Project

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Säkulare in der Schweiz: Ein mixed methods Projekt

English title "Secular individuals" in Switzerland: A mixed methods project
Applicant Huber Stefan
Number 156241
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.01.2015 - 31.07.2020
Approved amount 490'288.00
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All Disciplines (3)

Discipline
Religious studies, Theology
Psychology
Sociology

Keywords (12)

Religiosität; Identität; Typen; Säkulare; Religion; Werte; Religious Nones; Individualisierung; engagierte Säkulare; Säkularisation; Schweiz; gesellschaftliche Spannungen

Lay Summary (German)

Lead
Der Anteil von Menschen, die sich als „nicht religiös“ verstehen und daher als „Säkulare“ bezeichnet werden können, nimmt in der Schweiz stark zu. In dem Projekt erforschen wir, wer die Säkularen sind, wie sich selbst verstehen, was sie zu Säkularen gemacht hat und wie sie sich für ihre gesellschaftlichen und politischen Interessen engagieren.
Lay summary

Die religiöse Landschaft in der Schweiz verändert sich dramatisch: Die beiden grossen Landeskirchen verlieren immer mehr Mitglieder. Daneben wachsen sowohl kleinere christliche Kirchen als auch andere, insbesondere islamische Religionsgemeinschaften. Besonders stark nimmt die Gruppe der Konfessionslosen und Menschen zu, die sich als „nicht religiös“ verstehen. Das öffentliche und wissenschaftliche Interesse an der zuletzt genannten Gruppe, den Säkularen, hat besonders in den letzten 10 Jahren zugenommen. 
Der Schweizer Nationalfond fördert nun ein Projekt zu den „Säkularen in der Schweiz“ an den Universitäten Bern und Lausanne. In ihm erforschen wir, wer die Säkularen sind, wie sich selbst verstehen und was sie zu Säkularen gemacht hat. Darüber hinaus interessieren wir uns dafür, was dazu führt, dass Säkulare sich für ihre gesellschaftlichen und politischen Interessen engagieren. 
Wir erwarten, verschiedene Typen von Säkularen unterscheiden zu können. Sie werden in Bezug auf ihre persönlichen Lebensformen und Sinnwelten charakterisiert. Zum anderen wollen wir erklären, welche Bedingungen dazu führen, dass Säkulare öffentlich aktiv werden. Die Forschung leistet in zwei Bereichen einen wichtigen Beitrag. Erstens für die Schweizer Gesellschaft, die es in absehbarer Zukunft mit einer zunehmenden Spannung zwischen Säkularen und Hochreligiösen zu tun haben könnte. Und zweitens für die Forschung der Religionswissenschaft und der Nonreligious Studies. Die Schweiz ist das erste Land, in dem eine derartig breit angelegte Studie durchgeführt wird.  
Dafür benutzen wir einerseits die Daten des Religionsmonitors 2013 der Bertelsmann-Stiftung und führen andererseits mit den Säkularen des Religionsmonitors Interviews durch. Zusätzlich interviewen wir eine Gruppe von Säkularen, die sich in säkularen Gruppen – wie den Freidenkern – organisiert. Wir erwarten, dass dieses innovative mixed methods Forschungsdesign zu belastbaren und differenzierten neuen Ergebnissen führt.

Direct link to Lay Summary Last update: 24.10.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
163880 Religion and patterns of social and economic organization. Elective affinity between religion and economy in Christian denominations in Switzerland and Russia 01.01.2017 Bilateral programmes

