Project

Back to overview

Fetisch und Wert - Uno Kôzô (1897-1977) und seine Schule im Licht der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie

English title Fetish and Value - Uno Kôzô and his School in Light of the Marxian Critique of Political Economy
Applicant Steineck Raji C.
Number 146246
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Ostasiatisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.04.2013 - 30.04.2016
Approved amount 159'171.00
Show all

Keywords (6)

political economy; Karl Marx; commodity fetishism; Japanese Marxism; labour theory of value; money

Lay Summary (German)

Lead
Der japanische Theoretiker Uno Kozo (1897-1977) gilt als der wirkungsmächtigste marxistische Ökonom der japanischen modernen Geistesgeschichte. Sein Versuch, das Marxsche Kapital auf eine neue theoretische Grundlage zu stellen, hat über Japan hinaus zu einer internationalen Verbreitung seiner Thesen und zur Bildung der sog. „Uno-Schule“ geführt.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Unser Projekt unternimmt die kritische Evaluation von Unos Neukonzeption der Marxschen Ökonomiekritik. Dabei stehen die Methoden- und die Gegenstandskritik der Unoschen Theorie im Zentrum: inwiefern dient die von Uno entwickelte Drei Stufen-Methode - erstens eine Theorie des „reinen Kapitalismus“, zweitens eine historische Betrachtung verschiedener Entwicklungsstufen, drittens die Analyse aktueller Phänomene – tatsächlich einem besserem Verständnis der Charakters kapitalistischer Vergesellschaftung? Auf der Gegenstandsebene unternimmt das Projekt eine Hinterfragung der Unoschen Kritik der Arbeitswertlehre am Anfang des Kapital. Gerade die von Marx entwickelte Fetischtheorie wird bei Uno unterschlagen, weshalb auch die Verdeckungszusammenhänge von Geld, Arbeit und Wert unthematisiert bleiben müssen. Das Projekt möchte zeigen, inwiefern ein tieferes Verständnis dieses Zusammenhangs für ein Verständnis sich täglich reproduzierender Vergesellschaftung unentbehrlich ist.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Allgemein leistet das Projekt einen Beitrag zur modernen japanischen Geistesgeschichte, mit seiner Re-evaluierung der Ökonomietheorie Unos im speziellen jedoch einen Beitrag zur an Marx orientierten internationalen Forschung. Darüberhinaus stellt das Projekt einen Beitrag zur Wiederbelebung einer nicht-reduktionistischen Kapitalismuskritik dar. Das Projekt geht über die Konstatierung der Logik des Kapitalprozesses hinaus und fragt nach den Erkenntnismitteln- und methoden ihrer Bewertung. Dabei dienen philosophische, gesellschafts- sowie ökonomietheoretische Quellen und Methoden der Erforschung des hier problematisierten Zusammenhangs von Gesellschafts- und Erkenntniskritik.

