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Umstrittene Rechtgläubigkeit. Kritische Edition von Theodorets Haereticarum fabularum compendium mit ausführlicher Einleitung

English title Disputed Orthodoxy: Critical Edition of Theodoret's of Cyrus Haereticarum fabularum compendium with an extensive introduction
Applicant Bergjan Silke-Petra
Number 156591
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Ecclesiastical history
Start/End 01.10.2014 - 31.03.2018
Approved amount 427'290.00
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Keywords (6)

Critical Edition; Antikes Christentum; Theodoret of Cyrus; Antiochien; Heresiography; Christology

Lay Summary (German)

Lead
Das vorliegende Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, einen bislang nur in Form eines korrigierten Nachdrucks einer Humanistenedition des 16. Jahrhunderts zugänglichen Text des Theodoret v. Cyrus der wissenschaftlichen Öffentlichkeit erstmals in einer kritisch-philologischen Maßstäben genügenden Form verfügbar zu machen.
Lay summary

Inhalt und Ziel

Neben seinem Kontrahenten Cyrill von Alexandrien muss Theodoret innerhalb der christologischen Streitigkeiten des fünften Jahrhunderts sicherlich als einer der wichtigsten theologischen Köpfe gelten. Dennoch sind gerade seine späteren Werke, wie das hier untersuchte Haereticarum fabularum compendium, bislang weder kritisch ediert noch wirklich umfassend analysiert worden, und dies obwohl besagtes Kompendium nicht nur einen Überblick über die bis zur Mitte des fünften Jahrhunderts von der Grosskirche verurteilten häretischen Gruppen, sondern im letzten Buch auch eine Zusammenfassung all dessen bietet, was für Theodoret die zentralen Inhalte orthodox-christlichen Glaubens und Lebens darstellt. Besonders interessant ist dabei die zum Abschluss des vierten Buches vorgenommene, überraschend scharfe Distanzierung von seinem langjährigen Weggefährten Nestorius, zu dessen Verdammung er sich auf dem Konzil von Chalkedon selbst nur recht widerwillig hatte durchringen können. Eine intensivere historische Analyse im Zuge der Edition des Textes wird also sicherlich neues Licht auf die spätere Entwicklung Theodorets und der "antiochenischen" Fraktion insgesamt werfen können, welche gerade für das Verständnis der nachchalkedonischen kirchenpolitischen Verwerfungen bis hin zur Herausbildung der orientalischen Nationalkirchen cyrillisch-monophysitischer und nestorianisch-dyophysitischer Prägung von herausragender Bedeutung sein dürfte.

Wissenschaftlicher- und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt zielt auf die philologisch-textkritische sowie historisch-theologische Erschliessung eines Hauptwerks einer Schlüsselfigur der Kirchengeschichte des fünften Jahrhunderts, welche zur ersten bis heute bestehenden Kirchenspaltung führte.

Direct link to Lay Summary Last update: 30.09.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Scientific events



Self-organised

Title Date Place
Christianity and Zoroastrianism 27.01.2017 Leuven, Belgium

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
175968 Umstrittene Rechtgläubigkeit. Kritische Edition von Theodorets Haereticarum fabularum compendium mit ausführlicher Einleitung 01.10.2017 Project funding (Div. I-III)

Abstract

In dem Projekt soll das umfangreiche Haereticarum fabularum compendium von Theodoret von Cyrus aus der Mitte des 5. Jh.s ediert werden. Obwohl in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen wurden, die Werke Theodorets zu edieren, und obwohl nur wenige dogmatische Schriften Theodorets überliefert worden sind, ist das Haereticarum fabularum compendium eines der letzten dogmatischen Werke Theodorets, die nicht in einer kritischen Edition greifbar sind. Das Projekt will jedoch nicht nur besagte Editionslücke schliessen, sondern durch die umfassende historisch-quellenkritische Erschliessung in Form der Einleitung und des Similienapparats ein Werk der Forschung zugänglich machen, das an einer Schnittstelle der Theologiegeschichte steht und wahrscheinlich Theodorets letzte und umfassendste Verteidigung seiner Rechtgläubigkeit im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des Konzils von Chalkedon darstellt. Das Werk ist in der Sache hochinteressant, da es ein umfangreiches dogmatisches Handbuch aus antiochenischer Perspektive enthält und, da nichts Vergleichbares überliefert ist, ein einzigartiges Zeugnis antiochenischer Theologie darstellt. Theodorets Ausführungen lassen in der Form, wie der Text heute bekannt ist, viele unbeantwortete Fragen offen. Es steht zu erwarten, dass genauere Kenntnisse der Textüberlieferung und Textgeschichte erheblich weiter führen.In dem Werk unternimmt es Theodoret, selbst angegriffen, zeitweise von der Kirche verurteilt und somit der Häresie bezichtigt, sich zu verteidigen mittels eines Kompendiums der Häresien, also eines Abrisses der Geschichte der Häresien. Das Werk ist damit eine Quelle, um die Zuordnung von Orthodoxie und Häresie, von Selbstdefinition und Abgrenzung und grundsätzlich die Funktion von Häresiezuschreibungen in der Antike zu untersuchen. Das Editionsprojekt ist international vernetzt. Kontakte zu den Editionen der Theodoret-Werke in Frankreich und Deutschland sind aufgenommen.
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