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Literatur und Gebet. Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie, privater Andacht und Kunstanspruch

English title Literature and Prayer. Middle High German Texts for the Divine Offices at the Crossroads of Liturgy, Private Devotion, and Artistic Pretensions
Applicant Matter Stefan
Number 139597
Funding scheme Fellowships for advanced researchers
Research institution Institut für Germanistik Universität Bern
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.02.2012 - 30.09.2015
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All Disciplines (3)

Discipline
German and English languages and literature
Religious studies, Theology
Ecclesiastical history

Keywords (9)

devotional literature; prayer books; canonical hours; lay piety; devotio moderna; liturgy; meditation; history of literature; lay mysticism

Lay Summary (German)

Lead
Das lateinische Stundengebet des regulierten Klerus, dessen Texte ab dem hohen Mittelalter im Brevier versammelt wurden, breitete sich schon im 14. Jahrhundert in paraliturgischen Formen in weitere Kreise aus und fand hauptsächlich im Stundenbuch seinen Niederschlag. An diese Tradition schliessen in einer noch nicht näher bekannten Weise die mittelhochdeutschen Tagzeitentexte an. Bei ihnen handelt es sich um Texte unterschiedlichen Umfangs in Vers und Prosa, die nach den Horen des Stundengebetes (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet) in Strophen beziehungsweise Abschnitte gegliedert sind. Die einzelnen Horen werden dabei mit Stationen des Leidensweges Christi, des Mitleidens Mariae oder mit anderen Betrachtungsgegenständen in Beziehung gebracht.
Lay summary

Mein Frageinteresse konzentriert sich zum einen auf eine Zusammenstellung und literaturwissenschaftliche Typologisierung der überlieferten Tagzeitentexte. Interessant scheinen mir die Tagzeitentexte darüber hinaus aber auch deshalb, weil sich an sie Fragen nach ihrem Sitz im Leben, ihrer Stellung in und zu der Liturgie, nach ihrem Verhältnis zum Stundenbuch sowie nach ihrer Bedeutung für spezifische Gruppen wie religiöse Laien, Novizen und Nonnen stellen lassen. Auf diese Weise ergibt sich die Möglichkeit, von einer sehr breit überlieferten Textsorte her in exemplarischer Weise zentrale Aspekte der spätmittelalterlichen Frömmigkeitspraxis zu erschliessen und zu untersuchen. In den Blick geraten dabei vor allem verschiedene Formen der textgestützten, privaten Andacht während oder neben der Liturgie.

Es lassen sich damit beim derzeitigen Stand der Forschung drei Ziele der Arbeit formulieren: Einerseits soll auf eine genauere Kenntnis der deutschsprachigen Andachtsliteratur aus der noch kaum überblickbaren Masse von Andachts- und Gebetbüchern selbst hingearbeitet werden, indem eine klar abgrenzbare Gruppe von einschlägigen Texten systematisiert und der weiteren Forschung zugänglich gemacht wird. Andererseits geht es um eine literaturgeschichtliche Einordnung der zu diesem Zweck exemplarisch untersuchten Tagzeitentexte in Vers und Prosa. Eine dritte Zielsetzung greift über die literaturwissenschaftlichen Fachgrenzen hinaus und will in interdisziplinärer Weise – unter Heranziehung von Erkenntnissen namentlich der Geschichts- und Liturgiewissenschaft, aber auch weiterer theologischer Disziplinen und der Kunstgeschichte – mögliche Gebrauchszusammenhänge für Tagzeitentexte und verwandte Texte erschliessen.

