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Alban Berg als Erzähler? Eine musikologisch-narratologische Untersuchung am Beispiel seiner in den Jahren 1923 bis 1935 entstandenen Instrumentalwerke

Titel Englisch Alban Berg as a Narrator? A Musicological-Narratological Study of the Instrumental Works composed between 1923 and 1935
Gesuchsteller/in Schmidt Matthias
Nummer 140511
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Musikwissenschaftliches Seminar Universität Basel
Hochschule Universität Basel - BS
Hauptdisziplin Musikologie
Beginn/Ende 01.06.2012 - 31.05.2015
Bewilligter Betrag 156'956.00
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Keywords (6)

Musicology, Music analysis, Violin concerto, Narratology, Lyric Suite, Chamber concerto

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary

Alban Berg als Erzähler? Eine musikologisch-narratologische Untersuchung am Beispiel seiner in den Jahren 1923 bis 1935 entstandenen Instrumentalwerke.

Lay summary

Alban Bergs Musik zeichnet sich durch einen besonderen »Ton« aus, der durch die immense Formenvielfalt seiner Werke und einen meisterhaften Umgang mit musikalischem Material geprägt ist. Nach Theodor W. Adorno liegt in Bergs Musik und ihrem »Formenreichtum« gar eine »Beredtheit« und »integrale Sprachähnlichkeit«[1], die der Komponist durch bewusste Planung erzielte, »die vom ganzen Satz bis in den Stellenwert jedes einzelnen Tones reicht und nichts ausläßt«.[2] Erzählen, als eine spezifische Art von Sprachverwendung, gilt als eine grundlegende kognitive Fähigkeit des Menschen, die es ihm erlaubt, sein Wissen und seine Welterfahrung in Kommunikation zu übersetzen. Auch Musik wird als Kommunikation und damit als »konstituierender Faktor zu einer humanen Lebenswelt«[3] verstanden, als eine lebensnotwendige Form menschlichen Ausdrucks und kultureller Manifestation. Naheliegend ist also der Versuch, Verbindungen zwischen Narrativität und Musik herzustellen, die von der Idee ausgehen, dass Erzählen über alle Zeiten und in allen Kulturen existierte und sich medienübergreifend – also auch in der Musik – entfalten kann.

Das vorliegende Forschungsvorhaben möchte an dieser Schnittstelle mit einer Grundsatzuntersuchung einsetzen und musikalische Narrativität am Beispiel Alban Bergs und seiner in den Jahren 1923 bis 1935 entstandenen Instrumentalwerke, die potentielle Sprachähnlichkeit seiner Musik und seine Rolle als möglichen musikalischen Erzähler diskutieren. Eine Voraussetzung bilden dabei neben Bergs literarischer Bildung sein Sprachgefühl und sein erzählerisches Talent, die sich beispielsweise in seinen Briefen deutlich manifestieren. 

Dabei gilt es, in einem ersten Schritt eine spezifisch musikalische und analytische Vorgehensweise zu entwickeln, die es erlaubt, die Besonderheiten von Musik anhand einer narratologischen Analyse genau zu umreissen und nicht – wie häufig bei musikologisch-narratologischen Untersuchungen – literaturwissenschaftliche und strukturalistisch geprägte Methoden per Analogiebildung auf die Musik zu übertragen.

In einem zweiten Teil sollen anhand der so entwickelten Methoden Bergs Kammerkonzert für Klavier, Geige und 13 Bläser (1923–25), die Lyrische Suite für Streichquartett (1925/26) und das Violinkonzert (1935) narratologisch analysiert werden, um die Werke neu zu kontextualisieren und ihr spezifisch narratologisches Element zu fassen.

Um dies möglichst detailliert zu erreichen und weitere Eigentümlichkeiten des Erzählerischen fest zu machen, soll in einem nächsten Schritt der Blick auf schon vorhandene musikalische Analysen gerichtet werden. Hier geht es darum, zu klären, inwiefern schriftliche Analysen zugleich auch Erzählungen sind, ob und inwiefern der Analytiker zugleich Erzähler ist, und inwiefern narrative Sprachstrategien innerhalb der Texte die öffentliche Wirkung und Interpretationen der Untersuchungen beeinflussen.

