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Literarische Selbstbezüglichkeit in neutestamentlichen Texten (Evangelien und Apokalypse) im Horizont alttestamentlicher und frühjüdischer Überlieferungen

English title Literary Self-Reference in New Testament Texts (Gospels and Apocalypse) in the Context of Biblical and Early Jewish Traditions
Applicant Frey Jörg
Number 143384
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Theologisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.10.2012 - 31.03.2016
Approved amount 270'894.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Religious studies, Theology
Ancient history and Classical studies

Keywords (5)

Autorisierung; Neues Testament; Kanonbildung; Literaturwissenschaft; Antikes Judentum

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Zum Verständnis der abendländischen Kultur sind die Prozesse der Schriftwerdung und Kanonisierung in der frühjüdischen und frühchristlichen Tradition von grundlegender Bedeutung. Die historische Einsicht in diese Prozesse der Schriftwerdung und Kanonisierung als ausgedehnte und differenzierte Rezeptionsprozesse ist in den vergangenen Jahrzehnten durch die Auswertung neuer Quellen (wie der Textfunde vom Toten Meer oder auch frühchristlicher Papyri) erheblich fortgeschritten. Ein dabei eher vernachlässigter Aspekt ist der Sachverhalt, dass zahlreiche der biblischen und frühjüdischen Schriften den Prozess ihrer Schriftwerdung selbst thematisieren und so ihre eigene Legitimierung vorantreiben, so dass in dieser Form der literarischen Selbstbezüglichkeit ein wichtiger Ausgangspunkt weiterer Kanonisierungsprozesse zu sehen ist, auf den die spätere Rezeption dann – positiv oder auch negativ – reagieren kann. Die Untersuchung will diesem Phänomen in neutestamentlichen Texten erstmals systematisch nachgehen und damit einen Beitrag zum Verständnis der Schriftwerdung und zur biblischen Schriftkultur leisten.

Ausgangspunkt sind dabei Phänomene in neutestamentlichen Texten, konkret dem Johannesevangelium und der Johannesapokalypse. Das Johannesevangelium thematisiert sich an seinem Ende in als „Buch“ (Johannes 21,25) und bietet an seinem Anfang eine bewusste Überbietung des Anfangs der Genesis (Johannes 1,1). Die Johannesapokalypse bietet in ihrem Schlusskapitel (Apokalypse 22,18f.; vgl. Deuteronomium 4,2; 13,1) eine Textsicherungsformel, die dieses Buch gleichfalls als Abschluss der Prophetie präsentiert. Diese Phänomene literarischer Selbstbezüglichkeit, mit denen Bücher einen Autoritäts- oder gar ‚Kanonizitäts‘-Anspruch erheben, werden untersucht auf dem Hintergrund solcher Phänomene in der alttestamentlich-frühjüdischen Literatur (Deuteronomium, Jubiläenbuch etc.) und – für das Johannesevangelium wichtig – der älteren Evangelienüberlieferung und der sukzessiven ‚Buchwerdung‘ des Evangeliums.

Methodisch greift die Untersuchung zugleich auf einschlägige Forschungen in anderen Literaturcorpora zurück und verbindet in innovativer Weise literaturwissenschaftliche und bibelwissenschaftliche, historisch-philologische Fragestellungen.

