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Unkraut und Weizen. Die Erwählungslehre und das Unterscheiden Gottes

English title Wheat and tares. The doctrine of Election and God’s distinctions
Applicant Bühler Pierre
Number 150167
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Hermeneutik und Religionsphilosophie Theologische Fakultät Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.09.2014 - 31.07.2017
Approved amount 241'971.00
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Keywords (7)

theology; election; distinctions; Calvin; Schleiermacher; Barth; Spencer-Brown

Lay Summary (German)

Lead
Unkraut und Weizen. Die Erwählungslehre und das Unterscheiden GottesDie Erwählungslehre zeichnet (bei Calvin) das Bild eines Gottes, der die einen erwählt und die anderen verwirft. Dies verschafft ihr in unserer von Toleranz und Pluralismus geprägten Gegenwart einen schlechten Leumund. Das Projekt sucht einen neuen Zugang, indem es theologische Unterscheidungsoperationen ins Zentrum rückt.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Protestantische Theologie ist kritisch gegenüber menschlichen Selbsterlösungsversuchen und stellt ihnen die Alleinwirksamkeit der göttlichen Gnade entgegen. Doch wenn alles von Gott abhängt, warum finden dann nicht alle Menschen zum Glauben? – Die Erwählungslehre Calvins gibt eine klassische Lösung, indem sie die Frage mit Hinweis auf eine von Gott getroffene Unterscheidung von Erwählten und Verworfenen beantwortet. Doch widerspricht dies nicht wiederum der Grösse und Allmacht der Liebe Gottes? – In der Dogmatik gibt es neben Calvin, auch bei Schleiermacher und Barth mehr oder minder befriedigende Ansätze, diese Spannung zu lösen, oft jedoch wird sie stillschweigend übergangen. Das Projekt versucht, eine unbelastete Perspektive auf dieses belastete Problem einzunehmen. Zu diesem Zweck wird bei der Frage nach dem theologischen Unterscheiden als solchem angesetzt. Trifft Gott Unterscheidungen in seiner Schöpfung bzw. an seinen Geschöpfen? Und wie verhält sich menschliches Unterscheiden in der Dogmatik dazu? – Neue Einsichten sollen insbesondere gewonnen werden, indem das Formkalkül des britischen Logikers George Spencer-Brown zur Interpretation herangezogen wird.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

An einem weitgehend marginalisierten Lehrstück christlicher Dogmatik wird nach Dynamik, Legitimität und Risiken theologischen Unterscheidens gefragt. Weil wissenschaftliche Theologie nicht zuletzt ein Ringen um das richtige bzw. angemessene Unterscheiden ist, lassen sich die an der Erwählungslehre zu gewinnenden Einsichten auch auf andere Gegenstandsbereiche beziehen. Darüber hinaus ergibt sich eine weiterreichende Relevanz daraus, dass christlich fundierte Unterscheidungen in verschiedene gesellschaftliche und politische Kontexte hineingetragen werden und dort häufig mit den Werten eines toleranten und pluralistischen Gemeinwesens in Konflikt geraten. Einsichten des Projektes können helfen, dies zu bewerten und einen Umgang damit zu finden.
Direct link to Lay Summary Last update: 08.08.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Autodestruktion des Christentums? Systemtheoretische Auseinandersetzung mit Jean-Luc Nancy
Berg Stefan (2017), Autodestruktion des Christentums? Systemtheoretische Auseinandersetzung mit Jean-Luc Nancy, in Rass Friederike/Horn Aita/Braunschweig Michael (ed.), 17-37.
Regress und Reentry. Basalität bei Hans Albert und George Spencer Brown
Stefan Berg (2016), Regress und Reentry. Basalität bei Hans Albert und George Spencer Brown, in Berg Stefan/von Sass Hartmut (ed.), 211-249.
Regress und Zirkel. Figuren prinzipieller Unabschliessbarkeit
Berg Stefan/von Sass Hartmut (ed.) (2016), Regress und Zirkel. Figuren prinzipieller Unabschliessbarkeit.
Eine in sich gekrümmte Denkfigur. Unterscheidungstheoretische Ueberlegungen zum Gedanken einer immanenten Transzendenz
Berg Stefan (2015), Eine in sich gekrümmte Denkfigur. Unterscheidungstheoretische Ueberlegungen zum Gedanken einer immanenten Transzendenz, in Dalferth Ingolf/Bühler Pierre/ Hunziker Andreas (ed.), 112-128.
Klingende Asche, tönender Staub. Musiktheologische Ueberlegungen in evangelischer Perspektive
Berg Stefan (2015), Klingende Asche, tönender Staub. Musiktheologische Ueberlegungen in evangelischer Perspektive, in Gartmann Thomas/Marti Andreas (ed.), 101-120.
Beten mit Luhmann. Zu einer systemtheoretischen Deutung des christlichen Gebets
Berg Stefan (2014), Beten mit Luhmann. Zu einer systemtheoretischen Deutung des christlichen Gebets, in Hermeneutische Blätter, 2014(2), 206-222.
Störung und Unaussprechliches. Systemtheoretische Aspekte einer klingend-öffentlichen Theologie - am Beisüpiel von Richard Wagners ästhetischen Schriften
Berg Stefan, Störung und Unaussprechliches. Systemtheoretische Aspekte einer klingend-öffentlichen Theologie - am Beisüpiel von Richard Wagners ästhetischen Schriften, in Wabel Thomas/Höhne Florian/Stamer Torben (ed.).

