.2016 Mannheim, Germany Knuchel Daniel Manuel;
Symposium Language and Health Online. Typing yourself healthy Talk given at a conference Conceptualisations of HIV/AIDS in two German message boards. A corpus linguistic approach. 15.04.2016 Basel, Switzerland Knuchel Daniel Manuel;
Digitale Daten in den Geisteswissenschaften. Interdisziplinäre Perspektiven für semantische und strukturelle Analysen Talk given at a conference HIV/AIDS diskurslinguistisch – ein multimediales Korpus 28.01.2016 München, Germany Knuchel Daniel Manuel;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Einführung zu Kids German-speaking Switzerland 2017
Talks/events/exhibitions "Promiskuität ist der Motor der Seuche" – 30 Jahre HIV/AIDS und Film International 2016
Other activities 30 Jahre Berichterstattung in DER Spiegel International 2016

Abstract

Die Konsequenzen einer Infektion mit dem HI-Virus haben sich seit dessen Entdeckung grundlegend verändert: von einer Infektion mit tödlichem Ausgang zu einer chronischen Erkrankung. Insbesondere das Jahr 1996 markiert einen wichtigen Wendepunkt, als eine effektive Therapieform entdeckt und die HIV-Infektion somit behandelbar wurde. Als Folge dieser Behandelbarkeit wurde 2008 von der der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (= EKAF) festgehalten, dass HIV-positive Menschen unter bestimmten Bedingungen (z.B. eine nicht mehr nachweisbare Virenlast im Blut) sexuell nicht mehr infektiös seien. Diesen neuen Erkenntnissen wird in Bezug auf Destigmatisierung besonderes Potential zugesprochen, sie sind aber nur bedingt Teil des sozialen/kollektiven Wissens geworden. Ganz allgemein kann festgehalten werden, dass HIV/AIDS in der öffentlichen Wahrnehmung an Brisanz verloren hat, in den westlichen Industrienationen kein gesellschaftlich relevantes Thema mehr zu sein scheint und dass wenig über aktuell zirkulierendes (Nicht-)Wissen in der Gesamtgesellschaft bekannt ist.An diese Beobachtungen schliesst das in den linguistischen Medical Humanities verortete Promotionsprojekt an und fragt nach den sprachlichen Konzeptualisierungen von HIV/AIDS in unterschiedlichen Diskursarenen (wie z.B. in der massenmedialen Teilöffentlichkeit), wobei der zeitliche Schwerpunkt auf die Ära des EKAF-Statements (ab 2008) liegt. Theoretisch-methodische Referenzfelder bilden die Diskurslinguistik und Korpuspragmatik. Dabei werden auch veränderte Kommunikationsbedingungen durch die Etablierung der sogenannten neuen Medien berücksichtigt. Als Datengrundlage dienen digital erstellte thematische Teilkorpora, die unterschiedlichen Diskursarenen zugeordnet werden können und Texte aus Massenmedien, Webforen und der Wikipedia umfassen. Für die Korpusanalysen werden korpuslinguistisch-quantitative Methoden (z.B. Topic Modelling; Keyword-, Kollokations- und Metaphernanalysen) punktuell mit qualitativ-hermeneutischen Methoden kombiniert. Die Analyseergebnisse werden im Anschluss unter verschiedenen Gesichtspunkten (Diskursintensität, Diskursarenen, Normalisierung) diskutiert, um einerseits auf diskurstheoretischer Ebene auch der Frage nachzugehen, was mit Diskursen bei schwindendem öffentlichen Interesse passiert, und andererseits praktische Implikationen für die präventive Arbeit abzuleiten.
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