Projekt

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Analog/Digital - Die emotionale Wirkung von Filmaufnahmeverfahren auf das Kinopublikum

Titel Englisch Analog vs. Digital - The Emotional Impact of Film Recording Processes on the Audience
Gesuchsteller/in Iseli Christian
Nummer 140401
Förderungsinstrument Projektförderung (Abt. I-III)
Forschungseinrichtung Departement Darstellende Künste und Film Zürcher Hochschule der Künste Zürcher Fachhochschule
Hochschule Zürcher Hochschule der Künste - ZHdK
Hauptdisziplin Theater- und Filmwissenschaften
Beginn/Ende 01.05.2012 - 31.10.2014
Bewilligter Betrag 300'000.00
Alle Daten anzeigen

Alle Disziplinen (3)

Disziplin
Theater- und Filmwissenschaften
Musik und Theater
Psychologie

Keywords (8)

(Tele)Presence; Media Technology; Film Reception; Spectators' Emotions; Cognitive Appraisal; Film Technology; Film Aesthetics; Emotional Processing

Lay Summary (Deutsch)

Lead
Lay summary

Lead

Die Filmbranche erlebt derzeit einen fundamentalen Umbruch: Die über hundertjährige analoge Technik wird durch digitale Verfahren ersetzt. Dabei ist weitgehend unerforscht, ob dieser Wechsel Auswirkung auf die Rezeption hat. Im Rahmen dieses Projekts soll deshalb die Wirkung identischer Filme, die gleichzeitig analog und digital gedreht werden, empirisch untersucht werden.


Hintergrund

Der Übergang der Filmproduktion von analogen zu digitalen Verfahren ist bereits seit längerer Zeit im Gange. Mittlerweile wird auch in der Schweiz die grosse Mehrheit der Filme  – selbst der Kinofilme – digital gedreht. Die technischen und ästhetischen Aspekte dieser Umstellung wurden vor allem innerhalb der Branche von Anfang an ausgiebig diskutiert. Dabei wird das digitale Bild oft als kalt und steril geschrieben, was seine Ursache in dem grundlegenden Unterschied zwischen dem „tanzenden“ Korn der analogen Emulsion und dem starren Raster des digitalen Bildes hat. Es gibt aber keine psychologisch fundierte empirische Untersuchung, die der Frage nachgeht, ob und wie dieser in der Materialität der Medien begründete Unterschied die Rezeption und dabei insbesondere die emotionale Wirkung beeinflusst.


Das Ziel

Das interdisziplinäre Projekt hat zum Ziel, diesen bislang unerforschten Aspekt zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden drei kurze Spielfilme parallel mit digitalen und analogen Kameras produziert. Es entstehen so pro Film zwei Varianten, die sich nur in Bezug auf das Aufnahmeverfahren unterscheiden. In der Postproduktion wird zusätzlich eine weitere Variante erstellt, bei welcher der digitale Film so stark wie möglich an den analogen Look angeglichen wird. Anschliessend wird die Wirkung der unterschiedlichen Filme auf Testzuschauer verglichen. Dabei werden sowohl subjektive Eindrücke (mittels Fragebogen) wie auch objektive physiologische Indikatoren (Hautleitwiderstand, Puls) und Augenbewegungen miteinbezogen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage, inwiefern der Unterschied überhaupt wahrgenommen wird, ob sich die spezifischen Eigenschaften des analogen Bildes bei den Rezipienten in einem veränderten Erleben der Filme niederschlägt und in welchem Umfang sich eine vergleichbare Wirkung allenfalls durch Nachbearbeitung des digitalen Films erreichen lässt.


Bedeutung

Die zentralen Fragen des Projekts sind von grosser Relevanz – gerade auch für die Filmbranche selbst. Vor- und Nachteile digitaler Kameras werden zwar schon lange diskutiert, im Zentrum standen aber stets ästhetische und wirtschaftliche Überlegungen, nicht aber die Wirkung auf das Publikum. Sollte sich zeigen, dass das emotionale Erleben der Zuschauer von den verwendeten technischen Verfahren mitbestimmt wird, dürften dieses Ergebnis künftige Produktionsentscheidungen nachhaltig beeinflussen.    

Direktlink auf Lay Summary Letzte Aktualisierung: 21.02.2013

Verantw. Gesuchsteller/in und weitere Gesuchstellende

Mitarbeitende

Publikationen

Publikation
As Film Goes Byte: The Change From Analog to Digital Film Perception.
Loertscher M. L. Weibel D. Spiegel S. Flueckiger B. Mennel P. Mast F. W. & Iseli C. (2016), As Film Goes Byte: The Change From Analog to Digital Film Perception., in Psychology of Aesthetics, Creativity and the Arts. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Art, 10(4), 458-471.

