Project

Back to overview

Elterliche Selbst- und Fremdbestimmung in der Sozialpädagogischen Familienbegleitung

English title Parental Autonomy and Heteronomy in Swiss Family Home Visiting
Applicant Brauchli Simone
Number 158246
Funding scheme Marie Heim-Voegtlin grants
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.08.2015 - 31.07.2017
Approved amount 168'812.00
Show all

Keywords (7)

Elternschaft; Familie; Selbstbestimmung; Fremdbestimmung; Autonomie; Sozialpädagogische Familienbegleitung; Sozialpädagogik

Lay Summary (German)

Lead
Die Ermöglichung von Selbstbestimmung stellt eines der vordringlichen Ziele pädagogischer Arbeit dar. Auch durch sozialpädagogische Familienbegleitungen soll die elterliche Autonomie gestärkt werden, damit Eltern den Alltag mit ihren Kindern eigenständig bewältigen können. Dazu wird von fachlicher Seite in die Erziehungsautonomie von Eltern eingegriffen.
Lay summary

In Sozialpädagogischer Familienbegleitung werden Familien, in denen in der Regel eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, zuhause bei der Strukturierung ihres Alltags und ihres Zusammenlebens fachlich unterstützt. Begründet werden solche kontrollierenden und normierenden Eingriffe damit, dass auf diese Weise gravierendere Eingriffe wie Fremdplatzierungen abgewendet werden sollen. Die Notwendigkeit des Schutzes der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, auch innerhalb der familialen Privatheit, dient als Legitimation solcher Interventionen.

Im Zentrum dieses Dissertationsprojekts steht die Frage, wie elterliche Selbstbestimmung vor dem Hintergrund des Spannungsfeldes zwischen der Wahrung der Autonomie familialer Privatheit einerseits und der Sicherung des Kindeswohls andererseits von den Beteiligten situativ gehandhabt wird.

Analytisches Ziel  ist die Klärung der Frage nach Voraussetzungen und Möglichkeiten einer Realisierung von Selbstbestimmung. Empirisch liegt das Ziel in einer Klärung der Frage nach der situativen Handhabung elterlicher Selbstbestimmung im Feld der Sozialpädagogischen Familienbegleitung. Im Fokus stehen Restriktionen und genutzte Potenziale elterlicher Selbstbestimmung sowie mit Prozessen elterlicher Autonomisierung verbundene Herausforderungen.  

Diese qualitative, durch ethnographische Verfahren angeregte Studie nimmt mit dem Gegenstand der elterlichen Selbstbestimmung ein sozialpädagogisch wie auch -politisch drängendes Thema anhand eines in der Schweiz bislang kaum beforschten Praxisfeldes in den Blick und erzeugt Erkenntnisse zu den gesellschaftlichen Implikationen der vorgefundenen Vergesellschaf­tungsdynamiken.

Direct link to Lay Summary Last update: 15.06.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Themenschwerpunkt 'Verletzbare Elternschaft: Gefährdungen einer Lebensform'
Brauchli Simone , Rieker Peter (ed.) (2017), Themenschwerpunkt 'Verletzbare Elternschaft: Gefährdungen einer Lebensform'.
Verletzbare Elternschaft: Gefährdungen einer Lebensform
Brauchli Simone, Rieker Peter (2017), Verletzbare Elternschaft: Gefährdungen einer Lebensform, in Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE), 37(2), 116-122.
Sozialpädagogische Familienbegleitung in der Schweiz: Eine Gefährdung von Elternschaft?
Brauchli Simone (2017), Sozialpädagogische Familienbegleitung in der Schweiz: Eine Gefährdung von Elternschaft?, in Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE), 37(2), 158-173.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Lehrstuhlkolloquium Allgemeine Erziehungswissenschaft/Theorie der Bildung Wuppertal Individual talk Die Relationierung eigener Gründe. Überlegungen zur Eltern-Kind-Beziehung aus autonomietheoretischer Perspektive 04.05.2016 Wuppertal, Germany Brauchli Simone;
"Räume für Bildung. Räume der Bildung". Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft 2016 Talk given at a conference Hinter verschlossene Türen: Eingriffe aufsuchender Sozialer Arbeit in nicht-öffentlichen Räumen 13.03.2016 Kassel, Germany Brauchli Simone;
Whose education is it anyway? Kollektive und individuelle Besitzansprüche an Erziehung, Bildung und Wissen Talk given at a conference Die Erziehung der Eltern und ihre Probleme. Wessen Erziehung? Wessen Probleme? 19.01.2016 Universität Zürich, Institut für Erziehungswissenschaft, Switzerland Brauchli Simone;