Abstract

Das Forschungsprojekt zielt auf eine zeitgemässe materialdogmatische Interpretation der protestantischen Erwählungslehre. Es gewinnt methodisches Profil und sachliche Tiefe durch eine Reflexion auf Struktur, Dynamik, Implikationen und Konsequenzen des Unterscheidens, das im Kern dieses Lehrstücks angelegt ist.Die Erwählungslehre hat einen schlechten Leumund - insbesondere dann, wenn mit ihr das massgeblich von Calvin geprägte Bild eines Gottes in Verbindung gebracht wird, der die einen erwählt und die anderen verwirft. Im Horizont von Pluralismus und Toleranz erscheint das Lehrstück daher als abgehoben, anstössig, antiquiert und als ein ernst zu nehmender Gegenstand allein für biblisch-exegetische sowie (theologie-)historische Forschung. Wird die Erwählungslehre dort tatsächlich in grosser Breite bearbeitet, geht die neuere Materialdogmatik zu diesem Lehrstück stark auf Distanz. Dies erscheint schon angesichts der zentralen systematisch-theologischen Stellung der Erwählungslehre problematisch. Sie behandelt die Frage nach dem Zugang zum Heil unter den Prämissen eines evangelischen Glaubensverständnisses, und so besteht eine enge Beziehung zu allen wichtigen Themen der Dogmatik: zu Gotteslehre, Christologie und Pneumatologie ebenso wie zu Ekklesiologie und Anthropologie. Gegen eine Marginalisierung dieses Lehrstücks spricht auch, dass in seinem Kontext eine wichtige theologische Reflexion erfolgen kann: ob und inwiefern Gott als einer zu denken ist, der Unterscheidungen an sich, seiner Schöpfung sowie seinen Geschöpfen trifft, inwiefern diese heilsrelevant sind, und wie sich menschliches Unterscheiden in Sachen des Glaubens bzw. der Religion zu diesem Unterscheiden Gottes in Beziehung setzt. Eine solche Reflexion hat erhebliche sozial-politische Implikationen, wie man beispielsweise an Max Webers Thesen zur Protestantischen Ethik oder an der in den USA beheimateten Rede von der ‹elected nation› bzw. ‹God’s own nation› nachvollziehen kann; auch Bezüge zur gesellschaftlichen Debatte um die Gewaltaffinität des Monotheismus lassen sich herstellen.Innerhalb des Projekts soll erstens in Auseinandersetzung mit u.a. George Spencer-Brown eine Methodik entwickelt werden, welche die Analyse von Unterscheidungsstrukturen erlaubt. Diese soll dann zweitens auf klassische theologische Positionen (Calvin, Schleiermacher, Barth) angewandt werden, um die Ergebnisse dann drittens auf gegenwärtige theologische und gesellschaftlich-politische Problemlagen zu beziehen und produktiv weiterzudenken.
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