Direct link to Lay Summary Last update: 26.04.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Exchanging without Exploiting. A Critique of Karatani Kōjin's The Structure of World History
Lange Elena Louisa (2015), Exchanging without Exploiting. A Critique of Karatani Kōjin's The Structure of World History, in Historical Materialism, 23(2), 171-200.
Failed Abstraction - The Problem of Uno Kōzō's reading of Marx's theory of the value form
Elena Louisa Lange (2014), Failed Abstraction - The Problem of Uno Kōzō's reading of Marx's theory of the value form, in Historical Materialism, 22(1), 3-33.
Karatani, Kōjin: Auf der Suche nach der Weltrepublik
Lange Elena Louisa (2014), Karatani, Kōjin: Auf der Suche nach der Weltrepublik, in Asiatische Studien/Etudes Asiatiques, 68(1), 413-422.
The Critique of Political Economy and the ''New Dialectic'': Marx, Hegel and the Problem of Christopher J. Arthur's ''Homology Thesis''
Lange Elena Louisa, The Critique of Political Economy and the ''New Dialectic'': Marx, Hegel and the Problem of Christopher J. Arthur's ''Homology Thesis'', in Crisis and Critique, 3(2).
Value without Fetish – Problematizing Uno Kōzō's Reading of the Value Form
Lange Elena Louisa, Value without Fetish – Problematizing Uno Kōzō's Reading of the Value Form, in Liu Joyce and Murthy Viren (ed.), Routledge, London, New York.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
ZHdK Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
UFSP Asien und Europa Ringvorlesung 'Begriffe und Taxonomien' Talk given at a conference Konzepte kritischer Theorie zwischen Japan und Europa 09.11.2015 Zürich, Switzerland Lange Elena Louisa; Steineck Raji C.;
12th Historical Materialism Conference, London Talk given at a conference What's Pure about Theory? Uno Kōzō's Method in Light of Capital 05.11.2015 London, Great Britain and Northern Ireland Lange Elena Louisa;
12th Historical Materialism Conference, London Talk given at a conference Nature: The Shadow of Capital 05.11.2015 London, Great Britain and Northern Ireland Steineck Raji C.;
16. Deutschsprachiger Japanologentag Talk given at a conference Marx ohne Arbeit? - Zur Sozialdemokratisierung des japanischen Marxismus 26.08.2015 München, Germany Lange Elena Louisa;
16. Deutschsprachiger Japanologentag Talk given at a conference Die "Natur" des Kapitals. Japanische Marxisten zur Kritik moderner Naturauffassung 26.08.2015 München, Germany Steineck Raji C.;
Predavanje Centar za Drushtvenu Analizu Individual talk Capital as Automatic Subject and Human Agency 03.04.2015 Belgrad, Serbien Lange Elena Louisa;
Ringvorlesung Kritik der politischen Ökonomie Individual talk Das Kapital als automatisches Subjekt 04.11.2014 Wien, Austria Lange Elena Louisa;
7th International Critical Theory Conference of Rome Talk given at a conference Marx and the Fate of Critical Theory in Japan 08.05.2014 Rom, Italy Lange Elena Louisa;
Workshop in Value Form Individual talk The Problem of Uno Kōzō's Reasing of Marx's Theory of the Value Form 18.11.2013 Tokio, Japan Lange Elena Louisa;
London Historical Materialism Conference Talk given at a conference The Spectre of Japanese Marxism - Uno Kōzō, Karatani Kōjin, and the Problem of Value 07.11.2013 London, Great Britain and Northern Ireland Lange Elena Louisa;


Self-organised

Title Date Place
How to think Capital: Economy, Philology, and Philosophy in the Japanese Reception of the Critique of Political Economy 11.12.2014 Zürich, Switzerland

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Sur le Marxisme Japonais Revue Période International 2015
Media relations: print media, online media Das Kapital von Karl Marx Theorie und Kritik International 2014

