Projekt

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Der «Schweizer Holzstil» - Von der historischen Bauforschung zum industriellen Muster

Titel Englisch "Swiss Style" - From Historical Building Surveys to Industrial Patterns
Gesuchsteller/in Hassler Uta Elisabeth
Nummer 147238
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Institut für Denkmalpflege und Bauforschung ETH Zürich
Hochschule ETH Zürich - ETHZ
Hauptdisziplin Architektur, Urbanistik
Beginn/Ende 01.05.2013 - 30.04.2016
Bewilligter Betrag 289'878.00
Alle Daten anzeigen

Alle Disziplinen (3)

Disziplin
Architektur, Urbanistik
Schweizer Geschichte
Kunstgeschichte

Keywords (5)

building history; history of science; Swiss Style; historical timber constructions; construction history

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Durch die Forschungen Ernst Gladbachs im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Schweizer Holzstil vorbildhaft für idealisierte historische Architekturmuster und langfristig prägend für industriell produzierte Tourismusarchitektur.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Trotz vieler Einzelstudien fehlt eine Gesamtschau und Würdigung des «Schweizer Holzstils». Mit dem Projekt soll erstmals zusammenhängend der bedeutende Beitrag der Schweizer Akteure – von Bauforschern, Architekten und Chaletfabriken – zum international rezipierten «Schweizer Holzstil» und zu den neuen industriellen Herstellungsweisen im Holzbau des Historismus untersucht werden. Das Projekt analysiert Wege der Etablierung neuer polytechnischer Wissensbestände in Architektur und Bautechnik und die gleichzeitige Verdrängung traditioneller handwerklicher Wissensformen. Die Analyse der idealtypischen Adaptions- und Rezeptionsprozesse historischer Holzbauten ermöglicht einen exemplarischen Blick auf die Formierung architektonischer Chiffren im Historismus – die bislang nicht im Zentrum der architekturgeschichtlichen Forschung stehenden Fragen des Übergangs von handwerklichen Bautraditionen zu «industrieller Folklore» erscheinen hier zentral für eine Neubewertung.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Durch seinen wissensgeschichtlichen Ansatz integriert das Projekt bau-, technik-, begriffs- und sozialgeschichtliche Aspekte und beleuchtet erstmals den Schweizer Holzstil nicht mehr nur als architekturgeschichtliches Phänomen. Es leistet somit auch einen wichtigen Beitrag für das Selbstverständnis der Schweiz.


Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 04.04.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Der Lehrbuchdiskurs über das Bauen
Der Lehrbuchdiskurs über das Bauen, (2015), Der Lehrbuchdiskurs über das Bauen.
Vom forschenden Künstler. Ernst Gladbach (1812-1896) und die Erforschung und Vermittlung der Schweizer Holzbautradition
(2015), Vom forschenden Künstler. Ernst Gladbach (1812-1896) und die Erforschung und Vermittlung der Schweizer Holzbautradition, 184-200.
Aus der Entwicklungsgeschichte des Bauplans. Wissenstransfer, Demonstration einer Bauidee oder Anleitung zum Bauen?
(2013), Aus der Entwicklungsgeschichte des Bauplans. Wissenstransfer, Demonstration einer Bauidee oder Anleitung zum Bauen?, 24-33.
On the development of the building plan. Knowledge transfer, demonstration of ideas, or instructions for building?
(2013), On the development of the building plan. Knowledge transfer, demonstration of ideas, or instructions for building?, 284-293.
Schweizer Holzbautradition. Ernst Gladbachs Konstruktion eines ländlichen Nationalstils
, Schweizer Holzbautradition. Ernst Gladbachs Konstruktion eines ländlichen Nationalstils.
Zur Konstruktion heimatlicher Idealbilder. Dörfli-Ansichten als Vorläufer der Reformarchitektur
, Zur Konstruktion heimatlicher Idealbilder. Dörfli-Ansichten als Vorläufer der Reformarchitektur.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Formen der Zusammenarbeit
Prof. Dr. Manfred Schuller, TU München, Institut für Baugeschichte, Kunstgeschichte u. Restaurierung Deutschland (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Dr. Martin Bachmann, Deutsches Archäologisches Institut, Abteilung Istanbul Türkei (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten

