Projekt

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Basale Schreibfähigkeiten fördern (BASCH)

Titel Englisch Promoting basic writing skills
Gesuchsteller/in Sturm Afra
Nummer 159311
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Institut Forschung und Entwicklung Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz
Hochschule Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz - PHFHNW
Disziplinen Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Beginn/Ende 01.06.2015 - 31.05.2018
Bewilligter Betrag 357'172.00
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Keywords (5)

basic writing skills, orthography, writing research, formulating, handwriting

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Verschiedene Studien belegen, dass basale Schreibfähigkeiten bei einem Grossteil der SchülerInnen Ende Primarstufe und selbst Ende Sekundarstufe nicht ausreichend erworben sind. Das Hauptziel dieser Interventionsstudie besteht darin, die Wirkung zweier Fördermassnahmen abzuklären. Da insbesondere für die Primarstufe wenige empirisch gesicherte Erkenntnisse zum basalen Schreiben existieren, setzt das Projekt bei Klasse 4 an.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts  

Zu den basalen Schreibfähigkeiten i.e.S. zählen Handschrift und Rechtschreibung. Formulieren, das den hierarchiehöheren Fähigkeiten zugeordnet wird, spielt jedoch an der Schnittstelle basaler und hierarchiehöherer Fähigkeiten eine zentrale Rolle, da das Formulieren im Hinblick auf die verfügbaren kognitiven Ressourcen beim Schreiben eine Art Flaschenhals darstellt. Insbesondere für schwächere Schüler/-innen sowie für Lernende mit Deutsch als Zweitsprache stellt flüssiges Formulieren eine grosse Schwierigkeit dar. Das SNF-Projekt «Basale Schreibfähigkeiten fördern (BASCH)» fokussiert deshalb in erster Linie das Formulieren.

Da Formulierungen mit Blick auf das Schreibziel oder die Adressaten metakognitiv steuerbar sein müssen, ist nicht die Automatisierung als Förderstrategie zielführend, sondern das Konzept der Flüssigkeit (fluency). Das Projekt sieht neben einer Kontrollgruppe zwei Interventionsgruppen vor:

IGS: Diese Intervention ist nach prozessbezogenen Ansätzen konzipiert und zielt ausschliesslich auf die Textebene ab.

IGF: Diese Intervention ist nach den Prinzipien eines Flüssigkeitstrainings aufgebaut und zielt auf Wort-, Satz- und Textebene ab.

Dem Setting liegt die Hypothese zugrunde, dass Fördermassnahmen im Bereich des Formulierens positive Effekte auf die Formulierungsflüssigkeit, auf die Komplexität sprachlicher Formulierungen sowie auf die Textqualität zeigen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt baut auf einem Entwicklungsprojekt zur Schreibförderung an Zürcher Schulen aus dem Programm QUIMS (Qualität in multikulturellen Schulen) auf und zielt auf eine empirisch als wirksam evaluierte Förderung des Formulierens ab.
Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 10.07.2015