Zusammenarbeit

Gruppe / Person Land
Formen der Zusammenarbeit
Cinegrell GmbH Schweiz (Europa)
- Industrie/Wirtschaft/weitere anwendungs-orientierte Zusammenarbeit
ARRI - Digital Workflow Solutions / Henning Rädlein Deutschland (Europa)
- Industrie/Wirtschaft/weitere anwendungs-orientierte Zusammenarbeit

Wissenschaftliche Veranstaltungen

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
CineCongress 2016 München Einzelvortrag Analog vs. Digital, The Emotional Impact of Film Recording Processes on the Audience, presentation by Christian Iseli 16.09.2016 München, Deutschland Iseli Christian;
Cinematography Days, Hochschule der Medien Stuttgart Einzelvortrag Analog vs. Digital 03.02.2016 Stuttgart, Deutschland Loertscher Miriam; Birkle Andreas; Iseli Christian;
Mediale Erfahrungen des Fremden, mediale Konstruktionen des Eigenen Vortrag im Rahmen einer Tagung Digitaler Roll-out. Wie die Digitalisierung unsere Wahrnehmung von Filmen verändert. 04.11.2014 Mainz, Deutschland Flückiger Barbara;
CineCongress 2012: The Future of Cinematography Vortrag im Rahmen einer Tagung Analog vs. Digital 24.09.2014 München, Deutschland Iseli Christian;
Interaktion im virtuellen Raum – Raum in der virtuellen Interaktion Vortrag im Rahmen einer Tagung Vom Eintauchen in medial vermittelte Welten 12.12.2013 Zürich, Schweiz Weibel David;
Reel Thing Conference in Los Angeles Vortrag im Rahmen einer Tagung Digital Roll-out 22.08.2013 Los Angeles, Vereinigte Staaten von Amerika Flückiger Barbara;
GEECT Conference Vortrag im Rahmen einer Tagung From Film to Digital 25.02.2013 Paris, Frankreich Birkle Andreas; Mennel Pierre;


Selber organisiert

Titel Datum Ort
Forschungskolloquium Universität Bern: Wahrnehmung, Kognition und Methodenlehre 12.05.2013 Bern, Schweiz
Forschungskolloquium ZHdK 10.01.2013 Zürich, Schweiz

Veranstaltungen zum Wissenstransfer

Aktiver Beitrag

Titel Art des Beitrags Titel des Artikels oder Beitrages Datum Ort Beteiligte Personen
Technisches Symposium ARRI Vortrag 31.01.2013 München, Deutschland
Open House für die Filmbranche (Egli Film Zürich) Vortrag 12.12.2012 Zürich, Schweiz
Digital Stages Vortrag 30.11.2012 Zürich, Schweiz
Internationale Fachmesse für Filmtechnik und Postproduktion CINEC Vortrag 23.09.2012 München, Deutschland
International Broadcasting Convention IBC Vortrag 09.09.2012 Amsterdam, Niederlande


Selber organisiert

Titel Datum Ort
Präsentation an der Filmakademie Baden-Württemberg 02.12.2014 Ludwigsburg, Deutschland
Tage der offenen Tür ZHdK 29.09.2014 Zürich, Schweiz
Analog/Digital: Präsentation beim Berufsverband Kamera BVK, Deutschland 12.10.2013 München, Deutschland
Analog/Digital: Präsentation für die Schweizer Filmbranche 16.03.2013 Zürich, Schweiz

Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Kommunikation Titel Medien Ort Jahr
Medienarbeit: Radio, Fernsehen Analog oder digital: Sehen Sie den Unterschied? SRF (Sendung Einstein - online) Deutschschweiz 2016
Medienarbeit: Radio, Fernsehen Analog oder digital: was gefällt dem Kinopublikum besser? SRF (Sendung Einstein) Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Die digtiale Revolution frisst das Filmerbe Filmbulletin 1.15 International Deutschschweiz 2015
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Lieber keine Pixelschlacht? – Wie das Kino digital wurde NZZ International Deutschschweiz 2014
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Vom leichten Flattern des Bildes auf der Leinwand Horizonte Deutschschweiz 2014
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Das filmische Erlebnis bleibt intakt Ciné-Bulletin Westschweiz Deutschschweiz 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Digitale Erweckung Tagblatt Print & Online Deutschschweiz 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Digitales Kino: Sterben jetzt die Gefühle? Zett Deutschschweiz 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Gleicher Film, aber unterschiedliche Wirkung? 20 Minuten Deutschschweiz 2013
Video/Film The Making of Analog/Digital Deutschschweiz International 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Von der Seele des Bilds und anderen Projektionen UniPress Deutschschweiz 2013
Medienarbeit: Printmedien, Online-Medien Welches Kinobild ist besser? Berner Zeitung Deutschschweiz 2013
Weitere Aktivitäten Webseite: www.filmwissen.ch Deutschschweiz International 2012

