Project

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Schule als Demokratisierungsfaktor in Costa Rica (1882-1949)

English title School as a factor of democratisation in Costa Rica (1882-1949)
Applicant Criblez Lucien
Number 150123
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Erziehungswissenschaft Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.02.2014 - 31.12.2017
Approved amount 352'039.00
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Keywords (4)

Costa Rica; School; History of Education; Democracy

Lay Summary (German)

Lead
Mit der Verfassung von 1949 wurde in Costa Rica das Bildungssystem weiter ausgebaut und die Institutionen, die für eine funktionierende Demokratie erforderlich sind, wurden gefestigt. Damit gewann die seit der Unabhängigkeit gepflegte Betonung der „costaricanischen Besonderheit“ an Bedeutung. Der Aufbau eines modernen Schulsystems begann allerdings bereits in den 1880er-Jahren. Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen Schulentwicklung und Demokratisierung in diesem Zeitraum.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Costa Rica gilt als eine der ältesten und stabilsten Demokratien Lateinamerikas. Der Demokratisierungsprozess erfuhr jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts die für den Erfolg nötige Beschleunigung. Der Demokratisierungserfolg wird in der Selbst- und Fremdwahrnehmung in kausalen Zusammenhang mit dem Schulsystem gebracht. Das Projekt will diesen Zusammenhang untersuchen. Zum einen wird die programmatische Konstruktion des Zusammenhangs zwischen Schule und Demokratisierung analysiert. Zum anderen wird diese Konstruktion in den historischen Kontext eingebettet, in dem der politische Demokratisierungsprozess beschleunigt und die Demokratie erfolgreich institutionalisiert wurde. Wie und mit welchen Motiven griffen verschiedene Akteure auf das in der politischen Programmatik als selbstverständlich geltende positiv kausale Verhältnis zwischen Demokratie, Erziehung und Schule zurück – oder eben auch nicht. Im Zentrum der Projektarbeit steht die Analyse der Funktion dieses „Programms“ im Demokratisierungsprozess.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Auf der Grundlage von öffentlichen, offiziellen, normativen und professionsbezogenen Quellen werden einerseits ideengeschichtlich und andererseits akteurzentriert die Programmatik des Zusammenhangs zwischen Demokratie und Schule sowie der Umgang der sozialen Akteure mit dieser Programmatik untersucht. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Geschichte von Demokratisierungsprozessen und zur Analyse der Rolle der Bildungspolitik in diesen Prozessen.

Direct link to Lay Summary Last update: 06.10.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
L’Etat et l’autorité scolaire au Costa Rica entre 1872 et 1906.
Helfenberger Marianne, L’Etat et l’autorité scolaire au Costa Rica entre 1872 et 1906., in Guereña J.- L. (ed.).

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Marcelo Caruso, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Erziehungswissenschaften Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales (FLACSO) Argentina (South America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Centro de Investigaciones Históricas de América Central, Universidad de Costa Rica Costa Rica (South America)
- Publication
- Research Infrastructure
- Exchange of personnel

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
EDUCATION IN A GLOBALIZING WORLD: HISTORICAL PERSPECTIVES AND CONTEMPORARY CHALLENGES, Talk given at a conference Costa Rican civic education textbooks and their Swiss and French models at the end of the 19th century. 15.03.2018 Lausanne, Switzerland Helfenberger Marianne;
XIII CIHELA Talk given at a conference Arquitectura escolar, estado-nación y ciudadano. Transferencia cultural entre Costa Rica y Suiza a principios del siglo XX. 28.02.2018 Montevideo, Uruguay Helfenberger Marianne;
ISCHE 2017 Talk given at a conference Independencia, emancipación y escuela en Costa Rica (1821-1871). 19.07.2017 Buenos Aires, Argentina Helfenberger Marianne;
School knowledge systems in the course of time (19th and 20th centuries) – Curricula, subjects, syllabi and schoolbooks. Symposium Wissensordnung und Wissenspolitik zwischen Alter Ordnung und Demokratie Talk given at a conference Die Konstituierung der schulischen Wissensordnung in Costa Rica | Schulfächer und Curriculum 1886–1900. 03.02.2017 Zürich, Switzerland Helfenberger Marianne;
SGBF Kongress 2016 . Wo endet die Schule? Transformation und 7 Verschiebung der Bildungsgrenzen, Talk given at a conference Educational and Scientific Knowledge Transfer between Costa Rica and Switzerland in the Last Third of the 19th Century. 30.06.2016 Lausanne, Switzerland Helfenberger Marianne;
International Standing Conference of the History of Education, ISCHE 2015 Talk given at a conference Persistent Christian culture wihtin educational systems in different forms of democracy at the turn of the 20th Century 25.06.2015 Istanbul, Turkey Helfenberger Marianne;
Doktoranden-Kolloquium Lehrstuhl Historische Bildungsforschung und Steuerung im Bildungssystem Talk given at a conference Schule als Demokratisierungsfaktor in Costa Rica (1882-1949) 04.11.2014 Zürich, Switzerland Helfenberger Marianne;
Jornadas del Centro de Investigaciones Históricas de Centro América (CIHAC) Talk given at a conference Poder politico y espacios de poder - autoridad y escuela en Costa Rica 24.04.2014 San José, Costa Rica Helfenberger Marianne;
Aporte a la mesa redonda „Poder Político y Espacios de Poder“. Talk given at a conference Las revistas pedagógicas de Costa Rica de 1872 a 1943 y el concepto de democracia. 23.04.2014 San José, Costa Rica Helfenberger Marianne;
Kolloquium Lehrstuhl Historische Bildungsforschung der Humboldt-Universität zu Berlin Talk given at a conference Zum Verhältnis von Demokratie und Schule im Spiegel der pädagogischen Zeitschriften in Costa Rica von 1872-1943 14.02.2014 Berlin, Germany Helfenberger Marianne;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
113848 Internationale Reformpädagogik: Konzepte, Internationalisierung und (Dis)- Kontinuitäten der Escola Nova 01.04.2007 Project funding (special)