Abstract

Die „Säkularen“ sind sowohl weltweit als auch in der Schweiz eines der aufsehenerregendsten Phänomene des letzten Jahrzehnts. Dies zeigt sich sowohl am Erfolg religionskritischer Bestseller (Dawkins 2006; Hitchens 2007), den öffentlichen Aktionen von organisierten ReligionskritikerInnen, dem rasanten Anwachsen der Personen, welche sich als religions- oder konfessionslos bezeichnen wie auch dem Entstehen der Nonreligious Studies. Das vorliegende Forschungsprojekt ist die erste Studie, welche „Säkulare“ in einer für die Schweiz repräsentativen Stichprobe sowohl quantitativ als auch qualititativ (mixed methods) untersucht. Dabei liegt ein spezielles Augenmerk auf die Unterscheidung zwischen organisierten und nicht organisierten „Säkularen“.Das Projekt behandelt die folgenden Leitfrage: Wie konstruieren „Säkulare“ ihre „säkularen Identitäten“, wie werden diese Identitäten durch Sozialisierung, soziale Merkmale, soziale Beziehungen oder Organisationen beeinflusst, und unter welchen Bedingungen werden „Säkulare“ gesellschaftlich oder politisch aktiv? Als „Säkulare“ bezeichnen wir dabei operational Personen, welche sich als „nicht religiös“ oder als „atheistisch“ bezeichnen, unabhängig davon, ob sie sich fu¨r ihre säkularen Interessen einsetzen oder nicht. Theoretisch verwendet die Studie nicht eine einzige Theorie, sondern zieht verschiedene Theorieangebote je nach behandeltem Subthema heran. In diesem Sinne werden etwa Säkularisierungs- und Individualisierungstheorie, Identitätstheorien, Sozialisierungstheorien und Mobilisierungstheorien ausschnittweise für unser Thema wichtig.Unser Projekt reiht sich in die sog. mixed methods Forschung ein und kombiniert 4 gesonderte Datensätze. Ein erster Datensatz („Säkulare allgemein, quantitativ“) besteht aus der vorliegenden für die Schweiz repräsentativen Umfrage des Religionsmonitors 2013 (N=1003). Unter den Befragten können nach unseren Kriterien 341 Personen (34%) als „Säkulare“ bezeichnet werden. Ein zweiter Datensatz („Säkulare allgemein, qualitativ“) besteht aus einer Teilstichprobe aus den „Säkularen“ des Religionsmonitor-Samples, welche face-to-face semi-standardisiert befragt werden (N=60). Ein dritter Datensatz („Mitglieder säkularistischer Organisationen, quantitativ“) besteht aus einer standardisierten Internet-Befragung unter den Mitgliedern aller „säkularistischer Organisationen“ der Schweiz (N=ca. 1500). Ein vierter Datensatz („Mitglieder säkularistischer Organisationen, qualitativ“) besteht aus einer Teilstichprobe aus der Vollerhebung der Mitglieder „säkularistischer Organisationen“, welche face-to-face semi-standardisiert befragt werden (N=40).Die quantitativen Daten werden nach bekannten deskriptiv- und inferenzstatistischen Verfahren ausgewertet. Die leitfadengestu¨tzten, face-to-face Interviews werden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet (Mayring 2010). Die qualitativen und quantitativen Daten werden nach in Kelle (2007) und Stolz (2013) beschriebenen Verfahren trianguliert.Als Ergebnis erwarten wir zum einen - deskriptiv - eine Typologie von „Säkularen“, welche sowohl quantitativ die repräsentativen Häufigkeiten als auch qualitativ die subjektiven Lebensformen und Sinnwelten und je geteilten Diskurse aufzeigen kann. Zum anderen werden wir erklärend verschiedene Hypothesen zu „Säkularen“ und insbesondere den Bedingungen ihres öffentlichen Aktiv-Werdens testen können. Die Forschung leistet in zwei Bereichen einen wichtigen Beitrag. Erstens fu¨r die Forschung innerhalb der Religionswissenschaft und der Nonreligious Studies, innerhalb welcher unseres Wissens noch nie eine für ein ganzes Land repräsentative mixed methods Studie zu „Säkularen“ durchgeführt wurde. Zweitens für die Schweizer Gesellschaft, welche es - wie Habermas (2002) beschreibt - in absehbarer Zukunft mit einer zunehmenden Spannung zwischen „Säkularen“ und Hochreligiösen zu tun haben könnte.
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