Project

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Kritische Artefakte. „Speculative and Critical Design“ als Ansatz reflektierter Technikgestaltung

English title Critical Artifacts. „Speculative and Critical Design“ as a reflective approach towards the design of technology
Applicant Mareis Claudia
Number 159816
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Experimentelle Design und Medienkulturen Hochschule für Gestaltung und Kunst, FHNW
Institution of higher education University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland (without UTE) - FHNW
Main discipline Arts
Start/End 01.06.2015 - 30.09.2019
Approved amount 517'805.00
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Keywords (11)

Narratology; Material Culture Studies; Design Research; Speculative Design; Human Computer Interaction; Interaction Design; Interfaces; Critical Technical Practice; Critical Design; Research Through Design; Counterfactual Reasoning

Lay Summary (German)

Lead
Das Projekt ist im Bereich der Designforschung verortet und schliesst an Ansätze kritischer, gestalterischer und technischer Praxis wie “Critical Making” oder “Speculative Design” an. In einem praxisbasierten Forschungsansatz wird untersucht, wie Designartefakte und -prototypen genutzt werden können, um gängige Paradigmen von Technikgestaltung sichtbar zu machen und kritisch zu hinterfragen.
Lay summary

Speculative und Critical Design bezeichnet jüngere Ansätze der Designpraxis, die den Entwurf von provokativen Artefakten und hypothetischen Szenarien als spezifische Form der Technologie- und Gesellschaftskritik vorschlagen. Das Forschungsprojekt untersucht diese und verwandte Positionen der Kritik innerhalb der technischen und gestalterischen Disziplinen und zielt auf ihre theoretische und methodische Weiterentwicklung. Es sollen Gestaltungsansätze entwickelt und evaluiert werden, um Möglichkeiten alternativer Techniknarrative und -nutzungsweisen mittels gestalteter Artefakte aufzuzeigen. Untersucht werden dabei zum Einen die Möglichkeiten der Gestaltung provokativer Mensch-Maschine-Schnittstellen, zum Anderen das Potential von auf Gedankenexperimenten basierenden “Dingerzählungen” zur Generierung alternativer, historischer Entwicklungen von Informationstechnologien.

Die Gestaltung von Kommunikationstechnologien und Interfaces beeinflusst Lebenswelten und bestimmt unser Denk- und Ausdrucksvermögen nachhaltig. Die Wirkmächtigkeit von Technologien und Ansätze ihrer reflektierten Gestaltung werden im Design und der Technikgestaltung jedoch vernachlässigt. Tradierte und aktuelle Strömungen werden im Projekt einer kritischen Revision unterzogen. Die im Projekt entwickelten Gestaltungsansätze werden auch dahingehend untersucht, Reflexion und kritische Teilhabe durch Nutzende zu ermöglichen. In unserer technologisch durchsetzten Gesellschaft wird es immer wichtiger, Wirkungsweisen und Konsequenzen von Technologien erfahrbar zu machen, um sie in demokratischen Prozessen zur Diskussion zu stellen.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 30.04.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
150232 Experimentelle Datenästhetik. Multi-sensorische Exploration hochdimensionaler Datensätze als Problem der Designforschung 01.01.2014 Project funding (Div. I-III)
133747 Design als Wissenskultur. Interferenzen zwischen Design- und Wissensdiskursen seit 1960 01.08.2010 Publication grants
174229 Automatisierte Innovationen. Maschinenkünste des 20. und 21. Jahrhunderts im Spannungsdreieck von Subjekt, Medium und Prozess und ihre Beiträge zu Kreativitätsdiskursen 01.09.2018 Ambizione
124605 Visualisierung von Grossindikatorensystemen am Beispiel der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz 01.07.2009 DORE project funding
133232 Long Lost Friends. Zu den Wechselbeziehungen zwischen Design-, Medien- und Wissenschaftsforschung 01.11.2010 DORE conferences