Die Untersuchung verspricht neuere (und der bisherigen Forschung zu wenig beachtete) Aufschlüsse zum Selbstverständnis der behandelten Schriften, eine präzisere Wahrnehmung der Kanonisierungsprozesse, die mit der Selbstreferenzialität einzelner Bücher und ihrer literarisch offen betriebenen Selbstlegitimation beginnen, und schliesslich vertiefte Einblicke in die Schriftkultur der jüdisch-christlichen Welt.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Jeremiah as Hierophant: Jeremiah in Philo of Alexandria
Tóth Franz (2017), Jeremiah as Hierophant: Jeremiah in Philo of Alexandria, in Najman Hindy (ed.), E. J. Brill, Leiden, 443-469.
Das Corpus Johanneum und die Apokalypse des Johannes. Die Johanneslegende, die Probleme der johanneischen Verfasserschaft und die Frage der Pseudonymität der Apokalypse
Frey Jörg (2015), Das Corpus Johanneum und die Apokalypse des Johannes. Die Johanneslegende, die Probleme der johanneischen Verfasserschaft und die Frage der Pseudonymität der Apokalypse, in Alkier Stefan (ed.), Mohr Siebeck, Tübingen, 71-133.
Rez. von: Labahn, M./Karrer, M. (Hrg.), Die Johannesoffenbarung. Ihr Text und ihre Auslegung, ABG 38, Leipzig 2012.
Tóth Franz (2013), Rez. von: Labahn, M./Karrer, M. (Hrg.), Die Johannesoffenbarung. Ihr Text und ihre Auslegung, ABG 38, Leipzig 2012., in Theologische Literaturzeitung, 138 (2013)(10), 1089-1091.
Exodusdiskurse im Matthäusevangelium
Tóth Franz, Exodusdiskurse im Matthäusevangelium, Mohr Siebeck, Tübingen.
Mose im Matthäusevangelium
Tóth Franz, Mose im Matthäusevangelium, in Niederhofer Veronika (ed.), Mohr Siebeck, Tübingen.
Rez. von: Alkier, S./Hieke, T./Nicklas, T. (Hrg.), Poetik und Intertextualität der Johannesapokalypse, WUNT I 346, Tübingen 2015.
Tóth Franz, Rez. von: Alkier, S./Hieke, T./Nicklas, T. (Hrg.), Poetik und Intertextualität der Johannesapokalypse, WUNT I 346, Tübingen 2015., in Theologische Literaturzeitung, 141 (2016).
Rez. von: Townsend, P./Vidas, M. (Hrg.), Revelation, Literature, and Community in Late Antiquity, Texts and Studies in Ancient Judaism 146, Tübingen 2011.
Tóth Franz, Rez. von: Townsend, P./Vidas, M. (Hrg.), Revelation, Literature, and Community in Late Antiquity, Texts and Studies in Ancient Judaism 146, Tübingen 2011., in Theologische Literaturzeitung, 141 (2016).

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
LMU München, PD Dr. Stefan Witetschek Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Yale Divinity School - Prof. Dr. John J. Collins United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Öffentliche Antrittsvorlesung von PD Dr. Franz Tóth Individual talk Konzeptionen von Autorschaft im Neuen Testament – Wie sich die Evangelien selbst autorisieren 04.04.2016 Zürich, Switzerland Tóth Franz; Frey Jörg;
Colloquium Iohanneum: Johanneische Ethik Talk given at a conference Die literarische Selbstbezüglichkeit im Johannesevangelium. Joh 20,30–31 sowie 21,24–25 und die theologische Bedeutung der Selbstreferenzialität im Johannesevangelium 29.01.2015 Münster, Germany Tóth Franz;


Self-organised

Title Date Place
Colloquium Iohanneum: Johanneische Ethik 29.01.2015 Münster, Germany

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
134968 Von den Wächtern zu Adam: Früjüdische Mythen vom Ursprung des Bösen und ihre frühchristliche Rezeption 01.08.2011 Project funding (Div. I-III)
146552 Gemeinschaft mit den Engeln im irdischen Gottesdienst in frühjüdischen und neutestamentlichen Schriften 01.04.2013 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Zum Verständnis der abendländischen Kultur sind die Prozesse der Schriftwerdung und Kanonisierung in der frühjüdischen und frühchristlichen Tradition von grundlegender Bedeutung. Die historische Einsicht in diese Prozesse der Schriftwerdung und Kanonisierung als ausgedehnte, hoch differenzierte Rezeptionsprozesse ist in den vergangenen Jahrzehnten durch die Auswertung neuer Quellen erheblich fortgeschritten. Ein eher vernachlässigter Aspekt ist der Sachverhalt, dass zahlreiche der biblischen und frühjüdischen Schriften den Prozess ihrer Schriftwerdung selbst thematisieren , so dass in dieser Form der literarischen Selbstbezüglichkeit ein wichtiger Ausgangspunkt weiterer Kanonisierungsprozesse zu sehen ist, auf den die spätere Rezeption dann reagieren kann. Die vorgesehene Untersuchung der literarischen Selbstbezüglichkeit in neutestamentlichen Texten (Evangelien und Apokalypse)im Horizont alttestamentlicher und frühjüdischer Texte und Überlierferungen will diesem Phänomen erstmals systematisch nachgehen und damit an repräsentativen Texten einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Schriftwerdung und Kanonbildung und damit zur biblischen Schriftkultur leisten. Methodisch greift sie dabei auf einschlägige Forschungen in anderen Literaturcorpora zurück und verbindet in innovativer Weise literaturwissenschaftliche und bibelwissenschaftliche, historisch-philologische Fragestellungen.
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