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Abstract

Ein beträchtlicher Teil des Unterrichts in den ersten zwei bis drei Primarschuljahren wird für die Förderung des basalen Schreibens aufgewendet. Dazu zählen v.a. Handschrift und Rechtschreibung. Nach dieser Zeit, so wird angenommen, sind die basalen Fertigkeiten des Schreibens erworben – und die Schule kann sich der Förderung sog. hierarchiehöherer Schreibfähigkeiten zuwenden, zu denen Planen, Formulieren und Überarbeiten gezählt werden. Das Projekt «Basale Schreibfähigkeiten fördern (BASCH)» fokussiert den Prozess des Formulierens, zumal dieser in der neueren angelsächsischen Literatur als zentral besonders für schwach Schreibende erkannt worden ist. Formulieren spielt an der Schnittstelle zwischen hierarchieniedrigen und -hohen Schreibfähigkeiten eine wichtige Rolle. Es umfasst bspw. den Zugriff auf den Schreibwortschatz (Wörter, Kollokationen, Textprozeduren) und dessen Passung zum Genre des zu verfassenden Texts. Zusammen mit der sog. Transkription (Handschrift und Rechtschreibung) stellt das Formulieren im Hinblick auf die verfügbaren kognitiven Ressourcen beim Schreiben eine Art Flaschenhals dar: Ausgehend von Theorien der kognitiven Belastung, kann davon ausgegangen werden, dass Automatisierung von Handschrift und Orthografie den Schreibprozess entlasten. Beim Formulieren hingegen kann nicht die Automatisierung des Prozesses für die Entlastung zielführend sein, weil Formulierungen metakognitiv steuerbar sein müssen (bspw. in Bezug auf ein bestimmtes Schreibziel). Hier bietet das dem Bewusstsein zugängliche Konzept der Flüssigkeit (fluency) Orientierung. Flüssiges Formulieren kann daher als Teil der basalen Schreibfähigkeiten aufgefasst werden. Dass basale Schreibfähigkeiten (inkl. Formulieren) auch auf Sekundarstufe 1 nicht einfach vorausgesetzt werden können, bestätigt im deutschen Sprachraum die DESI-Studie, die für einen beträchtlichen Teil der SchülerInnen Klasse 9 Schwächen im Formulieren belegt. Zudem zeigen L2-Lernende oft grössere Schwierigkeiten als SchülerInnen mit Deutsch als L1. Für die Primarstufe existieren nur wenige empirisch gesicherte Erkenntnisse zum basalen Schreiben in den Klassen 4–6, Ergebnisse zur Wirksamkeit von Schreibfördermassnahmen, die das Formulieren als Aspekt basaler Schreibfähigkeit einschliessen, fehlen weitgehend. Das Projekt «Basale Schreibfähigkeiten fördern» (BASCH) nimmt sich dieser Forschungslücke an und will aufbauend auf einem Entwicklungsprojekt zur Schreibförderung an Zürcher Schulen aus dem Programm «Qualität in multikulturellen Schulen» (QUIMS) mit einer Interventionsstudie die Wirksamkeit zweier unterschiedlicher Förderstrategien abklären. Da ausreichende basale Schreibfähigkeiten eine Voraussetzung für den Erwerb erweiterter Schreibkompetenzen sind, gilt es, noch auf Primarstufe anzusetzen. An einer Stichprobe von 4. Primarklassen aus QUIMS-Schulen soll die Wirksamkeit von Fördermassnahmen im Bereich des Formulierens und von solchen, die das Textschreiben fokussieren, überprüft werden. Wir gehen von der Hypothese aus, dass Fördermassnahmen im Bereich des Formulierens positive Effekte im Hinblick auf Formulierungsflüssigkeit, Komplexität sprachlicher Formulierungen und Textqualität haben, die höher als für die Massnahmen zur Förderung des Textschreibens und v.a. einer Kontrollgruppe ausfallen. Dazu setzen wir die «alphabet task», einen Schreibflüssigkeitstest, einen standardisierten Rechtschreibtest sowie zwei Textaufgaben (narrativ und instruktiv) ein. Um auch einen Einblick in den Schreibprozess zu erhalten, wird ein Smartpen eingesetzt, mit dem sich Merkmale des Schreibprozesses, in erster Linie Schreibportionen (bursts), erheben lassen. Die geplante Studie sieht bei insgesamt 15 vierten Primarklassen neben einer Kontrollgruppe zwei Interventionsgruppen vor: IGS: Für diese Gruppe ist ein schreibintensiver Unterricht vorgesehen, der nach prozessbezogenen Ansätzen konzipiert ist. Die Fördermassnahme zielt ausschliesslich auf die Textebene ab. IGF: Diese Intervention besteht aus Elementen, die charakteristisch für ein Flüssigkeitstraining auch in anderen Domänen sind (kurze Sequenzen, Kontinuität und Wiederholung). Die Fördermassnahme enthält Aufgaben, die alle Ebenen – Wort, Satz, Text – gezielt fokussieren. Das Projekt zielt auf eine empirisch als wirksam evaluierte Förderung des Formulierens ab, die für schreibschwache SchülerInnen (zu denen auch viele Kinder mit Deutsch als Zweitsprache gehören) besonders angezeigt erscheint.