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Verwissenschaftlichte Religionskonzepte und die 'Religionisierung' in Wissenschaft und Gesellschaft im 20. Jahrhundert

English title Scientific Concepts of Religion and the 'Religionisation' in Science and Society in the 20th Century
Applicant Mohn Jürgen
Number 146782
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologische Fakultät Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.04.2013 - 31.03.2016
Approved amount 167'735.00
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Keywords (6)

Religion; Sociology of Religion; Comparative Science of Religion; History of Science; History of Discourses; Psychology of Religion

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt untersucht die Rückwirkung von verwissenschaftlichten Religionskonzepten als ‚Religionisierungen‘ auf gesellschaftliche Religionsdiskurse und fokussiert diese auf Schwellenerzählungen des 20. Jahrhunderts. Schwellen wie 1914, 1945, 1989 oder die Debatte über die ‚Wiederkehr der Religion‘ können so als zeitpolitische Meistererzählungen in ihrer religiösen Wirkungsweise analysiert werden.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Auf der Basis der im Ausgangsprojekt gewonnenen Erkenntnisse soll im Folgeprojekt der Zeitraum der Untersuchung ins 20. Jahrhundert ausgedehnt werden. Dabei sollen die bereits herausgearbeiteten historiographischen Perspektiven überprüft werden. Zielsetzung ist es, die diskurs- und konstellationsgeschichtlichen Ansätze auch für das Verständnis öffentlicher Religionsdebatten zu evaluieren, um die Relevanz der Religionskonzepte gesellschaftsdiagnostisch aufzuzeigen. Der Fokus liegt dabei auf den ‚Religionisierungen‘ der verwissenschaftlichten Religionskonzepten: jenen Prozessen, in denen (1.) (selbstverstanden) religiöse Anliegen zu Anliegen der Wissenschaft erhoben wurden, (2.) Domänen wie Politik, Recht und Literatur auf der Basis solcher Religionskonzepte in den Bereich der Religion hineinreichend gestaltet wurden und (3.) Mischformen ‚wissenschaftlicher Religion‘ und ‚religiöser Wissenschaft‘ entstanden. An der Schnittstelle von Politik, Gesellschaftswissenschaften und Religionsforschung werden postulierte historiographische Brüche als konstruierte ‚Schwellenerzählungen‘ analysiert, um die Reichweite und Konsequenzen zeitordnender und damit weltanschauungsproduktiver Religionsforschung zu erfassen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Diskurs- und konstellationsgeschichtliche Ansätze werden mit wissenssoziologischen Ansätzen in Verbindung gebracht, um so genealogisch zu fragen, wie religiös begründete Argumentationen in der Wissenschaft in Anschlag gebracht werden. Damit soll eine Forschungslücke in der Wissenschaftsgeschichte der Religionsforschung geschlossen werden.

Keywords

History of Science, Religion, History of Discourses, Sociology of Religion, Comparative Study of Religion

Direct link to Lay Summary Last update: 08.04.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Religion in der neuen Zeit. Konflikte im Epochenwandel.
Atwood David (2013), Religion in der neuen Zeit. Konflikte im Epochenwandel., in Antes Peter, Führding Steffen, Neumaier Anna (ed.), VR unipress, Hannover, 75-90.
Preconditions of the Post-Theoretical. Periodizing in the Study of Religion
Atwood David, Preconditions of the Post-Theoretical. Periodizing in the Study of Religion, in Bulletin for the Study of Religion, 3.
Zur Politik des Ursprungs. Die Religionsgeschichte der Achsenzeit im 20. Jahrhundert
Atwood DAvid, Zur Politik des Ursprungs. Die Religionsgeschichte der Achsenzeit im 20. Jahrhundert, in Zeitschrift für Diskursforschung, 1.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Wissenschaftsforschung Basel, Prof. Dr. Sabine Maasen Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
- Exchange of personnel
Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik ZRWP Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Georg Pfleiderer Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
On Revolutions, Paradigms and Other Liminal Narratives Talk given at a conference Epochel Thresholds Revisited? The Axial Age and the Contribution of Historiography to European Religious Identities 26.08.2015 Erfurt, Germany Atwood David;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
129891 Religionskonzepte und deren “Verwissenschaftlichung” in der akademischen Religionsforschung und den benachbarten Diskursen im 19. und frühen 20. Jahrhundert 01.04.2010 Project funding (Div. I-III)
160632 Anormalitätsdiskurse. 'Psychologie' und 'Religion' in der europäischen Religionsgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts 01.05.2016 Publication grants