Ziel der Arbeit ist es, in der Forschung diskutierte Kontroversen zu Berg – beispielsweise hinsichtlich der Frage, ob seine Musik als autonome oder aber als auskomponierte Autobiographie zu verstehen ist – durch eine narrative Herangehensweise und Interpretation kritisch in Frage zu stellen und eine neue Perspektive für die Deutung von Leben und Werk Bergs zu entwickeln.

[3]         Georg Picht, »Wozu braucht die Gesellschaft Musik?«, in: Dt. Musikrat. Referate, Informationen 1972, Nr. 22, S. 35–39.

[2]         Ebd., S. 8f.

[1]         Theodor W. Adorno, Berg. Der Meister des kleinsten Übergangs (= Österreichische Komponisten des XX. Jahrhunderts, Bd. 15), Wien 1968, S. 9.

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Name Institut

Publikationen

Publikation
»Anton Weberns Tagebücher als Medium seiner Persönlichkeitsbildung«
Rösch Nicole (2015), »Anton Weberns Tagebücher als Medium seiner Persönlichkeitsbildung«, in Ahrend Thomas und Schmidt Matthias (ed.), Der junge Webern. Texte und Kontexte, 199-213.
»Im Spannungsfeld von Musik, Erzählung, Biographie und Fiktion – Erzählinstanzen in Alban Bergs ›Lyrischer Suite‹«
Jost-Rösch Nicole (accepted), »Im Spannungsfeld von Musik, Erzählung, Biographie und Fiktion – Erzählinstanzen in Alban Bergs ›Lyrischer Suite‹«, in Feige Daniel Martin und Döhl Frédéric (ed.), Musik und Narration. Philosophische und musikästhetische Perspektiven.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Felder der Zusammenarbeit
Staatliches Institut für Musikforschung, Berlin (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Arnold Schönberg Center, Wien (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Österreichische Nationalbibliothek, Wien (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Nationalbibliothek der Tschechischen Republik, Prag (Europa)
- Forschungsinfrastrukturen
Paul Sacher Stiftung, Basel (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
- Forschungsinfrastrukturen
Literaturarchiv Marbach (Europa)
- Forschungsinfrastrukturen
Universitätsbibliothek Freiburg i. Brsg. (Europa)
- Forschungsinfrastrukturen
Alban Berg Stiftung, Wien (Europa)
- vertiefter/weiterführender Austausch von Ansätzen, Methoden oder Resultaten
Kislak Center for Special Collections, Rare Books and Manuscripts, Van Pelt Library, Philadelphia (Nordamerika)
- Forschungsinfrastrukturen

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Kolloquium: Aktuelle Forschungsfragen Einzelvortrag (Literarische) Rezeption und (Meta-)Narration im Kontext der »Lyrischen Suite« von Alban Berg 06.05.2015 Basel, Schweiz Rösch Nicole
Abschlusstagung »On stage« von Antelope - Karriereprogramm für Doktorandinnen der Uni Basel Einzelvortrag »›Goldchen, wie soll ich Dir alles erzählen?‹ Erzählinstanzen in Alban Bergs Lyrischer Suite« 21.11.2014 Basel, Schweiz Rösch Nicole
Kolloquium: Aktuelle Forschungsfragen Einzelvortrag Erzählinstanzen in Alban Bergs »Lyrischer Suite« 03.09.2014 Basel, Schweiz Rösch Nicole
Antelope - Karriereprogramm für Doktorandinnen der Uni Basel Einzelvortrag Musikalisch-narrative Analyse - Im Grenzbereich der Disziplinen 25.03.2014 Uni Basel, Schweiz Rösch Nicole
Kolloquium: Aktuelle Forschungsfragen Einzelvortrag Zur Methodik musikalische narrativer Analyse 06.03.2013 Musikwissenschaftliches Seminar, Universität Basel, Schweiz Rösch Nicole
Kann Musik erzählen? Narrative Verfahren in der Instrumentaltechnik des 19. und 20. Jahrhunderts Einzelvortrag Alban Berg als musikalischer Erzähler 05.06.2012 Musikwissenschaftliches Seminar, Basel, Schweiz Rösch Nicole


Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
162871 Anton Webern Gesamtausgabe 01.10.2015 Projektförderung (spezial)
143565 Anton Webern: Ausgabe sämtlicher Werke 01.10.2012 Projektförderung (spezial)

