Projekt

Zurück zur Übersicht

Othering und Selbstaffirmierung in der europäischen Musikgeschichte: Das 'Wilde' und das 'Weibliche' in der Musik

Gesuchsteller/in Schmidt Matthias
Nummer 147021
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Musikwissenschaftliches Seminar Universität Basel
Hochschule Universität Basel - BS
Hauptdisziplin Musikologie
Beginn/Ende 01.07.2013 - 31.01.2017
Bewilligter Betrag 323'272.00
Alle Daten anzeigen

Keywords (7)

cultural representation of gender and race, enlightenment, musical primitivism, music historiography and colonialism, European identity politics, culture and nature, music aesthetics in a global perspective

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Thema des Projektes ist die Analogie des ‹Wilden› und des ‹Weiblichen› sowie auch des ‹Kindlichen› in musikästhetischen Diskursen an den historischen Schnittstellen, die das ‹langen 19. Jahrhundert› begrenzen. Ziel ist es, die bereits von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno festgestellte Bedeutung dieser Analogie für die Konstituierung des europäischen Subjektes in ihrer musikhistorischen und musikästhetischen Dimension zu untersuchen.
Lay summary

Im Anschluss an die Schriften Jean-Jacques Rousseaus und Johann Gottfried Herders wurden vom Sturm und Drang über die Empfindsamkeit bis zur Frühromantik ästhetische Konzepte wirksam, die sich an der Idee der ‹Natürlichkeit›, dem ‹natürlichen Sprechen› und der Vorstellung einer unmittelbaren und körperlichen Ausdruckskraft orientierten. Diese Charakteristika, die auch den Mythos der Instrumentalmusik deutscher Prägung als national nicht markierter Universalmusik bestimmten, wurden im selben Zeitraum sowohl den Frauen, den Kindern als auch den ‹wilden Völkern› zugeschrieben. Zeitgleich entstanden mediale Konzepte, die dieses ‹Wilde/Weibliche› der Kontrolle unterwarfen: die Repräsentation von Musik durch die Schrift, die Idee des musikalischen Originalgenies sowie der Gedanke des musikalischen Fortschritts. Zu Beginn der Moderne um den Wechsel zum 20. Jahrhundert wurden diese um 1800 virulenten Diskurse erneut wirksam: in der Projektion ‹unvermittelter Ausdruckskraft› auf die kolonialisierten Kulturen im Primitivismus ebenso wie in historiographischen Entwürfen, die versuchten musikgeschichtliche Entwicklungen als völkerpsychologische Notwendigkeiten zu deuten, sowie in dem sich in dieser Zeit etablierenden Wissenssystem der jungen akademischen Disziplin der Musikwissenschaft. Das Projekt will diese Diskurse im Blick auf die darin virulenten Kategorien Gender, Ethnizität und Klasse untersuchen und auf die verwandten Diskurse ‹um 1800› rückbeziehen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Methodisch integriert das Projekt historiographische, musiktheoretische, und -ästhetische sowie ethnographische und körperhistorische Quellen. Es zielt darauf, die in den Gender Studies in den letzten Jahren unternommenen Forschungen zur Verschränkung der Kategorien Gender, Ethnizität und Klasse im Hinblick auf die gesellschaftlichen Repräsentations- und Wissenssysteme in historischer Perspektive für die Musikwissenschaft fruchtbar zu machen.

 

 