Wissenschaftliche Veranstaltungen



Selber organisiert

Titel Datum Ort
Ringvorlesung: Die grossen Hölzer 19.09.2013 Zürich, Schweiz

Abstract

Das Projekt zum «Schweizer Holzstil» zielt auf eine neue Analyse der bislang nur disziplinär untersuchten Entwicklungs- und Forschungsgeschichte, der Rezeption und industriellen Adaption der Schweizer Holzbautradition: von den Überblickswerken des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis hin zu den Übernahmen mit den «Chalet Suisse» und späteren Weiterführungen im Heimat- und Landistil. Die von Bauforschern des 19. Jahrhunderts geprägte Bezeichnung für historische Schweizer Holzarchitektur reflektiert baugeschichtliche Kategorien für regionale Traditionen. Durch die Arbeiten des ETH-Professors Ernst Gladbach wird der Begriff «Schweizer Holzstil» vorbildhaft für idealisierte «historistische Architekturmuster» und beispielgebend für industriell hergestellte Tourismusarchitektur, Zeitgenossen wie Carl Adolf von Graffenried, Ludwig Rudolf Stürler, Jakob Hochstetter, Amédée und Eugène Varin publizieren wichtige Vorlagenwerke. Trotz vieler Einzelstudien fehlt eine Gesamtschau und Würdigung des «Schweizer Holzstils», zu zentralen Einzelkomplexen bestehen grössere Forschungslücken. Im Kontext der sich formierenden polytechnischen Wissenschaften im 19. Jahrhundert kann für dieses Forschungsfeld exemplarisch die gegenseitige Abhängigkeit von Inventar und Wissen über die Geschichte, Anwendung in der Lehre und für die Praxis der Konstruktions- und Industrialisierungsgeschichte untersucht werden; die Transformationen des «Schweizer Holzstils» im Historismus und spätere Heimat- und Regionalbautraditionen sind bislang kaum Thema der Baugeschichte, letztere bilden aber einen wesentlichen Bereich anonymer Bautraditionen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Das beantragte Teilprojekt konzentriert sich auf folgende Untersuchungsfelder:- Begriffsgeschichte: Zur begrifflichen Konstituierung eines «Schweizer Nationalstils»;- Geschichte und Methodenentwicklung der (polytechnischen) Bauforschung zu histori-schen Holzbauten, auch im Vergleich zur zeitgenössischen Forschung zu Steinbauten;- Rezeption und Bedeutung der Forschungsergebnisse zum «Schweizer Holzstil» für die Adaption von «Schweizerhäuschen» in der internationalen Architektur und Bautechnik des Historismus.Neben den Schriftquellen stützt sich die Untersuchung auf Analysen gebauter Objekte (auch im Blick auf ihre Idealisierung durch die Forscher des 19. Jahrhunderts und auf die Veränderungsgeschichte der Objekte). Bislang gültige Forschungsauffassungen zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte werden über die Wirkungsgeschichte der akademischen Vorgaben kritisch befragt (Lehrbücher, Vorlagenwerke, Ausbildungstraditionen von Akademikern und Handwerkern). Mit dem Gesamtprojekt soll erstmals zusammenhängend der bedeutende Beitrag der Schweizer Akteure - von Bauforschern, Architekten und Chaletfabriken - zum international rezipierten «Schweizer Holzstil» und zu den neuen industriellen Herstellungsweisen im Holzbau des Historismus untersucht werden. Das Projekt analysiert Wege der Etablierung neuer polytechnischer Wissensbestände in Architektur und Bautechnik und die gleichzeitige Verdrängung traditioneller handwerklicher Wissensformen. Die Analyse der idealtypischen Adaptions- und Rezeptionsprozesse historischer Holzbauten ermöglicht einen exemplarischen Blick auf die Formierung architektonischer Chiffren im Historismus - die bislang nicht im Zentrum der architekturgeschichtlichen Forschung stehenden Fragen des Übergangs von handwerklichen Bautraditionen zu «industrieller Folklore» erscheinen hier zentral für eine Neubewertung, in die bautechnikgeschichtliche und wirtschaftsgeschichtliche Analysen einfliessen.
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