Abstract

1. Zusammenfassung des Forschungsplans Alban Bergs Musik zeichnet sich durch einen besonderen »Ton« aus, der durch die immense Formenvielfalt seiner Werke und einen meisterhaften Umgang mit musikalischem Material geprägt ist. Nach Theodor W. Adorno liegt in Bergs Musik und ihrem »Formenreichtum« gar eine »Beredtheit« und »integrale Sprachähnlichkeit« , die der Komponist durch bewusste Planung erzielte, »die vom ganzen Satz bis in den Stellenwert jedes einzelnen Tones reicht und nichts ausläßt«. Erzählen, als eine spezifische Art von Sprachverwendung, gilt als eine grundlegende kognitive Fähigkeit des Menschen, die es ihm erlaubt, sein Wissen und seine Welterfahrung in Kommunikation zu übersetzen. Auch Musik wird als Kommunikation und damit als »konstituierender Faktor zu einer humanen Lebenswelt« verstanden, als eine lebensnotwendige Form menschlichen Ausdrucks und kultureller Manifestation. Naheliegend ist also der Versuch, Verbindungen zwischen Narrativität und Musik herzustellen, die von der Idee ausgehen, dass Erzählen über alle Zeiten und in allen Kulturen existierte und sich medienübergreifend – also auch in der Musik – entfalten kann. Das vorliegende Forschungsvorhaben möchte an dieser Schnittstelle mit einer Grundsatzuntersuchung einsetzen und musikalische Narrativität am Beispiel Alban Bergs und seiner in den Jahren 1923 bis 1935 entstandenen Instrumentalwerke, die potentielle Sprachähnlichkeit seiner Musik und seine Rolle als möglichen musikalischen Erzähler diskutieren. Eine Voraussetzung bilden dabei neben Bergs literarischer Bildung sein Sprachgefühl und sein erzählerisches Talent, die sich beispielsweise in seinen Briefen deutlich manifestieren. Dabei gilt es, in einem ersten Schritt eine spezifisch musikalische und analytische Vorgehensweise zu entwickeln, die es erlaubt, die Besonderheiten von Musik anhand einer narratologischen Analyse genau zu umreissen und nicht – wie häufig bei musikologisch-narratologischen Untersuchungen – literaturwissenschaftliche und strukturalistisch geprägte Methoden per Analogiebildung auf die Musik zu übertragen. In einem zweiten Teil sollen anhand der so entwickelten Methoden Bergs Kammerkonzert für Klavier, Geige und 13 Bläser (1923–25), die Lyrische Suite für Streichquartett (1925/26) und das Violinkonzert (1935) narratologisch analysiert werden, um die Werke neu zu kontextualisieren und ihr spezifisch narratologisches Element zu fassen. Um dies möglichst detailliert zu erreichen und weitere Eigentümlichkeiten des Erzählerischen fest zu machen, soll in einem nächsten Schritt der Blick auf schon vorhandene musikalische Analysen gerichtet werden. Hier geht es darum, zu klären, inwiefern schriftliche Analysen zugleich auch Erzählungen sind, ob und inwiefern der Analytiker zugleich Erzähler ist, und inwiefern narrative Sprachstrategien innerhalb der Texte die öffentliche Wirkung und Interpretationen der Untersuchungen beeinflussen. Ziel der Arbeit ist es, in der Forschung diskutierte Kontroversen zu Berg – beispielsweise hinsichtlich der Frage, ob seine Musik als autonome oder aber als auskomponierte Autobiographie zu verstehen ist – durch eine narrative Herangehensweise und Interpretation kritisch in Frage zu stellen und eine neue Perspektive für die Deutung von Leben und Werk Bergs zu entwickeln. Der Standort Basel bietet dabei durch die gute Fächervernetzung innerhalb des universitären Gefüges optimale Voraussetzungen, um einen interdisziplinären Austausch als Basis einer solchen Arbeit zu ermöglichen und stellt eine ausgezeichnete Vertiefung der Schwerpunktbildung des Musikwissenschaftlichen Instituts zur (insbesondere Wiener) »Moderne« dar. Durch die Nähe zur Paul Sacher Stiftung wird zudem die Einsicht in einige Quellen vor Ort ermöglicht.