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 13.06.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
Werk und Werkverzeichnis im digitalen Medium als "translatio memoriae" – zur Notwendigkeit von Kritik
Bartsch Cornelia (2016), Werk und Werkverzeichnis im digitalen Medium als "translatio memoriae" – zur Notwendigkeit von Kritik, in Borchard Beatrix, Back Regina Treydte Elisabeth (ed.), Musik(vermittlung) und Gender(forschung) im Internet. Perspektiven einer anderen Musikgeschichtsschr, Olms, Hildesheim, 117-145.
"Pultvirtuose" und "Lady of the bâton". Vergeschlechtlichte Körperbilder des Dirigierens
Bartsch Cornelia (2015), "Pultvirtuose" und "Lady of the bâton". Vergeschlechtlichte Körperbilder des Dirigierens, in Stollberg Arne, Weißenfeld Jana, Besthorn Florian Henri (ed.), DirigentenBilder. Musikalische Gesten - verkörperte Musik, Schwabe, Zürich, 311-345.
Reflexionen über Musikkritik und Gender
Bartsch Cornelia (2015), Reflexionen über Musikkritik und Gender, in Trümpi Fritz, Obert Simon (ed.), Musiklritik. Historische Zugänge und systematische Perspektiven, Mille Tre, Wien, 59-87.
Cyclic Organisation, Narrtive and Self-Construction in Ethel Smyth’s "Lieder und Balladen" op. 3 and "Lieder" op. 4
Bartsch Cornelia (2015), Cyclic Organisation, Narrtive and Self-Construction in Ethel Smyth’s "Lieder und Balladen" op. 3 and "Lieder" op. 4, in Kenny Aisling, Wollenberg Susan (ed.), Women and the Nineteenth-Century Lied, Ashgate, Farnham, 177-215.
"Bis endlich das Weib vor Weh vergeht…" – Geschlechtererzählungen des jungen Anton Webern“
Bartsch Cornelia (2015), "Bis endlich das Weib vor Weh vergeht…" – Geschlechtererzählungen des jungen Anton Webern“, in Ahrend Thomas, Matthias Schmidt (ed.), Der junge Webern, Bd. 2, Lafite, Wien, 169-197.
(Anti)Primitivismus? – Ethel Smyths "große Fuge"
Bartsch Cornelia (2014), (Anti)Primitivismus? – Ethel Smyths "große Fuge", in Musiktheorie. Zeitschhrift für Musikwissenschaft, 29(4), 317-332.
Grenzfiguren: Das Wilde, Weibliche und Kindliche als das Eigene Andere der Musik/Ästhetik (MusikTheorie - Zeitschrift für Musikwissenschaft 4/2014) 29/4)
Bartsch Cornelia (ed.) (2017), Grenzfiguren: Das Wilde, Weibliche und Kindliche als das Eigene Andere der Musik/Ästhetik (MusikTheorie - Zeitschrift für Musikwissenschaft 4/2014) 29/4), Laaber, Laaber.
Geste und Geschlecht in Arnold Schönbergs Musikdrama "Die glückliche Hand" op. 18
Bartsch Cornelia (2017), Geste und Geschlecht in Arnold Schönbergs Musikdrama "Die glückliche Hand" op. 18, in Musiktheorie, Zeitschrift für Musikwissenschaft, 32(1), 59-71.
O Ábre Álas! Chiquinha Gonzaga und der brasilianische Karneval
Bartsch Cornelia (2017), O Ábre Álas! Chiquinha Gonzaga und der brasilianische Karneval, in Butte Maren, Larue Dominic, Mungen Anno (ed.), Feiern - Singen - Schunkeln. Karnevalsaufführungen vom Mittelalter bis heute, Königshausen & Neumann, Würzburg, 171-199.
"Grenzfiguren": Geschlecht, Ethnizität und Subjekt in der deutschen Musikwissenschaft und -ästhetik. 1800 . 1900
Bartsch Cornelia (accepted), "Grenzfiguren": Geschlecht, Ethnizität und Subjekt in der deutschen Musikwissenschaft und -ästhetik. 1800 . 1900, in Bartsch Cornelia Sweers Britta (ed.), Grenzgänge – Gender, Ethnizität und Klasse als Wissenskategorien der Musikwissenschaften, Olms, Hildesheim, 19-42.
Grenzgänge – Gender, Ethnizität und Klasse als Wissenskategorien der Musikwissenschaft
Bartsch Cornelia (ed.), Grenzgänge – Gender, Ethnizität und Klasse als Wissenskategorien der Musikwissenschaft, Olms, Hildesheim.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Felder der Zusammenarbeit
MUGI - Musik und Gender im Internet, Hochschule für Musik und Theater Hamburg (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
- Forschungsinfrastrukturen
- Austausch von Mitarbeitern
Gesellschaft für Musikforschung, Fachgruppe Frauen- und Genderforschung (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
- Forschungsinfrastrukturen
- Austausch von Mitarbeitern
Paul Sacher Stiftung Basel (Europa)
- Publikation
- Forschungsinfrastrukturen
Kunstuniversität Graz, Zentrum für Genderforschung (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
- Austausch von Mitarbeitern
ICTM Study Group Music and Gender (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Hochschule Luzern, Department Musik (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
- Forschungsinfrastrukturen
- Austausch von Mitarbeitern
Zentrum Gender Studies der Universität Basel (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
- Austausch von Mitarbeitern
fmg - Forschungszentrum Musik und Gender, Hochschule für Musik und Tanz Hannover (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Publikation
- Forschungsinfrastrukturen