Verbundene Projekte

Nummer Titel Start Förderungsinstrument
166416 Actor and Avatar 01.07.2016 Interdisziplinäre Projekte

Abstract

1 ZusammenfassungDer Übergang der Filmproduktion, -distribution und -vorführung von analogen zu digitalen Verfahren ist bereits seit längerer Zeit im Gange. Im Bereich der Filmproduktion haben digitale Formate die analogen bereits weitgehend verdrängt. Auch in der Schweiz wird die grosse Mehrheit der Filme inklusive der Kinospielfilme digital gedreht. Weltweit erfolgt die Postproduktion fast ausschliesslich digital. Hingegen hat die Umstellung der Projektionstechnik in den Schweizer Kinos erst kürzlich im grösseren Umfang eingesetzt. Die technischen und ästhetischen Aspekte dieser Umstellung sind vor allem innerhalb der Branche von Anfang an ausgiebig diskutiert worden. So wird dem digitalen Bild oft eine gewisse Kälte und Sterilität attestiert, die aus dem grundlegenden Unterschied zwischen dem „tanzenden“ Korn der analogen Emulsion und dem starren Raster des digitalen Bildes abgeleitet wird. Es gibt aber keine psychologisch fundierte, interdisziplinär angelegte empirische Untersuchung, die der Frage nachgeht, ob und wie diese in der Materialität der Medien begründete Differenz die Rezeption und insbesondere die emotionale Verarbeitung beeinflusst.In einem Pilotversuch haben sich beim Vergleich digitaler und analoger Aufnahmen bereits signifikante Unterschiede gezeigt, wobei die Probanden den Gesamteindruck und die Bildqualität der analogen Aufnahmen deutlich positiver bewertet haben. Das vorliegende Forschungsprojekt hat zum Ziel, diesen bislang unerforschten Aspekt detailliert und methodisch fundiert zu untersuchen. Zu diesem Zweck sollen in einem interdisziplinären Projekt zunächst drei kurze, jeweils einem klar definierten Genre - Komödie, Horror und Sozialdrama - zugeordnete narrative Filme parallel mit digitalen und analogen Kameras produziert werden. In der Postproduktion soll zusätzlich eine weitere Variante entstehen, bei welcher der digitale Film so stark wie möglich an den analogen Look angeglichen wird. In einem experimentellen Setting wird anschliessend die Wirkung dieser sowohl narrativ als auch technisch unterschiedlichen Filme verglichen. Dabei werden sowohl das subjektive Empfinden mittels Self-Reports bzw. Fragebogen wie auch objektive physiologische Indikatoren (Hautleitwiderstand, Puls) sowie Augenbewegungen als abhängige Variablen miteinbezogen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage, inwiefern der Unterschied überhaupt wahrgenommen wird, ob sich die spezifischen Charakteristika des analogen Bildes bei den Rezipienten in einem veränderten Erleben narrativer Filme niederschlägt und in welchem Umfang sich diese Wirkung allenfalls durch Nachbearbeitung des digitalen Films erreichen lässt. Zudem ist zu prüfen, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Probanden beobachtet werden kann, die mit dem analogen Kino gross geworden und an die traditionellen Abbildungsprozesse gewöhnt sind, und sogenannten Digital Natives, die nach 1980 geboren und somit bereits mehrheitlich mit digitalen Bildern sozialisiert wurden.Die in diesem Projekt zu erforschenden Themen sind nicht nur ausserordentlich aktuell, weil sie einen einschneidenden Medienwandel in statu nascendi erfassen, dokumentieren und systematisch empirisch gestützt untersuchen, sondern sie sind auch von hoher Relevanz. Nicht nur ist der Wissenstransfer zwischen den zumeist getrennt operierenden Bereichen Wissenschaft und Praxis ein notwendiger Schritt, um den medialen Umbruch zu reflektieren und zu steuern, sondern die Fragestellung ist auch von unmittelbarem ökonomischem Interesse. Sollte sich nämlich zeigen, dass das emotionale Erleben der Zuschauer signifikant mit der medialen Materialität korreliert, dürften diese Ergebnisse die Produktionsentscheidungen nachhaltig beeinflussen.
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