Abstract

In dem von April 2009 bis März 2013 durch den Schweizerischen Nationalfonds geförderten Forschungsprojekt „Religionskonzepte und deren ‚Verwissenschaftlichung‘ in der akademischen Religionsforschung und den angrenzenden Diskursen im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ wurde die Etablierung der allgemeinen Religionsgeschichte und Religionswissenschaft sowie der Teildisziplinen Religionssoziologie und -psychologie im deutschen, französischen und skandinavischen Sprachraum untersucht. Im Sinne einer transnationalen Konstellationsgeschichte der mit der Institutionalisierung verbundenen Denkräume lag der Fokus dabei auf der Erschliessung bisher vernachlässigter Quellengattungen, welche neue Einblicke in das Zusammenspiel politischer und populärer mit wissenschaftlichen und religiösen Auseinandersetzungen um den Religionsbegriff erlaubten. Dabei konnte gezeigt werden, dass die bisherige Selbsterzählung der Religionswissenschaft, die sich im wesentlichen auf Klassikerschriften konzentriert, eine Dichotomie von Aufklärung und Romantik sowie das kulturprotestantische Erbe betont, Argumentationsstrategien des späten 19. Jahrhunderts bemüht, welche auf die Erfindung einer disziplinären Tradition abzielten. Unsere Analyse ergab demgegenüber, dass erst heterogene gesellschaftliche Tendenzen und politische Bewegungen in der Auseinandersetzung mit dem reduktiven Naturalismus dazu führten, ‚Religion‘ als ein eigenständiges ‚Faktum‘ ins Feld zu führen. Dabei stellte die Etablierung einer methodologisch emanzipierten Religionswissenschaft ein massgebliches politisches Instrument dar, das sowohl von linksliberaler als auch von rechtskonservativer Seite beansprucht wurde. Die ‚generische‘ Verwissenschaftlichungen des Religionskonzepts ist in erster Linie als Qualifizierungen von gegen den Naturalismus in Anschlag gebrachten Leerstellen zu verstehen - also Bereichen, die als jenseits seines methodischen Zugriffs liegend behauptet wurden. Auf der Basis der im Ausgangsprojekt gewonnenen Erkenntnisse soll in dem hier beantragten Folgeprojekt der Zeitraum der Untersuchung ins 20. Jahrhundert bis hin zu ausgesuchten aktuellen Ansätzen und Debatten in der Religionsforschung ausgedehnt werden. Dabei sollen auch die bereits herausgearbeiteten historiographischen Perspektiven überprüft werden. Zielsetzung ist es, diese auch für das Verständnis öffentlicher Religionsdebatten zu evaluieren, um die Relevanz der Religionskonzepte gesellschaftsdiagnostisch aufzuzeigen. Der Fokus liegt dabei auf den ‚Religionisierungen‘ der im 19. Jahrhundert verwissenschaftlichten Religionskonzepten: Also jenen Prozessen, in denen (1.) (selbstverstanden) religiöse Anliegen zu Anliegen der Wissenschaft erhoben wurden, (2.) Domänen wie Politik und Literatur auf der Basis solcher Religionskonzepte in den Bereich der Religion hineinreichend gestaltet wurden und schliesslich (3.) Mischformen ‚wissenschaftlicher Religion‘ und ‚religiöser Wissenschaft‘ entstanden. An der Schnittstelle von Politik, Gesellschaftswissenschaften und Religionsforschung werden postulierte historiographische Brüche als konstruierte ‚Schwellenerzählungen‘ analysiert, um die Reichweite und Konsequenzen zeitordnender und damit weltanschauungsproduktiver Religionsforschung zu erfassen, wobei erneut der deutschsprachige und französische Wissenschaftsraum verglichen wird. Die Analyse zielt auf die narrativen Parameter der Religionskonzepte, mit denen Zeitordnungen zu utopischen und kulturkritischen, aber auch individualpsychologischen Übergangsphasen verdichtet wurden.
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