Direct link to Lay Summary Last update: 30.06.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Ein Theologe interpretiert profane Wandmalereien. Heinrichs von Langenstein 'Epistola de contemptu mundi' an Graf Johann von Eberstein
Matter Stefan (2015), Ein Theologe interpretiert profane Wandmalereien. Heinrichs von Langenstein 'Epistola de contemptu mundi' an Graf Johann von Eberstein, in Oxford German Studies, 44, 325-351.
Die Vermittlung theologischen Wissens im Umfeld von Stephan Fridolins 'Schatzbehalter'. Zugleich ein Beitrag zur Rezeption des Traktats 'Ars et modus contemplativae vitae'
Matter Stefan (2014), Die Vermittlung theologischen Wissens im Umfeld von Stephan Fridolins 'Schatzbehalter'. Zugleich ein Beitrag zur Rezeption des Traktats 'Ars et modus contemplativae vitae', in Eckart Conrad Lutz Vera Jerjen und Christine Putzo (ed.), Reichert, Wiesbaden, 209-240.
Das Stundenlied 'Patris sapientia' und seine deutschsprachigen Übertragungen. Zu einem Schlüsseltext der spätmittelalterlichen Gebetbuchliteratur
Matter Stefan, Das Stundenlied 'Patris sapientia' und seine deutschsprachigen Übertragungen. Zu einem Schlüsseltext der spätmittelalterlichen Gebetbuchliteratur, in Holznagel Franz-Josef (ed.), Erich Schmidt Verlag, Berlin, 501-517.
Die Armenbibel im Stundenbuch. Zu einer bedeutsamen Eigenheit des frühen Stundenbuch-Druckes in Frankreich
Matter Stefan, Die Armenbibel im Stundenbuch. Zu einer bedeutsamen Eigenheit des frühen Stundenbuch-Druckes in Frankreich, in Oxford German Studies, 46.
Die Tagzeiten von den Marienfesten im Cgm 4697
Stefan Matter, Die Tagzeiten von den Marienfesten im Cgm 4697, in Andreas Krass Eva Rothenberger und Lydia Wegener (ed.), [noch offen], [noch offen].
Image, text, and the sisters’ minds – Franciscan tertiaries rewriting Stephan Fridolin’s 'Schatzbehalter'
Matter Stefan, Breitenbach Almut, Image, text, and the sisters’ minds – Franciscan tertiaries rewriting Stephan Fridolin’s 'Schatzbehalter', in Virginia Blanton Veronica O'Mara and Patricia Stoop (ed.), Brepols, Turnhout.
Jeffrey F. Hamburger und Nigel F. Palmer, The Prayer Book of Ursula Begerin
Matter Stefan, Jeffrey F. Hamburger und Nigel F. Palmer, The Prayer Book of Ursula Begerin, in Mittellateinisches Jahrbuch, 51.
Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie und Privatandacht. Zu Formen des Laienstundengebetes im deutschsprachigen Mittelalter
Matter Stefan, Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie und Privatandacht. Zu Formen des Laienstundengebetes im deutschsprachigen Mittelalter, in Nicola McLelland Henrike Lähnemann und Nine Miedema (ed.), Francke, Tübingen.
Psalterium brevissimum. Die 'Acht Verse St. Bernhards'
Matter Stefan, Psalterium brevissimum. Die 'Acht Verse St. Bernhards', in Kundert Ursula (ed.), Hirzel, Stuttgart.
Transkulturelle Gärten. Zu den frühen Ausgaben des 'Hortulus animae', des 'Seelengärtleins' und des 'Wurtzgartens'
Matter Stefan, Transkulturelle Gärten. Zu den frühen Ausgaben des 'Hortulus animae', des 'Seelengärtleins' und des 'Wurtzgartens', in Laura Auteri und Ursula Peters (ed.), [noch offen], [noch offen].