Abstract

Die Marx-Rezeption in Japan, insbesondere die Rezeption der Kritik der politischen Ökonomie, bildet eine bedeutende Disziplin zeitgenössischer akademischer Auseinandersetzung und kann als eine der wichtigsten theoretischen Strömungen der modernen japanischen Geistesgeschichte überhaupt angesehen werden. Hierbei gilt der japanische Theoretiker Uno Kôzô heute als einer der wirkungsmächtigsten an Marx orientierten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, blieb jedoch bisher in der deutschsprachigen Japanologie weitgehend unerforscht. Unser Projekt sieht vor, dieses Dezifit zu beheben. Gleichzeitig versucht es, Unos theoretische Grundannahmen und ihre Bedeutung in den aktuellen gesellschaftskritischen Diskussionen zu problematisieren. Hierzu muss beispielhaft das Engagement einer der bekanntesten Linksintellektuellen Japans, Karatani Kôjin (1941-) gezählt werden, der sich für seine gesellschaftsphilosophischen und -politischen Positionen auf Uno bezieht (Karatani 2012).Unos Einfluss auf die marxistisch orientierte Theoriebildung in Japan dürfte sich vornehmlich aus der Wirkung seines Hauptwerks Keizai Genron (Prinzipien der politischen Ökonomie, 1950-1952/1964) erklären. Sein Versuch, alle drei Bände des Marxschen Kapital auf eine neue methodische Grundlage zu stellen und als Gesamtwerk neu zu formulieren, gilt als eines der bis dahin umfassendsten Dokumente einer vollständigen Rekonstruktion der Marxschen Theorie. Zentral für Unos Ansatz sind hierbei zwei wesentliche Elemente. Zum einen sein methodisches Vorgehen: Unos „Drei-Stufen-Theorie“ (sandankairon) zufolge müssten im ersten Schritt die „Grundprinzipien“ (genriron oder keizai genron) der politischen Ökonomie analysiert werden, zweitens solle eine „Stufentheorie“ (dankairon) kapitalistischer historischer Entwicklung die konkreten Manifestationen des Kapitalismus in den Zeitaltern des Merkantilismus, Liberalismus und Imperialismus erklären und drittens eine Analyse der aktuellen Phänomene (genjô bunseki) geleistet werden, welche das eigentliche methodische Ziel der Wissenschaft der politischen Ökonomie sei (Uno 1964: 12-13, 15). Erst so werde die „Logik des Kapitals“ strikt von historischer Empirie befreit und auf eine eigenständige Basis gestellt, während gleichzeitig der Charakterisierung des historischen Kapitalismus in seiner Entwicklung Rechnung getragen werde. Das zweite Spezifikum der Unoschen Theorie betrifft den Gegenstandsbereich: seine Kritik an der Marxschen Arbeitswertlehre (Wertformtheorie/Wertformanalyse) am Anfang des Kapital. So verzeichnet der Aufbau von Keizai Genron das Kernelement der ökonomischen Wissenschaft nicht in der Arbeitswertlehre, sondern in der „Doktrin der Zirkulation“ (ryûtsûron) (Uno 1964: 16). Für Uno ist die Frage nach dem Wert einer Ware und der Entstehung des Geldes, die die Marxsche Wertformtheorie beantworten will, nicht im Zusammenhang mit den bestimmten Arbeits- und Produktionsformen kapitalistisch organisierter Gesellschaften zu erörtern, sondern als Problem der Zirkulation. Diese Umdisposition im Kernbereich der Marxschen Theorie setzt Karatani Kôjin in seinen laufenden Interventionen zur Kapitalismuskritik fort.Das hier vorgestellte Forschungsprojekt möchte als Beitrag zur geistesgeschichtlichen Marx-Forschung in Japan eine Bestandsaufnahme der ökonomischen Theorie Unos leisten, die mit einer Methoden- und Gegenstandskritik im Licht der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie verbunden ist. In bezug auf die Methodenkritik steht hierbei erstens die Hinterfragung des theoretischen Erkenntnisziels der methodischen Neuformulierung der politischen Ökonomie als Wissenschaft in der „Drei-Stufen-Theorie“ im Zentrum. Damit legen wir den Akzent auf die Methodendiskussion zum Kapital, die neue Erkenntnisse aus der internationalen Marx-Forschung, etwa der auch in der japanischen Methodendiskussion einflussreichen Neuen Marx-Lektüre, miteinbezieht. Unserer These zufolge ist der Erkenntnisgewinn der Drei-Stufen-Theorie nicht nur fraglich, sondern unterschlägt das virulente Problem des Verhältnisses von Logik und Historizität der Marxschen Kategorien, indem sie logisch reine und geschichtlich vermittelte Theorieteile unverbunden parallelisiert, ohne den strukturellen Zusammenhang methodisch zu reflektieren.In bezug auf die Gegenstandskritik liegt der Fokus auf Unos Kritik der Wertformtheorie im Zusammenhang des Produktionsprozesses des Kapitals. Hierbei beobachten wir ein aus systematischen Gründen unreflektiertes Missverständnis sowohl des Inhalts als auch der Intention des Marxschen Programms bei Uno. Unserer Interpretation zufolge ist die Wertformtheorie eine Theorie der notwendig fetischisierten Konflation dinglicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge im kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsprozess, die sich in der Geldform manifestiert. Marx' Begriffskritik der politischen Ökonomie kann daher nur als Verdinglichungs- und Fetischkritik begriffen werden, für deren Verständnis erkenntnistheoretische und logisch-begriffliche Reflexionen unabdingbar sind. Uno unterschlägt das für Marx zentrale Fetischismustheorem mit unseres Erachtens weitreichenden Folgen für das Verständnis der Reichweite des Marxschen Programms und der Bedeutung seines eigenen Ansatzes einer „verbesserten“ Analyse der „Bewegungsgesetz[e] der modernen Gesellschaft“ (Marx 2008: 15). Unser Forschungsprojekt geht davon aus, dass Unos Versuch, Marx' angebliche Defizite in bezug auf die Methode und die theoretische Entwicklung des Zusammenhangs der kapitalistischen Gesellschaft durch eine Neukonzeption in Methode und Gegenstand aufzuheben, selbst hinter den Marxschen Absichten und Ausführungen zurückbleibt. Auch im Spiegel der neuen internationalen Forschung zu den methodischen und erkenntniskritischen Elementen der Kritik der politischen Ökonomie muss Unos Vermächtnis relativiert werden. Die kritische Bestandsaufnahme von Unos Theorie dient somit dem doppelten Ziel, eine wichtige Lücke zur Erforschung moderner japanischer Geistesgeschichte im deutschsprachigen Raum zu schliessen, Unos Bedeutung innerhalb der aktuellen gesellschaftskritischen Debatten in und ausserhalb Japans aber auch zu problematisieren. Dadurch hoffen wir, einen wesentlichen Beitrag zur kritischen Reflexion auf Themen, Gegenstände und Methoden im grösseren Rahmen der gegenwärtigen Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung zu leisten.
-