Abstract

Nach der historischen Erfahrung westeuropäischer Staaten und der USA, in denen die Entwicklung der Demokratie diskursiv in engen Zusammenhang mit dem Ausbau eines funktionierenden Schulsystems gebracht wurde, wird heute bei der Einleitung von Demokratisierungsprozessen weltweit auf Schule als Demokratisierungsfaktor gesetzt. Wie Demokratie und Schule in einer spezifischen historisch-diskursiven Entwicklung verknüpft werden, welche Akteure mit welchen Programmen dabei wirksam werden, welche Konstellationen sich dabei herausbilden, soll hier an einem nicht industrialisierten Land untersucht werden: Costa Rica. Für Costa Rica wird der Zusammenhang zwischen Demokratie und Schule sowohl in der Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung besonders hervorgehoben. Das Land gilt als eine der stabilsten Demokratien Lateinamerikas. Die Überzeugung, mit einem entwickelten Schulsystem die Demokratie sichern und umgekehrt durch den Staat ein starkes Schulsystem aufbauen und erhalten zu können, ist heute im Selbstbewusstsein der costaricanischen Bevölkerung tief verankert und prägt auch das Bild, das nach aussen vermittelt wird.Der entsprechende Demokratisierungsprozess erfuhr in Costa Rica jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die für den Durchbruch nötige Beschleunigung. Doch es ist kaum bekannt, wie diese Überzeugung, dieses ‚Programm‘ entstanden ist, wer seine Träger und auch seine Gegner waren, in welchen Konstellationen sie einander gegenüber standen und welche Funktion dieses insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts öffentlich wirksame ‚Programm‘ im Demokratisierungsprozess Costa Ricas erfüllte. Die bisherige Historiographie hat diesen Zusammenhang eher tradiert als erklärt und trägt der Bedeutung des historischen Wandels dieses Zusammenhangs nicht Rechnung: Mit der Verfassung von 1949 wurden nicht nur die Institutionen festgelegt, die für eine funktionierende Demokratie erforderlich sind (Gewaltenteilung, autonome Wahlbehörde etc.) und das Bildungssystem weiter ausgebaut, sondern auch die Armee (vordergründig zugunsten des Bildungs- und Sozialwesens) abgeschafft. Damit wurde die bereits 1871 vom General und Diktator - zunächst wider alle empirische Evidenz - verbreitete Behauptung, in Costa Rica gäbe es mehr Lehrer als Soldaten, Realität. Diese und ähnliche Entwicklungen unterstützten die seit der Unabhängigkeit gepflegte Betonung der „costaricanischen Besonderheit“ - ein Konstrukt, das unter anderem wegen des Bekenntnisses zur Neutralität und zur Demokratie in noch heute wirksamen Slogans wie „Costa Rica, die Schweiz der Tropen“ oder „Schweiz Mittelameri¬kas“ seinen Ausdruck findet (Acuña 2002).Unabhängig von den Schlagworten, die mit diesem Slogan verbunden sind, verfügen die Schweiz und Costa Rica über lange Traditionen einer stabilen Demokratie und einer starken Schule. Aber in der Schweiz werden diese Errungenschaften dem Föderalismus und in Costa Rica dem Zentralismus zugeschrieben. Offensichtlich können eine starke Demokratie und eine starke Schule auf unterschiedlichem Weg zustande kommen, während die Programmatik des Zusammenhangs zwischen Demokratie und Schule eine gewisse Kontinuität aufweist.In der vorgesehenen Untersuchung soll daher die folgende Frage beantwortet werden: Wie, durch wen und warum wird der Zusammenhang zwischen Demokratie und Schule in Costa Rica in der Phase des Auf- und Ausbaus der Demokratie zwischen 1882 und 1949 von den zeitgenössischen Akteuren konstruiert? Für die Beantwortung der Fragestellung ist einerseits ein ideengeschichtlicher Zugang sinnvoll, zumal der Zusammenhang zwischen Demokratie und Schule konzeptuell, programmatisch und diskursiv definiert sein kann, andererseits ist der Ansatz des akteurzentrierten Institutionalismus als Heuristik geeignet, um den Umgang der Akteure mit der Programmatik von Demokratie und Schule und die institutionellen Veränderungen, die zur Stabilisierung der Demokratie und zum Ausbau des Schulsystems führten, zu untersuchen. Das Quellenkorpus umfasst offizielle Dokumente des Bildungsministeriums, der Legislative, die relevanten Gesetze, Periodika, Kleindruckschriften politischer Parteien und programmatische Schriften der Akteure. Unabhängig von aktuellen politischen Perspektiven und über den spezifischen Fall Costa Rica hinaus soll die Untersuchung einen Beitrag dazu leisten, die Zusammenhänge zwischen Demokratisierungsprozessen und Bildungspolitik besser zu verstehen. Angesichts der weltweiten Auseinandersetzungen mit Demokratie und der Tatsache, dass Demokratie als Staatsform nach wie vor als anzustrebendes Ideal gilt, dürften die Ergebnisse dieser Untersuchung von allgemeinem Interesse sein. Ferner soll die Untersuchung eine Grundlage schaffen, um darauf aufbauend in anschliessenden Untersuchungen die Entwicklung des Zusammenhanges von Demokratie und Schulsystem in unterschiedlichen Ländern zu vergleichen und Internationalisierungsprozesse in den Zusammenhängen von Schule und Demokratie zu untersuchen.
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