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Graduiertenkolleg 1662, Religiöses Wissen im vormodernen Europa, Prof. Klaus Ridder Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Berliner Repertorium deutscher Hymnen und Sequenzen, Prof. Dr. Andreas Krass Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Bern, MHV-Projekt von Kathrin Chlench-Priber Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
'Mediengeschichte der Psalmen', PD Dr. Ursula Kundert Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
German Manuscripts and Prints in Oxford Talk given at a conference Die Armenbibel im Stundenbuch. On Bodleian, Bod-Inc H-165 29.10.2016 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Matter Stefan;
Maria in Hymnus und Sequenz. Interdisziplinäre mediävistische Perspektiven Talk given at a conference Die Tagzeiten von den sieben Marienfesten 27.07.2015 Berlin, Germany Matter Stefan;
ZeitenWelten. Abschlusstagung Talk given at a conference Kommentar zum Beitrag von Eva-Maria Butz: Zeitkonzepte in den frümittelalterlichen libri memoriales 16.04.2015 Essen, Germany Matter Stefan;
Generalversammlung der Görres-Gesellschaft Talk given at a conference Heinrichs von Langenstein 'Epistola de contemptu mundi' an Graf Johannes von Eberstein 27.09.2014 Freiburg/Schweiz, Switzerland Matter Stefan;
Tagung der Wolfram von Eschenbach-Gesellschaft: Die Kunst der brevitas Talk given at a conference Das Stundenlied 'Patris sapientia' und seine deutschsprachigen Übertragungen. Zu einemSchlüsseltext der spätmittelalterlichen Gebetbuchliteratur 18.09.2014 Rostock, Germany Matter Stefan;
Workshop 'Literatur in Nürnberg' Talk given at a conference Zur Vorgeschichte und Entstehung des 'Schatzbehalters' 23.07.2014 Göttingen, Germany Matter Stefan;
Oberseminar Altgermanistik Stuttgart (Manuel Braun) Individual talk Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie und Privatandacht 30.04.2014 Stuttgart, Germany Matter Stefan;
Oberseminar Geschichtliche Landeskunde (Hirbodian) Individual talk Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie und Privatandacht 21.01.2014 Tübingen, Germany Matter Stefan;
Oberseminar Altgermanistik (Ridder/Gerok-Reiter) Individual talk Stephan Fridolin und die Vermittlung theologischen Wissens in Text und Bild im späten Mittelalter. Franziskaner-Tertiarinnen bearbeiten Stephan Fridolins 'Schatzbehalter' 17.09.2013 Tübingen, Germany Matter Stefan;
Lehren, Lernen und Bilden, XXIII. Anglo-German Colloquium Talk given at a conference Mittelhochdeutsche Tagzeitentexte im Spannungsfeld von Liturgie und Privatandacht. Zu Formen des Laienstundengebetes im deutschsprachigen Mittelalter 04.09.2013 Nottingham, Great Britain and Northern Ireland Matter Stefan;


Self-organised

Title Date Place

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved


Awards

Title Year
Gastprofessor an der Universität Wien 2014
GLITEMA (German Literature in the European Middle Ages) Visiting Scholarship 2012/2013 2013
Temporary Member of the SCR, St Edmund Hall, Oxford 2012

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
173110 Deutschsprachige Gebetbuchliteratur des Mittelalters. Untersuchungen zu ihrer Überlieferung, Form und Funktion 01.06.2017 Project funding (Div. I-III)

Abstract

The Latin prayers for the canonical hours of the regular clergy, the texts for which were collated in the High Middle Ages in the breviary, circulated more widely by the fourteenth century in paraliturgical forms, and found resonance chiefly in the Book of Hours. The Middle High German texts for the divine offices are connected to this tradition, but the exact nature of that connection is as yet unknown. These texts are of varying length, are in verse and in prose, and are divided into sections or strophes respectively according to the canonical hours (matins, lauds, prime, terce, sext, nones, vespers, and compline). In this process the individual hours are associated either with the Stations of the Cross and of the Compassion of Mary, or with other objects of contemplation.My approach concentrates first on the generation of a collection and a literary-critical typology of the extant texts for the canonical hours. These texts appear to me, however, to have further, broader significance, because they can form the focus of questions concerning their context (their ‘Sitz im Leben’), their position within and in relation to the liturgy, their relationship with the Book of Hours, and their importance for specific social groups, like devout laity, novices, and nuns. In this way it is possible to proceed from a very widely-transmitted textual genre in the manner of a case-study to access and examine central aspects of the practice of piety in the later Middle Ages. Above all, different forms of private, text-based devotional activity during or alongside the liturgy come into focus in this way.Three aims of the project can thus be formulated from the present state of the scholarship. The first works towards a more precise knowledge of the German-language devotional literature amongst the scarcely manageable mass of devotional works and prayerbooks, by systematizing a clearly-definable group of central texts, and making that group accessible to subsequent research. The second concerns the location of these texts for the divine offices, in verse and in prose, which are to be examined as case-studies for this purpose, in literary-historical terms. The third aim looks beyond the boundaries of literary criticism and seeks to draw upon the insights of historical and liturgical scholarship - and beyond that, of other theological disciplines and of art history - to understand the possible contexts of the actual use of texts for the divine offices and of related works.
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