Abstract

Dem Design kommt in Hinblick auf die von der Technikforschung vielfach konstatierte Untrennbarkeit von Kultur und Technik eine zentrale Rolle zu, da sich in gestalteten Artefakten vielschichtige soziokulturelle Aushandlungsprozesse und wirkmächtige Paradigmen von Mensch-Maschine-Verhältnissen kristallisieren. Ungeachtet dessen wird diese Dimension technischer Systeme in vielen Designbereichen sowie auch in der Technikgestaltung selbst bis heute oft vernachlässigt. An diesem Punkt setzt das beantragte Projekt an. Es ist im Bereich Designforschung verortet und schliesst an Ansätze und Strömungen kritischer gestalterischer Praxis wie Critical Making oder Interface Criticism an, in denen die Reflexion technologischer Paradigmen aus der Perspektive von Design und Technikgestaltung heraus formuliert werden. Der gestalterischen Experimentation wird dabei im Sinne des praxisbasierten Forschungsansatzes Research Through Design eine zentrale Rolle bei der Generierung von Untersuchungserkenntnissen zugesprochen. Untersucht werden soll in zwei Teilprojekten (TP), inwiefern durch gestaltete Artefakte etablierte Auffassungen und Formen von Technikgestaltung kritisch hinterfragt und zur Diskussion gestellt werden können. Dahingehend sollen Gestaltungsansätze entwickelt werden, um Möglichkeiten alternativer Techniknarrative und -nutzungsweisen mittels gestalteter Artefakte aufzuzeigen. Dieser Zugang wird im Projekttitel mit dem Begriff ›kritische Artefakte‹ benannt, wobei es sich dabei um die Konzeption und Entwicklung ›instabiler Schnittstellen‹ (TP 1) einerseits und ›kontrafaktischer Dingerzählungen‹ (TP 2) andererseits handelt. Thematische und methodische Basis beider TPs ist der Ansatz des Speculative and Critical Design (SCD). Es handelt sich hierbei um eine seit Ende der 1990er-Jahre bekannte Designpraxis, die den Entwurf von fiktiven Artefakten und hypothetischen Szenarien als spezifische Form der Technologie- und Gesellschaftskritik vorschlägt. In den vorgesehenen TPs soll dieser Ansatz in theoretisch-methodischer Hinsicht aufgenommen und für die praxisbasierte Designforschung weiterentwickelt werden. Beide TPs beinhalten miteinander verzahnte theoretisch-analytische und praxisbasierte Forschungsphasen.TP 1 besteht aus einer Dissertation, die von Moritz Greiner-Petter durchgeführt werden soll. In diesem TP steht die Untersuchung von Instabilität, Ambiguität und Unschärfe als Ressource für die Gestaltung von Mensch-Maschine-Schnittstellen im Zentrum. SCD wird hier als Methode reflektierter Gestaltung im Kontext von Human-Computer Interaction und Interaction Design verwendet. Konkreter Untersuchungsgegenstand sind Interaktionsweisen mit konventionellen Textverarbeitungsprogrammen (Word, Acrobat, Outlook). Diese nur scheinbar trivialen Applikationen von Interaction Design sind für die Untersuchung besonders geeignet, da sie einerseits stark konventionalisiert sind, andererseits gerade durch die vermeintliche Selbstverständlichkeit und Banalität in der Interaktion individuelle und differenzierte Aneignungsweisen hervorbringen. In Zusammenarbeit mit drei ausgewählten Nutzergruppen werden im Rahmen einer praxisbasierten Designforschungsstudie ›instabile‹ Schnittstellen, d.h. in der Nutzung offene und irritierende Mensch-Maschine-Interfaces entwickelt und erprobt. Eingebettet ist die praxisbasierte Forschung in eine fundierte Literatur- und Materialauswertung sowie eine abschliessende Auswertung. Output des TPs ist im Wesentlichen eine Dissertationsschrift.TP 2 wird von dem Designforscher Ludwig Zeller erarbeitet. In diesem TP geht es um das spekulative, narrative Potential von SCD-Darstellungs- und Vermittlungsformen sowie um Anknüpfungspunkte an Ansätze aus der Erzähltheorie, den Geschichtswissenschaften und der Materiellen Kulturforschung. Gearbeitet wird hier einerseits mit Theorien zum Thema ›Dingerzählung‹, andererseits soll der aus den Geschichtswissenschaften bekannte Ansatz der ›kontrafaktischen Gedankenexperimente‹ für den Bereich SCD in methodischer Hinsicht aufgearbeitet und weiterentwickelt werden. Der auf dieser Grundlage vorgeschlagene Ansatz der ›kontrafaktischen Dingerzählung‹ soll konkret am Beispiel von digitalen Internet- und Netzwerkprotokollen exploriert werden. Auch hier bildet eine praxisbasierte Designforschungsphase das Kernstück der Untersuchung. Entwickelt werden soll eine kontrafaktische Dingerzählung, die alternative Formen von digitalen Netzwerkprotokollen durch Designprototypen und audiovisuelle Szenarien vermittelt und zur Diskussion stellt. Output dieses TPs sind fünf Aufsätze, die Organisation eines Workshops mit internationalen Experten sowie die Mitarbeit an der gemeinsamen Projekttagung.Gemeinsamer Projektrahmen: Die beiden TPs sind durch die regelmässige Präsentation im gemeinsamen Kolloquium miteinander verbunden und informieren sich gegenseitig. Erwartet wird durch die Zusammenarbeit ein fundierter Beitrag zur Anwendung von SCD im Kontext der praxisbasierten Designforschung. Neben dem individuellen Output der beiden TPs plant das Projektteam unter der Leitung der Gesuchsteller Prof. Dr. Claudia Mareis und Prof. Michael Renner eine gemeinsame Tagung zum Thema Kritische Artefakte mit Veröffentlichung eines Tagungsbands.
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