Self-organised

Title Date Place
Erkenntnispotenziale von sozialen Interaktionen zwischen Forschenden und Beforschten - das Verfahren der tiefenhermeneutischen Textanalyse 02.02.2017 Zürich, Switzerland
Ethnographie im Kontext 13.10.2016 Zürich, Switzerland

Abstract

Selbstbestimmung ist sowohl in pädagogischer als auch in philosophischer Hinsicht ein zwar umstrittenes, theoretisch aber gut begründetes Konzept. Die Frage ihrer praktischen Umsetzung stellt eine Herausforderung pädagogischer Arbeit dar; ihre Realisierung entzieht sich einfachen Handlungsroutinen, weil sie auf spezifische, sich immer wieder verändernde gesellschaftliche Zusammenhänge und Konstellationen bezogen erfolgt.Obwohl Autonomie als Thema nicht nur in der kritisch-emanzipatorischen Pädagogik der 1960er und -70er Jahre, sondern auch über den Empowermentansatz oder den Capabilityapproach Eingang in die erzieherische Theorie und Praxis gefunden hat, fehlen theoretisch informierte empirische Untersuchungen zu Selbstbestimmungsprozessen aus (sozial-)pädagogischer Perspektive. In diesem Dissertationsprojekt wird deshalb die Praxis Sozialpädagogischer Familienbegleitung untersucht hinsichtlich Potenzialen und Restriktionen einer Realisierung von Selbstbestimmung sowie damit verbundener Herausforderungen. Im Fokus steht die Selbstbestimmung von Eltern als Hauptadressatinnen und -adressaten dieser Interventionsform. Die Studie beruht auf der Annahme, dass Autonomie grundsätzlich sozial situiert ist und situativ sowie relational hergestellt werden muss. Die Beantwortung der Forschungsfrage erfolgt mittels tiefenhermeneutischer Textanalysen von transkribierten Audioaufnahmen und Beobachtungsprotokollen sozialpädagogischer Interventionen in Familien. Es wird untersucht, wie elterliche Selbstbestimmungsbestrebungen von den beteiligten Akteuren aufgegriffen und bearbeitet werden, welche handlungspraktischen Herausforderungen sich dabei stellen, wodurch die elterliche Selbstbestimmung restringiert wird, und inwieweit der Widerstand der Adressatinnen und Adressaten sozialpädagogischer Interventionen produktiv im Sinne einer Erweiterung der Selbstbestimmungsmöglichkeiten aller beteiligter Akteure genutzt wird. Die Studie verspricht nicht nur methodologische Erkenntnisse hinsichtlich der empirischen Erforschbarkeit von Autonomie. Mit dem Gegenstand der elterlichen Selbstbestimmung wird vor allem ein sozialpädagogisch wie auch -politisch drängendes Thema anhand eines in der Schweiz bislang kaum beforschten Praxisfeldes untersucht und Orientierungswissen für die Sozialpädagogische Familienbegleitung geliefert. Darüber hinaus leistet die Untersuchung einen Beitrag zur wissenschaftlichen Reflexion handlungspraktischer Herausforderungen einer autonomieorientierten Sozialpädagogik und erzeugt Erkenntnisse zu den gesellschaftlichen Implikationen der vorgefundenen Vergesellschaftungsdynamiken.
-