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Because it's 2016! Challenging Inclusion and Exclusion at Swiss Art Schools (Final Symposion of the international Research Project: Art. School. Difference) Vortrag im Rahmen einer Tagung Mothertones, Raw Gestures, and the Dispositive of Absolute Music – a DeǀConstruction (Key Note) 11.11.2016 Zürcher Hochschule der Künste, Zürich, Schweiz Bartsch Cornelia
Gender, Performance, Activism: Transcultural Conversations Vortrag im Rahmen einer Tagung Gesture– body– sonography: intersections between gender, ethnicity and class in phono and cinematographic phantasies in Europe 1800–1900 13.07.2016 University of Bern, Schweiz Bartsch Cornelia
Komponisten dirigieren Vortrag im Rahmen einer Tagung Ethel Smyth dirigiert 13.05.2016 Hochschule für Musik Franz Liszt, Weimar / Institut für Musikwissenschaft Weimar/Jena, Deutschland Bartsch Cornelia
The European Salon: 19th century salon-music Vortrag im Rahmen einer Tagung Music and the "Power of Conversation": Beethoven in the Salon 02.10.2015 National University of Ireland, Maynooth, Irland Bartsch Cornelia
Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Vortrag im Rahmen einer Tagung Gender und Ethnizität als Wissenskategorien der Musikwissenschaft 17.09.2014 Greifswald, Deutschland Bartsch Cornelia
Music, Gender & Difference Vortrag im Rahmen einer Tagung Ein historisches Faktum, (...) das man mit fragwürdigen Gesangsleistungen farbiger Weiber nicht über den Haufen rennt” – zur Bedeutung der Kategorien Gender, Race und Class in der Wissensorganisation der akademischen Musikforschung 10.10.2013 Vienna, MdW, Oesterreich Bartsch Cornelia


Selber organisiert

Titel Datum Ort
Musik – Körper – (ohne?) Geschlecht. Symposion der Fachgruppe Frauen- und Genderstudien im Rahmen des XVI. Internationalen Kongresses der Gesellschaft für Musikforschung 2016 16.09.2016 Mainz, Deutschland
Themenoffene Arbeitstagung der Fachgruppe Frauen- und Genderstudien der Gesellschaft für Musikforschung 01.04.2016 Hochschule für Musik und Tanz Köln, Deutschland

Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Frauen und Kunst (Vortragsreihe der Kunstgesellschaft Thun) Vortrag 27.10.2015 Thun, Schweiz
Uninacht Vortrag 18.09.2015 Basel, Schweiz
Musikräume Berlin - Wien (kuratiertes und moderiertes Konzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Raum für Fanny Hensel") Performances, Ausstellungen (z.B. für Bildungsinstitute) 14.11.2014 Vienna, Oesterreich
Ausstellung: Ethel Smyth - Leben und Wirken. Vortrag/Interview im Rahmen der Vernissage Vortrag 06.02.2014 Luzern, Kunst- und KulturZentrum Littau-Luzern, Schweiz
Ringvorlesung MGG (Musikgeschichte goes Gender) Vortrag 07.10.2013 Hamburg, Deutschland


Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Medienarbeit: Radio, Fernsehen Ethel Smyth "The Boatswain's Mate". Oper, Symposion, Austellung in Luzern SRF 3 Deutschschweiz International 2014

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
139063 Hörbare Gebärden. Der Körper in der Musik 01.08.2012 SNF-Förderungsprofessuren

Abstract

Thema des Projektes ist die Analogie des ‹Wilden› und des ‹Weiblichen› sowie auch des ‹Kindlichen› in musikästhetischen Diskursen an den historischen Schnittstellen, die das ‚lange 19. Jahrhundert‘ begrenzen. Ziel ist es, die bereits von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno festgestellte Bedeutung dieser Analogie für die Konstituierung des europäischen Subjektes in ihrer musikhistorischen und musikästhetischen Dimension zu untersuchen. Methodisch integriert das Projekt historiographische, musiktheoretische, und -ästhetische sowie ethnographische und körperhistorische Quellen. Es zielt darauf, die in den Gender Studies in den letzten Jahren unternommenen Forschungen zur Verschränkung der Kategorien Gender, Ethnizität und Klasse im Hinblick auf die gesellschaftlichen Repräsentations- und Wissenssysteme in historischer Perspektive für die Musikwissenschaft fruchtbar zu machen. engl.: The project focusses on the analogy of the ‹savage› and the ‹feminine› as well as the ‹childish› in music aesthetic discourse at the thresholds of the ‹long nineteenth century›. It investigates the significance of this analogy for the constitution of the European subject – as already emphasized by Max Horkheimer and Theodor W. Adorno – with respect to music history and music aesthetics. Methodologically, the research integrates historiographical, music theoretical, - aesthetical, as well as ethnographic sources. The project aims at exploring the intersection of the categories gender, race, and class in view of societal systems of representation and knowledge for musicology in a historical perspective as it has been focused on in gender studies during the last decade.